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„Gott wallt's“ und „Pace e Bene“

Eindrücke von der Assisi-Fahrt 2017
„Gott wallt's“ und „Pace e Bene“
„Gott wallt's“ und „Pace e Bene“

Am 7. Oktober brach wieder eine Reisegruppe zur traditionsreichen Assisi-Wallfahrt auf und verbrachte wunderbare Tage in Umbrien und der Schweiz.

Pünktlich um acht Uhr morgens ging es los, nach einem Reisesegen und einem kräftigen „Gott walt's“ von Hans Josef Wüst, der die Assisi-Fahrt 1988 ins Leben gerufen hat.  Nicht wenige der 44 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren schon zum wiederholten Mal dabei, aber immer wieder stoßen auch neue Leute dazu. So durfte auch ich in diesem Jahr zum ersten Mal erleben, was diese Reise so besonders macht.

Schon im Bus herrschte eine gute Atmosphäre, man kam ins Gespräch über dies und das, und es gab einige gute Impulse für die nächsten Tage. Bei herrlichem Nachmittagswetter erreichten wir unseren Zwischenhalt im Flüeli. Die Reisegemeinde füllte die kleine Kapelle am Ranft, wo einst der Einsiedler und Schweizer Nationalheilige Bruder Klaus von Flüe 20 Jahre in Abgeschiedenheit lebte. Hier brachten alle die Dinge, die ihnen auf der Seele liegen und unter den Nägeln brennen, ins Gebet. „Es wird nichts unter den Teppich gekehrt“ so der Anspruch. Aber es durfte ruhen, immer symbolhaft anwesend als Bündel im Rucksack von Pfarrer Wüst – eine eindrucksvolle Geste.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Assisi, wo wir von den Schwedischen Schwestern freundlich empfangen wurden. Auch hier in Umbrien blieb uns das gute Wetter erhalten, wenn die Gruppe singend, betend, oft laut lachend und manchmal schweigend durch die wunderbare Landschaft und die mittelalterlichen Städtchen wanderte. In Assisi erhielten wir eine geistreiche Führung vom pfälzischen Franziskaner Bruder Thomas, der uns die Architektur der monumentalen Basilika von San Franceso mit ihren Fresken näherbrachte. In Gubbio staunten wir über die Ceri, drei je dreihundert Kilo schwere Holzstelen, die die Bewohnerinnen und Bewohner alljährlich in einer irrwitzigen Prozession zu Ehren ihres Stadtheiligen Ubaldo den Berg hinauf schleppen. Auf dem Berg La Verna feierten wir unter kathedralenartigen Laubbäumen einen bewegenden Gottesdienst, dessen schlichte Ernsthaftigkeit ich sobald nicht vergessen werde. Wir wanderten zur Einsiedelei von Carceri hinauf, von wo aus einige den Monte Subasio, den Hausberg Assisis, bestiegen. Auf dem Gipfel bot sich ein herrlicher Ausblick auf die umbrische Hochebene, und das Wetter erlaubte ein ausgedehntes Picknick. Nach dem Abstieg hatten wir uns eine kleine Stärkung im legendären „Grappa-Eck“ verdient. Der letzte Tag wurde zu einem einzigen Gottesdienst: Von Rivotorto über das von der barocken Kirche Santa Maria degli Angeli überbaute ur-franziskanische Portiuncula-Kirchlein führte der Weg durch die Ebene nach San Masseo und San Damiano, wo die heilige Klara lebte und wirkte. Sein Ende fand der Gottesdienst erst nach Einbruch der Dunkelheit unter dem umbrischen Sternenhimmel im Olivenhain. So kann es gehen, die Sache mit dem Christsein: Jüngere und Ältere, evangelisch, katholisch, Männer und Frauen gemeinsam unterwegs als companheiros, als Menschen, die miteinander das Brot brechen.

Auf der Rückfahrt noch einmal Halt über Nacht im Flüeli. Anlass zum Dank gab es beim Dankgottesdienst am nächsten Morgen reichlich nach den wunderbaren Tagen, die gefüllt waren mit vielen großen und kleinen Erlebnissen, Gesprächen und Begegnungen. Dank auch für die hervorragende Planung und Organisation der Fahrt durch Monika Stanossek, Ursula Sauter und Hans Josef Wüst. Und Dank nicht zuletzt an unseren Busfahrer Udo Zuth, der uns nicht nur sicher und gelassen an unser Ziel brachte, sondern auch am Leben der Gruppe teilhatte.

Lang und herzlich war der Abschied in Frankfurt. Und lange werde ich noch von den Eindrücken dieser Reise zehren. Im Gedächtnis wird mir sicher auch ein Wort des heiligen Franziskus bleiben, das vielleicht so etwas wie das ungeschriebene Motto des „Assisi-Projekts“ von Maria Hilf ist: „Verkündet das Evangelium, wenn nötig auch mit Worten“.

Matthias Lehnert
PGR Maria Hilf