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Das Wochenwort

Das Wochenwort
Das Wochenwort
© Katholisch im Gallus
© Bild von S.Hermann & F.Richter auf Pixabay

Liebe Leserinnen und Leser unserer Homepage!

Seit fast anderthalb Jahre haben Sie auf unseren Homepages regelmäßig ein Wort von einer / einem unserer Seelsorgerinnen oder Seelsorger aus dem Pastoralen Raum lesen können. Immerhin sind so 85 Beiträge zu einem Kirchentagebuch und 60 Beiträge als Wochenwort zu lesen gewesen.

Wir haben diese Beiträge auch als ein Zeichen der Verbindung und der geistlichen Begleitung in einer schwierigen Zeit während der Pandemie gesehen. Jetzt aber zeichnet sich ab: Es werden – gottseidank – wieder mehr und mehr Veranstaltung im „echten“ Raum stattfinden. Deswegen haben wir im Seelsorgeteam unseres Pastoralen Raums beschlossen, vorerst mit dem „Wochenwort“ zu pausieren und dann im Herbst zu überlegen, ob es wieder ein ähnliches gemeinsames Format für unseren Pastoralen Raum geben kann.

An dieser Stelle sei allen Autorinnen und Autoren ein herzliches Dankeschön für Ihre Beiträge gesagt; ganz besonders aber auch denjenigen, die Tag für Tag und dann Woche für Woche die Beiträge auf die drei Homepages unserer Pfarreien gesetzt haben.

 

Rolf Müller, Pastoralreferent

Zum Nachlesen bitte das Bild anklicken

Liebe Leseinnen und Leser unseres Kirchentagebuchs,

Mit dem heutigen Tag, Fronleichnam, geht unser tägliches Kirchentagebuch zu Ende. Ganze 85 (!) Kirchenbucheinträge sind es seit dem 15. März geworden. Keine(r) von uns Schreibenden hätte jemals am 19. März gedacht, dass diese Form der Kommunikation so lange bestehen bleibt – genauso wie niemand hatte voraussagen können, wie lange der Zustand des sehr eingeschränkten Lebens in unseren Gemeinden dauern könnte.

Die Kirchentagebucheinträge – die uns alle zum Nachlesen auf den Homepages erhalten bleiben – sind wie eine kleine Chronik dieser außergewöhnlichen Zeit. Und das, obwohl sie so verschieden sind wie diejenigen, die sie geschrieben haben. Da gab es viel Ermutigendes, Nachdenkliches, viele Zeitansagen und Diskussionsbeiträge zur aktuellen Lage, „heiße“ Themen zu Sachen, die uns als Kirche unter den Nägeln brennen und dabei immer ganz viel Geistliches. Vom Kirchenlied bis zum Songtext, vom Gebet bis zum Gedicht, von der Meditation bis zur Betrachtung eines Sonntagsevangeliums waren ganz verschiedene Textarten mit dabei. Unser Kirchentagebuch ist ein kleiner Schatz geworden, den wir bewahren wollen.

Seit einigen Wochen nun schon feiern wir jetzt wieder Gottesdienste, wir beginnen wieder mit den Sitzungen unserer Gremien und versuchen, uns auch wieder mit möglichst vielen Menschen und Gruppen „in echt“ zu treffen. Wir hoffen alle sehr, dass sich mehr und mehr eine „neue Normalität“ im kirchlichen Leben bei uns einstellt. Und so ändert sich auch das „Kirchentagebuch“. Aus einem Wort zum Tag wird jetzt ein Wort zur Woche; es nennt sich „Das Wochenwort“. Genau wie beim Kirchentagebuch kann es beim Wochenwort auch um etwas Besinnliches, Nachdenkliches oder Aktuelles gehen. Erscheinen soll es jeden Sonntag auf unseren Homepages.

Das Ende des Kirchentagebuches und der Beginn des „Wochenwortes“ ist auch eine gute Gelegenheit, „Danke“ zu sagen: An alle Webmaster, die Tag für Tag die Texte auf die Seiten eingestellt haben, manchmal auch mitten in der Nacht. Danke an alle Schreiberinnen und Schreiber der Kommentare zu den Einträgen auf der Homepage von Mariä Himmelfahrt – da waren viele gute Anregungen dabei. Und natürlich an alle Verfasserinnen und Verfasser der Tagebucheinträge selbst!

Rolf Müller, Pastoralreferent

Junge Leute nicht vergessen

In der ersten Sommerferienwoche war richtig etwas los rund um die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und das Josefshaus in Griesheim: Es waren Ferienspiele. Viele Kinder und Teamer hatten viel Spaß bei Spielen, Sport, Kreativem Tun, Ausflügen und Gottesdienst. Es war sehr schön für mich, so viele fröhliche Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu erleben, die allesamt „gut drauf“ waren.

Denn in den letzten Monaten habe ich auch anderes erleben müssen. So zum Beispiel in der Zeugniskonferenz an meiner Schule vor den Sommerferien. Dort sagte eine Kollegin das, was alle ahnten: Noch nie habe es so viele Kinder an der Schule gegeben, die psychisch betreut werden mussten. Diese Pandemie hat viele Schülerinnen und Schüler hart getroffen. Gerade in einer Lebensphase, in der es man viele Leute kennenlernt und Gemeinschaft braucht. Ich kenne einen Studenten, der trotz einem Jahr Studium seine Kommilitonen noch nicht kennen gelernt hat. Da ist eine Jugendliche, die, um ihre alte und kranke Großmutter zu schützen, ein Jahr lang fast keinen Schritt vor die Haustüre gemacht hat. Ich könnte diese Beispiele fortführen. Trotz aller berechtigten Berichte von ausufernden Partys und illegalen Treffen bin ich der Meinung: Die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen haben sich zum größten Teil sehr verantwortungsvoll durch die Krise bewegt.

Umso wichtiger ist es, dass wir als Kirchengemeinden, sei es als Verantwortungsträgerinnenn – und Träger oder als Gläubige, Kinder und Jugendliche nicht aus dem Blick verlieren. Die Gefahr dafür ist groß. Ich habe das selbst erfahren müssen: Anderthalbjahre Kontaktbeschränkungen und Versammlungsverbote sind bei Kindern und Jugendlichen eine halbe Ewigkeit. Bei manchen Formaten habe ich die Sorge, dass da in dieser Zeit „der Faden gerissen ist.“ Hier gilt es, behutsam neue Fäden zu spinnen. Das heißt für mich zunächst: Ein offenes Ohr zu haben für die Erfahrungen, die Kinder und Jugendliche in der letzten Zeit gemacht haben. Und dann: Behutsam alte Fäden neu aufzunehmen und neue zu spinnen. Ich hoffe sehr, dass uns das gelingt.

Die Ferienspiele in Griesheim, aber auch die in Nied und die Zeltlager der Gallusgemeinden (toll, dass Ihr fahrt!) sind erste Schritte dahin. Ein herzliches „Danke“ sei denen gesagt, die sich für diese Aktionen mit Herz und Verstand engagieren!

Vor einiger Zeit las ich ein Zitat des Schriftstellers Ödon von Horvath, das mich sehr angesprochen hat:

„Ich hab mal Gott gefragt, was er mit mir vorhat. – Er hat es mir aber nicht gesagt, sonst wär ich nämlich nicht mehr da. – Er hat mir überhaupt nichts gesagt. – Er hat mich überraschen wollen.“

Die Ausgangsfrage finde ich sehr nachvollziehbar, manchmal möchte man / frau doch gern wissen, wo es für einen selbst wohl langgeht. Was hat Gott vor mit mir? Wir machen dabei dieselbe Erfahrung wie Ödon von Horvath, Gott sagt es nicht! Es ist unsere Aufgabe, das zu entdecken. Und manchmal kommt dann durchaus auch der Gedanke, ‚hätte ich das vorher gewusst, ich hätte es nicht getan, nicht diese Entscheidung getroffen, nicht diesen Weg eingeschlagen …‘ Oft ist es sehr gut, dass wir nicht wissen, was auf uns zu kommt, sondern überrascht werden. Nicht immer nur positiv, manchmal braucht es lange um einen Sinn in dem zu erkennen, was einem widerfährt.

Ab und zu aber ist das, was auf uns zu kommt eine wunderbare Überraschung, für die man / frau nur dankbar sein kann: Menschen, die uns begegnen, ein Ereignis, unerwartete, glückliche Stunden, ein Buch, das uns findet, Urlaubstage, die Leib und Seele gut tun …

In den kommenden Wochen der Ferien wünsche ich Ihnen die ein oder andere Herz erfüllende Überraschung!

Am heutigen Sonntag hören wir von der Aussendung der Zwölf Apostel. Jesus sendet Jünger aus, mit der Vollmacht zu heilen. Eigentlich möchte er allen Gutes tun und allen die frohe Botschaft von der besseren Gotteswelt verkünden lassen. Und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. Wie wollen wir als Kirche heute damit umgehen?

Dazu biete ich Ihnen folgende Meditation an:

Was macht die Kirche aus?

Die Freude an Gott, nicht an der Macht – macht die Kirche aus. Deswegen glaube ich an die Zukunft der Kirche,

weil es auch unter Frauen und Männer gibt, die ihre Stimme erheben um der Wahrheit willen,

Veränderung fordern um der Gerechtigkeit willen, sich für das Leben einsetzen und so gegen den Tod protestieren.

Die Freude an Gott, nicht an der Macht – macht die Kirche aus. Deswegen glaube ich na die Zukunft der Kirche,

weil es auch unter uns Frauen und Männer gibt, die teilen, helfen, heilen,

und damit Hoffnung stiften und zeigen, dass man mit Vertrauen weiter kommt als mit Geld und Macht

und Vorräten und einem zweiten Paar Schuhe.

(Roland Breitenbach)

Gott segne euch, dass ihr seinen Willen vom Willen der Menschen unterscheiden könnt.

Gastfreundschaft

In der Enzyklika „Fratelli tutti“ formuliert Papst Franziskus eine Reihe bedenkenswerter Gedanken zur universellen Geschwisterlichkeit und zur sozialen Freundschaft.

Einer davon heißt: „Eine offene Welt denken und schaffen“. Es ist das ganze lesenswerte dritte Kapitel (FT 87-127). Unter der Nummer 90 setzt er sich als ein Mittel zu einer offenen Welt mit der Gastfreundschaft auseinander.

„Es ist kein Zufall, dass viele kleine Bevölkerungsgruppen, die in Wüstengebieten überlebt haben, eine großzügige Willkommenskultur für durchreisende Fremde entwickelt haben und damit ein beispielhaftes Zeichen für die heilige Pflicht der Gastfreundschaft setzen. Diese Praxis pflegten auch die mittelalterlichen Klostergemeinschaften, wie man an der Regel des Heiligen Benedikt ablesen kann. Obwohl das die Ordnung und das Schweigen in den Klöstern stören konnte, forderte Benedikt, dass die Armen und die Fremden „mit Eifer und Sorge“ aufgenommen werden sollten. Gastfreundschaft ist ein konkreter Weg, auf diese Herausforderung und dieses Geschenk nicht zu verzichten, die eine Begegnung mit Menschen darstellt, die nicht dem eigenen Umfeld angehören. Diese gastfreundlichen Menschen erkannten, dass alle Werte, die sie pflegten, notwendig mit dieser Fähigkeit einhergingen, sich durch eine Offenheit anderen gegenüber selbst zu transzendieren.“ (FT 90).

Mit diesen Wüstenvölkern haben unsere Gemeinden gemeinsam, wahrscheinlich auch gerade nach der Pandemie, dass sie kleine Gruppen sein und auf lange Zeit bleiben werden. Werden wir mit ihnen auch die Praxis der Gastfreundschaft gemeinsam haben? Werden wir durch Offenheit anderen gegenüber, immer wieder unseren eigenen Kreis aufsprengen und uns bereichern lassen von Menschen, die nicht unserem Umfeld angehören? Ich wünsche es uns sehr.

Liebe Leserin, lieber Leser,

meine letzte Woche und auch die kommende Woche sind geprägt von Vorbereitungen auf die Erstkommunion von knapp 40 Kindern.

Dieses Wochenende fanden zwei Kommunionkindertage in Nied und im Gallus statt, nächstes Wochenende feiern wir zwei Erstkommunionfeiern in Maria Hilf. Die Kommunionkinder aus Nied gehen im September zur Erstkommunion.

In Nied fand am Wochenende die Vorbereitung auf die Erstbeichte statt – die Kinder gehen am Sonntag und Montag zum ersten Mal beichten. Erinnern Sie sich noch an Ihre Erstbeichte? Gehen Sie heutzutage noch zur Beichte? Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Sakrament gemacht? Spüren Sie darin die Barmherzigkeit und grenzenlose Liebe Gottes?

In Maria Hilf geht es am Sonntag um die Eucharistie – den Leib Christi. Jesus schenkst sich uns in diesem kleinen Stück Brot, der gewandelten Hostie – dem Leib Christi.

Er stärkt uns darin für unser Leben, gibt uns Kraft und schenkt uns seine Nähe.

Corona-bedingt gab es in diesem Jahr leider kein gemeinsames Wochenende – dennoch haben wir eine tolle Gemeinschaft erfahren: untereinander aber auch in den gemeinsamen Gottesdiensten, die sich mit den Familien der Kinder an die Vorbereitungstage angeschlossen haben.

Ich wünsche den Kindern und Ihren Familien, dass sie sich weiterhin von Jesus anstecken und begeistern lassen, mit Freude ihren Glauben leben und teilen.

Ich danke allen Kindern, Familien, KatechetInnen für die tolle Zeit der Vorbereitung.

Es gab Corona-bedingt viele Einschränkungen und Regeln – dennoch haben wir einen guten Weg gefunden und was bleibt – sind tolle Erinnerungen an eine wunderschöne Zeit der Vorbereitung.

Ich lade Sie ein, die Kinder und ihre Familien in den nächsten Tagen mit ins Gebet zu nehmen, Ihre eigenen Erinnerungen an die Erstkommunion wach werden zu lassen, in Fotobüchern nach Fotos von diesem Tag zu suchen und sich mit Freunden, in der Familie darüber auszutauschen.

 

Bleiben Sie gesund.

Herzliche Grüße

Gestern wurde dem Publizisten Wolfgang Kessler der „Walter Dirks Preis 2021“ verliehen, der im Gedenken an Walter Dirks gestiftet wurde.

Walter Dirks wurde 1901 in Hörde Westfalen geboren. Er war Publizist und von 1924-34 Kulturschriftleiter der von Friedrich Dessauer herausgegebenen linkskatholischen „Rhein-Mainischen Volkszeitung“. Von 1935-45 arbeitete er für das Feuilleton der „Frankfurter Zeitung“ und gründete 1946 mit Eugen Kogon (Hauptwerk „der SS-Staat“) die „Frankfurter Hefte“. Von 1956-67 war er Leiter der Hauptabteilung Kultur beim WDR. Dirks war Mitbegründer des „Hauses der Volksarbeit“ hier in Frankfurt. Bis ins hohe Alter engagierte er sich in zahlreichen sozialen und kirchlichen Fragen, so auch als Friedensaktivist. Walter Dirks starb am 30. Mai 1991 in Wittnau.

„Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen! Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Die Leuchte des Leibes ist das Auge. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Leib hell sein. Wenn aber dein Auge krank ist, dann wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß muss dann die Finsternis sein! Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon dienen!

Predigt zur Verleihung des Walter-Dirks-Preises am 16. 06. 2021

 „Ganz schön naiv dieser Jesus oder nicht? Ist er nicht den alten Weisheitslehrern auf den Leim gegangen, mit ihrer Kritik am Geld, am Vermögen am Besitz? „Keine Schätze hier, besser einen Schatz im Himmel!“ Und ist dies nicht eine falsche Alternative: „Gott oder der Mammon“? Was hat er da seiner Kirche für ein Erbe hinterlassen, die seitdem falsch orientiert ist und vom einen Straßengraben in den anderen fällt, vom Zinsverbot auf der einen Seite bis zum Skandal um die Banca Ambrosiana und Erzbischof Marcinkus oder auch den jüngsten Finanzskandal um den Peterspfennig im Vatikan auf der anderen Seite? Kirche auf Schlingerkurs zwischen weltfremdem Rigorismus und dilettantischem Pragmatismus.

Und wirkt das Ganze heute nicht ohnehin wie aus der Zeit gefallen? Eigentum ist doch ein Grundrecht oder nicht? Was soll da der Gegensatz zwischen den Schätzen auf Erden und denen im Himmel? Ist es nicht zuerst die Aufgabe der Menschen ihr Leben auf Erden zu organisieren, indem sie die Mittel dazu sicherstellen, anstatt ausschließlich ihr Jenseits zu organisieren? Wie schreibt Heinrich Heine im „Wintermärchen“: „Den Himmel überlassen wir dann den Engeln und den Spatzen““

Wer so fragt, denkt allerdings wenig dialektisch!

Das Himmelreich, von dem Jesus spricht, hat zwar im Jenseits seinen Fluchtpunkt, insofern es seine endgültige Gestalt hier auf Erden nie erreichen wird; es fängt aber sehr wohl hier auf Erden, hier im Diesseits, an! Als Reich des Friedens und der Gerechtigkeit! Als Reich der Liebe! Und offensichtlich gibt es zwischen diesem „Reich der Himmel“, wie es Matthäus nennt und dem Mammon, zwischen den Schätzen auf Erden und den Schätzen im Himmel, eine unaufhebbare Spannung, ja etwas Unversöhnliches.

„Nun“, wird der Einsichtige sagen, „es gibt natürlich die menschliche Schwäche, es gibt den Geiz und den Betrug als menschliche Fehlleistungen, als Laster. Wirecard! Es gibt den Fetischcharakter des Mammons, dem der Besitzer verfällt, so dass der Mammon am Ende seinen Besitzer besitzt. Der Besitz besitzt den Besitzer! Da ist etwas Wahres dran! Davor muss gewarnt werden. Dagegen müssen Vorkehrungen getroffen werden! Nicht noch einmal „wirecard!“- So wird jedoch das Problem auf menschliche Fehleistungen und kriminelle Energie reduziert, denen es freilich durch Gesetze und effizientere Kontrolle zu begegnen gilt!

Der Gegensatz ist aber umfassender! Er ist ein systemischer Gegensatz, der nicht auf individuelles Handeln reduziert werden kann! Papst Franziskus hat es in „Evangelii gaudium“ provokativ auf den Punkt gebracht: „Diese Wirtschaft tötet!“ (EG 53). Dafür ist er von konservativen Publizisten und Ökonomen hart gescholten worden. Dabei hat er, nach meiner Überzeugung, kein Verdikt über die Marktwirtschaft an sich gesprochen, vielmehr die Frage der Marktmacht und der entfesselten Märkte aufgeworfen – mit deren fatalen Folgen, die er aufzeigt und die nicht von der Hand zu weisen sind. Der Papst fast sie unter dem Stichwort „System der Ausschließung“ zusammen. Und in seiner Enzyklika „Laudato si“ zeigt er ebenso die Folgen für die bedrohte Schöpfung auf. Hier zeigt sich, was der Mammon anrichten kann!

Eigentum ein Grundrecht? Das Grundgesetz sagt: „Eigentum verpflichtet!“ Und der Papst sagt dazu in seiner Enzyklika „fratelli tutti“: „In diesem Zusammenhang erinnere ich daran, dass die christliche Tradition das Recht auf Privatbesitz niemals als absolut und unveräußerlich anerkannt und die soziale Funktion jeder Form von Privatbesitz betont hat.  Und auf Johannes Paul II. verweisend fährt er fort: „Das Prinzip der gemeinsamen Nutznießung der für alle geschaffenen Güter ist das Grundprinzip der ganzen sozialethischen Ordnung. Dabei würdigt er durchaus das Unternehmertum: „Die Unternehmertätigkeit ist in der Tat eine edle Berufung, die darauf ausgerichtet ist, Wohlstand zu erzeugen und die Welt für alle zu verbessern.“

So gesehen kommt es also auf die Kunst an, „den Kapitalismus zu verändern.“ Als Leitbild dient dem Papst übrigens dabei die Erzählung vom Barmherzigen Samariter, die die Konturen eine Kultur der Liebe aufzeigt, die sich davon leiten lässt, dem Anderen ein Nächster zu werden. Damit ist er Walter Dirks sehr nahe, den dieser Text ebenso ein Leben lang beschäftigt hat und der fragt: „Was ist die Hilfe wert, wenn nicht zugleich auch die Ursache der Gefahr, die Ursache der Not, beseitigt wird? Was wird getan, um den Weg sicher zu machen vor künftiger Räuberei?

Und denken wir die Menschen die heute unter die Räuber fallen. Wir müssen die Linien des Gleichnisses ausziehen, wenn Hilfe keine bloße Idylle bleiben soll.“

Das zu tun, ist die Kunst! Und damit schließt sich der Kreis! Amen!                                                                           

© Pixabay

Weiterhin ist vieles unklar in unserem Leben – 1 Jahr Wochenwort

Am 14. Juni 2020 erschien auf den Webseiten unserer Pfarreien das erste Wochenwort. Damals haben wir nicht gedacht, dass wir ein Jahr später noch immer zu kämpfen haben.

Vieles ist schon besser geworden, immer mehr Menschen sind geimpft. Selbst für die Kinder und Jugendlichen sind inzwischen Impfstoffe in Vorbereitung. Wie im letzten Jahr werden die Sommermonate entspannter werden. Die Inzidenzen gehen zurück immer mehr Maßnahmen werden zurückgenommen. Welche Freude war es, endlich wieder im Restaurant zu essen und nicht zuletzt, auch im Gottesdienst wieder zu singen. Die Hoffnung keimt, dass am Ende des Tunnels das Licht schon zu sehen ist.

Aber ist das Senfkorn schon gesprossen?

Am Sonntag hören wir im Evangelium das Gleichnis vom Senfkorn als kleinstem Korn, von dem aber die größte Frucht ausgeht.

Bei der Zucht von Pflanzen muss man auf vieles achten, die richtige Menge Wasser, genug Sonne, Schädlinge vermeiden und vieles mehr. Und so ist es auch mit dem Umgang mit der Pandemie. Gerade jetzt heißt es, nicht voreilig zu viel zu wollen. Noch hat das Virus nicht kapituliert. Auch wenn die Impfstoffe nach aktuellem Stand auch gegen die Varianten hilfreich sind, wissen wir nicht, welche Varianten noch auftauchen können. Wenn wir sorgsam agieren wie mit dem Senfkorn werden wir eines Tages die Frucht des großen Baumes kosten dürfen. Darauf können wir vertrauen und hoffen. Der Gärtner, der sich immer um uns kümmert ist Gott, der sich um uns sorgt und in allen unseren Herausforderungen zur Seite steht.

Hoffen wir darauf, dass wir in einem Jahr die Ernte der Arbeit dieses Jahres einfahren können und uns für all die Mühen und Belastungen sich in eine reiche Frucht verwandeln!

Da freue ich mich noch im Nachhinein über den schönen Fronleichnamsgottesdienst mit Freiluftgottesdienst und endlich mal wieder singen. Darüber, über Freude, kannst du das Wochenwort schreiben, dachte ich mir. Doch da platzt die Nachricht hinein wie eine Bombe:

Kardinal Marx bietet dem Papst seinen Rücktritt an!

Ich trage doch als Bischof eine 'institutionelle Verantwortung' für das Handeln der Kirche insgesamt, auch für ihre institutionellen Probleme und ihr Versagen in der Vergangenheit. Und habe ich nicht auch durch mein Verhalten negative Formen des Klerikalismus und die falsche Sorge um den Ruf der Institution Kirche mit befördert? …Ich bin bereit, persönlich Verantwortung zu tragen, nicht nur für eigene mögliche Fehler, sondern für die Institution Kirche, die ich seit Jahrzehnten mitgestalte und mitpräge.

Da geht mir verschiedenes durch den Kopf: Zuerst Respekt:

Bei allen Fragen zur persönlichen Schuld, die offen sind, legt er selbstkritisch  den Finger in die Wunde:

 Mit Sorge sehe ich, dass sich in den letzten Monaten eine Tendenz bemerkbar macht, die systemischen Ursachen und Gefährdungen, oder sagen wir ruhig die grundsätzlichen theologischen Fragen, auszuklammern und die Aufarbeitung auf eine Verbesserung der Verwaltung zu reduzieren.

Es geht eben nicht nur um verschwundene Akten und Verschweigen bis zur Verdeckung von Straftaten, sondern auch um das System „Kirche“ das u.a. mit dem Stichwort Klerikalismus beschrieben werden kann, einer Kirche, wo Frauen immer noch nicht viel zu sagen haben.

Nicht umsonst geht es im Synodalen Weg auch um dieses Thema, den Kardinal Marx mit befeuert hat.

Meinen Respekt hat er! Ein Bischof, sogar Kardinal, der sich anders als mancher Amtskollege in voller Verantwortung für die Institution sieht und im langen Nachdenken und Gebet auch eigenes mögliches Versagen sieht

Ich möchte damit deutlich machen: Ich bin bereit, persönlich Verantwortung zu tragen, nicht nur für eigene mögliche Fehler, sondern für die Institution Kirche, die ich seit Jahrzehnten mitgestalte und mitpräge.

In seinem Pressestatment sagte er, dass Kirche ein Ort der Heilung und Zuversicht sein soll und es bedrücke ihn sehr das „Menschen nicht Heil, sondern Unheil erfahren“ hätten

Nach dem Respekt kommen aber auch die Fragen:

wie geht es weiter dem Synodalen Weg mit der Ökumene, mit Segnungsfeiern, mit dem Aufarbeiten des Missbrauchskandal? Nicht zu vergessen, Kardinal Marx war Mitglied des Kardinalrates von Papst Franziskus. Wittern konservative Kräfte in Deutschland und der Weltkirche jetzt Morgenluft? Hat Thomas Sternberg, der Vorsitzende des Zentralrates der deutschen Katholiken recht, wenn er sagt: "Ich bin tief erschüttert - da geht der Falsche".

Nach dem Respekt, der Fragen bleibt aber die Hoffnung:

Kardinal Marx schreibt: Ich glaube, dass der 'tote Punkt', an dem wir uns im Augenblick befinden, zum 'Wendepunkt' werden kann. Das ist meine österliche Hoffnung und dafür werde ich weiter beten und arbeiten.“

Wenn wir nicht in 20 Jahren nur noch Verwalter von leeren Häusern sein wollen, die jeden Kontakt mit den Menschen verloren hat, dann müssen wir für diesen Wendepunkt eintreten. auch In Nied, Griesheim und Gallus. Tradition ist nicht bewahren der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.

Teilen wir diese österliche Hoffnung gegen alle Widerstände und Zweifel!

Der Wortlaut des Briefes von Kardinal Marx

Erste Schritte zum „echten Leben“

„Ich war in einem Restaurant gewesen!“ – so hat es mir eine Frau letzte Woche ganz begeistert erzählt; „das hat so gut getan!“ Ihre begeisterte Geschichte reiht sich ein in die vielen Zeichen der Entspannung, die ich wahrnehme: Der fallende Inzidenzwert, immer mehr Geimpfte und Genesene, lockere Regeln in den Städten und in den Geschäften. Ich und viele andere hoffen, dass das Licht am Ende des Tunnels immer größer wird.

„Zurück ins echte Leben?“, so hat es dazu passend die Zeitschrift „Die Zeit“ in ihrer letzten Ausgabe betitelt. An diesem Titel fand ich besonders das Fragezeichen am Ende der Überschrift gut. Denn ich frage mich: Was ist das „echte“ Leben? Natürlich ahne ich, was die Autor*innen in der Zeitung wohl gemeint haben könnten. Da geht es um die Dinge, die uns vor der Pandemie so vertraut waren: Das Treffen mit vielen Menschen, die Nähe zu anderen Menschen und vieles andere mehr. Darauf freue ich mich auch. Aber ich denke mir, dass die letzten anderthalb Jahre auch „echtes“ Leben waren. Denn zum echten Leben gehören für mich Zeiten der Krise dazu. Krankheit, Schwachheit, Sorgen um die Gesundheit und der Umgang mit Trauer sind ein Teil davon. Ein Zurück zum „echten Leben“ kann und wird nicht bedeuten, nur die Sonnenseiten des Lebens wiederzuhaben. Die Welt nach der Pandemie wird kein Paradies sein.

Im Christentum ist die Erfahrung von Leid ein Teil des echten Lebens. Jesus ist selbst ist in besonderer Weise den Kranken und Ausgesetzten begegnet und ist seinen Leidensweg gegangen. Er hat uns Wege aufgezeigt, wie man in dieser nichtparadiesischen Welt leben soll. Dazu gehören Aufmerksamkeit, Barmherzigkeit, Sorge um die Schwachen genauso dazu wie das beständige Eintreten für eine bessere Welt an der Seite der Armen. Vieles genau davon habe ich in der Zeit der Pandemie erleben dürfen: Zeichen der Barmherzigkeit, zum Beispiel das Sonntagmittagesssen Woche für Woche am Josefshaus in Griesheim. Die Aktionen zu Misereor und Renovabis in unseren Gemeinden, die auch in der Krisenzeit deutlich gemacht haben, dass nur mehr Gerechtigkeit und ein verantworteter Umgang mit der Schöpfung zu einer lebenswerten Welt führen können. Oft habe ich auch Menschen in unseren Gemeinden gesehen, die sich – manchmal ganz im Verborgenen – um andere gekümmert haben; und sei es nur durch einen persönlichen Anruf oder einen handgeschriebenen Brief.

Dieses Handeln gehört für mich zum echten Leben genauso dazu wie all die Freiheiten, die wir hoffentlich bald wiedererlangen werden. Wer so handelt, der ist im wirklich echten Leben mit all seinen Höhen und Tiefen immer auf einem guten Weg. Ich glaube, in diesem Handeln ist der Geist Gottes spürbar, der dafür steht, was Jesus uns heute im Evangelium zum Dreifaltigkeitsfest mitgibt: „Seht ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt.“ (Mt 28, 20)

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: … Empfangt den Heiligen Geist! (Johannes 20, 19-22)

Pfingsten zur Coronazeit 2021,
viele Türen sind noch verschlossen, die Angst ist auch da.
Wir sind in einer ähnlichen Situation wie damals in Jerusalem und vermissen vieles, was unser Leben lebendig macht: Freunde besuchen, Familien Treff ohne Abstand und Sorgen, Feste feiern, mit Menschen in Kontakt kommen, und …
Schafft die 2. Impfdosis uns wieder den Mut zu schenken, ein volles Leben zu führen?
Trotz das 97% medizinische Sicherheit, vieles ist noch in Unkenntnis.

Ich kenne die Worte, die damals in Jerusalem hinter verschlossenen Türen gesprochen wurden, die den Mut schenkten, dass die Jüngerinnen und Jünger ihr Leben neu anfangen konnten mit voller Freude und Stärke.

“Friede sei mit euch” “Empfangt den Heiligen Geist”

Liebe Leserinnen und Leser,
Heute hören/lesen wir dieses Wort auch,
Lasst uns einen Augenblick Zeit, nach Möglichkeit mit geschlossenen Augen, nehmen und spüren, wie der Heiliger Geist zu Dir und mir kommt.
Eine Stimme im Herzen ist zu hören „Friede sei mit Dir“.

Gottes Geist schenkt uns Gemeinschaft, keiner soll einsam leben.
Gottes Geist schenkt uns die Kraft, keiner soll in Angst und Furcht bleiben.
Gottes Geist schenkt uns das Vertrauen, alles wird wieder gut sein.

Gemeinsam beten wir die Worte des Liedes Komm, Heil’ger Geist

Komm, Heil’ger Geist, der Leben schafft,
erfülle uns mit deiner Kraft.
Dein Schöpferwort rief uns zum Sein:
Nun hauch uns Gottes Odem ein.

Komm, Tröster, der die Herzen lenkt,
du Beistand, den der Vater schenkt;
aus dir strömt Leben, Licht und Glut,
du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

Dich sendet Gottes Allmacht aus
im Feuer und in Sturmes Braus;
du öffnest uns den stummen Mund
und machst der Welt die Wahrheit kund.

Entflamme Sinne und Gemüt,
dass Liebe unser Herz durchglüht
und unser schwaches Fleisch und Blut
in deiner Kraft das Gute tut.

Die Macht des Bösen banne weit,
schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn,
dass Unheil uns nicht schaden kann.

Lass gläubig uns den Vater sehn,
sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt
und uns das Leben Gottes bringt.

Den Vater auf dem ew’gen Thron
Und seinen auferstandnen Sohn,
dich, Odem Gottes, Heil’ger Geist,
auf ewig Erd’ und Himmel preist.
Amen.

Damit wünsche ich Ihnen vom Herzen gesegnete Pfingsten.

Berufung

Was ist Ihre Berufung? Wohin hat Sie der Ruf Jesu geführt? „Komm, folge mir nach!“, diese Einladung ergeht an jede und jeden von uns. Wir alle haben unsere je eigene Berufung und diese gilt es im Lauf unseres Lebens zu entdecken und zu leben. Jesus ruft uns ihm nachzufolgen im eigenen Leben, in der Weise wie wir leben, in den beruflichen Zusammenhängen, in den unterschiedlichen Lebenssituationen.

Heute soll es um eine der vielen möglichen Berufungen gehen. Ich lese zur Zeit mit großem Interesse das Buch von Sr. Philippa Rath, Benediktinerin in St. Hildegard, Eibingen „Weil Gott es so will, Frauen erzählen von ihrer Berufung zur Diakonin und Priesterin“. Darin wird sehr deutlich, dass es zu eng gedacht ist, wenn Berufung zum Priester nur auf Männer bezogen wird. Letzteres ist ein Kirchengesetz, festgelegt in einer Gesellschaft, die männlich geprägt war. Durch diese Einschränkung geht der Kirche, der Gemeinschaft der Glaubenden so viel verloren!

Sr. Philippa: „Mein Ziel ist es dabei zunächst einmal, der „Männerkirche“, aber auch vielen Frauen, die das Thema „gleicher Zugang für alle zu Diensten und Ämtern der Kirche“ immer noch als “Machthunger aufmüpfiger Frauen“ diffamieren, vor Augen zu führen, welches Potential an Berufungen, an Geistkraft und an Charismen der Kirche und den Gläubigen über viele Jahrhunderte vorenthalten wurde und immer noch wird. Ich möchte zum Nachdenken anregen, ja, auch Erschütterung auslösen und ein Bewusstsein dafür erzeugen, wie überfällig eine Kursänderung und Erneuerung in dieser Frage ist.“

Kirche braucht Wandel, Veränderung, Erneuerung, keinesfalls nur in der Frage des Zugangs zu den Ämtern, sondern in ganz grundlegenden Fragen des Kirche-Seins in der Welt von heute. Aber diese Frage ist eben auch ein Teil davon und ohne eine Öffnung aller Ämter für Frauen bleibt die Kirche unglaubwürdig.

Was haben diese Fragen mit der Berufung jeder und jedem von uns zu tun? Nun, wir sind Teil der Kirche und gestalten sie mit, in unseren Taten und Worten, in der Weise, wie wir meinungsbildend agieren.

Und, es bleibt immer die Frage nach der eigenen Berufung. Im Evangelium dieses Sonntags sagt Jesus in den Abschiedsreden seinen Jünger*innen: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.“ Joh 15, 16

Das ist doch eine Perspektive! -  Für uns selbst und unsere eigene Berufung und für das, was sich in der Gemeinschaft der Glaubenden entwickeln, verändern wandeln kann, soll und muss!

Monika Stanossek

Licht im Dunkel

Maria, ich erzähle dir, was ich erlebt habe:

Schönes und Schweres, Belangloses und Wichtiges, helles und Dunkles. Ich erzähle es dir. Schwierigkeiten bleiben Schwierigkeiten. Aber das Vertrauen auf dich gibt Ruhe.

Du sorgst für mich. Das ist dann so, wie wenn jemand in einem Dunklen Raum das Licht anknipst. Manchmal ist es dunkel und einsam um mich, und ich falle, weil ich weiß, dass es dunkel ist. Du gibst mir Halt, denn du bist einfach da. Du nimmst Anteil an dem, was mich bewegt.

Du wendest dich mir liebevoll zu. Oft verdränge ich dich, weil ich zu sehr mit mir beschäftigt bin, weil ich das Sehen verlernt habe, weil ich niemandem um Hilfe bitten möchte.

Es reicht, wenn ich an dich denke, dann wird in meinem Inneren das Licht angeknipst, dann erfüllt dein Strahlen die Nacht, dann durchdringt deine Wärme die Kälte, dann bekomme ich neue Energie, dann geht glauben fast wie von alleine, dann bekommt Gott in meinem Herzen wieder Raum. (von Birgit Maier, Schönstatt-Bewegung)

Pfr. Juraj Sabados

© https://doktorstuben.de

Liebe Leserin, lieber Leser,

Negativitätsverzerrung - Negativ ist zur Zeit positiv. „Bleiben Sie negativ und denken Sie positiv!“ – ist ein schöner Ratschlag, den wir uns in diesen Zeiten wirklich zu Herzen nehmen können.

Aber das ist leichter gesagt als getan. Und zwar wegen der „Negativitätsverzerrung“!? Dieser Begriff lief mir letztens über den Weg und hat mich interessiert.

Was bedeutet er? „Negative Emotionen wie Enttäuschung und Angst haben einen größeren Einfluss auf uns und halten länger an als positive Emotionen. Wenn Sie jemand sind, der mehr Zeit damit verbringt, über störende oder trostlose Ereignisse in Ihrem Leben nachzudenken, als über erhebende Ereignisse, dann wissen Sie, dass Sie nicht allein sind – dies wird als Negativitätsverzerrung bezeichnet und betrifft die meisten Menschen.“ (Doktorstuben.de)

Woher kommt das? Die meisten Forscher*innen glauben, dass das ein Ergebnis der Evolution ist. Diese Haltung hat unseren Vorfahren zum Überleben geholfen. Aus den Gefahren mussten sie mehr als wir lernen, wie sie zu vermeiden oder zu überwinden sind, um nicht unterzugehen. Deshalb beschäftigten sie die negativen Erfahrungen mehr als die positiven. Und wir haben das geerbt. (vgl. Doktorstuben.de)

Nun sind die Zeiten heute aber andere. Und wir haben ja gerade Ostern gefeiert. Die Überwindung des Todes durch das Leben. Die Negativität hat nicht das letzte Wort. Kann uns unser Glaube helfen, diese uralte Tendenz in uns zu überwinden - wenigsten immer wieder mal - , um mit Vertrauen und Zuversicht ins Leben zu schauen?

An Ostern habe ich vor dem Hintergrund des Misereor Hungertuchs Auferstehung als ein Ereignis bezeichnet, das goldene Fäden in unser Leben hinein webt. Goldene Fäden, gute Erfahrungen, die gelten und uns tragen und eine Perspektive geben gerade auch in den schwarzen Tagen, die uns Kraft und Lebensenergie kosten.

Bis Pfingsten sind wir noch in der Osterzeit. Wir haben noch ein paar Wochen Zeit, diese goldenen Fäden in unserem Leben zu entdecken und auf uns wirken zu lassen, so vielleicht die Negativitätsverzerrung zu überwinden und dem Leben zu trauen. So wird Auferstehung dann auch für uns selbst zu einer lebendigen Erfahrung.

Thomas Schmidt

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie einmal gezählt, wie oft am Tag das Wort „Corona“ fällt? Im Radio, im Fernsehen, in Gesprächen am Telefon, draußen beim Spazierengehen hören wir davon, in der Zeitung, im Internet lesen wir davon. Und die Mund-und Nasenschutzmaske, der Abstand, das Hände waschen, der ggf. Impftermin erinnern uns zusätzlich an dieses Virus.

Und mal ganz ehrlich? Wie reagieren Sie persönlich, wenn Sie das Wort „CORONA“ hören?

Genervt, frustriert, „Mütend“, überfordert, hilflos, unsicher, ängstlich, einsam, dankbar …

 

Die Situation rund um Corona hat sich niemand von uns ausgesucht – wir alle müssen lernen, dies anzunehmen und in unser Leben, in unseren Alltag zu integrieren.  Ja, das ist nicht einfach und dennoch notwendig, um daran nicht zu zerbrechen. Und jede/r von uns hat damit ein eigenes Päckchen zu tragen, welches seine Stärken und Schwächen hat: Familien, Kinder und Jugendliche, Singles, Paare, ältere Menschen, …

Und wünschen wir uns nicht immer genau das, was wir gerade nicht haben?

Das Leben ist jedoch kein Wunschkonzert. Wir wachsen und reifen an den Herausforderungen des Lebens. Und besteht nicht auch die Chance darin, die Aufmerksamkeit auch auf das Neue, das Gute darin zu lenken? In Einzelgesprächen unterschiedlichen Alters höre ich immer auch wieder von den besonderen Momenten: Zeit, gemeinsam zu Mittag zu essen, Zeit, gemeinsam raus in die Natur zu gehen, Zeit, miteinander zu sprechen, …

Zeit – wir sollten uns diese Zeit nehmen und die schönen Momente als Ressourcen für unseren Alltag erkennen und daraus Kraft schöpfen für das, was durch Corona schwer für uns geworden ist. Corona führt in meinem Arbeitsalltag zu viel Veränderung und Kreativität. Chancen, für die wir vermutlich noch Jahre, Jahrzehnte in der Kirche gebraucht hätten.

Ich möchte Sie zu einem Perspektivwechsel ermutigen.

Ich bin der Meinung, das jammern, klagen ihre Berechtigung haben dürfen, jedoch nicht ausschließlich unser  derzeitiges Leben bestimmen sollten. Was hat sich durch Corona in Ihrem Alltag, Ihrem Leben verändert. Beide Seiten gehören dazu und möchten angeschaut werden. Lenken Sie den Blick gerne auch auf das Gute, …

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Woche.

Bleiben Sie gesund. Herzliche Grüße aus Nied, Ihre Verena Nitzling

Der 2. Sonntag der Osterzeit ist alljährlich der Auftritt des „ungläubigen Thomas“. Eine zeitgemäß-unzeitgemäße Erscheinung!

Wir ungläubigen Thomasse! Viele von uns können kaum noch glauben, dass die heilige römische Kirche eine österliche Kirche ist. Dass sie eine Kirche ist, die - geprägt vom Auferstandenen - veränderungswillig, veränderungsbereit und veränderungsfähig ist!

Dem synodalen Prozess in unserm Land scheint der Wind aus den Segeln genommen!

Die Segnung von Paaren, die das Sakrament der Ehe nicht empfangen können, von Rom mit schwachen Argumenten abgelehnt! Die vermeintlichen Gralshüter des „göttlichen Rechts“ haben wieder einmal ihre Positionen behauptet: „Roma locuta – causa finita“ („Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt“)!

Die Initiatorinnen von Maria 2.0 aus der Kirche ausgetreten! Sie glauben nicht mehr daran, dass die Kirche die Weiheämter für Frauen öffnet. Und sie geben sich nicht damit zufrieden, dass die Kirche ein paar Dezernentinnen-Posten für Frauen bereitstellt (immerhin!).

Die ökumenische Gastfreundschaft? Von Rom abgelehnt! Begründung: zu viele Fragen offen! Wie lange eigentlich schon und wie lange noch? Was tut Rom dafür, dass offene Fragen endlich eine Antwort finden? Zugegeben, es kann und muss sie nicht alleine finden! Aber wo sind die römische initiativen?  

Der quälend lange Prozess der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals!

Da ist wenig von österlichem Aufbruch zu spüren!

Da sind viele von uns wie Thomas: „Bevor wir keine Veränderung sehen, glauben wir nicht!“ Wer kann das verdenken? Da wäre es schon schön, wenn einer hereinkäme, wie Jesus damals, der zu Thomas sagt: „Streck deine Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Kleine, aber glaubwürdige Zeichen für eine bewegliche, österlich bewegte Kirche, sie wären so wichtig!

Ein (vielleicht für manche schwacher) Trost: Wir müssen nicht an die Kirche glauben! Das fordert auch nicht das Glaubensbekenntnis. Wir müssen nur glauben, dass es so etwas wie Kirche geben kann und geben muss, mit all ihren Grenzen und Schwächen.

Da halte ich es mit Heinrich Böll: „Unter Christen ist Barmherzigkeit wenigstens möglich, und hin und wieder gibt es sie: Christen; und wo einer auftritt, gerät die Welt in Erstaunen. 800 Millionen Menschen auf dieser Welt haben die Möglichkeit, die Welt in Erstaunen zu setzen. Vielleicht machen einige von dieser Möglichkeit Gebrauch. Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache und mehr noch als Raum gab es für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen. […] Ich glaube an Christus, und ich glaube, dass 800 Millionen Christen auf dieser Erde das Antlitz dieser Erde verändern könnten. Und ich empfehle es der Nachdenklichkeit und Vorstellungskraft der Zeitgenossen, sich eine Welt vorzustellen, auf der es Christus nicht gegeben hätte. Ich glaube, dass eine Welt ohne Christus selbst die Atheisten zu Adventisten machen würde.“

Die Kirche ist nicht der Grund unseres Osterglaubens! Der Grund ist der, der ganz unvermutet durch die Türe kommt und uns zeigt, dass er lebt. Und er gibt auch heute Zeichen! In vielen Christinnen und Christen, die überall auf der Welt, auch vor unserer Haustüre, Zeugnis von ihrer österlichen Hoffnung ablegen. Sie sind Kirche! Österliche Kirche! Die verfasste Kirche sollte darauf achten, dass sie ihnen genug Raum bietet - und Luft zum Atmen lässt! Mein Trost dabei: Der Auferstandene lässt sich nicht ausschließen – von nichts und niemand!

Rolf Glaser

Triduum paschalis – Kurzfassung des Lebens

Liebe Leserinnen und Leser,

endlich wieder Ostern feiern. Auch wenn es nur ein Jahr war, in dem wir Ostern nicht mit Gottesdiensten voller Begegnungen und Austausch feiern konnten, war es doch eine Erleichterung, zu hören, dass wir dieses Jahr wieder Gottesdienste an Ostern feiern können. Auch wenn bei weitem nicht das möglich war, wie wir gewohnt sind und lieben gelernt haben, waren es dennoch schöne und begeisternde Tage.

Gründonnerstag mit der Einsetzung der Eucharistie, die wir seit 2000 Jahren jeden Sonntag wieder begehen und empfangen. Mit Jesus in den Garten Getsemani gehen und in der Nacht die eigene Verzweiflung und die Angst vor Gott bringen konnten.

Die Angst, die an Karfreitag zur Gewissheit wird, indem wir Jesus an seinem letzten Tag begleiten, miterleben, wie er verleugnet, verurteilt, verspottet, verhöhnt, gedemütigt und schließlich gekreuzigt wird. Die Gewissheit, miterleben zu müssen, dass Jesus den letzten Atem aushaucht und stirbt. Die Trauer, der wir bei der Grablegung Raum geben und seinen Ausdruck findet im übermenschlich schweren Stein, der vor das Grab gerollt wird.

Die Grabesruhe von Karsamstag, an dem wir das leere Kreuz und das verschlossene Grab wahrnehmen. Das Gefühl, den Menschen verloren zu haben, der uns so große Hoffnung geschenkt hat. Aushalten zu müssen, dass wir – heute – zwar wissen, was kommt, aber die Zeit füllen müssen, bis wir wieder vor Freude jubeln und lachen können.

Und dann die Freude der Osternacht, die Freude der Auferstehung, dem Wunder, dass sich erfüllt, was verheißen war. Das Leben, das neu beginnt und Kreise zieht in unser Leben hinein.

All das haben wir in den letzten Tagen erlebet. So komprimiert kann man Leben wohl kaum anders wahrnehmen. Jegliches Gefühl, dass wir als Menschen kennen fokussiert sich in den Tagen, die wir jedes Jahr wieder erleben und miterleben dürfen.

In diesem Jahr vielleicht mehr als sonst, weil wir es letztes Jahr nicht miterleben konnten. Erst durch den Mangel kann die Fülle des Lebens ans Tageslicht des Ostermorgens dringen.

Frohe und gesegnete Ostern! Halleluja, Jesus lebt.

© Katholisch im Gallus

 

Die letzte Zeit hat mich die Wut gepackt. Die Kirche soll dem Vorbild Jesu den Menschen nah sein und dann das:

Es hat wieder den Eindruck „Roma loquta, causa finita“, Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt, als die Antwort auf die Frage, ob Segnungen gleichgeschlechtlicher Beziehungen möglich sei, ein „NEIN“ war.

Gott sei Dank ist die Sache nicht erledigt!
Dankbar lese ich Äußerungen wie die von unserem Bischof Georg: "Ein Dokument, das sich in seiner Argumentation so eklatant einem Erkenntnisfortschritt theologischer und humanwissenschaftlicher Art verschließt, wird dazu führen, dass die pastorale Praxis darüber hinweggehen wird".

https://bistumlimburg.de/beitrag/viele-werden-durch-kirche-verletzt/

Über Jahrhunderte entwickelte sich erst ein Verständnis von Partnerschaft und Sexualität und muss sich weiterentwickeln, da Wissenschaft und das das Leben uns viele neue Erkenntnisse bringt, an die vor hundert oder fünfzig Jahren niemand gedacht hat.

Deshalb ist der „synodale Weg“ in Deutschland so wichtig. Bei allem Wissen darum, dass bei weitem nicht alle Teilkirchen der Welt so denken – man kann um der Menschen Willen nicht ewig warten.

Deshalb gibt es auch so viele Reaktionen in Deutschland, von der Regenbogenfahne der LGBT Bewegung vor Kirchen bis zu öffentlichen Widerspruch: 200 Theologen haben sich ziemlich eindeutig für Segnungsfeiern ausgesprochen - 2000 Seelsorger*innen habe erklärt, dass sie segnen werden und es gibt viele andere Reaktionen, die zeigen, dass viele Menschen unsere Kirche bei manchen Fragen nicht mehr Rom folgen wollen, sondern Gespräche und Veränderung fordern.

Stellungnahmen verschiedener Gremien des Bistums können Sie hier lesen

 

In dem großen Feld, dass auch im synodalen Weg aufgegriffen wird, gehört auch im Weiteren, die prinzipielle Frage nach Segnung für die, die nach geltendem Kirchenrecht nicht gesegnet werden dürften, z.B.  wenn wiederverheiratete Geschiedene eine neue Liebensbeziehung gefunden haben und um den Segen Gottes bitten.

Dann lese ich im Petrusbrief: Wir sollten segnen um Segen zu erlangen 1 (Petr. 3.8) und denke daran: Wo die Liebe wohnt, da wohnt Gott. Und wir sollen und dürfen nicht segnen?

Am vergangenen Mittwoch gedacht die Kirche des Heiligen Oscar Romero, dem Erzbischof von El Salvador. An diesem Tag vor 41 Jahren wurde er von der Mititärdiktatur während der Predigt erschossen. Ein Million Menschen waren bei der der Beisetzung damals am Palmsonntag gekommen, um ihn als Kämpfer für Gerechtigkeit und Reformen zu ehren. Von Romero stammen diese weisen Worte:
 

"Wenn viele Menschen sich bereits von der Kirche entfernt haben, dann ist das darauf zurückzuführen, dass die Kirche sich zu weit von der Menschheit entfernt hat. Eine Kirche aber, die die Erfahrungen der Menschen als ihre eigenen verspürt, die den Schmerz, die Hoffnung, die Angst aller, die sich freuen oder leiden, am eigenen Leib verspürt, diese Kirche wird zum gegenwärtigen Christus."

 

Aktueller denn je!

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Kar- und Osterzeit.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

der fünfte Fastensonntag ist auch der Misereorsonntag. Ich finde: Gerade in Zeiten, in denen wegen der Corona – Lage viele Menschen nicht unsere Gottesdienste besuchen können, ist es wichtig, auf die Misereoraktion aufmerksam zu machen. „Es geht! Anders“ – das ist das sehr gelungene Leitwort der Aktion in diesem Jahr.

Dieses Leitwort hat zwei Dimensionen für mich. Da ist zum einen eine ganz persönliche Dimension: Es ruft mich auf, meinen Lebensstil zu hinterfragen: Wie kann ich nachhaltig und gut leben? Was bedeutet ein Lebensstil für mich, der Gerechtigkeit und Veränderung im Blick hat? Ich weiß doch: Große Veränderungen beginnen bei mir ganz persönlich. Misereor hat dazu (www.misereor.de) ganz praktische Handlungsempfehlungen für den Alltag an die Hand gegeben, die einen anderen Lebensstil möglich machen. Pfarrer Glaser hat davon in seinem Wochenwort zu Beginn der Fastenzeit berichtet.  Schauen Sie doch einmal rein!

Die andere Dimension ist für mich eine Politische: Die Coronakrise hat Konflikte und strukturelle Ungerechtigkeit sehr deutlich gemacht. Papst Franziskus hat das in seiner bewegenden Predigt bei seinem Segen „urbi et orbi“ aus Anlass der Corona – Pandemie im letzten März auf den Punkt gebracht: In unserer Welt, die du (Gott) noch mehr liebst als wir, sind wir mit voller Geschwindigkeit weitergerast und hatten dabei das Gefühl, stark zu sein und alles zu vermögen. In unserer Gewinnsucht haben wir uns ganz von den materiellen Dingen in Anspruch nehmen und von der Eile betäuben lassen. Wir haben vor deinen Mahnrufen nicht angehalten, wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden.“

Das Wort „Es geht! Anders!“ rüttelt auf! Es ruft mich auf, nicht mehr weg zu sehen. Es motiviert mich zu überlegen, wie und mit wem zusammen ich meine Stimme gegen die zunehmende wirtschaftliche Ausbeutung und ethnische Unterdrückung dieser Menschen meine Stimme erheben kann.

Die Misereoraktion verbindet diese beiden Dimensionen, meine ganz persönliche und auch die Politische.

Und das Leitwort „Es geht! Anders!“ spricht dazu noch von einer tiefen Hoffnung: Gott hat es – und genau davon werden die letzten beiden Wochen der Fastenzeit erzählen – anders gemacht. Er hat nicht durch Gewalt und die Sprache der Macht durchgegriffen. Vielmehr hat er in Jesus Christus mit den Menschen mitgelitten und durch die Auferstehung Jesu klargemacht: Das Leben wird am Ende stärker sein als die vernichtenden Mächte des Todes.

Beim Misereor – Sonntag geht es um mehr als um eine Spendensammlung, so wichtig diese auch ist. Es geht um eine Mahnung, unseren Lebensstil zu überdenken und uns für eine andere Welt einzusetzen. Das geht!

 

Rolf Müller

© Lukas Fromm

Jedes Jahr sind die ersten Märztage sehr „Frauen geprägt“: am Montag dieser Woche war der Internationale Frauentag, am Freitag davor der Weltgebetstag, an dem in diesem Jahr die Liturgie von einer Frauengruppe aus Vanuatu gestaltet wurde. Beide Tage werden in vielen Ländern gefeiert. Sie rücken die mehr als 50 % der Weltbevölkerung in den Blick, die nach wie vor nicht mit gleichen Rechten, gleichen Chancen, gleichen Einkommen, gleichen Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten … und gleichen Rechten in ihrer jeweiligen Religion ausgestattet sind.

Auch in Deutschland: 18 % verdienen Frauen durchschnittlich weniger als Männer, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten werden erschwert (siehe Überschrift und Artikel der Frankfurter Rundschau von heute, 13.03. „Frauen sind außen vor, Deutsche Bank setzt vor allem auf Männer“), Frauen leisten etwa doppelt so viel Familienarbeit wie Männer, jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder früheren Partner getötet …

In den Ländern der südlichen Halbkugel ist die Ungleichheit noch sehr viel gravierender: Frauen leisten weltweit nahezu die Hälfte der landwirtschaftlichen Arbeit, in armen Ländern bis zu 70 %, doch weniger als 20 % der landwirtschaftlichen Fläche sind im Besitz von Frauen. Frauen haben weniger Lebenschancen: in vielen Ländern werden weibliche Föten abgetrieben, Mädchen werden schlechter ernährt, haben weniger Bildungsmöglichkeiten, sind oft nicht erbberechtigt, Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig. (siehe Misereor-Kalender vom 11.03.2021)

Die Ungerechtigkeit schreit zum Himmel! Die Ungleichheit verhindert Entwicklung.

In unseren Glauben an die frohe Botschaft vom Gott der Befreiung gehört zentral der Einsatz für Gerechtigkeit, Menschenwürde und somit auch für Gleichberechtigung. Gerechtigkeit ist ein zentrales Thema der Propheten des 1. Testaments, wie z.B. Jesaja 58, 6: Ist das nicht ein Fasten, wie ich es wünsche: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, Unterdrückte freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen?

Jesus hatte eine befreiende Praxis in seinem Umgang mit Menschen, gerade auch mit Frauen, anders als damals üblich, er war zugewandt und begegnete ihnen auf Augenhöhe. Sein Leben ist Maßstab und wiegt mehr als Traditionen. In seiner Nachfolge braucht es den Einsatz von uns Christinnen und Christen für Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschwürde weltweit. Und auch das beharrliche Eintreten für Veränderungen in unserer Kirche!

Auf diesem Weg Mut machende Gedanken von Dorothee Sölle:                               

„Wir haben den längeren Atem.
Wir sind unterwegs in größerer Hoffnung
zu uns gehören die Empfindsamen und Unruhigen
und die nicht verbittern in traurigen Erfahrungen
und die hier bleiben
nicht weggehen
wohin die Sonne untergeht
noch wegtreten nach innen
die aber erleben wollen
die menschliche Gemeinschaft
wo aufstrahlt das Licht
bei uns hat schon mal einer
alle geladen zum Fest.“

Es ist Samstagnachmittag, die Sonne scheint, hier in Frankfurt, wo ich jetzt das Wochenwort schreibe und in Ur der Ort, in dem die drei großen Religionen, Judentum, Christentum und Islam ihren Ursprung haben, wo Abraham seine Wohnstätte hatte, bevor er aufbrach im Vertrauen auf die Verheißung Gottes.

Auch wenn es nur die Aufzeichnung von heute Vormittag von Vatican media war: Es war und ist beeindruckend z.B. das Zeugnis von zwei jungen Menschen Dawud und Hassan. Der Christ und der Muslim eröffneten zusammen ein Geschäft, um sich unter anderem ihr Studium finanzieren zu können - obwohl sie nicht derselben Religion angehören.

Angehörige der verschiedensten Religionen beteten um Frieden und Toleranz an diesem Ort.

Wenn ich eben den Kommentar richtig verstanden habe, soll dieser 6. März im Irak zum Gedenktag für Toleranz erhoben werden

Jetzt beginnt gerade die Liveübertragung der Messe aus Bagdad im Chaldäischen Ritus, an dem auch erkennbar Muslime teilnehmen.

Bilder wie aus einem Traum, dass Menschen in Frieden und Eintracht zusammenleben und dann fällt mit der Psalm 133 in:

„Siehe, wie gut und wie schön ist es, wenn Brüder und Schwestern miteinander in Eintracht wohnen. Es ist wie köstliches Salböl auf dem Haupt, das hinabfließt auf den Bart, den Bart des Aaron, das hinabfließt auf den Saum seines Gewandes.“

 

Ein Traum? Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum, wenn aber viele gemeinsam träumen ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.

Unser Papst und viele Menschen heute im Irak wollen eine neue Wirklichkeit schaffen. Wir können es jeden Tag ihnen gleichtun. Auch hier in Frankfurt.

 

Dann scheint die Sonne nicht nur heute nachmittag.

Gebet der Kinder Abrahams

Allmächtiger Gott, unser Schöpfer, du liebst die Menschheitsfamilie und auch sonst alles, was deine Hände vollbracht haben. Wir, die Söhne und Töchter Abrahams, die dem Judentum, dem Christentum und dem Islam angehören, danken dir zusammen mit anderen Gläubigen und allen Menschen guten Willens, dass du uns Abraham, einen berühmten Sohn dieses edlen und geschätzten Landes, als gemeinsamen Vater im Glauben geschenkt hast.

Wir danken dir für das Beispiel dieses gläubigen Mannes, der dir bis zum Äußersten gehorchte und seine Familie, seinen Stamm und sein Land verließ, um in ein Land zu gehen, das er nicht kannte.

Wir danken dir auch für das Beispiel an Mut, Durchhaltevermögen, Seelenstärke, Großzügigkeit und Gastfreundschaft, das uns unser gemeinsamer Vater im Glauben gegeben hat.

Wir danken dir insbesondere für seinen heroischen Glauben, den er bewies, als er bereit war, seinen Sohn zu opfern, um deinem Befehl zu gehorchen. Wir wissen, dass dies eine äußerst schwierige Prüfung war, aus der er dennoch als Sieger hervorging, weil er dir ohne Vorbehalt traute, der du barmherzig bist und immer neue Wege für einen Neubeginn eröffnest.

„Du hast Abraham zu einem Segen für alle Völker gemacht“

Wir danken dir, denn dadurch, dass du unseren Vater Abraham gesegnet hast, hast du ihn zu einem Segen für alle Völker gemacht.

Wir bitten dich, du Gott unseres Vaters Abraham und unser Gott: Schenke uns einen starken Glauben, der sich für das Gute einsetzt, einen Glauben, der unsere Herzen für dich und für alle unsere Brüder und Schwestern öffnet, und eine Hoffnung, die sich nicht unterdrücken lässt und überall die Treue deiner Verheißungen zu erkennen vermag.
Mache jeden von uns zu einem Zeugen deiner liebenden Sorge für alle, besonders für die Flüchtlinge und Vertriebenen, die Witwen und Waisen, die Armen und Kranken.

„Schenke uns die Bereitschaft, einander zu vergeben“

Öffne unsere Herzen, schenke uns die Bereitschaft, einander zu vergeben und mache uns zu Werkzeugen der Versöhnung und des Friedens, zu Erbauern einer gerechteren und geschwisterlicheren Gesellschaft.
Nimm alle Verstorbenen, besonders die Opfer von Gewalt und Krieg, auf in dein Reich des Lichtes und des Friedens. Steh den Verantwortlichen darin bei, die Entführten zu suchen und zu finden und vor allem Frauen und Kinder zu schützen.

 Hilf uns für den Planeten Sorge zu tragen, das gemeinsame Haus, das du uns allen in deiner Güte und Großzügigkeit gegeben hast.

Komm uns beim Wiederaufbau dieses Landes zu Hilfe und gib uns die Kraft, die wir brauchen, um denen zu helfen, die ihre Heimat und ihr Land verlassen mussten, so dass sie sicher und in Würde zurückzukehren und ein neues Leben in Frieden und Wohlstand beginnen können. Amen.

Die Rede des Heiligen Vaters bei der interreligiösen Begegnung in Ur können Sie bei Vatican News nachlesen.

Nach der Volkskirche: Kirche im Volk

„Die Volkskirche kommt nicht wieder“ sagt unser Bischof Georg Bätzing. Und er fügt hinzu: "Diese Sozialstruktur, in der Kirche-Sein, in der religiöse Sozialisation irgendwie in einem Automatismus verlief, ist vorbei.“

Hat er Recht? Vieles spricht dafür: Die Selbstverständlichkeit kirchlichen Lebens ist uns weitgehend abhandengekommen. Die Weitergabe des Glaubens an die nächsten Generationen scheint kaum noch zu gelingen. Corona beschleunigt  diese Tendenzen.

Trotzdem leben Gemeinden. Und in ihnen gläubige Menschen. Und mit ihnen Engagement, Initiativen, Ideen, auch neue. Selbstverständlich ist aber nichts mehr.

Was sind die Alternativen? Der Bischof sagt: "Wir müssen ganz andere Wege gehen." Das ist ein schöner Satz, dem man zustimmt und der einen doch ratlos zurück lässt. Was heißt das?

Für mich ist wichtig, dass die Nachfolgerin der Volkskirche eine Kirche im Volk ist, mitten unter den Menschen, nicht abgesondert, in sich verschlossen und mit sich beschäftigt. Sondern mittendrin: kommunikativ, dialogfähig, dienend, ermutigend, suchend und fragend.

Es gibt kein Rezept für diese neue Etappe des Kirche-Seins, schon gar nicht ein einziges. Um weiter zu kommen, um eine neue Form von Kirche sich entwickeln zu lassen, braucht es eher eine Haltung, die Rilke in seinem schönen Gedicht „Über die Geduld“ beschreibt:

Man muss Geduld haben.

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

   (R.M. Rilke)

Die Fragen leben und sich so eines Tages in die Antworten hineinzuleben, sind das die „anderen Wege“, die der Bischof meint?

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

haben Sie gestern auch die wärmenden Sonnenstrahlen und den blauen Himmel genossen?

Da kommt beim Aufwachen früh morgens doch gleich Freude auf, oder?

Ich hoffe, Sie sind am Aschermittwoch gut in die Fastenzeit gestartet.

In den letzten Tagen, Wochen und Monaten habe ich viele Gespräche vor allem mit Familien geführt, die während der Zeit des Lockdowns an und über ihrer Grenze den täglichen Alltag bewältigen.

Einige von ihnen umtreiben neben dem täglichen Wahnsinn der Organisation von Home-Office, Home - Schooling, Home-Kindergarten auch existentielle Ängste und Sorgen, finanzielle Nöte, Sorge um den Arbeitsplatz oder sogar den Verlust dessen.

Da steht das Klagen berechtigterweise an erster Stelle.

Dennoch möchte ich Ihnen heute einen Perspektivwechsel ermöglichen – die Sonnenstrahlen und die damit verbundene Freude, jedenfalls in mir – setzen ein Zeichen gegen die Dunkelheit, den Frust und die Unsicherheit des Lockdowns.

In der Fastenzeit bereiten wir uns auf Ostern vor – das Fest der Freude, Hoffnung und des Lebens.

Das Bistum Limburg hat in dieser Fastenzeit eine Aktion ins Leben gerufen, die den Titel „good-news“ trägt. Unter www.good-news.bistumlimburg.de werden hoffnungsvolle, schöne und wunderbare Nachrichten aus dem Leben gesammelt. 

Gerne möchte ich Sie dazu ermutigen und einladen, sich mit Ihrer ganz persönlichen hoffnungsvollen, freudigen, wunderbaren Nachricht an der Aktion zu beteiligen.

Klicken Sie einfach auf den Link und teilen Sie dort mit den Menschen Ihre schöne, freudige Nachricht.

Und wenn Sie das Gefühl haben, dass die Klage und die Not dem derzeit im Weg stehen, möchte ich Ihnen gerne https://klageraum.online/ vorstellen. Ein Ort, an dem alle kleinen und großen Nöte dieser Zeit ihren Platz und ihre Aufmerksamkeit finden – auch im Lockdown, auch in der Quarantäne und in der Isolation ist dieser Klageraum erreichbar.
Das Angebot ist als spirituelles Angebot zu verstehen, das Menschen Raum geben soll, sich und das, was sie bewegt, auszudrücken. 

Klagen schafft Beziehung. Denn Klagen heißt: aussprechen, damit jemand hört!

Gemeinsam klagen schafft Solidarität. Denn gemeinsam klagen lässt spüren: Ich bin mit meiner Not nicht allein!

Klage ist Hoffnung!

Aus der Klage heraus kann ich dann die Hoffnung spüren, dass das Leben, auch im Lockdown viele schöne, freudige, wunderbare Augenblicke für mich bereithält

 

In diesem Sinne wünsche Ihnen von Herzen eine gesegnete Fastenzeit.

Bleiben Sie gesund und von Gott behütet,

Ihre Verena Nitzling

Man gönnt sich ja sonst nichts!

Am 17. Februar ist Aschermittwoch! Fastenzeit ist angesagt! Fasten! Verzichten! 7 Wochen lang!

Was, könnte manch eine Person denken, jetzt sollen wir noch mehr verzichten? Wir verzichten doch schon seit einem Jahr und wieder verschärft seit November: Verzicht auf Urlaub, Verzicht auf Besuche, Verzicht auf größere Feste, Verzicht auf Festivals und Konzerte, auf Kino, auf einen Besuch im Stadion, auf ein gepflegtes Bier oder einen duftenden Kaffee unter Freund*innen und nicht zu vergessen, auf einen Termin beim Friseur! Was sollen wir da jetzt noch weiter verzichten? Lasst uns die angenehmen Seiten des Lebens pflegen! Man gönnt sich ja sonst nichts!

Aber warum nimmt eine große Mehrheit der Bevölkerung solche Verzichte bereitwillig auf sich, auch wenn‘s schwerfällt? Damit es besser werden kann! Damit die Inzidenzwerte, die Reproduktionszahl, die Zahl der Corona-Toten sinken und wir zu einem unbeschwerten Leben zurückkehren oder ein solches neu gestalten können! Das Ziel gibt die Richtung vor.

Darum geht es auch in der Fastenzeit: Es soll besser werden. „Fastenzeit“ ist vielleicht für das, worum es geht, nicht das beste Wort. In Brasilien heißt diese Zeit „campanha de fraternidade” (frei übersetzt: “Kampagne der Geschwisterlichkeit”). Es geht um ein neues Verhältnis der Menschen untereinander. Und es geht, in den letzten Jahrzehnten verstärkt, um ein neues Verhältnis zur Schöpfung – damit es besser wird. “Es geht anders” heißt deshalb die diesjährige Fastenaktion von Misereor, womit das Hilfswerk an frühere Kampagnen anknüpft. Längst ist klar, das Eine-Welt-Arbeit und Bewahrung der Schöpfung ineinander greifen (müssen).

Unter dem Motto “man gönnt sich ja sonst nichts” hat das Netzwerk-Eine-Welt der Stadtkirche Frankfurt eine 10 Punkte-Challenge entwickelt, untestützt und ergänzt durch Vorschläge der Abteilung Weltkirche, die es uns als  Einzelne oder in Gruppen (Pfarreien) erlaubt, hier unsere eigenen Akzente zu setzen, Akzente, die leicht umzusetzen sind! Akzente, mit denen wir eine win-win-Situation herstellen. Wir tun etwas für die anderen, für die Umwelt und gleichzeitig etwas für uns! Damit’s besser wird! 10 Punkte werden da genannt, auf die sich Einzelne selbst verpflichten können, z.B. mehr Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad machen und so durch Bewegung etwas für die eigene Gesundheit und zugleich für die Umwelt tun. Sie finden diese 10 Punkte im Anhang! Machen Sie mit! Suchen Sie Ihre Punkte, bei denen Sie einsteigen wollen! “Man gönnt sich ja sonst nichts!” Gönnen wir uns ein neues Miteinander in der einen Welt!

Eine gute Fastenzeit!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

Download der Checkliste zur 10-Punkte-Challenge
Download des Briefs des Bistums Limburg zur 10-Punkte-Challenge

In dieser Woche wird wieder in den Kirchen der Blasiussegen gespendet. Welch ein eindrucksvolles Geschehen, wenn mit den 2 gekreuzten Kerzen einem der Segen zugesprochen wird.

Der allmächtige Gott schenke dir Gesundheit und Heil.
Er segne dich auf die Fürsprache
des heiligen Blasius
durch Christus, unsern Herrn.

Machen wir uns nichts vor, der Blasiussegen ist keine Krankenversicherung (Als Kind habe ich oft genug Tage später meine Erkältung mit Halsschmerzen bekommen).

Aber es ist und bleibt Gottes Zusicherung, dass er bei mir ist in gesunden und in kranken Tagen und mein Heil will.

Das bekomme ich zugesagt – und dann drehe ich mich um – irgendwie ist dieses Umdrehen der Ruf: „Und jetzt geh in Alltag mit dem Segen und sei Segen“. Heil nicht nur für mich!

Wie zum Segen werden?

Ein altes Gebet aus dem 14. Jahrhundert kann da uns auf die Spur führen:

Christus hat keine Hände,
nur unsere Hände,
um seine Arbeit heute zu tun.

Er hat keine Füße,
nur unsere Füße,
um Menschen auf
seinen Weg zu führen.

Christus hat keine Lippen,
nur unsere Lippen,
um Menschen von
ihm zu erzählen.

Er hat keine Hilfe,
nur unsere Hilfe,
um Menschen an
seine Seite zu bringen.

Den „Turn – around“ schaffen

Viele spüren es intuitiv: So wie vorher kann es nach der Corona – Krise eigentlich nicht weiter gehen. Ich hoffe sehr, dass viele Menschen, unsere Gesellschaft, unsere Kirche und auch ich selbst nach einer hoffentlich baldigen Bewältigung dieser Pandemie einen „Turn – around“ schaffen. Denn so sagt man das heute, wenn man Veränderungen meint.

Beispiele für einen nötigen „Turn – around“ fallen mir genügend ein. Wir selbst brauchen einen „Turn – around“ in unserem Umgang miteinander. Es war oft schön in den letzten Monaten zu bemerken, wie sich Menschen um andere gekümmert haben. Unsere Hilfsangebote der Gemeinde zum Einkaufen wurden zum Beispiel kaum in Anspruch genommen, weil sich sehr schnell aktive Nachbarschaften und gute Familien- und Freundesverbindungen gezeigt oder gebildet haben. Das hat gezeigt: Es ist viel möglich, wenn Hilfe tatsächlich gebraucht wird. Ich hoffe sehr, dass diese Achtsamkeit für den Nächsten bestehen bleiben wird!

Wir brauchen einen „Turn – around“ bei der Sorge um die Klimakatastrophe, die sich unübersehbar anbahnt, wenn wir unser Verhalten nicht nachhaltig ändern. Die Pandemie hat gezeigt, zu welchen Maßnahmen wir in Bezug auf unseren Lebensstil fähig sind, wenn es sein muss. Kann uns nicht auch Ähnliches für einen Lebensstil gelingen, der auch zukünftigen Generationen ein Leben in einer intakten Umwelt ermöglicht? Dasselbe trifft auch auf einen Lebensstil zu, der mehr Gerechtigkeit für die Menschen auf der ganzen Welt zum Inhalt hat. Wir müssen immer mehr darauf achten, wer die Verlierer unserer Art zu leben überall sind.

Einen „Turn – around“ braucht auch unsere Kirche dringend. Viel zu oft habe ich in den letzten Monaten gesehen, wo wir als Kirche nicht mehr systemrelevant für viele Menschen sind. Wir müssen (wieder) genau hinschauen, wie wir nahe bei den Menschen sein können, die uns brauchen. Genau das soll uns leiten wenn wir in diesen Tagen anfangen zu überlegen, wie wir unsere neue Großpfarrei gestalten können.

Ich weiß ganz genau: Jeder „Turn – around“ fängt bei mir selbst an. Im Sonntagsevangelium von heute fordert mich Jesus genau dazu auf: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1, 15). Es ist der Satz, der schon bald bei der Austeilung des Aschenkreuzes zu Beginn der „Umkehrzeit“ gesagt wird. Während dieser Zeit der Corona – Krise wird mir besonders klar, wie wichtig diese Aufforderung Jesu ist. Aber Jesus fordert nicht nur auf, er macht auch Mut: „Denn das Reich Gottes ist nahe“. Das heißt für mich: Gott ist nicht weit weg, seine Welt, in der es sich für alle zu leben lohnt, ist auch schon mit ersten kleinen Schritten zu erspüren. „Umkehr“ – das eigentliche Wort für „turn around“ – ist machbar und tut gut!

Fürchte Dich nicht, Du kleine Herde… (Lk 12,32)

„Neu Infektion Zahlen steigen…, auch Todesfälle.“ In den Medien und Nachrichten hören wir: „Verschärfte Maßnahmen, Inzidenz, 15 Km Beschränkung der Bewegungsfreiheit, Impfstoff wurde nicht genug produziert und es gibt eine Reihenfolge wo ich eher nicht mal in den nächsten 6 Monaten dran bin, … „ „Finanziell darf ich aktuell nicht darüber nachdenken, denn es ist wie ein schwarzes Loch“ … „FAKE NEWS überall“  „Ich bin Einsam“.

All das, und ich höre und lese das Wort in der Bibel „Fürchte Dich nicht, Du kleine Herde…“ Wie geht das?

Zu Anfang des vorletzten Jahrhunderts geriet ein Segelschiff in einen schweren Sturm, der tagelang anhielt und die Passagiere und Besatzung mit großer Sorge erfüllte. Sie fürchteten das Schlimmste und

waren voller Angst. Nur ein kleiner Junge spielte auf Deck, als gäbe es keine besonderen Vorkommnisse. Er war wie ein Ruhepol und machte die Menschen neugierig, sodass ihn schließlich jemand fragte, ob er denn keine Angst vor dem Sturm und einem Untergang hätte.

Die Antwort des Jungen lautete ganz einfach: „Nein, denn mein Papa ist der Kapitän!“

Das Wort „Mein Papa ist der Kapitän“ hat mir ein paar Tränen in die Augen gesetzt… in diesen dunklen Zeiten, das Vertrauen auf Ihn zu setzen, auch in diesem Leben, gibt mir Halt und Stärke, denn all das andere „Impfstoff, Schutzmaßnahmen, …“  sind kleine Lichter, aber geben mir keine richtige Freude in meinem Leben, nur Er „Dein und Mein Papa“ schenkt unserem Leben ein Ziel und genug Licht um das Leben, und dies in der Fülle, zu haben.

Ich lade Sie ein, diese Worte vom Charles de Foucauld, selbst wenn Sie schwer klingen, mit mir zu beten:

Mein Vater,
ich überlasse mich dir,
mach mit mir, was dir gefällt.
Was du auch mit mir tun magst, ich danke dir.

Zu allem bin ich bereit,
alles nehme ich an.
Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt
und an allen deinen Geschöpfen,
so ersehne ich weiter nichts, mein Gott.

In deine Hände lege ich meine Seele;
ich gebe sie dir, mein Gott,
mit der ganzen Liebe meines Herzens,
weil ich dich liebe,
und weil diese Liebe mich treibt,
mich dir hinzugeben,
mich in deine Hände zu legen, ohne Maß,
mit einem grenzenlosen Vertrauen;
denn du bist mein Vater.

Mit den Sternsingern, Kindern helfen…

Beispielland Ukraine

An diesem Wochenende sind in vielen unserer Kirchen die Sternsinger zu Gast. Und doch ist vieles ganz anders als in den vergangenen Jahren.

Wir tragen noch immer die Folgen der Corona-Pandemie und müssen die Hygieneregeln befolgen, die zum Schutz vor der Übertragung des Corona-Virus dringend erforderlich sind. Deshalb können die Sternsinger nicht persönlich in die Häuser kommen. Und doch sollen alle den Segensaufkleber für ihre Türen bekommen und die Möglichkeit haben die Projekte der Sternsinger zu unterstützen.

Das Beispielland der Sternsinger-Aktion ist in diesem Jahr die Ukraine. Dort steht die Hilfe für Kinder von Arbeitsmigranten im Mittelpunkt. Ein Beispiel hierfür ist Maxim:

Die Eltern vermissen! Dieses Gefühl begleitet viele Kinder in der Ukraine jeden Tag – manchmal monatelang. Ihre Eltern müssen zum Arbeiten ins Ausland gehen, weil sie in der Ukraine keine Arbeit finden - oder weil sie vor Ort so wenig Geld verdienen, dass die Familien kaum davon leben können. Auch Maxim geht es so. Im Caritas-Zentrum finden er und andere Kinder Trost und Halt – auch dank der Unterstützung der Sternsinger. Unter dem Motto "Kindern Halt geben - in der Ukraine und weltweit" nimmt die Aktion Dreikönigssingen 2021 Kinder wie Maxim in den Blick.

Manchmal ist Maxim in Gedanken weit weg. Dann wünscht er sich vielleicht, nach Polen zu reisen, oder nach Russland. Beides liegt viele Kilometer entfernt vom Städtchen Kolomyja, im Westen der Ukraine, wo Maxim mit seinen Halbgeschwistern Tetjana, Denis und dem Cousin Kostja bei seiner Oma wohnt.

Maxim sieht seine Eltern manchmal ein Jahr nicht

Maxims Mutter arbeitet in Polen, sein Vater in Russland. Beide können nur sehr selten zu Besuch kommen. Die Reise ist teuer. „Maxim vermisst seine Eltern sehr“, sagt seine Oma Anna. Bis zum Sommer hatte Maxim seine Eltern ein Jahr nicht gesehen. Im Juni war dann seine Mutter zu Besuch, musste aber nach wenigen Tagen schon wieder zurück zu ihrer Arbeitsstelle in Polen. Trost findet der Elfjährige im Caritas-Zentrum. „Hier habe ich viel Spaß“, erzählt er.

Im Zentrum trifft er nach der Schule seine Freunde, macht Hausaufgaben, spielt, bastelt, lacht und scherzt. Und er geht seinen Hobbys nach: Malen, Fußball, Origami und Schach. „Beim Schach gewinne ich meistens“, sagt Maxim, und lächelt.

Wie kann ich die Sternsinger unterstützen?

Wenn Sie auch in diesem Jahr die Sternsinger unterstützen wollen, können Sie das durch eine Spende auf das Konto ihrer Gemeinde tun, geben Sie als Verwendungszweck  „Sternsinger“ an. Wir stellen Ihnen eine Spendenquittung aus und leiten das Geld weiter.

Die Bankverbindungen über die Sie spenden können finden Sie als Anhang zum Wochenwort

Wie kann ich den Segensaufkleber für die Haustür bekommen?

Den Segensaufkleber für die Haus- und Wohnungstüren können Sie nach den Gottesdiensten an diesem oder in einigen Kirchen am nächsten Wochenende erhalten, oder  Sie sprechen uns in den Pfarrbüros an.

Ich wünsche Ihnen, den Sternsingern und ihren Projekten ein frohes, gesegnetes und gesundes Neues Jahr 2021

Ihr

Dr. Harald Stuntebeck

 

Die Bankverbindungen unserer Gemeinden für die Sternsinger-Aktion lauten:

Maria Hilf

  • IBAN   DE57 5005 0201 0000 4072 91
  • BIC: HELADEF1822

St. Gallus

  • IBAN   DE78 5005 0201 0000 4052 64
  • BIC: HELADEF1822

St. Pius

  • IBAN   DE77 5005 0201 0000 4003 35
  • BIC HELADEF1822

St. Markus Nied

  • IBAN DE48 5005 0201 0000 4046 40
  • BIC HELADEF1822

Mariä Himmelfahrt Griesheim

  • IBAN DE71 5005 0201 0000 1253 51
  • BIC: HELADEF1822

St. Hedwig Griesheim

  • IBAN DE71 5005 0201 0000 1253 51
  • BIC: HELADEF1822

Hinweis: Bilder und kursiver Text von der Sternsinger-Aktion

Seit dem 3. Adventswochenende hängen im Gallus an allen Kirchen und Moscheen Banner: "Jedes Leben zählt. Dafür stehen wir zusammen ein. Eine gemeinsame Aktion der muslimischen und christlichen Gemeinden aus dem Gallus mit dem Arbeitskreis Interkultureller Dialog."

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder mal ein gemeinsames Banner mit Aussagen, die für Muslime wie für Christen Grundlage ihres Glaubens und Lebens sind. Nun, nach längerer Pause, wieder ein Banner mit einer solch grundlegenden Botschaft, die in unsere Zeit und gesellschaftliche Situation passt, in das, was wir im letzten Jahr miterleben mussten: rechte und rassistische Gewalt, die so viele Opfer forderte, Flucht von Menschen, die im Tod im Mittelmeer endete, die Pandemie, die uns im Griff hat und die viele Menschen weltweit in Hunger und Elend stürzt, und und und …

Dagegen steht diese Botschaft und erinnert uns, dass es unser Teil ist, uns einzusetzen, dass Menschen in Frieden, Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit leben können. ‚Jedes Leben‘ schließt auch das Leben von Tieren und Pflanzen ein. Wir erkennen immer mehr, wie sehr alles was lebt, miteinander verbunden ist und voneinander abhängt. So ist es lebens-notwendig, uns um die Erhaltung der Schöpfung zu bemühen. Als einzelne Menschen können wir nur im Kleinen etwas tun und doch macht es Sinn, den eigenen Lebensstil zu verändern, denn auch das hat Wirkung. Als Gemeinden können wir Zeichen setzen und durch die Wahlen in diesem Jahr entscheiden wir Wähler*innen, welche Pläne und Programme Politik werden. Wir sind nicht ohnmächtig! Gehen wir mit Mut und Hoffnung in das neue Jahr: Gott geht alle unsere Wege mit uns! Möge sein Segen uns begleiten durch die Tage des Jahres 2021!

Gott, segne uns!
Der Du Vater bist und Mutter:
Wirf Deinen zärtlichen Blick auf uns
und die ganze Welt.
Der Du Weggefährte bist,
Bruder und Freund
und Jesus von Nazareth heißt:
Nimm uns bei der Hand und für uns Wege,
die zum Leben führen.
Der Du Geist bist und Licht, Liebe und Leben
und uns allen ins Herz gegeben bist:
Lass Dich uns erfahren als kostbaren Schatz.

Anton Rotzetter

Die Heilige Familie

Vater, Mutter, Kind.
Drei, die zusammengehören.
Die Nacht ist lang, und ein Kind kostet Kraft. Wo einer nicht mehr kann, packt der andere zu und rechnet seinen Dienst nicht auf.
usammen sind sie Heilige Familie.

Meine Familie ist nicht heilig. Wir kennen Unverständnis und Streit, Egoismus und Enttäuschung.
Aber auch Wachsen und Stärken, Ermutigen und Tragen, Lachen und Feiern.
Wir gehören zusammen – in guten und in schlechten Tagen.
Vielleicht sind wir doch auch heilig?

Wie habe ich diesen Weihnachtsabend erlebt?
Habe ich genossen, kann ich genießen, was mir geschenkt wurde – materiell und ideell?
Wem weiß ich mich zugehörig?
Wer steht zu mir? Und zu wem halte ich?
Habe ich für einen Moment lang Gottes Nähe gespürt?

Gebet

Es ist Heilige Nacht. Man sagt, dies sei das Fest der Familie, das Fest des Friedens.
Danke für das Gute, das ich in der Familie erleben und geben durfte und darf.
Segne mich und uns, du kleiner Jesus, du Lichtblick in unserem Miteinander. Amen.

„Oh, Heiland reiß die Himmel auf“

Dieses alte und schöne Adventslied begleitet mich durch den Advent in diesem Jahr. Der Text stammt von Friedrich Spee und spiegelt die grässliche Situation seiner Zeit: die Grauen des 30-jährigen Krieges und der Hexenverbrennungen. Auch wenn unsere Situation heute nicht die Gleiche ist, gibt es doch ein paar Anknüpfungspunkte, die das Lied in uns zum Klingen bringen kann:

  1. „Oh Heiland reiß die Himmel auf“: Eine Perspektive brauchen wir, Wege aus der Krise (konsequente Einhaltung der Regeln und die Impfung), ein Licht am Ende des Tunnels, einen offenen Himmel.
  2. „Wo bleibst du Trost der ganzen Welt?“ Ja, wo bleibt jemand, der uns tröstet, er da bleibt und nicht wegläuft. Wo der Tau, der die Blumen zum Blühen bringt? Es ist ein „Trost-Schrei“ (Heribert Prantl), in den wir einstimmen können. Dieses drängende Warten und Hoffen gehört in den Advent
  3. „Oh klare Sonn, du schöner Stern, dich wollen wir anschauen gern.“ Diese Perspektive bleibt unser adventlich-weihnachtlicher Horizont. Christus, die Sonne der Gerechtigkeit wird er-scheinen. Das feiern wir an Weihnachten.

Ich weiß, das Lied löst keine Probleme. Das Lied alleine nützt nichts. Aber es kann vielleicht helfen, nicht in die Verzweiflung abzustürzen, auf eine Perspektive des Lebens zu bestehen, die sich hinter der Pandemie wieder eröffnen kann. Es ist das Zeugnis eines leidenden, empörten, gegen Unrecht engagierten und hoffenden Menschen, das uns stärken kann.

Vielleicht singen Sie es noch einmal für sich in den Tagen vor dem Fest. Oder summen es vor sich hin und geben den Bildern im Text die Chance, sich in Ihnen festzusetzen. Wenn dann der Himmel wirklich aufreißt, sind wir schon sensibilisiert für die Sonne, die wieder scheinen will.

Das Lied steht im Gotteslob unter der Nummer 231.

Thomas Schmidt

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute, am 13. Dezember 2020 feiern wir den dritten Adventssonntag und wir gedenken der heiligen Luzia, deren Name übersetzt „die Leuchtende“ bedeutet.

Die Heilige Luzia wurde im Jahr 286 geboren, lebte in Syrakus auf Sizilien und starb am 13. Dezember 310. In einer Zeit der Christenverfolgung als viele Christen sich versteckt hielten, versorgte sie diese Menschen in den Katakomben mit Lebensmitteln. Damit sie die Hände frei zum Tragen hatte, setzte sie sich einen Kranz mit Lichtern auf den Kopf. Als Luzia einen reichen Mann heiraten sollte, weigerte sie sich dieses zu tun, da sie keusch bleiben wollte und löste die Verlobung. Der vor den Kopf gestoßene Mann verriet sie beim Kaiser, woraufhin dieser sie hinrichten ließ.

Heute am dritten Advent und auch bei der Hl. Luzia geht es um das Licht – heute brennen nun drei Kerzen am Adventskranz. Es wird immer heller und das Licht der Kerze schenkt uns Wärme und Vorfreude. Seit vielen Jahren ist es Tradition, dass die Pfadfinder am dritten Adventssonntag das Friedenslicht aus Bethlehem nach Deutschland bringen. Dieses von einem Kind in Betlehem entzündete Licht will uns vernetzen und zum friedvollen und gerechten Umgang miteinander auffordern. Jesus das Licht der Welt. ER will das Leben aller Menschen hell machen. Licht vermehrt sich, wenn wir es teilen.

Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, dass wir aufeinander achten und uns umeinander kümmern. Ich lade Euch und Sie ein, das Friedenslicht in den nächsten Tagen aus den Kirchen mit nach Hause zu nehmen, weiterzugeben und so ein Zeichen zu setzen für unsere Welt. Macht euch auf und werdet Lichtbringerin und Lichtbringer, Friedensbringerin und Friedensbringer, Hoffnungsträgerin und Hoffnungsträger.

Jesus, du bist das Licht der Welt, wir warten auf dein Kommen. Wir machen uns auf den Weg, um dich in unserer Welt zu finden. Entzünde uns, damit wir dein Licht, deine Liebe, durch unser Handeln in unsere Welt tragen.

Ich wünsche Ihnen und Euch einen gesegneten dritten Advent und vor allem Gesundheit in diesen Tagen.

Ihre Verena Nitzling

Zwei adventliche Gestalten prägen das kirchliche Leben an diesem 2. Adventsonntag: Der hl. Nikolaus und Johannes der Täufer. Ersterer ist der Tagesheilige. Letzterer ist die zentrale Figur im Evangelium des 2. Advent (In diesem Jahr fallen der 6. 12. Und der 2. Advent zusammen). Beides sind sie Berühmtheiten der christlichen Tradition und der Volksfrömmigkeit. Auf den ersten Blick könnte sie gegensätzlicher nicht sein. „Niklas ist ein guter Mann, dem man nicht genug danken kann“ singen wir von dem einen. Der Kinderbischof! Eine heitere gütige Gestalt!  Der andere ist ein rauer Geselle, lebt in der Wüste, trägt ein Gewand aus Kamelhaaren, verspeist Heuschrecken und wilden Honig und hält Schimpfpredigten.

Und doch sind sich die beiden ähnlicher als wir denken und haben auch eine gemeinsame Botschaft für uns. Leider haben wir von hl. Nikolaus „nur“ Legenden und kaum historische Tatsachen. Aber warum soll ein Heiliger nicht gerade durch die Geschichten zu uns sprechen, die über ihn erzählt werden? Das gelingt, wenn wir nicht nur einem verkopften Rationalismus huldigen!

Nikolaus ist eben nicht nur der liebe alte Kinderliebling mit dem Rauschebart. Die Legenden erzählen uns, dass er die Prostitution bekämpft und dass er Gerechtigkeit übt (er hilft einem armen Mann, der aus Not seine Töchter in die Prostitution verkaufen will). Beides auch heute noch Themen!

Er ist gegen Antisemitismus (er steht Juden bei, die bei Geldgeschäften von Christen übervorteilt werden oder von Christen bestohlen wurden – der Antisemitismus behauptet dies ja gerade umgekehrt. Auch heute – leider wieder – ein Thema!

Er gewährt bedrohten Kindern Schutz (die grausige Legende von den eingepökelten Kindern!) –Schlagzeilen von heute: Kinderarmut! Missbrauch von Kindern (besonders traurig: auch in der Kirche!)! Kinderarbeit! Kindersoldaten!

Nikolaus setzt sich für politische Gefangene ein (die Legende von den drei zum Tod verurteilten Soldaten) – eine Ermutigung für Amnesty International. Er war in der letzten großen Christenverfolgung im Gefängnis und erinnert uns an die Christ*innen, die heute verfolgt werden. 4.136 von ihnen wurden 2019 getötet! Über 200 Millionen gelten heute als verfolgt!

Schließlich hat er sich beim Konzil von Nikäa für den wahren christlichen Glauben eingesetzt (die Göttlichkeit Jesu Christi, des von Maria geborenen Sohnes Gottes).

Was uns zu Johannes der Täufer zurückführt: er hat nicht nur geschimpft, er hat vor allem auf Jesu als das Lamm Gottes hingewiesen und damit auf den, der eine frohe Botschaft (das Evangelium!) verkünden wollte. Er hat ihn im Jordan getauft und die Stimme vom Himmel hat ihn als „meinen geliebten Sohn“ ausgewiesen. Mit seiner Gerichtsrede hat er dafür gesorgt, dass das Evangelium nicht nur als ein „harmloser Papiertiger“ abgetan wird, sondern als Botschaft, die Konsequenzen hat: Menschen können ihr Leben gewinnen oder es verfehlen. Nichts Anderes ist auch die Botschaft Jesu. Aber das große Ziel bleibt bei Johannes wie bei Jesus, dass das Leben der Menschen glücken kann, Und dafür steht auch der Nothelfer Nikolaus, nicht nur bei den Seeleuten, deren Patron er ist.

Johannes und Nikolaus – nicht nur, aber besonders in der Ostkirche gehören sie zu den meistverehrten Heiligen. Über die Jahrhunderte stehen sie für die Relevanz der christlichen Botschaft, die sich zeigt, wo sie in Menschen Gestalt annimmt!

Rolf Glaser

Das Wochenwort für diese Woche kommt von Robert Biersack. Er war in den letzten beiden Wochen Pastoralpraktikant in unserem Pastoralen Raum. Herr Biersack ist Theologe und arbeitet im Moment für den Caritasverband in Frankfurt. An dieser Stelle bedanken wir uns bei ihm recht herzlich für sein Engagement in den letzten Wochen!

Hier sein Wochenwort an uns:

Die Heiligen, die wir brauchen!

Wir feiern heute das Hochfest Allerheiligen. Die Heiligen sind keine kleine Gruppe Auserwählter, sondern eine sehr große Schar jener, von der wir annehmen dürfen, dass sie bereits endgültig bei Gott angekommen sind. Zu ihr gehören nicht nur die offiziell von der Kirche Heiliggesprochenen, sondern die Getauften aller Zeiten und Nationen, die versucht haben, mit Liebe und in Treue den Willen Gottes zu erfüllen. Von den meisten von ihnen kennen wir nicht das Antlitz und nicht einmal den Namen.

Wenn wir aber an Heilige denken, kommen uns in der Regel sehr bekannte Heiligengestalten aus den letzten zwei Jahrtausenden in den Sinn, wie etwa Franz von Assisi, Therese von Avila oder Mutter Theresa von Kalkutta. An einem bestimmten Tag im Kirchenjahr denken wir Katholiken in besonderer Weise an sie, rufen sie um Fürbitte bei Gott an und ehren sie.

Am heutigen Festtag Allerheiligen denken wir aber besonders an jene, die nicht groß gefeiert und an die nicht öffentlich erinnert wird, an die große Zahl von Menschen wie du und ich, unsere Schwestern und Brüder, die oft trotz widriger äußerer Umstände in einer tiefen Verbindung mit Gott, dem barmherzigen und unendlich liebenden Vater, lebten und unbeirrt Gutes taten.

Heilige sind Menschen, die Gott an die erste Stelle in ihrem Leben setzen und aus seiner Nähe zu ihm im Gebet immer mehr so denken, fühlen und handeln wie Jesus. Die Kirche sagt, dass Gott, dessen Nähe sie suchten, selbst es ist, der sie mit Glauben, Liebe und Hoffnung erfüllt und ihnen Kraft und Inspiration gibt, sich für ihre Mitmenschen und die Schöpfung einzusetzen. Was die Heiligen auszeichnet, ist, dass sie sich stets neu für ein Leben mit Gott entscheiden. Solche Menschen gibt es auch heute.

Heilige sind Menschen, die sich im Alltag gegen Gleichgültigkeit und die Schwerkraft des Egoismus, den Hass in der Welt mutig und konsequent für die Liebe zum Mitmenschen einsetzten.

Ab morgen gelten in unserem Land verschärfte Corona-Maßnahmen, die weitere Kontaktbeschränkungen mit sich bringen. Wie sehr brauchen wir gerade in den nächsten Wochen Heilige des Alltags, die, mit Gott im Herzen, einen wachen Blick z.B. für die Nöte der Einsamen und Kranken haben, um die sich sonst niemand kümmert.

Rassistische Tendenzen nehmen bei uns zu, Beleidigungen und Diskriminierungen von Angehörigen von Minderheiten werden salonfähig. Wie wichtig ist es da, wenn der oder die Alltagsheilige dem Pöbler beherzt widerspricht und in die Schranken weist.  

Die Heiligen, die wir an Allerheiligen feiern, gingen einen Weg, der im Himmel angekommen ist, einen Weg, der aber grundsätzlich kein anderer Weg als der unsrige ist.

Auf die Heiligen zu schauen, kann für uns ein Ansporn sein: Auch wir können es schaffen, einmal ganz bei Gott anzukommen. Ja, wir sind von Gott zu diesem Ziel hin geschaffen.

Robert Biersack

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

Tun, was möglich ist!

Was bis vor kurzem der Wetterbericht, die neuesten politischen Entwicklungen oder für manche der Aktienindex war, sind heute die „Corona – Zahlen“ geworden. Ich ertappe mich selbst dabei: Jeden Tag warte ich gespannt auf die neuesten Infektionszahlen, den R-Wert und den Infektionsindex für Frankfurt. Ich merke daran: Die Pandemie hat mich wieder fest im Griff. Und tatsächlich ist es ja so, dass wir uns gerade hier in Frankfurt wegen der hohen Infektionszahlen wieder mehr Sorgen machen müssen, als wir das im Sommer noch gedacht haben.

Das trifft mich und jede/n von uns zuerst einmal persönlich. Ich muss mich fragen, wo ich „noch sicher bin“, welche Feiern und Begegnungen möglich und notwendig sind und welche Pläne ich für die nächsten Wochen überhaupt noch schmieden kann. Für uns als katholische Gemeinden hier in Nied – Griesheim – Gallus stellen sich genau diese aber Fragen auch. Welche Gottesdienste und Veranstaltungen können wir wie durchführen, reichen unsere Hygienekonzepte aus und: kommen überhaupt Menschen angesichts dieser Lage zu uns? Bis Advent und Weihnachten ist es nicht mehr weit, Firmungen und St. Martin liegen unmittelbar vor uns; dazu gibt es noch eine Reihe weiterer Veranstaltungen, die wir zum Teil schon lange geplant haben.

Oft erlebe ich zwei extreme Antworten auf diese Fragen. Einige sind der Meinung, dass aus Sicherheitsgründen möglichst viel abgesagt werden müsste und aufs Digitale verlegt werden sollte. Andere gehen sehr sorglos mit dieser Problematik um und denken, fast alles könnte so laufen wie vorher; als wären wir bei unseren kirchlichen Veranstaltungen gegen alles immun. Ich denke, die Antwort auf die Frage nach unseren Veranstaltungen in der nächsten Zeit müsste lauten: Wir sollen das tun, was möglich ist.

Unsere Veranstaltungen und Aktionen einfach abzusagen, ist für mich keine Option. Wir sind als christliche Gemeinden nur so systemrelevant wie wir zeigen: Wir sind da. Natürlich weiß ich, dass vieles nicht so „wie normal“ möglich ist. Aber ich entdecke, dass es viele Wege gibt, mit kreativen Ideen und guten Ideen so manche Veranstaltung durchzuführen. Beispiele gibt es bei uns schon genug. Einiges ist bereits gut neu eingeführt, wie das Mittagessen für arme Menschen jeden Sonntagmittag in Mariä Himmelfahrt. Anderes ist in Planung: Da ist das Martinsfest: In Griesheim und in Nied reitet St. Martin mit Musik durch den Stadtteil, die Kinder haben die Möglichkeit, vor ihren Häusern zu stehen und ihn zu erleben. Da sind die Ideen für die Advents- und Weihnachtszeit: Sie reichen vom Entzünden der Adventskerzen vor „Pax und People“ im Europaviertel an den Vorabenden der Adventssonntage über ein Turmblasen in Nied und Griesheim, Stationen im Freien zum Advent in Nied bis hin zu neuen Formen der Kinderkrippenfeiern am Heiligen Abend. Bei all diesen Ideen wird auf die Sicherheit für die Teilnehmenden großen Wert gelegt. Und wer weiß, vielleicht entdecken wir dabei auch so manches Neues, das auch in Zukunft Bestand haben kann.

Letztlich geht es darum, dass zu leben und zu zeigen, was uns Jesus heute im Sonntagsevangelium als das wichtigste Gesetz mitgegeben hat: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22, 37 – 39) Dieses Wort gilt für uns auch gerade in der Zeit der Pandemie. Ich hoffe sehr, dass wir für alle Veranstaltungen in diesem Geist Kreativität, Mut und Umsicht entwickeln. Die Heilige Hedwig, deren Patronatsfest wir heute in der Kirche St. Hedwig in Griesheim feiern, hat uns das in der Krisenzeit des 13. Jahrhunderts vorgelebt. Sie ist ein Vorbild für uns, damit auch wir mit ganzer Kraft das tun, was uns möglich ist!

Das heutige Wochenwort ist von:

Pfr. Juraj Sabados Pfarrverwalter/Kooperator

Vertrauen, das uns trägt

Ich möchte etwas Gutes tun, ich möchte etwas erreichen, ich möchte Angst in mir bewältigen, ich möchte Gott in meinem Leben spüren…

Es gibt viele Wünsche in uns, die nicht immer in Erfüllung gehen. Wir möchten etwas erreichen, etwas besitzen, etwas haben, was fehlt…

Wie sollen wir aber mit unseren Sehnsüchten klar kommen? Wie mit ihnen umgehen?

Vielleicht kann uns diese Geschichte helfen:

Ein junger Jude kam zu seinem Rabbi und sagte: „Ich möchte gerne zu dir kommen und dein Jünger werden.“ Da antwortete der Rabbi: „Gut, das kannst du, ich habe aber eine Bedingung. Du musst mir eine Frage beantworten: „Liebst du Gott?“

Da wurde der Schüler traurig und nachdenklich. Dann sagte er: „Eigentlich, lieben, das kann ich nicht behaupten.“

Der Rabbi sagte freundlich: „Gut, wenn du Gott nicht liebst, hast du Sehnsucht, ihn zu lieben?“

Der Schüler überlegte eine Weile und erklärte dann: „Manchmal spüre ich die Sehnsucht sehr deutlich, aber meistens habe ich so viel zu tun, dass diese Sehnsucht im Alltag untergeht.“

Da zögerte der Rabbi und sagte dann: „Wenn du die Sehnsucht, Gott zu lieben, nicht so deutlich verspürst, hast du dann Sehnsucht, diese Sehnsucht zu haben, Gott zu lieben?“

Da hellte sich das Gesicht des Schülers auf und er sagte: „Genau das habe ich. Ich sehne mich danach, diese Sehnsucht zu haben, Gott zu lieben.“

Der Rabi entgegnete: „Das genügt. Du bist auf dem Weg.“

 

(Der Rabbi und der Schüler: Auf all unsren Wegen. Worte die begleiten)

 

Wie sollen wir mit unseren Wünschen und Sehnsüchten klar kommen, besonders wenn sie nicht schnell in Erfüllung gehen? Vielleicht können wir damit anfangen sie wahrzunehmen. Und uns auch darüber freuen, dass wir noch Wünsche, Ziele und Sehnsüchte haben. Vor allem gilt das für die Sehnsucht nach Gott. Durch diese Sehnsucht sind wir Gott schon begegnet.

Und noch etwas:

Am 22.10. ist der Gedenktag des Hl. Papstes Johannes Paul II. Er war ein Papst, der seinen Dienst mit den Worten Jesu angefangen hat: "Habt keine Angst!" 

Gerade heute in Zeiten von Corona, wo viele in ihren Ängsten leben, sollten wir uns von der mutmachenden Lebensweise dieses großen Heiligen Papstes Johannes Paul II. anstecken lassen.

Wir müssen Abstand halten. Momentan ist Kontakt nur distanziert möglich. Aber eines ist trotz allem immer möglich - auch jetzt: dass wir uns ganz und gar auf Christus verlassen. Immer und überall.

Vertrauen, das uns trägt

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Ralf Albensoeder

Am letzten Sonntag, dem Erntedankfest, wurde die Messe in der Limburger Bischofskapelle wie seit Corona üblich ist, wieder im Livestream im Internet übertragen.

Die Predigt von Domkapitular und Bischofsvikar Christof May geht seit dem viral. Es ist absolut lohend, sie sich anzuhören und zu bedenken. Deshalb als WochenWort hier der Link

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https://youtu.be/Bt2CgQCDpB8 Ralf Albensoeder

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferentin/Pfarrbeauftragte 

                  Monika Stanossek

Erntedank

An diesem Wochenende sind unsere Kirchen mit Früchten aus den Gärten und von den Feldern geschmückt, wir feiern das Erntedankfest. Die Äpfel, Birnen, Kartoffeln, Gemüse, Kürbisse und anderes mehr, was unsere Kirchen schmückt, machen uns bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, all das genießen zu dürfen. Wir danken dafür!

Der Dank schließt die ein, die weltweit dafür arbeiten, dass wir so viel zur Verfügung haben. Im Danken erkennen wir den Wert dessen, wofür wir danken. Und die Menschen kommen in den Blick für die das alles nicht zur Verfügung haben, denen die Früchte der Natur, die Lebens-Mittel und Lebensgrundlagen vorenthalten werden. Die Zahl der Hungernden weltweit steigt dramatisch, gerade durch die Corona-Pandemie. So könnte der Dank für das Gute im eigenen Leben dazu führen, sich einzusetzen, dass Menschen überall auf der Welt die Voraussetzungen für ein Leben in Würde haben: Land, Zugang zu Wasser, Arbeitsmöglichkeiten, Bildung, Freiheit, gerechte Verteilung der Güter, Teilhabe am öffentlichen Leben, gleiche Rechte für Frauen und Männer …    

Wenn wir Gott für die Gaben danken, bekennen wir damit, dass wir letztlich ihm unser Leben mit allem, was es mit sich bringt und ausmacht verdanken. Unser Leben und das Beste in unserem Leben wie Freundschaft, Liebe, Zuwendung, die Erfahrung von Verzeihung, können wir nicht selbst machen, sondern wird uns geschenkt.

Der Hl. Franz von Assisi, dessen Festtag am heutigen Sonntag, dem 4. Oktober ist, hat in seinem Sonnengesang Worte für Lob und Dank des Menschen an Gott gefunden. „Gelobt seist du, mein Herr …“, so beginnt jede Strophe des Liedes und benennt dann sehr konkret den Anlass des Lobes. (Gotteslob 19,2) Vielleicht ein Gebet für den heutigen Tag auch für Sie?

Das heutige Wochenwort ist von:

Gemeindereferentin Verena Nitzling

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Herbst ist da – die Jahreszeit zwischen Sommer und Winter, Zeit der Ernte und des Blätterfalls. Ende Oktober wird die Uhr umgestellt. Die Tage werden kürzer und die Nächte länger. Die Blätter am Baum verfärben sich, ein kühler, frischer Wind geht, bunte Blätter liegen am Boden, Kastanien und Nüsse können gesammelt und Drachen können steigen gelassen werden. Die letzten Sonnenstrahlen laden zum Genießen ein. Der Herbst lädt zum Spaziergang ein. Aufmerksam und wachsam sind wir eingeladen, durch die Natur zu gehen. Zeit, um die Schönheit der Natur zu bewundern. Die bunten Blätter erzählen von der Vielfalt des Lebens und von der Vergänglichkeit.

Dieses oder auch nächstes Wochenende feiern wir das Erntedankfest. Es ist ein Fest für alle Sinne, bunt, leuchtend, duftend, üppig, schmackhaft…

Es ist Zeit, Gott zu danken für all die Ernte. Für all das, was im Laufe des Jahres in unserem Garten, auf dem eigenen Balkon oder auch auf den Äckern gewachsen und gereift ist, aber auch für all unsere Fähigkeiten und Talente, die Gott in uns hineingelegt hat.

Nehmen Sie sich die Zeit und beten Sie in Ruhe Psalm 104.

Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel, du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser. Du nimmst dir die Wolken zum Wagen, du fährst einher auf den Flügeln des Windes. Du machst die Winde zu deinen Boten, zu deinen Dienern Feuer und Flamme. Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet, in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken. Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen. Sie wichen vor deinem Drohen zurück, sie flohen vor der Stimme deines Donners. Sie stiegen die Berge hinauf, sie flossen hinab in die Täler an den Ort, den du für sie bestimmt hast. Eine Grenze hast du gesetzt, die dürfen sie nicht überschreiten, nie wieder sollen sie die Erde bedecken. Du lässt Quellen sprudeln in Bäche, sie eilen zwischen den Bergen dahin. Sie tränken alle Tiere des Feldes, die Wildesel stillen ihren Durst. Darüber wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt. Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen, damit er Brot gewinnt von der Erde und Wein, der das Herz des Menschen erfreut, damit er das Angesicht erglänzen lässt mit Öl und Brot das Herz des Menschen stärkt. Die Bäume des HERRN trinken sich satt, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat, dort bauen die Vögel ihr Nest, auf den Zypressen nistet der Storch. Die hohen Berge gehören dem Steinbock, dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht. Du machst den Mond zum Maß für die Zeiten, die Sonne weiß, wann sie untergeht. Du sendest Finsternis und es wird Nacht, dann regen sich alle Tiere des Waldes. Die jungen Löwen brüllen nach Beute, sie verlangen von Gott ihre Nahrung. Strahlt die Sonne dann auf, so schleichen sie heim und lagern sich in ihren Verstecken. Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk, an seine Arbeit bis zum Abend. Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. Da ist das Meer, so groß und weit, darin ein Gewimmel, nicht zu zählen: kleine und große Tiere. Dort ziehen die Schiffe dahin, der Levíatan, den du geformt, um mit ihm zu spielen. Auf dich warten sie alle, dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit. Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein, öffnest du deine Hand, werden sie gesättigt mit Gutem. Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub. Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen und du erneuerst das Angesicht der Erde. Die Herrlichkeit des HERRN währe ewig, der HERR freue sich seiner Werke. Er blickt herab auf die Erde und sie erbebt, er rührt die Berge an und sie rauchen. Ich will dem HERRN singen in meinem Leben, meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin. Möge ihm mein Dichten gefallen. Ich will mich freuen am HERRN. Die Sünder sollen von der Erde verschwinden und Frevler sollen nicht mehr da sein. Preise den HERRN, meine Seele! Halleluja!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche und einen guten Start in den Herbst,

Ihre Verena Nitzling

Das heutige Wochenwort ist von:

Pfarrer Rolf Glaser

Der europäische Kuss – Ein Todeskuss?

Verstörend sind die Bilder und Nachrichten aus dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos. Der Brand hat die untragbaren Zustände dort noch verschärft. Schon vor dem Brand hat Entwicklungsminister Müller gegenüber der Tagesschau geäußert: „“Das ist kein Flüchtlingscamp, das ist ein Gefängnis. Flüchtlinge werden eingepfercht wie Verbrecher“. Nun geht er in den Ruhestand. Ob das wirklich nur dem Alter geschuldet ist? Er wollte 2000 Flüchtlinge aus dem Camp in Deutschland aufnehmen. Zahlreiche Kommunen wären dazu bereit. Auf der Linie seiner bayrischen CSU und von Innenminister Seehofer lag er mit besagter Äußerung jedenfalls nicht. Nur eine symbolische Zahl ist Deutschland bisher bereit aufzunehmen. Fraglich ist dabei, ob diese aus Lesbos kommen oder ob Griechenland seine Flüchtlinge auf dem Festland in aufnahmebereite Länder weiterreichen will. Verstörend sind die Reaktionen oder besser Nichtreaktionen der europäischen Politik. Europa und seine Mitgliedstaaten schieben die Verantwortung hin und her. Man will keine Anreize dafür schaffen, dass neue Flüchtlinge den Weg nach Europa suchen. Deshalb werden die 13.000 Menschen auf Lesbos in Geiselhaft genommen und leben weiter unter menschenunwürdigen Zuständen.

In diesem Jahr feiern wir den 250. Geburtstag des Vaters der Europahymne, Ludwig von Beethoven. In Berlin wurde seine 9. Symphonie in beeindruckender Weise aufgeführt. „Diesen Kuss der ganzen Welt!“ heißt es in der „Ode an die Freude“, dem Finale der Symphonie, mit dem Text von Friedrich Schiller. Was ist das für ein Kuss, den Europa der Menschheit, den Menschen in Moria, zu geben bereit ist?

Es darf kein „Todeskuss“ sein! Wenn Europa als „Europa der Werte und der Menschenrechte“ versagt, dann ist das ein Todeskuss, nicht nur für viele Menschen, sondern, davon bin ich fest überzeugt, für Europa selbst. Seine Flüchtlingspolitik ist dafür die Nagelprobe. Ein Europa, das seine Werte verrät, wäre nicht zukunftsfähig. Setzen wir uns dafür ein, dass der Kuss, den Europa der Welt zu geben bereit ist, ein Kuss der Beherztheit und der Solidarität ist!

Die katholische Friedensbewegung Pax Christi hat einen Aufruf gestartet. „Kein Weihnachten in Moria“. Sie finden ihn im Internetauftritt des Hedwigsforum und der Gemeinden Mariae Himmelfahrt und St. Markus. Es geht darum, einen Brief an die Bundestagsabgeordneten in Hessen zu schreiben, dass sie sich dafür einsetzen, dass die Flüchtlinge von Moria nicht auch das Weihnachtsfest unter menschenunwürdigen Bedingungen begehen müssen. Machen Sie mit! Werden Sie Teil der Bewegung! Schreiben Sie Ihren Abgeordneten!

»Weihnachten ist kalendarisch am 24./25. Dezember.
Das wirkliche Weihnachten ist in diesen Zeiten dann, wenn Flüchtlinge gerettet werden.
Das wirkliche Weihnachten ist dann, wenn Flüchtlingskinder wieder sprechen, spielen und essen.
Das wirkliche Weihnachten ist dann, wenn ›Der Retter‹ wirklich kommt – und er nicht nur im Weihnachtslied besungen wird.«

Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung, 22. 12. 2019

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Ruben Manger

„Gehen auch wir die Wege Jesu“

Diese Worte waren das Motto der diesjährigen Beauftragung der Pastoral- und GemeindereferentInnen im Nachbarbistum Trier, aus dem auch unser Bischof stammt. Diese Worte haben mich zu Nachdenken gebracht.

Das erste was mir auffiel, als ich die Einladung zur Beauftragung bekam, war das es sich um einen offenen Satz handelt. Das fehlende Satzzeichen sagt also nicht aus, ob es sich um eine Frage oder um eine Aufforderung handelt. Darüber bin ich gestolpert. Nach einigem Nachdenken bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass das auch nicht wesentlich ist. Denn beides gehört zusammen, Frage und Aufforderung. Beides wird verbunden durch das Nachdenken über den eigenen Weg in der Nachfolge Jesu.

Wir alle sind angesprochen, unseren Weg in der Nachfolge Jesu zu gehen. Egal ob wir nun in der Kirche arbeiten oder an all den vielen Arbeitsorten, an denen wir aktiv sind. Denn nicht nur der Dienst als Gemeinde- oder Pastoralreferent, als Diakon, Ordensmensch, Priester, Bischof, Pfarrsekretärin und all den anderen Berufen der Kirche ist Dienst Gottes oder Nachfolge Jesu.

An allen Orten sollen wir in der Nachfolge Jesu Zeugen und Verkünder unseres Glaubens sein. Dieser Glaube beschränkt sich nicht nur auf den sonntäglichen Gottesdienst oder das persönliche und familiäre Beten, er will unser Leben durchdringen, in all dem, was wir tun oder auch lassen. Der Glaube will nicht nur erkennbar werden durch Wort, sondern auch durch Tat. Das fängt bei den kleinen Gesten, dem freundlichen Blick, wenn man Menschen begegnet, kann sich aber auch im offenen Ohr zeigen, dass man für die Probleme, Ängste, Sorgen, Nöte aber auch Freude und Hoffnung der Menschen hat.

In der Konstitution des zweiten vatikanischen Konzil „Gaudium et spes“ heißt es, dass die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute auch immer die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Kirche (also uns) sind. Wir alle sind Seelsorger in, so wie wir es können und vermögen, ob wir es nun studiert haben oder nicht. Durch Taufe und Firmung sind hierfür bekräftigt, den Menschen helfend zu Seite zu stehen.

Als kleiner Auftrag, den ich ihnen mitgeben möchte ein kurzes Zitat, das ich neulich auf einer Postkarte gelesen habe:

„Ab hier bitte lächeln!“

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Ralf Albensoeder

Was für Bilder letztes Wochenende -

(Neo-)Nazis vor dem Reichstag mit der Reichskriegsflagge – Zeichen der Verachtung unserer Demokratie. Nur von drei mutigen Polizisten aufgehalten. Demonstrationen gegen die Corona Maßnahmen, eine bunte Mischung von besorgten Bürgern, Verschwörungstheoretikern (QAnon), die auch an Weihnachtsmann glauben würden, wenn es nur oft genug in den sozialen Netzwerken behauptet wird und diffuse Ängste damit geweckt werden können, ökologisch angehauchte Menschen und viele, die andere Beweggründe dahingeführt haben – möglichst ohne Maske - und jede Menge Rechte und sogenannte Reichsbürger, Menschen die die Demonstration für ihre Zwecke missbrauchen.

Viele demonstrierten gegen angebliche Zerstörung des Grundgesetzes. Meinungsfreiheit würde eingeschränkt – seltsam wenn sie gleichzeitig demonstrieren dürfen. Brüllereien wie Lügenpresse, weil im Internet ja auch immer die Wahrheit steht, solange sie mir gefällt, und außer, dass es im Netz steht, keine Belege hat.

Und immer ohne Maske, bis auf ein paar, die verantwortlich handelten.

Denn im Grundgesetz steht nichts von einem „Recht“, dass ich andere anstecken und gefährden darf!

Masken begrenzen meine Freiheit - ja, aber die Freiheit endet da, wo ich die Freiheit und Gesundheit andere gefährde (ich darf auch nicht mit 100 km/h durch die Stadt fahren). Deshalb trage ich sie beim besten Willen nicht gerne, aber aus Verantwortung und Solidarität werde ich sie tragenm solange es mir ernstzunehmende  Wissenschaftler sagen, dass es nötig ist.

Masken tragen, dass würden gerne hunderttausende in vielen Ländern der Welt, wo die Pandemie wütet und sie nicht zu Hause bleiben können, weil Hilfsmaßnahmen des Staates sie tragen, die arbeiten müssen um mit dem wenigen Geld etwas zum Essen zu kaufen. Die in den Slums und Favelas und Flüchtlingslagen unserer Welt dichtgedrängt noch nicht einmal simple Maßnahmen wie Händewaschen mangels Zugang zu genügend Wasser ergreifen können.

Der „Corona-Hunger“ ist in Dehli, Lagos, Kiew, Tirana oder  Manau bittere Realität. Sie müssen leidvoll erfahren, das Corona keine Hirngespinst oder eine Grippe ist. Die Pandemie bringt schwerste gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen mit sich.

Auch viele kirchliche Mitarbeiter, Laien, Ordensleute und Priester, sind z.B. in Brasilien Opfer des Virus geworden, und wie alle haben nich die Bilder das Lastwagen mit Särgen aus Italien vor uns.

Um diesen vielen Menschen zu helfen, ruft die Katholische Kirche in Deutschland an diesem Sonntag, dem 6. September zur Corona Kollekte auf und zum Gebet und Solidarität mit den Leidtragenden auf.

Gerne darf man auch nach diesem Sonntag spenden. Das Spendenkonto ist:

Darlehenskasse Münster

Stichwort Corona Kollekte 2020

DE53 4006 0265 0003 8383 03

Oder Online unter:

www.dkm-spendenportal.de/corona-kollekte

 

GEBET

Allmächtiger, gütiger Gott,

du bist der Schöpfer der Welt und Herr über Leben und Tod.

In dieser Zeit der Unsicherheit und Krankheit bitten wir um

deinen Schutz und Segen.

In deinem Sohn Jesus Christus hast du uns gezeigt,

wie wir leben können, ohne Angst,

sondern in Fürsorge um andere,

in der Hinwendung zu den Menschen

in Not und Ausgrenzung.

Durch sein Kreuz und seine Auferstehung schenkst du uns

Hoffnung und neues Leben.

Hilf uns, unsere eigenen Grenzen zu überwinden.

Schenke uns deinen guten Geist,

der stärkt und aufrichtet.

 

Wir beten

für alle Erkrankten – erbarme dich;

für alle im Gesundheitswesen – erbarme dich;

für alle, die Versorgung, Betreuung und Sicherheit gewährleisten – erbarme dich;

für die Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft – erbarme dich;

für alle, die Angst haben und verunsichert sind – erbarme dich;

für die Alten und Kranken – erbarme dich;

für die Kinder – erbarme dich;

für die, die wirtschaftlich gefährdet sind – erbarme dich;

für alle Menschen weltweit und für Solidarität miteinander – erbarme dich;

für die Verstorbenen und Trauernden – erbarme dich.

Auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria, aller Seligen

und Heiligen bitten wir um deine Hilfe. Wende uns dein

Antlitz zu und sei uns gnädig.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder

und Herrn, der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.

Amen.

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

30. August: Die Narben des Krieges – unsere Verantwortung

Neulich,  bei einem Spaziergang durch die Frankfurter Innenstadt habe ich sie wieder entdecken können: Die Narben des zweiten Weltkrieges und des Nationalsozialismus in unserer Stadt: Da waren all die Häuser, die in den fünfziger Jahren auf zerbombten Grundstücken errichtet worden waren, die Gedenktafeln für die Opfer der Shoa, die vielen Hochbunker, die aus der Zeit der Luftangriffe noch stehen, auch in unseren Stadtteilen, die Gedenkstelle für das KZ bei den ehemaligen Adlerwerken im Gallus. Es gibt sie, diese und noch viele anderen Narben des Krieges in Städten und in den Seelen vieler Menschen und deren Nachkommen – ganz besonders in den Gegenden Europas und der Welt, die Opfer der von Deutschen verschuldeten und durchgeführten Vernichtungsfeldzügen geworden sind.

Am Dienstag jährt sich der Beginn des 2. Weltkrieges nun bereits schon zum 81. Mal. Es gibt nicht wenige Menschen, die dieses Kapitel der Geschichte abschließen, ja sogar verharmlosen wollen. Ich bin davon überzeugt: Das darf nicht passieren. Die Narben dieser Zeit mahnen uns, diese immer wieder in den Blick zu nehmen, sich der Schuld und Verantwortung zu stellen und – wann immer möglich – aus ihnen zu lernen. Gerade wenn immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen uns von dieser Zeit berichten können ist es wichtig, dass wir die Zeit des Nationalsozialismus immer wieder genau betrachten, weiter erforschen und Antworten auf die Fragen suchen, wie es zu diesem größten Massenverbrechen der Geschichte kommen konnte. Es gilt, darauf zu schauen: Wie konnte Antisemitismus, Nationalismus, Rassismus, und Autoritarismus so viele Menschen erreichen und durchdringen, dass diese zu einem solchen Verbrechen bereit waren? Die Antworten auf diese Frage sind wichtig. Denn auch heute stehen wir vor vielen Problemen und Herausforderungen, die denen der 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ähnlich sind. Wirtschaftskrise, weltweite Migration und ein neues Aufleben von Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus erwachen bei uns und in vielen Ländern der Erde neu – genau die Phänomene, die zu der Katastrophe des 20. Jahrhunderts beigetragen haben. Strukturen, die nach dem 2. Weltkrieg als Lehren aus dieser Zeit aufgebaut worden sind, werden hinterfragt: Sei es die Europäische Union oder die liberale und Demokratie.

Der Blick auf die Narben des 2. Weltkrieges ist gerade für Christen eine bleibende Herausforderung für Frieden, Verständigung der Völker, Gerechtigkeit und Menschenwürde einzutreten. Als Christen bekennen wir unsere Schuld, schauen auf die Narben, gedenken und beten wir für die Opfer und hören wir auf Gottes Wort, um immer wieder neue Wege zum Frieden zu finden. Ganz herzlich lade ich Sie in diesem Sinne zum Gedenkgottesdienst am 1. September um 18.00 Uhr in die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Frankfurt – Griesheim ein!

Das heutige Wochenwort ist von:

Pater Roger Abdel Massih CML

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Woche bin ich mit dem Wochenwort dran. 

Ich habe lange überlegt, welches Wort darf die ganze Woche vor Ihrem Auge sein,  ohne dass Sie es langweilt.

Die Suche danach war für mich keine leichte Aufgabe...

Ich erinnerte mich an das Wort in der Bibel: ...

Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. (Genesis 1, 31)

DU SIEHST GUT AUS!

Schau Dich an,

schau Dich neu in/ mit den Augen Gottes an,

DU SIEHST WUNDERSCHÖN AUS...

In voller Liebe hat er Dich geschaffen.

Deine Augen, Dein Lächeln, Deine Hände, ... Alles was in Dir ist, strahlt diese Liebe zurück.

Durch Dich kann ich Gott sehen.

Schaue Dich neu im Spiegel an: Du wirst es sehen: Du siehst gut aus, liebevoll von Gott geschaffen.

Pater Roger Abdel Massih

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Dr. Harald Stuntebeck

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

In der vergangenen Woche ist einer der Großen Vertreter der „Befreiungstheologie“ von uns gegangen. Mit 92 Jahre starb Dom Pedro Casadaliga, der emeritierte Bischof der Prälatur von São Felix do Araguaia (Brasilien im Bundesstaat Mato Grosso). Dom Pedro Casadáliga war ein großer Kämpfer für die Rechte der Rechtlosen in Brasilien. Von denen gab und gibt es in Brasilien viele Sie alle konnten sich der Unterstützung des Bischofs sicher sein.

Er selbst führte ein Leben in großer Einfachheit. Sein Bischofsring bestand aus der Scheibe einer Tucum-Nuss, sein Bischofskreuz hatten Indios gefertigt. In seinem Haus nahm er stets Gäste auf, die Hilfe benötigen oder sich von seiner Lebensweise inspiriert sahen.

Er hatte das Bild einer Kirche vor Augen, die durch die Gemeinschaft und Liebe untereinander geprägt ist. Eine einfache und freudige Lebensweise, der Einsatz für die Entrechteten, die Randgruppe und Hilfsbedürftigen stehen im Mittelpunkt. Mit seinen prophetischen und unmissverständlichen Worten rief Casadáliga die Kirche immer wieder zur Umkehr auf. Großgrundbesitzer, Politiker, Einflussreiche und Wohlhabende forderte er zur Änderung ihres Verhaltens auf. So, wenn er z.B. sagte:

„Verflucht seien alle Abgrenzungen.
Verflucht sei jegliches private Eigentum das uns daran hindert zu leben und zu lieben.
Verflucht seien alle Gesetze, die nur für wenige Hände erhoben werden,
und die den Bau von Zäunen für Rinder unterstützen
und die Erde zur Sklavin und die Menschen zu Sklaven machen“

Dom Pedro Casadaliga stammte aus einer Bauernfamilie die in Balsareny, in der Provinz von Barcelona in Spanien, Katalonien lebte. 1943 trat er dem Claretinerorden bei und ging zur Eröffnung einer Claretiner-Mission nach Brasilien in den Bundesstaat Mato Grosso. Diese Region war von einem hohen Grad an Analphabetismus, sozialer Ausgrenzung und Landkonzentration in den Händen von Großgrundbesitzern geprägt. Ermordungen gehörten zum täglichen Leben. Bereits am Tag seiner Ankunft fand er vier tote Babys in Schuhkartons vor seinem Haus vor. Die Mütter hatten sie hingelegt, damit er sie beerdigen sollte. Oft fehlten ihm zur Feier der Eucharistie Hostien und Wein, dann improvisierte er mit Knäckebrotkeksen und Zuckerrohrschnaps.

1968 wird er zunächst apostolischer Administrator,  1971 dann Bischof der Prälatur São Felix do Araguaia. Im selben Jahr klagte er öffentlich Feudalismus und Sklaverei im Norden Mato Grossos an. Er wies bei den staatlichen und Kirchlichen Autoritäten auf die Misstände in der Region hin. Für diese und andere Eindeutigkeiten in seinem Handeln, erhielt er nicht selten Morddrohungen oder wurde als „Kommunist“ beschimpft.

Über Jahrzehnte hinweg und über seine Emeritierung als Bischof  hinaus  engagierte er sich für die Menschenrechte, in besonderer Weise für die der Landlosen und zuletzt für die Landrechte der Xavante-Indianer in Nordbrasilien.

2012 erhielt Dom Pedro Casadaliga den Menschenrechtspreis aus den Händen der Brasilianischen Präsidentin Dilma Roussef.

Dom Pedro Casadáliga war nicht nur Bischof und Menschenrechtler, er war auch Poet, Schriftsteller, Liedermacher und ein einfühlsamer Mensch. Viele seiner Gedichte und Lieder sind in ganz Brasilien und über dessen Grenzen hinaus bekannt. Ein Gedicht, das seine Lebenshaltung wiedergibt lautet wie folgt:

„Sein wer man ist,
sagen was man glaubt,
an das glauben, was man selbst predigt,
leben, was man selbst einfordert,
bis zu den letzten Konsequenzen.“

Ein großer Mensch ist von uns gegangen. Seine Worte und sein Lebensbeispiel werden uns fehlen.  Aber das, was er gelebt und gesagt hat, wird noch lange nachklingen

„Dom Pedro Casadáliga – Presente“

Dr. Harald Stuntebeck

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferentin/Pfarrbeauftragte 

                  Monika Stanossek

Über die Köpfe hinweg – an der Wirklichkeit vorbei

Ende Juni wurde eine Instruktion aus Rom über die Pfarrgemeinden und die Leitung von Pfarreien veröffentlicht, „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“, so der Titel. Der Text beginnt, so fasst es Professor Wolfgang Beck, Pastoraltheologe in St. Georgen, zusammen, mit „dem Ideal einer „pastoralen Umkehr“ und der Hinwendung zu einem missionarisch aufbrechendem kirchlichen Leben“. Sicher einige beachtenswerte Gedanken und Impulse, manche entsprechen allerdings nicht mehr der kirchlichen Realität bei uns, sondern gehen von der früheren Situation einer Pfarrei mit einem Pfarrer aus. Sehr problematisch wird es dann, wenn es um das Thema Leitung der Pfarrgemeinden geht. Wichtige neue Leitungsmodelle von Leitung in einem Team, mit Pfarrer, haupt- und ehrenamtlichen Laien, werden abgelehnt. Laien kommen nur am Rande vor und die Rolle von Frauen wird nicht angemessen gewürdigt. Die Reaktion von einer ganzen Reihe der deutschen Bischöfe zeigt, dass auch sie offensichtlich nicht vorher befragt wurden. Kleriker in Rom, die weit weg sind von dem Leben von Gemeinden haben diese Instruktion verfasst, die leider vom Papst gebilligt wurde. Es gab und gibt viele Reaktionen von Gläubigen: Unverständnis, Enttäuschung, Wut und die Frage, wie es mit dieser Kirche weitergehen kann. Für manche stellt sich auch die persönliche Frage, ob es für sie in dieser Kirche weitergehen kann. Was ist der Beweggrund dieses Papiers? Ist es Angst vor dem Machtverlust von geweihten Amtsträgern? Ist es Angst vor dem, wie sich Kirche in der nahen und ferneren Zukunft entwickeln wird? Offensichtlich ist es Ausdruck eines Festhaltens an Früherem, ohne zu realisieren, dass diese Verhältnisse überhaupt nicht mehr der heutigen Wirklichkeit entsprechen. Vielen von uns, die wir haupt- und ehrenamtlich in Kirche leben und arbeiten, ist sehr deutlich, dass es dringend neue Modelle von Leitung in den Pfarreien braucht, gemeinsame Verantwortung von Priestern und Laien, Männern und Frauen, und zwar über das hinaus, was schon durch die synodalen Gremien  vorgesehen ist. Und das nicht, weil es nicht genug Priester gibt, sondern weil wir alle nur gemeinsam Kirche sind und gemeinsam Verantwortung tragen. In der deutschen Kirche ist der synodale Weg begonnen worden, ein Prozess in dem Bischöfe, Priester, nicht geweihte Männer und Frauen sich mit drängenden Fragen von kirchlicher Verkündigung und Gestalt von Kirche befassen und gleichberechtigt miteinander reden und ringen. Ich hoffe und bete, dass dieser Weg weiter begangen werden und auch Ergebnisse bringen wird, die zukunftsweisend sind.

Das Evangelium dieses Sonntags kann ermutigen, solche neue Schritte zu wagen, wie Petrus, der auf das Wort Jesu auf das Wasser geht. Ein sprechendes Bild dafür, dass jeder Schritt in die Zukunft ein Schritt in die Ungewissheit bedeutet und doch gewagt werden muss, denn im sicheren Boot zu bleiben entfernt uns von der Wirklichkeit der Menschen heute. Die Worte Jesu an die Jünger sind Worte an uns: Habt Vertrauen, ich bin es. Fürchtet euch nicht. Jesus ist mit uns auf dem Weg, in dem Vertrauen können wir neues ausprobieren, vielleicht auch mit manchen Versuchen scheitern, aber mit anderen Möglichkeiten entdecken, die frohe Botschaft heute zu verkünden.

Monika Stanossek

PS: Ich empfehle Ihnen die Lektüre der Seiten 11, 16 und 17 der Kirchenzeitung „Der Sonntag“, Nr. 31/32 vom 2. August 2020. Da finden Sie auch den Artikel von Prof. Beck.

Das heutige Wochenwort ist von:

Pfr. Juraj Sabados Pfarrverwalter/Kooperator

Verklärung – Verwandlung - Veränderung

Am Donnerstag 6. August feiert die Kirche das Fest der Verklärung des Herrn. Zu diesem Fest möchte ich ein paar Gedanken mit Ihnen teilen.

Evangelium: Mt 17,1-9

Nirgendwo ist Gott so nahe, ja leibhaftig gegenwärtig wie in Jesus. Jesus führt die Jünger auf den hohen Berg. Sie erleben auf dem Berg das entscheidende Ereignis: Sie sehen in Jesus die Herrlichkeit Gottes. In ihm ist Gott gegenwärtig. In Jesus den Erwählten Gottes zu sehen, in seinem Wort Gottes Wort zu hören – das ist die neue Herausforderung, die gerade im Blick auf Kreuz und Auferweckung bestehen bleibt. Durch das Hören sollen die Menschen zu Jesus als dem personalen Ort Gottes in dieser Welt finden und das Leben empfangen.

Was die Theologin Ida Lamp zu diesem Fest schreibt, hat mich sehr angesprochen und bringt ein bisschen Leichtigkeit:

Wenn ich schlechte Laune habe, wenn mir ein Tag grau ist, wenn ich mir wünsche, jemand anderer zu sein, gehe ich zum Friseur. Äußere, äußerliche Verwandlungen? Das Sprichwort sagt: „Kleider machen Leute.“ Die fesche neue Frisur lässt mich anders auftreten. Ich fühle mich schön. Ich bin gleich etwas fröhlicher und wirke selbstbewusster, wenn ich frisch vom Friseur komme …

Auch die Verwandlung Jesu, die Verklärung oder griechisch: seine Metamorphose, von der die Jünger erzählen, ist zunächst etwas an der Oberfläche Sichtbares: anderes Gesicht, weißes Gewand.

Hinter dieser Veränderung steht, dass mit ihr etwas vom Wesen Jesu sichtbar wird, was den Freunden sonst anscheinend entgangen ist. Okay, Jesus macht das nicht selbst: Er wird verwandelt.

Ich will diese Erfahrung am Berg und die theologische Botschaft vom Offenbarwerden Jesu als Gottes geliebter Sohn und Messias nicht schmälern. Aber irgendwie gefällt es mir, dass es eine Alltagsverbindung zu mir und einem vergleichsweise banalen Friseurbesuch gibt. Ich brauche da ja auch die andere, die Friseurin, die durch ihr Tun etwas von mir offenbar werden lässt, was sonst manchmal nicht zu sehen ist. – Braucht es nicht für uns alle solche Momente, in denen für uns und noch mehr für andere etwas von uns sichtbar wird, was eben nicht immer zu sehen ist.

Die Metamorphose, das ist mir klar, ist keineswegs eine Metanoia; zu gut Deutsch: eine Wandlung im Sinne einer Umkehr. Aber vielleicht sind solche Veränderungen manchmal sogar der Beginn davon. Ich werde achtsamer dafür, dass ich Gottes geliebte Tochter bin – und dass man das auch sehen darf.

Weiterhin eine schöne Ferien- und Urlaubszeit.

Juraj Sabados

Das heutige Wochenwort ist von:

Thomas Schmidt, Priester im Gallus

Charles de Foucauld: Universelle Geschwisterlichkeit

Vor wenigen Wochen war aus Rom zu hören, dass Charles de Foucauld (1876-1916), ein Franzose, der unter den nordafrikanischen, muslimischen Tuareg gelebt hat, heiliggesprochen wird. Er lebte unter ihnen ohne sie zum Christentum bekehren zu können und zu wollen. Er wollte durch reines Mitleben, durch gezeigte Güte, Gastfreundschaft und Dienstbereitschaft dem Evangelium ein Gesicht geben. Er tat das so sehr, dass die Tuareg seine Behausung eine „Bruderschaft“ (fraternité) und ihn selbst als den „Bruder aller“ (frère universel) bezeichneten.

Dom Edson Damian, der Bischof von São Gabriel da Cachoeira in Brasilien, der uns im letzten Jahr anlässlich der Amazoniensynode besucht hat, gehört der geistlichen Familie Charles de Foucauld an. In einem Buch bezeichnet er den Glauben Foucaulds als eine „Spiritualität für unsere Zeit“.

Gerade die Coronapandemie zeigt uns, dass das Denken in nationalen, kulturellen, ethnischen, religiösen oder sozialen Grenzen nicht mehr greift. Das Virus ist überall, es ist universell und kennt keine Grenzen. Das gilt auch für die Klimakrise und für eine Reihe anderer Fragen, die nur im Weltmaßstab zu bewältigen sind. 

Charles de Foucauld hat schon vor 100 Jahren eine Spiritualität gelebt, die uns helfen kann, als glaubende Menschen uns den Krisen von heute zu stellen. Ich nenne sie die „Haltung universeller Geschwisterlichkeit“. Sie setzt auf Respekt voreinander, auf gleichberechtigten Dialog, auf Dienstbereitschaft, Gastfreundschaft, Solidarität und eine besondere Sorge für die am meisten Verletzlichsten, was heute alle Lebewesen einschließt.

„Wer ist mein Nächster?“ wird Jesus gefragt. In der Geschichte vom barmherzigen Samariter wird deutlich: Die ist meine Nächste, der ist mein Nächster, die und den ich mir zur Nächsten, zum Nächsten mache. Das können im Geiste Charles de Foucauld potentiell alle sein: nah und fern, geliebt und ungeliebt, mir ähnlich oder sehr anders als ich selbst.

Als Schwestern und Brüder aller Menschen zu leben und wahrgenommen zu werden wäre sicher ein Zeugnis von Christinnen und Christen, das wirken würde. Vielleicht kann uns die anstehende Heiligsprechung dazu einen Impuls geben.

 

Thomas Schmidt

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Stefan Hofer

Diese Woche gab es einen außergewöhnlichen Todesfall. 

In den USA wurde ein Mörder ermordet. Und das, obwohl die Angehörigen der Opfer dagegen waren. Gleichzeitig kam die Meldung, dass mehrere andere Staaten die Todesstrafe nicht mehr vollstrecken, wie schon seit dem Ende des zweiten Weltkrieges auch bei uns oder überhaupt in der EU. Denn auch der Staat soll nicht morden, vor allem, wenn er sich christlichen Werten verpflichtet sieht. Das sagt auch die katholische Lehre und mit ihr Papst Franziskus.

Lange Zeit war das Christentum eine Untergrundreligion. Vor allem im römischen Reich wurden die AnhängerInnen verfolgt, gefoltert und getötet. Kurz nach 300 wurde Armenien der erste christliche Staat und danach auch das römische Reich. Das staatliche Christentum verfolgte nun auch seine Gegner. So auch Bischof Priscillian von Avila. Er war der erste „Häretiker“ des Christentums, der wegen Ketzerei hingerichtet wurde. Schriften Priscillians wurden verbrannt trotz Protesten des heiligen Martins, dem damaligen Bischof von Tours. Priscillian verkündete, dass die Kirche durch den Heiligen Geist erneuert werden sollte, denn Jesus hätte die Sklaverei  abgeschafft und die Gleichstellung von Männern und Frauen geboten. Deshalb nahmen Priscillian und seine Anhänger Frauen gleichberechtigt in ihre Gemeinschaft auf. Das Studium der Heiligen Schrift war verbindlich. Diese „häretischen“ Gedanken haben sich erst in den letzten zwei Jahrhunderten im Christentum verbreitet, aber nicht überall durchgesetzt. Darüber streiten wir teilweise heute noch in der römisch-katholischen Kirche und auch in anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften. Glücklicherweise sind wir uns wenigstens einig, dass diese Art der Lehre nicht mehr durch den Tod bestraft wird.

Von Priscillan können wir lernen auf Jesus Christus zu schauen und seine Einstellungen gegenüber diskriminierten Gruppen ernst zu nehmen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche.

Stefan Hofer

Das heutige Wochenwort ist von:

Gemeindereferentin Verena Nitzling

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wie geht es Ihnen? Was bewegt Sie in diesen Tagen? Was erfreut sie? Was bereitet ihnen Sorge?

Fühlen Sie ein bisschen Sommerferien-Feeling?

Ich wünsche Ihnen mit diesen Zeilen einen guten Start in die neue Woche. Eine neue Woche wartet auf uns, 7 Tage, 168 Stunden, 10080 Minuten und 604800 Sekunden werden uns geschenkt.

Wie gehen wir mit dieser geschenkten Zeit um?

Alles nur Druck, Verpflichtung, Stress und Chaos?

Nehmen Sie sich im Alltagsstress auch mal Zeit für sich selbst?

Eine kleine Auszeit im Garten, auf dem Balkon, an der Nidda, im Schwimmbad oder vielleicht auch einfach auf der Couch?

Eine Tasse Kaffee, ein gutes Buch, eine Zeitschrift, hoffentlich wärmende Sonnenstrahlen und blauen Himmel.

Zeit, um mit Freunden zu telefonieren, dem Hobby nachgehen zu können, Zeit für die Partnerschaft, Zeit für die Familie, Zeit für die Beziehung mit Gott und Zeit für sich selbst.

Einfach mal nur da-sein, den eigenen Atem spüren, Zeit zum Durchatmen, den Gedanken und Gefühlen nachgehen und diese sortieren, nachspüren von Begegnungen und Gesprächen und Kraft tanken für all das, was das Leben für uns bereit hält.

Ich persönlich bin viel draußen in der Natur unterwegs, kann beim Schwimmen abschalten und erfreue mich am strahlenden Sonnenschein.

Dieser Sommer ist definitiv anders. Von einigen Familien in der Gemeinde weiß ich, dass sie bereits in den Urlaub aufgebrochen sind oder dies in den nächsten Tagen ansteht. Wir planen gerade Ferienspiele für die Kinder unserer Pfarrgemeinde, unter Coronsbedingungen eine echte Herausforderung, die viel Kreativität freisetzt.

Vieles ist in diesen Wochen anders. Und das Andere macht die Sache spannend, setzt Energien, Ideen, Kreativität frei.

Ich lade Sie ein, ihren Sommer mal anders zu gestalten und zu erleben. Ich freue mich über Ihre Berichte.

Neues ausprobieren, etwas wagen, alles hat seine Zeit, so heißt es schon im Buch Kohelet.

Nehmen Sie die geschenkte Zeit und gestalten Sie diese für sich.

Gute Erfahrungen und eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen

Verena Nitzling

Das heutige Wochenwort ist von:

Pfarrer Rolf Glaser

Urlaubsreif

„Mallorca. Die Geisterinsel: Was wird aus dem Lieblingsziel der Deutschen?“ so titelt heute der Spiegel. Rechtzeitig zu Beginn der Haupturlaubszeit, der Sommerferien!

Die Urlaubszeit, Krise in der Krise. Viele sind urlaubsreif! Die Minderheit fährt unverdrossen ins Ausland, nach Österreich, nach Spanien, nach Italien, nach Griechenland, nach Kroatien. Es sei ihnen gegönnt! Die südlichen Länder, die es härter getroffen hat als Deutschland,  brauchen dringend die Devisen, die der Tourismus einbringt. Hoffen wir, dass kein neues „Ischgl“ entsteht!

Ich selbst habe mich entschlossen, in diesem Sommer nicht ins Ausland zu  fahren. Es ist doch klar: möglich wäre es nur mit vielen Einschränkungen. Und wie die gesundheitliche Versorgung im Fall der Fälle aussieht – zumal für einen Touristen – ist auch unsicher.

Die Mehrheit der Deutschen bleibt im Land. Wenn sie im Urlaub wegfahren, dann Nord- oder Ostsee, Berge, Städtereisen, Bauernhof. Und da gibt es viel zu entdecken. Ich selbst wundere mich immer wieder, wie viele Gegenden mit all ihren Kleinoden und Sehenswürdigkeiten ich in Deutschland gar nicht kenne. Aber auch solche Urlaube kosten Geld! Oft gar nicht so wenig!

Nicht wenige können sich jedoch gar keinen Urlaub leisten. Sie sind von Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Einkommenseinbußen oder Verdienstausfall betroffen. Die ökumenische Initiative „Urlaub ohne Koffer“ organisiert Jahr für Jahr erschwingliche Urlaubsunternehmungen für Menschen, die sich eigentlich keinen Urlaub leisten können, mit Zielen in der Nähe, mit Tagesfahrten und ortsnahen Unternehmungen.

Sie selber können auf diese Weise Ihren „Urlaub ohne Koffer“ planen. Es gibt zahlreiche Wanderrouten in der näheren Umgebung (Bonifatius-Route, Elisabethpfad, Lutherweg, Jakobswege, etc.). Die „Weise Flotte“ bringt einem zu Zielen mainauf- und mainabwärts, Städtereisen, Ausflüge in die angrenzenden Mittelgebirge, Fahrradtouren, Wanderung im Stadtwald  oder einfach Urlaub im heimischen Garten.

Dabei geht es um Abschalten, um  Abwechslung, einfach darum, zur Ruhe zu kommen. Dabei ist nicht zu unterschätzen, dass auch dies viele Menschen nicht erreichen. Sie kommen einfach nicht zur Ruhe. Sie brauchen „action“! Ihr ganzes Leben ist eigentlich nur „action“.

Im heutigen Sonntagsevangelium sagt Jesus: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ (Mt 11, 28) „Ruhe“ meint in der Bibel nicht einfach Nichtstun, so sehr auch das sein Recht hat. „Ruhe“ erinnert vielmehr an die Ruhe Gottes am siebten Schöpfungstag, an dem er mit Wohlgefallen auf sein Werk schaut.- Wer in diese Ruhe eintauchen kann, der findet zur „tiefen Überzeugung, dass alles gut wird…Um Ruhe zu haben, müssen wir darauf setzen können, dass ein vollmächtiges Jawort die Schöpfung  und unsere Geschichte durchwaltet und dass darin unser eigenes Leben mitgetragen ist.“ (Dieter Emeis)

In diesem Sinne, wo auch immer: Erholen Sie sich gut!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Ruben Manger

Gott ist nichts verborgen – Für ihn ist alles möglich

„Der Weltraum, unendliche Weiten.“ Diese Worte stehen am Anfang aller Star Trek-Folgen. Bis heute schaue ich mir diese Serien mit Begeisterung immer wieder an. Und immer komme ich dabei ins Grübeln über den Begriff „unendliche Weiten“. Dieser Begriff hat sich in der Menschheitsgeschichte immer wieder verändert und geweitet. Und kein Begriff ist mit dem Forscherdrang des Menschen so stark verbunden wie diese zwei Worte.

Bei der Erkundung des amerikanischen Kontinents sprach man von den unendlichen Weiten der Steppe. Heute sind dies immer noch große Flächen, aber der Mensch hat sie inzwischen kartographiert und in Besitz genommen. Der Mensch ist auch in den Weltraum vorgedrungen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er sich auch dort ausbreitet.

Aber der Mensch wird niemals alle Grenzen überwinden. Es wird immer eine neue Grenze geben, auf die der Mensch stoßen wird.

In der Lesung vom gestrigen Samstag hören wir von Abraham und Sara, die in hohem Alter von Gott die Verheißung hören, dass sie innerhalb eines Jahres ein Kind bekommen werden. Das klingt für die beiden unwirklich und nur schwer vorstellbar. Sara lacht innerlich sogar über diese Botschaft, so unglaublich ist sie.

„In jenen Tagen erschien der Herr Abraham bei den Eichen von Mamre. […] er lief ihm […] entgegen, […] und sagte: Mein Herr, wenn ich dein Wohlwollen gefunden habe, geh doch an deinem Knecht nicht vorbei! […] Er fragte ihn: Wo ist deine Frau Sara? Dort im Zelt, sagte er. Da sprach der Herr: In einem Jahr komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben. Sara hörte am Zelteingang hinter seinem Rücken zu. Abraham und Sara waren schon alt; […] Sara lachte daher still in sich hinein und dachte: Ich bin doch schon alt und verbraucht und soll noch das Glück der Liebe erfahren? […] Da sprach der Herr zu Abraham: Warum lacht Sara und sagt: Soll ich wirklich noch Kinder bekommen, obwohl ich so alt bin? Ist beim Herrn etwas unmöglich? Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich wieder zu dir kommen; dann wird Sara einen Sohn haben. Sara leugnete: Ich habe nicht gelacht. Sie hatte nämlich Angst.[…]“Gen 18,1-15

Für Gott ist alles möglich, auch das ein Paar im hohen Alter ein Kind bekommt. Gott ist die unendliche Weite, Liebe, Gnade, Freude, Hoffnung. Und schlussendlich ist er auch die unendliche Weite. Ihm bleibt nichts verborgen. Er kennt uns in allen unseren Ängsten und Geheimnissen, all dem Positiven wie dem Negativen und dennoch ist er die unendliche Liebe, die immer zu uns sagt: „Du bist mein geliebtes Kind!“

Ruben Manger

Für diese Woche habe ich Pfarrer i.R. Klaus Wüst gebeten, in alter Verbundenheit zu uns, das Wochenwort zuschreiben. Mit vielen Grüßen aus dem Westerwald hat er es uns gesandt.

Ralf Albensoeder

Liebe Leserinnen und Leser,

es sind schon fast 2 Jahre her, dass ich an den Augen operiert worden bin und seitdem, außer dem Gottesdienst bei den internationalen Tagen der Begegnung mit dem Bischof in St. Hedwig, nicht mehr in Griesheim und Nied war, und wir miteinander Gottesdienstfeiern konnten. Sie können sich sicher vorstellen, wie sehr mir dies fehlt, gerade in dieser Coronazeit, in der sehr viele auch mehrere Wochen auf die gemeinsamen Gottesdienste verzichten mussten. Selbst die jetzigen Möglichkeiten nach den vorgeschriebenen Verhaltensregeln ersetzen nicht die gewohnten Gemeindegottesdienste. Immerhin gilt zwar Jesu Wort: „Wo zwei oder drei zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen“, aber es fehlt doch die Erfahrung von Gemeinde und Gemeinschaft in der Eucharistie und nachher bei der persönlichen Begegnung.

Trotz der vielen Regeln und belastenden Umstände sind die Gottesdienste doch als Kraftquelle empfunden worden.

Ich war bis zum Anfang der Pandemie noch in der Klinik und wurde dann zeitnah nach Hause entlassen und konnte in der Karwoche dann die Schreckensbotschaften aus aller Welt in allen Medien verfolgen bis heute.

Da das Wetter mitmachte, konnten wir auf der Wiese hinter dem Haus mit entsprechendem Abstand eine Abendmahlsmesse halten.

Mit großer Betroffenheit haben wir all der Menschen im Gebet gedacht, die schon Opfer der Pandemie waren und voller Angst vor der Infektion die Nachrichten verfolgten mit dem verzweifelten Kampf gegen den Virus.

Wir haben allen Grund unseren Gott um seine Nähe zu bitten in der weiteren Entwicklung.

In diesen Wochen ist mir ein Gebet aufgefallen von Dietrich Bonhoeffer, das gut in unsere Zeit passt:

Ich glaube,

dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.

Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will wie wir brauchen.

Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.

In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

 

Seid behütet und bewahrt und gesegnet

Klaus Wüst. Pfr. i. R

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

Ausgesendet

Als wäre es für heute geschrieben! Das habe ich mir gedacht, als ich das Sonntagsevangelium von heute gehört habe! Da geht es im Matthäusevangelium um die Aussendung der Jünger durch Jesus. Und dieser Text fängt schon gut an: „Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.“ Jesus sieht, was bei den Menschen los ist; er spürt ihre Müdigkeit und Erschöpfung. Genau diese Phänomene machen sich nach einer so langen Krisenzeit auch in meinem Umfeld bemerkbar. Und ich bin mir sicher, dass Jesus das auch heute sieht. Damals hat er keine Konzepte und Pläne dagegen entworfen, sondern er hat seine Freunde zu ihnen ausgesandt. Es waren 12 Leute gewesen – diese Zahl ist symbolisch zu verstehen: Das ganze Volk Israel mit seinen zwölf Stämmen soll erreicht werden. Er gibt diesen Menschen große Vollmachten mit: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“

Ja, ich bin mir sicher, das ist für uns heute geschrieben. Auch wir sollen zu den Menschen rausgehen. Auch wenn ich sicher nicht Wunder wie Totenerweckungen oder Krankenheilungen vollbringen kann, so ist doch an dem Auftrag Jesu auch für mich viel Wahres drin. Ich kann sehr wohl zu Trauernden hingehen und einfach da sein. Ich kann Kranke besuchen und ihnen zur Seite stehen. Ich kann versuchen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und gegen die vielen Dämonen unserer Tage angehen: Verschwörungstheorien, rassistische Einstellungen und vieles andere mehr. „Das Himmelreich ist nahe!“ – wenn ich das verkünden soll, dann heißt das für mich: Ich kann meinen kleinen Teil dazu beitragen, dass etwas davon hier in meinem Umfeld zu spüren ist. Denn überall dort, wo sich Menschen für Gerechtigkeit und für Schwache einsetzen, ist das Himmelreich nahe.

Ich bin mir sicher: Jesus sendet uns dazu auch heute aus, Frauen, Männer, Junge, Alte. Vielleicht ist das seine Botschaft an alle seine Freundinnen und Freunde für die Zeit jetzt am Ende des harten Lockdowns“: Geht raus, seid nahe bei den Menschen, besonders bei den Schwachen! Damit ist das Sonntagsevangelium von heute ein echter Anstoß, mich aus meinem „Coronafrust“ etwas raus zu bewegen: „Geh los, hab Mut, verlier die Hoffnung nicht“, könnten die Worte Jesu für mich heute bedeuten. Oder einfach genauso, wie er es damals gesagt hat: „Die Ernte ist groß!“

Ich wünsche Ihnen eine gute und gesegnete Woche!

Rolf Müller, Pastoralreferent

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