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Das Wochenwort

Das Wochenwort
Das Wochenwort
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Liebe Leseinnen und Leser unseres Kirchentagebuchs,

Mit dem heutigen Tag, Fronleichnam, geht unser tägliches Kirchentagebuch zu Ende. Ganze 85 (!) Kirchenbucheinträge sind es seit dem 15. März geworden. Keine(r) von uns Schreibenden hätte jemals am 19. März gedacht, dass diese Form der Kommunikation so lange bestehen bleibt – genauso wie niemand hatte voraussagen können, wie lange der Zustand des sehr eingeschränkten Lebens in unseren Gemeinden dauern könnte.

Die Kirchentagebucheinträge – die uns alle zum Nachlesen auf den Homepages erhalten bleiben – sind wie eine kleine Chronik dieser außergewöhnlichen Zeit. Und das, obwohl sie so verschieden sind wie diejenigen, die sie geschrieben haben. Da gab es viel Ermutigendes, Nachdenkliches, viele Zeitansagen und Diskussionsbeiträge zur aktuellen Lage, „heiße“ Themen zu Sachen, die uns als Kirche unter den Nägeln brennen und dabei immer ganz viel Geistliches. Vom Kirchenlied bis zum Songtext, vom Gebet bis zum Gedicht, von der Meditation bis zur Betrachtung eines Sonntagsevangeliums waren ganz verschiedene Textarten mit dabei. Unser Kirchentagebuch ist ein kleiner Schatz geworden, den wir bewahren wollen.

Seit einigen Wochen nun schon feiern wir jetzt wieder Gottesdienste, wir beginnen wieder mit den Sitzungen unserer Gremien und versuchen, uns auch wieder mit möglichst vielen Menschen und Gruppen „in echt“ zu treffen. Wir hoffen alle sehr, dass sich mehr und mehr eine „neue Normalität“ im kirchlichen Leben bei uns einstellt. Und so ändert sich auch das „Kirchentagebuch“. Aus einem Wort zum Tag wird jetzt ein Wort zur Woche; es nennt sich „Das Wochenwort“. Genau wie beim Kirchentagebuch kann es beim Wochenwort auch um etwas Besinnliches, Nachdenkliches oder Aktuelles gehen. Erscheinen soll es jeden Sonntag auf unseren Homepages.

Das Ende des Kirchentagebuches und der Beginn des „Wochenwortes“ ist auch eine gute Gelegenheit, „Danke“ zu sagen: An alle Webmaster, die Tag für Tag die Texte auf die Seiten eingestellt haben, manchmal auch mitten in der Nacht. Danke an alle Schreiberinnen und Schreiber der Kommentare zu den Einträgen auf der Homepage von Mariä Himmelfahrt – da waren viele gute Anregungen dabei. Und natürlich an alle Verfasserinnen und Verfasser der Tagebucheinträge selbst!

Rolf Müller, Pastoralreferent

Sonntag, 27. September 2020 / Verena Nitzling

Das heutige Wochenwort ist von:

Gemeindereferentin Verena Nitzling

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Herbst ist da – die Jahreszeit zwischen Sommer und Winter, Zeit der Ernte und des Blätterfalls. Ende Oktober wird die Uhr umgestellt. Die Tage werden kürzer und die Nächte länger. Die Blätter am Baum verfärben sich, ein kühler, frischer Wind geht, bunte Blätter liegen am Boden, Kastanien und Nüsse können gesammelt und Drachen können steigen gelassen werden. Die letzten Sonnenstrahlen laden zum Genießen ein. Der Herbst lädt zum Spaziergang ein. Aufmerksam und wachsam sind wir eingeladen, durch die Natur zu gehen. Zeit, um die Schönheit der Natur zu bewundern. Die bunten Blätter erzählen von der Vielfalt des Lebens und von der Vergänglichkeit.

Dieses oder auch nächstes Wochenende feiern wir das Erntedankfest. Es ist ein Fest für alle Sinne, bunt, leuchtend, duftend, üppig, schmackhaft…

Es ist Zeit, Gott zu danken für all die Ernte. Für all das, was im Laufe des Jahres in unserem Garten, auf dem eigenen Balkon oder auch auf den Äckern gewachsen und gereift ist, aber auch für all unsere Fähigkeiten und Talente, die Gott in uns hineingelegt hat.

Nehmen Sie sich die Zeit und beten Sie in Ruhe Psalm 104.

Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel, du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser. Du nimmst dir die Wolken zum Wagen, du fährst einher auf den Flügeln des Windes. Du machst die Winde zu deinen Boten, zu deinen Dienern Feuer und Flamme. Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet, in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken. Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen. Sie wichen vor deinem Drohen zurück, sie flohen vor der Stimme deines Donners. Sie stiegen die Berge hinauf, sie flossen hinab in die Täler an den Ort, den du für sie bestimmt hast. Eine Grenze hast du gesetzt, die dürfen sie nicht überschreiten, nie wieder sollen sie die Erde bedecken. Du lässt Quellen sprudeln in Bäche, sie eilen zwischen den Bergen dahin. Sie tränken alle Tiere des Feldes, die Wildesel stillen ihren Durst. Darüber wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt. Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen, damit er Brot gewinnt von der Erde und Wein, der das Herz des Menschen erfreut, damit er das Angesicht erglänzen lässt mit Öl und Brot das Herz des Menschen stärkt. Die Bäume des HERRN trinken sich satt, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat, dort bauen die Vögel ihr Nest, auf den Zypressen nistet der Storch. Die hohen Berge gehören dem Steinbock, dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht. Du machst den Mond zum Maß für die Zeiten, die Sonne weiß, wann sie untergeht. Du sendest Finsternis und es wird Nacht, dann regen sich alle Tiere des Waldes. Die jungen Löwen brüllen nach Beute, sie verlangen von Gott ihre Nahrung. Strahlt die Sonne dann auf, so schleichen sie heim und lagern sich in ihren Verstecken. Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk, an seine Arbeit bis zum Abend. Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. Da ist das Meer, so groß und weit, darin ein Gewimmel, nicht zu zählen: kleine und große Tiere. Dort ziehen die Schiffe dahin, der Levíatan, den du geformt, um mit ihm zu spielen. Auf dich warten sie alle, dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit. Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein, öffnest du deine Hand, werden sie gesättigt mit Gutem. Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub. Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen und du erneuerst das Angesicht der Erde. Die Herrlichkeit des HERRN währe ewig, der HERR freue sich seiner Werke. Er blickt herab auf die Erde und sie erbebt, er rührt die Berge an und sie rauchen. Ich will dem HERRN singen in meinem Leben, meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin. Möge ihm mein Dichten gefallen. Ich will mich freuen am HERRN. Die Sünder sollen von der Erde verschwinden und Frevler sollen nicht mehr da sein. Preise den HERRN, meine Seele! Halleluja!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche und einen guten Start in den Herbst,

Ihre Verena Nitzling

Das heutige Wochenwort ist von:

Pfarrer Rolf Glaser

Der europäische Kuss – Ein Todeskuss?

Verstörend sind die Bilder und Nachrichten aus dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos. Der Brand hat die untragbaren Zustände dort noch verschärft. Schon vor dem Brand hat Entwicklungsminister Müller gegenüber der Tagesschau geäußert: „“Das ist kein Flüchtlingscamp, das ist ein Gefängnis. Flüchtlinge werden eingepfercht wie Verbrecher“. Nun geht er in den Ruhestand. Ob das wirklich nur dem Alter geschuldet ist? Er wollte 2000 Flüchtlinge aus dem Camp in Deutschland aufnehmen. Zahlreiche Kommunen wären dazu bereit. Auf der Linie seiner bayrischen CSU und von Innenminister Seehofer lag er mit besagter Äußerung jedenfalls nicht. Nur eine symbolische Zahl ist Deutschland bisher bereit aufzunehmen. Fraglich ist dabei, ob diese aus Lesbos kommen oder ob Griechenland seine Flüchtlinge auf dem Festland in aufnahmebereite Länder weiterreichen will. Verstörend sind die Reaktionen oder besser Nichtreaktionen der europäischen Politik. Europa und seine Mitgliedstaaten schieben die Verantwortung hin und her. Man will keine Anreize dafür schaffen, dass neue Flüchtlinge den Weg nach Europa suchen. Deshalb werden die 13.000 Menschen auf Lesbos in Geiselhaft genommen und leben weiter unter menschenunwürdigen Zuständen.

In diesem Jahr feiern wir den 250. Geburtstag des Vaters der Europahymne, Ludwig von Beethoven. In Berlin wurde seine 9. Symphonie in beeindruckender Weise aufgeführt. „Diesen Kuss der ganzen Welt!“ heißt es in der „Ode an die Freude“, dem Finale der Symphonie, mit dem Text von Friedrich Schiller. Was ist das für ein Kuss, den Europa der Menschheit, den Menschen in Moria, zu geben bereit ist?

Es darf kein „Todeskuss“ sein! Wenn Europa als „Europa der Werte und der Menschenrechte“ versagt, dann ist das ein Todeskuss, nicht nur für viele Menschen, sondern, davon bin ich fest überzeugt, für Europa selbst. Seine Flüchtlingspolitik ist dafür die Nagelprobe. Ein Europa, das seine Werte verrät, wäre nicht zukunftsfähig. Setzen wir uns dafür ein, dass der Kuss, den Europa der Welt zu geben bereit ist, ein Kuss der Beherztheit und der Solidarität ist!

Die katholische Friedensbewegung Pax Christi hat einen Aufruf gestartet. „Kein Weihnachten in Moria“. Sie finden ihn im Internetauftritt des Hedwigsforum und der Gemeinden Mariae Himmelfahrt und St. Markus. Es geht darum, einen Brief an die Bundestagsabgeordneten in Hessen zu schreiben, dass sie sich dafür einsetzen, dass die Flüchtlinge von Moria nicht auch das Weihnachtsfest unter menschenunwürdigen Bedingungen begehen müssen. Machen Sie mit! Werden Sie Teil der Bewegung! Schreiben Sie Ihren Abgeordneten!

»Weihnachten ist kalendarisch am 24./25. Dezember.
Das wirkliche Weihnachten ist in diesen Zeiten dann, wenn Flüchtlinge gerettet werden.
Das wirkliche Weihnachten ist dann, wenn Flüchtlingskinder wieder sprechen, spielen und essen.
Das wirkliche Weihnachten ist dann, wenn ›Der Retter‹ wirklich kommt – und er nicht nur im Weihnachtslied besungen wird.«

Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung, 22. 12. 2019

An allen Orten sollen wir in der Nachfolge Jesu Zeugen und Verkünder unseres Glaubens sein. Dieser Glaube beschränkt sich nicht nur auf den sonntäglichen Gottesdienst oder das persönliche und familiäre Beten, er will unser Leben durchdringen, in all dem, was wir tun oder auch lassen. Der Glaube will nicht nur erkennbar werden durch Wort, sondern auch durch Tat. Das fängt bei den kleinen Gesten, dem freundlichen Blick, wenn man Menschen begegnet, kann sich aber auch im offenen Ohr zeigen, dass man für die Probleme, Ängste, Sorgen, Nöte aber auch Freude und Hoffnung der Menschen hat.

In der Konstitution des zweiten vatikanischen Konzil „Gaudium et spes“ heißt es, dass die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute auch immer die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Kirche (also uns) sind. Wir alle sind Seelsorger in, so wie wir es können und vermögen, ob wir es nun studiert haben oder nicht. Durch Taufe und Firmung sind hierfür bekräftigt, den Menschen helfend zu Seite zu stehen.

Als kleiner Auftrag, den ich ihnen mitgeben möchte ein kurzes Zitat, das ich neulich auf einer Postkarte gelesen habe:

„Ab hier bitte lächeln!“

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Ralf Albensoeder

Was für Bilder letztes Wochenende -

(Neo-)Nazis vor dem Reichstag mit der Reichskriegsflagge – Zeichen der Verachtung unserer Demokratie. Nur von drei mutigen Polizisten aufgehalten. Demonstrationen gegen die Corona Maßnahmen, eine bunte Mischung von besorgten Bürgern, Verschwörungstheoretikern (QAnon), die auch an Weihnachtsmann glauben würden, wenn es nur oft genug in den sozialen Netzwerken behauptet wird und diffuse Ängste damit geweckt werden können, ökologisch angehauchte Menschen und viele, die andere Beweggründe dahingeführt haben – möglichst ohne Maske - und jede Menge Rechte und sogenannte Reichsbürger, Menschen die die Demonstration für ihre Zwecke missbrauchen.

Viele demonstrierten gegen angebliche Zerstörung des Grundgesetzes. Meinungsfreiheit würde eingeschränkt – seltsam wenn sie gleichzeitig demonstrieren dürfen. Brüllereien wie Lügenpresse, weil im Internet ja auch immer die Wahrheit steht, solange sie mir gefällt, und außer, dass es im Netz steht, keine Belege hat.

Und immer ohne Maske, bis auf ein paar, die verantwortlich handelten.

Denn im Grundgesetz steht nichts von einem „Recht“, dass ich andere anstecken und gefährden darf!

Masken begrenzen meine Freiheit - ja, aber die Freiheit endet da, wo ich die Freiheit und Gesundheit andere gefährde (ich darf auch nicht mit 100 km/h durch die Stadt fahren). Deshalb trage ich sie beim besten Willen nicht gerne, aber aus Verantwortung und Solidarität werde ich sie tragenm solange es mir ernstzunehmende  Wissenschaftler sagen, dass es nötig ist.

Masken tragen, dass würden gerne hunderttausende in vielen Ländern der Welt, wo die Pandemie wütet und sie nicht zu Hause bleiben können, weil Hilfsmaßnahmen des Staates sie tragen, die arbeiten müssen um mit dem wenigen Geld etwas zum Essen zu kaufen. Die in den Slums und Favelas und Flüchtlingslagen unserer Welt dichtgedrängt noch nicht einmal simple Maßnahmen wie Händewaschen mangels Zugang zu genügend Wasser ergreifen können.

Der „Corona-Hunger“ ist in Dehli, Lagos, Kiew, Tirana oder  Manau bittere Realität. Sie müssen leidvoll erfahren, das Corona keine Hirngespinst oder eine Grippe ist. Die Pandemie bringt schwerste gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen mit sich.

Auch viele kirchliche Mitarbeiter, Laien, Ordensleute und Priester, sind z.B. in Brasilien Opfer des Virus geworden, und wie alle haben nich die Bilder das Lastwagen mit Särgen aus Italien vor uns.

Um diesen vielen Menschen zu helfen, ruft die Katholische Kirche in Deutschland an diesem Sonntag, dem 6. September zur Corona Kollekte auf und zum Gebet und Solidarität mit den Leidtragenden auf.

Gerne darf man auch nach diesem Sonntag spenden. Das Spendenkonto ist:

Darlehenskasse Münster

Stichwort Corona Kollekte 2020

DE53 4006 0265 0003 8383 03

Oder Online unter:

www.dkm-spendenportal.de/corona-kollekte

 

GEBET

Allmächtiger, gütiger Gott,

du bist der Schöpfer der Welt und Herr über Leben und Tod.

In dieser Zeit der Unsicherheit und Krankheit bitten wir um

deinen Schutz und Segen.

In deinem Sohn Jesus Christus hast du uns gezeigt,

wie wir leben können, ohne Angst,

sondern in Fürsorge um andere,

in der Hinwendung zu den Menschen

in Not und Ausgrenzung.

Durch sein Kreuz und seine Auferstehung schenkst du uns

Hoffnung und neues Leben.

Hilf uns, unsere eigenen Grenzen zu überwinden.

Schenke uns deinen guten Geist,

der stärkt und aufrichtet.

 

Wir beten

für alle Erkrankten – erbarme dich;

für alle im Gesundheitswesen – erbarme dich;

für alle, die Versorgung, Betreuung und Sicherheit gewährleisten – erbarme dich;

für die Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft – erbarme dich;

für alle, die Angst haben und verunsichert sind – erbarme dich;

für die Alten und Kranken – erbarme dich;

für die Kinder – erbarme dich;

für die, die wirtschaftlich gefährdet sind – erbarme dich;

für alle Menschen weltweit und für Solidarität miteinander – erbarme dich;

für die Verstorbenen und Trauernden – erbarme dich.

Auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria, aller Seligen

und Heiligen bitten wir um deine Hilfe. Wende uns dein

Antlitz zu und sei uns gnädig.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder

und Herrn, der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.

Amen.

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

30. August: Die Narben des Krieges – unsere Verantwortung

Neulich,  bei einem Spaziergang durch die Frankfurter Innenstadt habe ich sie wieder entdecken können: Die Narben des zweiten Weltkrieges und des Nationalsozialismus in unserer Stadt: Da waren all die Häuser, die in den fünfziger Jahren auf zerbombten Grundstücken errichtet worden waren, die Gedenktafeln für die Opfer der Shoa, die vielen Hochbunker, die aus der Zeit der Luftangriffe noch stehen, auch in unseren Stadtteilen, die Gedenkstelle für das KZ bei den ehemaligen Adlerwerken im Gallus. Es gibt sie, diese und noch viele anderen Narben des Krieges in Städten und in den Seelen vieler Menschen und deren Nachkommen – ganz besonders in den Gegenden Europas und der Welt, die Opfer der von Deutschen verschuldeten und durchgeführten Vernichtungsfeldzügen geworden sind.

Am Dienstag jährt sich der Beginn des 2. Weltkrieges nun bereits schon zum 81. Mal. Es gibt nicht wenige Menschen, die dieses Kapitel der Geschichte abschließen, ja sogar verharmlosen wollen. Ich bin davon überzeugt: Das darf nicht passieren. Die Narben dieser Zeit mahnen uns, diese immer wieder in den Blick zu nehmen, sich der Schuld und Verantwortung zu stellen und – wann immer möglich – aus ihnen zu lernen. Gerade wenn immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen uns von dieser Zeit berichten können ist es wichtig, dass wir die Zeit des Nationalsozialismus immer wieder genau betrachten, weiter erforschen und Antworten auf die Fragen suchen, wie es zu diesem größten Massenverbrechen der Geschichte kommen konnte. Es gilt, darauf zu schauen: Wie konnte Antisemitismus, Nationalismus, Rassismus, und Autoritarismus so viele Menschen erreichen und durchdringen, dass diese zu einem solchen Verbrechen bereit waren? Die Antworten auf diese Frage sind wichtig. Denn auch heute stehen wir vor vielen Problemen und Herausforderungen, die denen der 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ähnlich sind. Wirtschaftskrise, weltweite Migration und ein neues Aufleben von Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus erwachen bei uns und in vielen Ländern der Erde neu – genau die Phänomene, die zu der Katastrophe des 20. Jahrhunderts beigetragen haben. Strukturen, die nach dem 2. Weltkrieg als Lehren aus dieser Zeit aufgebaut worden sind, werden hinterfragt: Sei es die Europäische Union oder die liberale und Demokratie.

Der Blick auf die Narben des 2. Weltkrieges ist gerade für Christen eine bleibende Herausforderung für Frieden, Verständigung der Völker, Gerechtigkeit und Menschenwürde einzutreten. Als Christen bekennen wir unsere Schuld, schauen auf die Narben, gedenken und beten wir für die Opfer und hören wir auf Gottes Wort, um immer wieder neue Wege zum Frieden zu finden. Ganz herzlich lade ich Sie in diesem Sinne zum Gedenkgottesdienst am 1. September um 18.00 Uhr in die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Frankfurt – Griesheim ein!

Das heutige Wochenwort ist von:

Pater Roger Abdel Massih CML

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Woche bin ich mit dem Wochenwort dran. 

Ich habe lange überlegt, welches Wort darf die ganze Woche vor Ihrem Auge sein,  ohne dass Sie es langweilt.

Die Suche danach war für mich keine leichte Aufgabe...

Ich erinnerte mich an das Wort in der Bibel: ...

Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. (Genesis 1, 31)

DU SIEHST GUT AUS!

Schau Dich an,

schau Dich neu in/ mit den Augen Gottes an,

DU SIEHST WUNDERSCHÖN AUS...

In voller Liebe hat er Dich geschaffen.

Deine Augen, Dein Lächeln, Deine Hände, ... Alles was in Dir ist, strahlt diese Liebe zurück.

Durch Dich kann ich Gott sehen.

Schaue Dich neu im Spiegel an: Du wirst es sehen: Du siehst gut aus, liebevoll von Gott geschaffen.

Pater Roger Abdel Massih

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Dr. Harald Stuntebeck

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

In der vergangenen Woche ist einer der Großen Vertreter der „Befreiungstheologie“ von uns gegangen. Mit 92 Jahre starb Dom Pedro Casadaliga, der emeritierte Bischof der Prälatur von São Felix do Araguaia (Brasilien im Bundesstaat Mato Grosso). Dom Pedro Casadáliga war ein großer Kämpfer für die Rechte der Rechtlosen in Brasilien. Von denen gab und gibt es in Brasilien viele Sie alle konnten sich der Unterstützung des Bischofs sicher sein.

Er selbst führte ein Leben in großer Einfachheit. Sein Bischofsring bestand aus der Scheibe einer Tucum-Nuss, sein Bischofskreuz hatten Indios gefertigt. In seinem Haus nahm er stets Gäste auf, die Hilfe benötigen oder sich von seiner Lebensweise inspiriert sahen.

Er hatte das Bild einer Kirche vor Augen, die durch die Gemeinschaft und Liebe untereinander geprägt ist. Eine einfache und freudige Lebensweise, der Einsatz für die Entrechteten, die Randgruppe und Hilfsbedürftigen stehen im Mittelpunkt. Mit seinen prophetischen und unmissverständlichen Worten rief Casadáliga die Kirche immer wieder zur Umkehr auf. Großgrundbesitzer, Politiker, Einflussreiche und Wohlhabende forderte er zur Änderung ihres Verhaltens auf. So, wenn er z.B. sagte:

„Verflucht seien alle Abgrenzungen.
Verflucht sei jegliches private Eigentum das uns daran hindert zu leben und zu lieben.
Verflucht seien alle Gesetze, die nur für wenige Hände erhoben werden,
und die den Bau von Zäunen für Rinder unterstützen
und die Erde zur Sklavin und die Menschen zu Sklaven machen“

Dom Pedro Casadaliga stammte aus einer Bauernfamilie die in Balsareny, in der Provinz von Barcelona in Spanien, Katalonien lebte. 1943 trat er dem Claretinerorden bei und ging zur Eröffnung einer Claretiner-Mission nach Brasilien in den Bundesstaat Mato Grosso. Diese Region war von einem hohen Grad an Analphabetismus, sozialer Ausgrenzung und Landkonzentration in den Händen von Großgrundbesitzern geprägt. Ermordungen gehörten zum täglichen Leben. Bereits am Tag seiner Ankunft fand er vier tote Babys in Schuhkartons vor seinem Haus vor. Die Mütter hatten sie hingelegt, damit er sie beerdigen sollte. Oft fehlten ihm zur Feier der Eucharistie Hostien und Wein, dann improvisierte er mit Knäckebrotkeksen und Zuckerrohrschnaps.

1968 wird er zunächst apostolischer Administrator,  1971 dann Bischof der Prälatur São Felix do Araguaia. Im selben Jahr klagte er öffentlich Feudalismus und Sklaverei im Norden Mato Grossos an. Er wies bei den staatlichen und Kirchlichen Autoritäten auf die Misstände in der Region hin. Für diese und andere Eindeutigkeiten in seinem Handeln, erhielt er nicht selten Morddrohungen oder wurde als „Kommunist“ beschimpft.

Über Jahrzehnte hinweg und über seine Emeritierung als Bischof  hinaus  engagierte er sich für die Menschenrechte, in besonderer Weise für die der Landlosen und zuletzt für die Landrechte der Xavante-Indianer in Nordbrasilien.

2012 erhielt Dom Pedro Casadaliga den Menschenrechtspreis aus den Händen der Brasilianischen Präsidentin Dilma Roussef.

Dom Pedro Casadáliga war nicht nur Bischof und Menschenrechtler, er war auch Poet, Schriftsteller, Liedermacher und ein einfühlsamer Mensch. Viele seiner Gedichte und Lieder sind in ganz Brasilien und über dessen Grenzen hinaus bekannt. Ein Gedicht, das seine Lebenshaltung wiedergibt lautet wie folgt:

„Sein wer man ist,
sagen was man glaubt,
an das glauben, was man selbst predigt,
leben, was man selbst einfordert,
bis zu den letzten Konsequenzen.“

Ein großer Mensch ist von uns gegangen. Seine Worte und sein Lebensbeispiel werden uns fehlen.  Aber das, was er gelebt und gesagt hat, wird noch lange nachklingen

„Dom Pedro Casadáliga – Presente“

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferentin/Pfarrbeauftragte 

                  Monika Stanossek

Über die Köpfe hinweg – an der Wirklichkeit vorbei

Ende Juni wurde eine Instruktion aus Rom über die Pfarrgemeinden und die Leitung von Pfarreien veröffentlicht, „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“, so der Titel. Der Text beginnt, so fasst es Professor Wolfgang Beck, Pastoraltheologe in St. Georgen, zusammen, mit „dem Ideal einer „pastoralen Umkehr“ und der Hinwendung zu einem missionarisch aufbrechendem kirchlichen Leben“. Sicher einige beachtenswerte Gedanken und Impulse, manche entsprechen allerdings nicht mehr der kirchlichen Realität bei uns, sondern gehen von der früheren Situation einer Pfarrei mit einem Pfarrer aus. Sehr problematisch wird es dann, wenn es um das Thema Leitung der Pfarrgemeinden geht. Wichtige neue Leitungsmodelle von Leitung in einem Team, mit Pfarrer, haupt- und ehrenamtlichen Laien, werden abgelehnt. Laien kommen nur am Rande vor und die Rolle von Frauen wird nicht angemessen gewürdigt. Die Reaktion von einer ganzen Reihe der deutschen Bischöfe zeigt, dass auch sie offensichtlich nicht vorher befragt wurden. Kleriker in Rom, die weit weg sind von dem Leben von Gemeinden haben diese Instruktion verfasst, die leider vom Papst gebilligt wurde. Es gab und gibt viele Reaktionen von Gläubigen: Unverständnis, Enttäuschung, Wut und die Frage, wie es mit dieser Kirche weitergehen kann. Für manche stellt sich auch die persönliche Frage, ob es für sie in dieser Kirche weitergehen kann. Was ist der Beweggrund dieses Papiers? Ist es Angst vor dem Machtverlust von geweihten Amtsträgern? Ist es Angst vor dem, wie sich Kirche in der nahen und ferneren Zukunft entwickeln wird? Offensichtlich ist es Ausdruck eines Festhaltens an Früherem, ohne zu realisieren, dass diese Verhältnisse überhaupt nicht mehr der heutigen Wirklichkeit entsprechen. Vielen von uns, die wir haupt- und ehrenamtlich in Kirche leben und arbeiten, ist sehr deutlich, dass es dringend neue Modelle von Leitung in den Pfarreien braucht, gemeinsame Verantwortung von Priestern und Laien, Männern und Frauen, und zwar über das hinaus, was schon durch die synodalen Gremien  vorgesehen ist. Und das nicht, weil es nicht genug Priester gibt, sondern weil wir alle nur gemeinsam Kirche sind und gemeinsam Verantwortung tragen. In der deutschen Kirche ist der synodale Weg begonnen worden, ein Prozess in dem Bischöfe, Priester, nicht geweihte Männer und Frauen sich mit drängenden Fragen von kirchlicher Verkündigung und Gestalt von Kirche befassen und gleichberechtigt miteinander reden und ringen. Ich hoffe und bete, dass dieser Weg weiter begangen werden und auch Ergebnisse bringen wird, die zukunftsweisend sind.

Das Evangelium dieses Sonntags kann ermutigen, solche neue Schritte zu wagen, wie Petrus, der auf das Wort Jesu auf das Wasser geht. Ein sprechendes Bild dafür, dass jeder Schritt in die Zukunft ein Schritt in die Ungewissheit bedeutet und doch gewagt werden muss, denn im sicheren Boot zu bleiben entfernt uns von der Wirklichkeit der Menschen heute. Die Worte Jesu an die Jünger sind Worte an uns: Habt Vertrauen, ich bin es. Fürchtet euch nicht. Jesus ist mit uns auf dem Weg, in dem Vertrauen können wir neues ausprobieren, vielleicht auch mit manchen Versuchen scheitern, aber mit anderen Möglichkeiten entdecken, die frohe Botschaft heute zu verkünden.

Monika Stanossek

PS: Ich empfehle Ihnen die Lektüre der Seiten 11, 16 und 17 der Kirchenzeitung „Der Sonntag“, Nr. 31/32 vom 2. August 2020. Da finden Sie auch den Artikel von Prof. Beck.

Das heutige Wochenwort ist von:

Pfr. Juraj Sabados Pfarrverwalter/Kooperator

Verklärung – Verwandlung - Veränderung

Am Donnerstag 6. August feiert die Kirche das Fest der Verklärung des Herrn. Zu diesem Fest möchte ich ein paar Gedanken mit Ihnen teilen.

Evangelium: Mt 17,1-9

Nirgendwo ist Gott so nahe, ja leibhaftig gegenwärtig wie in Jesus. Jesus führt die Jünger auf den hohen Berg. Sie erleben auf dem Berg das entscheidende Ereignis: Sie sehen in Jesus die Herrlichkeit Gottes. In ihm ist Gott gegenwärtig. In Jesus den Erwählten Gottes zu sehen, in seinem Wort Gottes Wort zu hören – das ist die neue Herausforderung, die gerade im Blick auf Kreuz und Auferweckung bestehen bleibt. Durch das Hören sollen die Menschen zu Jesus als dem personalen Ort Gottes in dieser Welt finden und das Leben empfangen.

Was die Theologin Ida Lamp zu diesem Fest schreibt, hat mich sehr angesprochen und bringt ein bisschen Leichtigkeit:

Wenn ich schlechte Laune habe, wenn mir ein Tag grau ist, wenn ich mir wünsche, jemand anderer zu sein, gehe ich zum Friseur. Äußere, äußerliche Verwandlungen? Das Sprichwort sagt: „Kleider machen Leute.“ Die fesche neue Frisur lässt mich anders auftreten. Ich fühle mich schön. Ich bin gleich etwas fröhlicher und wirke selbstbewusster, wenn ich frisch vom Friseur komme …

Auch die Verwandlung Jesu, die Verklärung oder griechisch: seine Metamorphose, von der die Jünger erzählen, ist zunächst etwas an der Oberfläche Sichtbares: anderes Gesicht, weißes Gewand.

Hinter dieser Veränderung steht, dass mit ihr etwas vom Wesen Jesu sichtbar wird, was den Freunden sonst anscheinend entgangen ist. Okay, Jesus macht das nicht selbst: Er wird verwandelt.

Ich will diese Erfahrung am Berg und die theologische Botschaft vom Offenbarwerden Jesu als Gottes geliebter Sohn und Messias nicht schmälern. Aber irgendwie gefällt es mir, dass es eine Alltagsverbindung zu mir und einem vergleichsweise banalen Friseurbesuch gibt. Ich brauche da ja auch die andere, die Friseurin, die durch ihr Tun etwas von mir offenbar werden lässt, was sonst manchmal nicht zu sehen ist. – Braucht es nicht für uns alle solche Momente, in denen für uns und noch mehr für andere etwas von uns sichtbar wird, was eben nicht immer zu sehen ist.

Die Metamorphose, das ist mir klar, ist keineswegs eine Metanoia; zu gut Deutsch: eine Wandlung im Sinne einer Umkehr. Aber vielleicht sind solche Veränderungen manchmal sogar der Beginn davon. Ich werde achtsamer dafür, dass ich Gottes geliebte Tochter bin – und dass man das auch sehen darf.

Weiterhin eine schöne Ferien- und Urlaubszeit.

Juraj Sabados

Das heutige Wochenwort ist von:

Thomas Schmidt, Priester im Gallus

Charles de Foucauld: Universelle Geschwisterlichkeit

Vor wenigen Wochen war aus Rom zu hören, dass Charles de Foucauld (1876-1916), ein Franzose, der unter den nordafrikanischen, muslimischen Tuareg gelebt hat, heiliggesprochen wird. Er lebte unter ihnen ohne sie zum Christentum bekehren zu können und zu wollen. Er wollte durch reines Mitleben, durch gezeigte Güte, Gastfreundschaft und Dienstbereitschaft dem Evangelium ein Gesicht geben. Er tat das so sehr, dass die Tuareg seine Behausung eine „Bruderschaft“ (fraternité) und ihn selbst als den „Bruder aller“ (frère universel) bezeichneten.

Dom Edson Damian, der Bischof von São Gabriel da Cachoeira in Brasilien, der uns im letzten Jahr anlässlich der Amazoniensynode besucht hat, gehört der geistlichen Familie Charles de Foucauld an. In einem Buch bezeichnet er den Glauben Foucaulds als eine „Spiritualität für unsere Zeit“.

Gerade die Coronapandemie zeigt uns, dass das Denken in nationalen, kulturellen, ethnischen, religiösen oder sozialen Grenzen nicht mehr greift. Das Virus ist überall, es ist universell und kennt keine Grenzen. Das gilt auch für die Klimakrise und für eine Reihe anderer Fragen, die nur im Weltmaßstab zu bewältigen sind. 

Charles de Foucauld hat schon vor 100 Jahren eine Spiritualität gelebt, die uns helfen kann, als glaubende Menschen uns den Krisen von heute zu stellen. Ich nenne sie die „Haltung universeller Geschwisterlichkeit“. Sie setzt auf Respekt voreinander, auf gleichberechtigten Dialog, auf Dienstbereitschaft, Gastfreundschaft, Solidarität und eine besondere Sorge für die am meisten Verletzlichsten, was heute alle Lebewesen einschließt.

„Wer ist mein Nächster?“ wird Jesus gefragt. In der Geschichte vom barmherzigen Samariter wird deutlich: Die ist meine Nächste, der ist mein Nächster, die und den ich mir zur Nächsten, zum Nächsten mache. Das können im Geiste Charles de Foucauld potentiell alle sein: nah und fern, geliebt und ungeliebt, mir ähnlich oder sehr anders als ich selbst.

Als Schwestern und Brüder aller Menschen zu leben und wahrgenommen zu werden wäre sicher ein Zeugnis von Christinnen und Christen, das wirken würde. Vielleicht kann uns die anstehende Heiligsprechung dazu einen Impuls geben.

 

Thomas Schmidt

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Stefan Hofer

Diese Woche gab es einen außergewöhnlichen Todesfall. 

In den USA wurde ein Mörder ermordet. Und das, obwohl die Angehörigen der Opfer dagegen waren. Gleichzeitig kam die Meldung, dass mehrere andere Staaten die Todesstrafe nicht mehr vollstrecken, wie schon seit dem Ende des zweiten Weltkrieges auch bei uns oder überhaupt in der EU. Denn auch der Staat soll nicht morden, vor allem, wenn er sich christlichen Werten verpflichtet sieht. Das sagt auch die katholische Lehre und mit ihr Papst Franziskus.

Lange Zeit war das Christentum eine Untergrundreligion. Vor allem im römischen Reich wurden die AnhängerInnen verfolgt, gefoltert und getötet. Kurz nach 300 wurde Armenien der erste christliche Staat und danach auch das römische Reich. Das staatliche Christentum verfolgte nun auch seine Gegner. So auch Bischof Priscillian von Avila. Er war der erste „Häretiker“ des Christentums, der wegen Ketzerei hingerichtet wurde. Schriften Priscillians wurden verbrannt trotz Protesten des heiligen Martins, dem damaligen Bischof von Tours. Priscillian verkündete, dass die Kirche durch den Heiligen Geist erneuert werden sollte, denn Jesus hätte die Sklaverei  abgeschafft und die Gleichstellung von Männern und Frauen geboten. Deshalb nahmen Priscillian und seine Anhänger Frauen gleichberechtigt in ihre Gemeinschaft auf. Das Studium der Heiligen Schrift war verbindlich. Diese „häretischen“ Gedanken haben sich erst in den letzten zwei Jahrhunderten im Christentum verbreitet, aber nicht überall durchgesetzt. Darüber streiten wir teilweise heute noch in der römisch-katholischen Kirche und auch in anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften. Glücklicherweise sind wir uns wenigstens einig, dass diese Art der Lehre nicht mehr durch den Tod bestraft wird.

Von Priscillan können wir lernen auf Jesus Christus zu schauen und seine Einstellungen gegenüber diskriminierten Gruppen ernst zu nehmen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche.

Stefan Hofer

Das heutige Wochenwort ist von:

Gemeindereferentin Verena Nitzling

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wie geht es Ihnen? Was bewegt Sie in diesen Tagen? Was erfreut sie? Was bereitet ihnen Sorge?

Fühlen Sie ein bisschen Sommerferien-Feeling?

Ich wünsche Ihnen mit diesen Zeilen einen guten Start in die neue Woche. Eine neue Woche wartet auf uns, 7 Tage, 168 Stunden, 10080 Minuten und 604800 Sekunden werden uns geschenkt.

Wie gehen wir mit dieser geschenkten Zeit um?

Alles nur Druck, Verpflichtung, Stress und Chaos?

Nehmen Sie sich im Alltagsstress auch mal Zeit für sich selbst?

Eine kleine Auszeit im Garten, auf dem Balkon, an der Nidda, im Schwimmbad oder vielleicht auch einfach auf der Couch?

Eine Tasse Kaffee, ein gutes Buch, eine Zeitschrift, hoffentlich wärmende Sonnenstrahlen und blauen Himmel.

Zeit, um mit Freunden zu telefonieren, dem Hobby nachgehen zu können, Zeit für die Partnerschaft, Zeit für die Familie, Zeit für die Beziehung mit Gott und Zeit für sich selbst.

Einfach mal nur da-sein, den eigenen Atem spüren, Zeit zum Durchatmen, den Gedanken und Gefühlen nachgehen und diese sortieren, nachspüren von Begegnungen und Gesprächen und Kraft tanken für all das, was das Leben für uns bereit hält.

Ich persönlich bin viel draußen in der Natur unterwegs, kann beim Schwimmen abschalten und erfreue mich am strahlenden Sonnenschein.

Dieser Sommer ist definitiv anders. Von einigen Familien in der Gemeinde weiß ich, dass sie bereits in den Urlaub aufgebrochen sind oder dies in den nächsten Tagen ansteht. Wir planen gerade Ferienspiele für die Kinder unserer Pfarrgemeinde, unter Coronsbedingungen eine echte Herausforderung, die viel Kreativität freisetzt.

Vieles ist in diesen Wochen anders. Und das Andere macht die Sache spannend, setzt Energien, Ideen, Kreativität frei.

Ich lade Sie ein, ihren Sommer mal anders zu gestalten und zu erleben. Ich freue mich über Ihre Berichte.

Neues ausprobieren, etwas wagen, alles hat seine Zeit, so heißt es schon im Buch Kohelet.

Nehmen Sie die geschenkte Zeit und gestalten Sie diese für sich.

Gute Erfahrungen und eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen

Verena Nitzling

Das heutige Wochenwort ist von:

Pfarrer Rolf Glaser

Urlaubsreif

„Mallorca. Die Geisterinsel: Was wird aus dem Lieblingsziel der Deutschen?“ so titelt heute der Spiegel. Rechtzeitig zu Beginn der Haupturlaubszeit, der Sommerferien!

Die Urlaubszeit, Krise in der Krise. Viele sind urlaubsreif! Die Minderheit fährt unverdrossen ins Ausland, nach Österreich, nach Spanien, nach Italien, nach Griechenland, nach Kroatien. Es sei ihnen gegönnt! Die südlichen Länder, die es härter getroffen hat als Deutschland,  brauchen dringend die Devisen, die der Tourismus einbringt. Hoffen wir, dass kein neues „Ischgl“ entsteht!

Ich selbst habe mich entschlossen, in diesem Sommer nicht ins Ausland zu  fahren. Es ist doch klar: möglich wäre es nur mit vielen Einschränkungen. Und wie die gesundheitliche Versorgung im Fall der Fälle aussieht – zumal für einen Touristen – ist auch unsicher.

Die Mehrheit der Deutschen bleibt im Land. Wenn sie im Urlaub wegfahren, dann Nord- oder Ostsee, Berge, Städtereisen, Bauernhof. Und da gibt es viel zu entdecken. Ich selbst wundere mich immer wieder, wie viele Gegenden mit all ihren Kleinoden und Sehenswürdigkeiten ich in Deutschland gar nicht kenne. Aber auch solche Urlaube kosten Geld! Oft gar nicht so wenig!

Nicht wenige können sich jedoch gar keinen Urlaub leisten. Sie sind von Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Einkommenseinbußen oder Verdienstausfall betroffen. Die ökumenische Initiative „Urlaub ohne Koffer“ organisiert Jahr für Jahr erschwingliche Urlaubsunternehmungen für Menschen, die sich eigentlich keinen Urlaub leisten können, mit Zielen in der Nähe, mit Tagesfahrten und ortsnahen Unternehmungen.

Sie selber können auf diese Weise Ihren „Urlaub ohne Koffer“ planen. Es gibt zahlreiche Wanderrouten in der näheren Umgebung (Bonifatius-Route, Elisabethpfad, Lutherweg, Jakobswege, etc.). Die „Weise Flotte“ bringt einem zu Zielen mainauf- und mainabwärts, Städtereisen, Ausflüge in die angrenzenden Mittelgebirge, Fahrradtouren, Wanderung im Stadtwald  oder einfach Urlaub im heimischen Garten.

Dabei geht es um Abschalten, um  Abwechslung, einfach darum, zur Ruhe zu kommen. Dabei ist nicht zu unterschätzen, dass auch dies viele Menschen nicht erreichen. Sie kommen einfach nicht zur Ruhe. Sie brauchen „action“! Ihr ganzes Leben ist eigentlich nur „action“.

Im heutigen Sonntagsevangelium sagt Jesus: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ (Mt 11, 28) „Ruhe“ meint in der Bibel nicht einfach Nichtstun, so sehr auch das sein Recht hat. „Ruhe“ erinnert vielmehr an die Ruhe Gottes am siebten Schöpfungstag, an dem er mit Wohlgefallen auf sein Werk schaut.- Wer in diese Ruhe eintauchen kann, der findet zur „tiefen Überzeugung, dass alles gut wird…Um Ruhe zu haben, müssen wir darauf setzen können, dass ein vollmächtiges Jawort die Schöpfung  und unsere Geschichte durchwaltet und dass darin unser eigenes Leben mitgetragen ist.“ (Dieter Emeis)

In diesem Sinne, wo auch immer: Erholen Sie sich gut!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Ruben Manger

Gott ist nichts verborgen – Für ihn ist alles möglich

„Der Weltraum, unendliche Weiten.“ Diese Worte stehen am Anfang aller Star Trek-Folgen. Bis heute schaue ich mir diese Serien mit Begeisterung immer wieder an. Und immer komme ich dabei ins Grübeln über den Begriff „unendliche Weiten“. Dieser Begriff hat sich in der Menschheitsgeschichte immer wieder verändert und geweitet. Und kein Begriff ist mit dem Forscherdrang des Menschen so stark verbunden wie diese zwei Worte.

Bei der Erkundung des amerikanischen Kontinents sprach man von den unendlichen Weiten der Steppe. Heute sind dies immer noch große Flächen, aber der Mensch hat sie inzwischen kartographiert und in Besitz genommen. Der Mensch ist auch in den Weltraum vorgedrungen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er sich auch dort ausbreitet.

Aber der Mensch wird niemals alle Grenzen überwinden. Es wird immer eine neue Grenze geben, auf die der Mensch stoßen wird.

In der Lesung vom gestrigen Samstag hören wir von Abraham und Sara, die in hohem Alter von Gott die Verheißung hören, dass sie innerhalb eines Jahres ein Kind bekommen werden. Das klingt für die beiden unwirklich und nur schwer vorstellbar. Sara lacht innerlich sogar über diese Botschaft, so unglaublich ist sie.

„In jenen Tagen erschien der Herr Abraham bei den Eichen von Mamre. […] er lief ihm […] entgegen, […] und sagte: Mein Herr, wenn ich dein Wohlwollen gefunden habe, geh doch an deinem Knecht nicht vorbei! […] Er fragte ihn: Wo ist deine Frau Sara? Dort im Zelt, sagte er. Da sprach der Herr: In einem Jahr komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben. Sara hörte am Zelteingang hinter seinem Rücken zu. Abraham und Sara waren schon alt; […] Sara lachte daher still in sich hinein und dachte: Ich bin doch schon alt und verbraucht und soll noch das Glück der Liebe erfahren? […] Da sprach der Herr zu Abraham: Warum lacht Sara und sagt: Soll ich wirklich noch Kinder bekommen, obwohl ich so alt bin? Ist beim Herrn etwas unmöglich? Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich wieder zu dir kommen; dann wird Sara einen Sohn haben. Sara leugnete: Ich habe nicht gelacht. Sie hatte nämlich Angst.[…]“Gen 18,1-15

Für Gott ist alles möglich, auch das ein Paar im hohen Alter ein Kind bekommt. Gott ist die unendliche Weite, Liebe, Gnade, Freude, Hoffnung. Und schlussendlich ist er auch die unendliche Weite. Ihm bleibt nichts verborgen. Er kennt uns in allen unseren Ängsten und Geheimnissen, all dem Positiven wie dem Negativen und dennoch ist er die unendliche Liebe, die immer zu uns sagt: „Du bist mein geliebtes Kind!“

Ruben Manger

Für diese Woche habe ich Pfarrer i.R. Klaus Wüst gebeten, in alter Verbundenheit zu uns, das Wochenwort zuschreiben. Mit vielen Grüßen aus dem Westerwald hat er es uns gesandt.

Ralf Albensoeder

Liebe Leserinnen und Leser,

es sind schon fast 2 Jahre her, dass ich an den Augen operiert worden bin und seitdem, außer dem Gottesdienst bei den internationalen Tagen der Begegnung mit dem Bischof in St. Hedwig, nicht mehr in Griesheim und Nied war, und wir miteinander Gottesdienstfeiern konnten. Sie können sich sicher vorstellen, wie sehr mir dies fehlt, gerade in dieser Coronazeit, in der sehr viele auch mehrere Wochen auf die gemeinsamen Gottesdienste verzichten mussten. Selbst die jetzigen Möglichkeiten nach den vorgeschriebenen Verhaltensregeln ersetzen nicht die gewohnten Gemeindegottesdienste. Immerhin gilt zwar Jesu Wort: „Wo zwei oder drei zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen“, aber es fehlt doch die Erfahrung von Gemeinde und Gemeinschaft in der Eucharistie und nachher bei der persönlichen Begegnung.

Trotz der vielen Regeln und belastenden Umstände sind die Gottesdienste doch als Kraftquelle empfunden worden.

Ich war bis zum Anfang der Pandemie noch in der Klinik und wurde dann zeitnah nach Hause entlassen und konnte in der Karwoche dann die Schreckensbotschaften aus aller Welt in allen Medien verfolgen bis heute.

Da das Wetter mitmachte, konnten wir auf der Wiese hinter dem Haus mit entsprechendem Abstand eine Abendmahlsmesse halten.

Mit großer Betroffenheit haben wir all der Menschen im Gebet gedacht, die schon Opfer der Pandemie waren und voller Angst vor der Infektion die Nachrichten verfolgten mit dem verzweifelten Kampf gegen den Virus.

Wir haben allen Grund unseren Gott um seine Nähe zu bitten in der weiteren Entwicklung.

In diesen Wochen ist mir ein Gebet aufgefallen von Dietrich Bonhoeffer, das gut in unsere Zeit passt:

Ich glaube,

dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.

Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will wie wir brauchen.

Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.

In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

 

Seid behütet und bewahrt und gesegnet

Klaus Wüst. Pfr. i. R

Das heutige Wochenwort ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

Ausgesendet

Als wäre es für heute geschrieben! Das habe ich mir gedacht, als ich das Sonntagsevangelium von heute gehört habe! Da geht es im Matthäusevangelium um die Aussendung der Jünger durch Jesus. Und dieser Text fängt schon gut an: „Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.“ Jesus sieht, was bei den Menschen los ist; er spürt ihre Müdigkeit und Erschöpfung. Genau diese Phänomene machen sich nach einer so langen Krisenzeit auch in meinem Umfeld bemerkbar. Und ich bin mir sicher, dass Jesus das auch heute sieht. Damals hat er keine Konzepte und Pläne dagegen entworfen, sondern er hat seine Freunde zu ihnen ausgesandt. Es waren 12 Leute gewesen – diese Zahl ist symbolisch zu verstehen: Das ganze Volk Israel mit seinen zwölf Stämmen soll erreicht werden. Er gibt diesen Menschen große Vollmachten mit: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“

Ja, ich bin mir sicher, das ist für uns heute geschrieben. Auch wir sollen zu den Menschen rausgehen. Auch wenn ich sicher nicht Wunder wie Totenerweckungen oder Krankenheilungen vollbringen kann, so ist doch an dem Auftrag Jesu auch für mich viel Wahres drin. Ich kann sehr wohl zu Trauernden hingehen und einfach da sein. Ich kann Kranke besuchen und ihnen zur Seite stehen. Ich kann versuchen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und gegen die vielen Dämonen unserer Tage angehen: Verschwörungstheorien, rassistische Einstellungen und vieles andere mehr. „Das Himmelreich ist nahe!“ – wenn ich das verkünden soll, dann heißt das für mich: Ich kann meinen kleinen Teil dazu beitragen, dass etwas davon hier in meinem Umfeld zu spüren ist. Denn überall dort, wo sich Menschen für Gerechtigkeit und für Schwache einsetzen, ist das Himmelreich nahe.

Ich bin mir sicher: Jesus sendet uns dazu auch heute aus, Frauen, Männer, Junge, Alte. Vielleicht ist das seine Botschaft an alle seine Freundinnen und Freunde für die Zeit jetzt am Ende des harten Lockdowns“: Geht raus, seid nahe bei den Menschen, besonders bei den Schwachen! Damit ist das Sonntagsevangelium von heute ein echter Anstoß, mich aus meinem „Coronafrust“ etwas raus zu bewegen: „Geh los, hab Mut, verlier die Hoffnung nicht“, könnten die Worte Jesu für mich heute bedeuten. Oder einfach genauso, wie er es damals gesagt hat: „Die Ernte ist groß!“

Ich wünsche Ihnen eine gute und gesegnete Woche!

Rolf Müller, Pastoralreferent

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