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Unser Kirchentagebuch

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Unser Kirchentagebuch!

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Homepage! An dieser Stelle finden Sie jeden Tag unser „Kirchentagebuch“. Für jeden Tag während dieser Krisenzeit schreibt einer der Seelsorgerinnen und Seelsorger aus unserem Pastoralen Raum Nied – Griesheim - Gallus einen „Tagebucheintrag“. Das kann etwas Nachdenkliches, etwas Besinnliches oder einfach nur etwas ganz Aktuelles sein aus Ihren Gemeinden sein. Gerne können sie auch zurückschreiben – Ihre Gedanken und Anregungen sind uns wichtig; und wir wollen mit Ihnen in Kontakt kommen!

Kontakt: tagebuch@bistumkath-kirche-niedlimburg.de

Auf der Homepage von Mariä Himmelfahrt können sie auch einen komentar abgeben - hier der Link: https://www.mariaehimmelfahrt-ffm.de/unser-kirchentagebuch/

Eine Bitte: Nicht alle unserer Gemeindemitglieder haben die Möglichkeit, unser Tagebuch online zu verfolgen. Falls Sie jemanden kennen, der nicht im Internet ist: Drucken Sie den Text aus und bringen sie ihn (vielleicht bei einem Spaziergang?) vorbei.

Vielen Dank!

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Sonntag, 07. Juni 2020 / Pfarrer Rolf Glaser

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfarrer Rolf Glaser

Die Ökonomie steht in diesen Tagen im Zentrum der Aufmerksamkeit: das Konjunkturprogramm der Bundesregierung, die Reaktion der Wirtschaft, die Frage, ob die Maßnahmen nachhaltig sind. Die Selbstgerechtigkeit der Autoindustrie und ihrer „Zuhälter“ (Ministerpräsidenten, Gewerkschaftern und Betriebsräte). Wo hat man sie gehört im Dieselskandal, im Abgas-Skandal? Sicher, die Sorge um Arbeitsplätze ist berechtigt und muss auch unsere Sorge sein, nur: es wäre besser gewesen, sie hätte früher, zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Weise, die Herrschaften umgetrieben. Und, der das schreibt, ist kein Feind der Gewerkschaften, der Arbeitnehmer schon einmal gar nicht, ganz im Gegenteil!

Auch in der Kirche geht es heute, am Dreifaltigkeitssonntag, um Ökonomie, um die „göttliche Heilsökonomie“, um „die heilsökonomische Trinität“ (Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit). Kein leichtes Thema! Vielen Predigten am Dreifaltigkeitssonntag merkt man an, wie sie in Dogmatik erstarren oder aber sich beim Thema zieren und winden.

Ökonomie kommt vom griechischen „oikos“ (Haus). Der Ökonom ist also der „Haushälter“, die Ökonomie die „Haushaltung“.

Worum geht es bei der Trinität, im Blick auf die göttliche Heilökonomie? Es geht um die göttliche Haushaltung, in der Perspektive auf die Welt und den Menschen.

Es geht darum, dass der Vater (der Schöpfer) schon bei der Erschaffung der Welt Gedanken des Heils hatte, die er nie aufgegeben hat, so wie er sein Volk, trotz aller Schuld nie aufgegeben hat sondern ihm die Treue hält. Der Vater ist der, ohne den nichts ist. Wenn der Vater, der Schöpfer, nicht wäre, dann wäre die Welt nicht, dann wären wir nicht. Dieser Vater hat die Welt in Liebe geschaffen. „Er sah, dass es gut war“ (Gen 1)! Als er den Menschen ansah, war es sogar „sehr gut!“. Er will das Heil der Welt und zwar von Anfang an! Wenn wir von Gott als dem Vater sprechen, dann sprechen wir vom Ursprungsgeschehen der Liebe.

Es geht weiter darum, dass, als die Menschen sich aus ihrer selbstverschuldeten Verstrickung in die Heillosigkeit nicht befreien konnten, Gott selbst als Sohn in der Gestalt Jesu Christi, dem Heiland auf den Plan trat, um als Repräsentant für die gesamte Menschheit heil (ganzheitlich) zu leben, das heißt das Heil als Geschenk Gottes anzunehmen und selbst aus diesem Heil zu leben; also den Menschen aus der „Heteronomie“ der „Zerrissenheit“ (Paul Tillich) zu befreien. Als die Menschheit dies selbst nicht schaffte, hat Gott eine „Betreuungsverfügung“ erwirkt, d.h. der Sohn handelt nun in der Gestalt Jesu anstelle des Menschen. Einer für alle! Er zeigt uns, wie man vor Gott in der Welt leben kann – ein Leben der Gottesfurcht und der Solidarität zugleich!

Wie geht es nach Tod und Auferstehung Jesu weiter? Natürlich ist noch lange nicht alles in Ordnung! Aber es ist auch nicht alles einfach wieder beim Alten! Es ist wahr: Die Menschen sind ja mit dem Kommen Christi nicht einfach besser geworden. Was nutzt es, dass einer alle Schuld auf sich genommen hat, wenn es mit der Schuld der Menschen munter so weiter geht: Hass, Kriege, Egoismus, Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Raffgier? Als Christen sagen wir: Und trotzdem sind wir nicht heillos! Seit Jesus von Nazareth wissen wir: das Heil Gottes ist und bleibt in der Welt durch Menschen, die glauben. Dieser Glaube ist nicht ihr eigenes Werk. Damit käme die Menschheit nicht weit! Dieser Glaube ist das Werk des Beistandes, den Jesus verheißen hat, des hl. Geistes. Darum geht es ihm: Er lässt nichts zugrunde gehen! Er ist der Vollender, der trotz aller Rückschläge das Heil vollendet. Er führt die Kirche und mit ihr die Menschscheit dem endgültigen Heil entgegen.

So funktioniert der göttliche Haushalt, mit dem er der Welt und den Menschen Heil erwirtschaftet. Und in dieser Wirtshaft geht er selbst ganz und gar auf, als der eine Gott in seinen drei Gestalten.

Wer sich dieser göttlichen Ökonomie anvertraut, der weiß – in welcher Krise auch immer – das die Welt kein Chaos ist, sondern Gottes gute Schöpfung, das Gott, bei allem Versagen, als Bruder an seiner Seite ist und bleibt und dass er einer guten Zukunft entgegengeht, weil Gottes Geist ihn als Mitglied des Gottesvolkes in diese Zukunft führt und Gott selbst es ist, der die Menschheit in dieser Zukunft erwartet. Dieses Vertrauen verhindert Katastrophen in der Menschheitsgeschichte nicht. Der, der glaubt, ist diesen Katastrophen aber nicht hilflos ausgeliefert, weil Gott selbst sein Bezugspunkt ist und bleibt.

In den letzten Wochen ist häufig nach dem Beitrag der Kirchen in dieser Krise gefragt worden. Viele fanden ihre Beiträge zu selten, zu mager und zu kleinlaut. Sicher geht es um das diakonische Handeln der Kirche in dieser Krise und ihre ethische Position dazu. Vor allem aber lautet die Antwort: Gerade in diesen Tagen wird es uns wieder neu vor Augen geführt, dass die Menschheit nicht alles im Griff hat, sich selbst am allerwenigsten! Wäre es nicht an der Zeit, wieder mehr dieses göttlichen Konjunkturprogramm, dieser Heilsökonomie Gottes, in Erinnerung zu rufen und sich ihr anzuvertrauen? Die Einsicht, dass der Mensch sich nicht selbst genug ist, sich nicht selbst erschaffen, und auch nicht selbst erlösend kann - und auch nicht alleine vollenden muss! Eine Einsicht, die befördert werden will! Wer sollte damit beginnen, wenn nicht wir als Kirche, als Volk Gottes? Das vor allem ist unser Beitrag als Christen in den Krisen dieser Zeit! Wer mag, kann ihn zur Kenntnis nehmen und sich davon inspirieren lassen. Dies könnte uns dieser Dreifaltigkeitssonntag im Zeichen von Corona neu ins Bewusstsein rufen!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

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zu Beginn unseres Tagebuches habe ich über den weiten Weg geschrieben, den wir gerade begehen. Heute, zweieinhalb Monate später, sind wir den Weg ein Stückchen weitergegangen. Wir haben schon einiges erlebt, haben uns an das unterwegs sein gewöhnt. Die Schuhe sind eingelaufen, die Muskeln an das tägliche Laufen gewöhnt, aber es gibt noch viele Kilometer zu gehen. Viele kürzere und längere Etappen. Jede Etappe muss bedacht werden, die Ziele wohl überlegt sein. Und da ist immer die Frage: „Kann ich das Ziel erreichen?“

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man ein großes Ziel leichter erreichen kann, wenn man sich Zwischenziele steckt. Immer wieder schauen, welches Ziel kann ich als Nächstes in Angriff nehmen. Es kann und es wird noch Unvorhersehbares auf dem Weg passieren. Da knickst man um, da werden Abriebstellen an den Schultern bewusst, da geht einem mal das Wasser aus. Und das Ganze kann nicht nur einem selbst passieren, sondern auch den Menschen, mit denen man unterwegs ist.

Auch wenn man selbst vielleicht von Corona verschont bleibt, hat man nicht immer im Griff, ob auch die eigenen Eltern, Kinder oder Freunde verschont bleiben.

Eine Theorie besagt, dass man jeden Menschen auf der Welt über sieben andere Personen kennt. Ich glaube, dass es diese 7 Personen nicht braucht, um auf eine Person zu treffen, die von Corona direkt oder indirekt betroffen ist. Schnell ist – jedenfalls für mich – dieser Weg denkbar. Ich habe Freunde und Bekannte in Frankreich, Italien, den USA und anderen Ländern und denke, es wird den meisten von ihnen ähnlich gehen. Einige in unseren Gemeinden haben Kontakte nach Brasilien, dem Land, das zurzeit wohl am stärksten gefährdet ist. Über all diese Kontakte könnten wir sehr schnell in Beziehung kommen mit dem Virus oder von diesem Betroffenen. Dies sollten wir immer bedenken und auch vermitteln, wenn wir mit Menschen in Kontakt kommen, die die Gefahr nicht sehen oder sehen wollen.

Ich rufe ihnen allen ein herzliches „Ultrya“ zu. Diesem „Vorwärts“ folgen die Pilger auf dem Jakobsweg. Gehen wir also den Weg, der vor uns liegt.

E-Mail: r.manger@mariaehimmelfahrt-ffm.de

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Ralf Albensoeder

Mal wieder gibst Du das Stichwort, lieber Rolf:

„Es geht also um die Zukunft unserer Gemeinden in unseren Stadtteilen, und das weit über die Tage der Corona – Krise hinaus“, schriebst Du gestern, als wir zusammen auf dem Changekurs waren, der Fortbildungsreihe des Bistums, ein wichtiger Baustein, der die Kirche in Limburg zukunftsfähig machen will – Das Stichwort dafür ist „Kirchentwicklung“ und die notwendigen Veränderung („Change“) dafür.

Eine Aufgabe war, das eigene Zielbild unserer Kirche zu beschreiben, in Kollage, mit Legosteinen oder Geschichten. Ich nahm die Geschichte von Anthony de Mello wieder auf, die ich im Tagebuch am 25. Mai erzählt habe.

Und so habe ich die Geschichte vom ACHT GEBEN anders erzählt:

Gebt Acht!

Der Priester gab bekannt, dass Jesus Christus selbst am nächsten Sonntag in die Kirche kommen würde. Die Gemeinde kam in großer Zahl, um ihn zu sehen. Jedermann erwartete, dass er predigen würde. Jeder bot ihm Gastfreundschaft für die Nacht an, besonders der Priester, aber er lehnte höflich ab. Er sagte, er wolle die Nacht in der Kirche verbringen.

Am nächsten Morgen schlich er sich früh davon, noch ehe die Kirchentore geöffnet wurden. Und zu ihrem Entsetzen entdeckten die Priester und die Gläubigen, dass ihre Kirche mutwillig beschädigt worden war. Überall an den Wänden stand: Gebt Acht! Kein Teil der Kirche war verschont geblieben, Türen und Fenster, die Säulen, die Kanzel, der Altar, nicht einmal die Bibel auf dem Pult. Gebt Acht! In großen oder kleinen Buchstaben war es eingekratzt mit Bleistift, Feder, in jeder nur denkbaren Farbe hingemalt. Wohin das Auge blickte, sah man die Worte: Gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht!

Erschreckend, aufreizend, verwirrend, faszinierend, furchterregend. Worauf sollten sie Acht geben? Das stand nicht da. Es hieß nur: Gebt Acht!

In einer ersten Regung wollten die Leute jede Spur dieser Schmiererei, dieses Sakrilegs, wegwischen. Nur der Gedanke, dass Jesus selbst es getan hatte, hielt sie davon ab.

Nun begann dieses geheimnisvolle Wort „Acht geben“ in das Innere der Menschen einzusinken, wenn sie die Kirche betraten.

Sie begannen achtzugeben, dass Wege gemeinsam gesucht wurden; und das Antworten schnell und dialogbereit gegeben wurden.

Es wurde darauf geachtet, dass meine Grenzen und die Grenzen der anderen geachtet werden.

Eine Verwaltungsgerichtsbarkeit achtete auf Recht und noch mehr auf Gerechtigkeit in der Kirche.

Es wurde darauf geachtet, das Leitung durch Qualifikation und Befähigung verliehen wurde und nicht durch Weihe.

Und es wurde die Liebe zwischen zwei Menschen geachtet und gesegnet.

Und alle achteten darauf, dass sie ihre Macht so zu nutzten, das Machtgefälle zu anderen ausgeglichen wurde.

Jeder und jede achteten darauf, ob ihre Beweggründe für ihr Handeln vor Gott bestehen konnten.

Und alle gaben Acht darauf, dass nirgendwo nicht Acht gegeben wurde.

Und es wurde auf die Spuren Gottes auch und gerade außerhalb der der Kirche geachtet.

Nun haben sie das aufrüttelnde Wort über den Eingang ihrer Kirche geschrieben, und wenn man in der Nacht vorbeifährt, kann man es in mehrfarbigem Neonlicht über der Kirche leuchten sehen.

Inspiriert durch eine Geschichte von Anthony de Mello

Sicher ist noch auf viel mehr zu achten: die Sorgen der Menschen, den Opfern von Rassismus, auf die Flüchtlinge und Armen……

Wenn Sie mögen, schreiben Sie Ihre Vision, wie sich unsere Kirche entwickeln soll, in der Kommentarfunktion www.mariaehimmelfahrt-ffm.de/unser-kirchentagebuch/

 

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

04. Juni: Eine neue Normalität

Zum 78. Mal steht auf unserer Homepage jetzt bereits ein Tagebucheintrag einer unserer Seelsorgerinnen und Seelsorger. Daran merke ich, wie lange bereits schon diese besondere Zeit andauert. Dank der Webmaster in unseren Stadtteilen kann man anhand der Tagebücher nachlesen, wie wir durch diese Zeit gegangen sind (übrigens: Alle Einträge können Sie auf der Homepage www.mariaehimmelfahrt-ffm.de wiederfinden). Von dem plötzlichen Stillstand Mitte März, dem ganz anderen Osterfest im April, dem lang erwarteten Neustart der öffentlichen Gottesdienste in den ersten Maiwochen  bis hin zu den ersten jetzt wieder stattfindenden Sitzungen und Veranstaltungen reicht der Bogen der Beiträge. Ein Tagebuch, das mich und viele Menschen durch diese Krisenzeit begleitet hat: Mit spirituellen Impulsen, neuen Einsichten und vielen interessanten und mutmachenden Berichten.

Jetzt stehen wir an der Schwelle zu einer „neuen Normalität“. Im öffentlichen Leben, in der Wirtschaft und auch in den Kirchen wird versucht, mit einer Mischung aus Lockerung der Sicherheitsmaßnahmen und bestmöglichen Schutzkonzepten Wege für die nächsten Monate zu finden. So auch wir in unseren Gemeinden: Wir basteln Hygienekonzepten für unsere Veranstaltungen und schmieden an Ideen, um wieder mit möglichst vielen Menschen zusammen zu kommen. Wir fragen uns, wie wir zum Beispiel, in diesem Jahr eine Erstkommunion oder eine Firmung gestalten können, wir suchen nach Möglichkeiten, damit sich viele Gruppen und Kreise in unseren Gemeinden wieder treffen werden. Da ist noch einiges in diesen Tagen zu überlegen!

Mitten in diesen Überlegungen lese ich dabei heute im Tagesevangelium die Zusammenfassung Jesu aller Gebote für uns Menschen: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele; und du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 12, 28f.) Es tut gut, diese Worte Jesu gerade jetzt zu hören. Gottesliebe und Nächstenliebe – das sind doch die Dinge, um die es uns in unserem Gemeindeleben geht. Wie schaffen wir es, damit wir in unseren Gemeinden „den Horizont für Gott“ offenhalten? Besonders für die Menschen, die gerade in diesen Tagen nach Sinn und Halt fragen? Und wie schaffen wir es, glaubwürdige Zeichen der Nächstenliebe und Solidarität in unseren Stadtteilen zu setzen? Besonders für die Menschen, die in dieser Zeit durch die Krise in Not geraten sind? Ich finde: diesen Fragen können uns bei der Gestaltung dieser „neuen Normalität“ durchaus leiten!

Einige Ideen dafür gibt es schon; viele neue werden noch gebraucht. Denn letztlich geht es dabei um nichts Anderes als um eine Daseinsberechtigung unserer Kirche. Eine Kirche, die nicht Gott ins Spiel bringt und die nicht an der Seite der Schwachen steht, ist zu nichts nütze. Es geht also um die Zukunft unserer Gemeinden in unseren Stadtteilen, und das weit über die Tage der Corona – Krise hinaus.

Der Pastoralausschuss wird sich in den nächsten Wochen wieder mit der Frage beschäftigen, wie es mit der Fusion unserer Gemeinden zu einer neuen Pfarrei weiter gehen wird. Aber nicht nur diese Verantwortlichen, sondern alle Menschen aus unseren Gemeinden sind dazu aufgerufen, an einer Zukunft der Kirche in unseren Stadtteilen zu arbeiten, in der Gottes- und Nächstenliebe stark und lebendig sind. Denn ich bin davon überzeugt: Zu einer „neuen Normalität“ gehört eine lebendige Kirche unbedingt dazu!

Rolf Müller

Der heutige Tagebucheintrag ist von:
Pater Roger Abdel Massih CML

Liebe Leserinnen und Leser,

die folgende Geschichte, hat mir viel bedeutet, … denn manchmal haben wir die Fähigkeit zu sehen verloren, vielleicht gelingt das uns wieder, wenn wir den Sinn hier wahrnehmen.

Ein Platz am Fenster

Zwei Männer, beide schwer krank, lagen in einem gemeinsamen Krankenzimmer. Der eine durfte sich jeden Tag in seinem Bett eine Stunde lang aufsetzen, um die Flüssigkeit aus seiner Lunge zu entleeren. Sein Bett stand direkt am Fenster. Der andere Mann musste den ganzen Tag flach auf seinem Rücken liegen.
Die Männer plauderten Stunden lang, ohne Ende. Sie sprachen über ihre Frauen, ihre Familien, ihre Berufe, was sie während des Militärdienstes gemacht hatten und wo sie in ihren Ferien waren.

Jeden Nachmittag, wenn der Mann in dem Bett beim Fenster sich aufsetzen durfte, verbrachte er seine Zeit indem er dem Zimmerkameraden alle Dinge beschrieb, die er außerhalb des Fensters sehen konnte. Der Mann in dem anderen Bett begann geradezu, für diese Eine-Stunde-Intervalle zu leben, in denen seine Welt erweitert und belebt wurde durch Vorgänge und Farben der Welt da draußen!

Das Fenster überblickte einen Park mit einem reizvollen See. Enten und Schwäne spielten auf dem Wasser und Kinder ließen ihre Modellbote segeln. Junge Verliebte spazierten Arm in Arm zwischen den Blumen aller Farben und eine tolle Silhouette der Stadt war in der Ferne zu sehen. Als der Mann am Fenster all diese Dinge in wunderbaren Einzelheiten schilderte, schloss der Mann auf der anderen Seite des Zimmers seine Augen und stellte sich das malerische Bild vor.

An einem warmen Nachmittag beschrieb der Mann am Fenster eine Parade einer Blaskapelle, die gerade vorbeimarschierte. Obwohl der andere Mann die Kapelle nicht hören konnte, konnte er sie richtiggehend sehen - mit seinem geistigen Auge, da der Mann am Fenster sie mit solch eindrucksvollen Worten beschrieb.

Tage und Wochen vergingen. Eines Morgens, als die Schwester gerade kam, um die beiden Männer zu waschen, fand sie den Mann am Fenster leblos vor - er war friedlich im Schlaf gestorben. Sie war traurig und holte den Spitalsdiener, damit er den Toten wegbringen würde.

Sobald es passend erschien, fragte der andere Mann, ob er jetzt in das Bett am Fenster wechseln könnte. Die Schwester erlaubte das gerne und sobald er bequem schien, ließ sie ihn allein. Langsam und schmerzvoll stützte er sich mühevoll auf seinen Ellbogen um einen ersten Blick auf die Welt da draußen zu werfen. Er strengte sich an und drehte sich zur Seite um aus dem Fenster neben dem Bett zu sehen. Gegenüber dem Fenster war eine nackte Wand. Der Mann rief die Schwester und fragte sie, was seinen Zimmerkameraden dazu bewegt haben könnte, so wunderbare Dinge außerhalb des Fensters zu beschreiben?

Die Schwester antwortete "Vielleicht wollte er sie aufmuntern. Wissen Sie, dass der Mann blind war und nicht einmal die Wand gegenüber sehen konnte? Aber vielleicht hat er deshalb mehr gesehen als wir."

(verfasser unbekannt)

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Dr. Harald Stuntebeck

Federleicht der Geist und doch konkret….

Liebe Leserinnen und Leser,

Heute sind wir schon einen Tag nach dem Pfingstfest. Pfingsten ist ein entscheidendes Erlebnis, das die Jünger, die ersten Christen gemacht haben. Dieser Jesus Christus ist quicklebendig durch seinen Geist in uns Menschen. Die Grenzen der Zeit überschreitet er, weil diese seine Präsenz in den Menschen, die an ihn glauben weiter fortbesteht, über die Jahrhunderte, Jahrtausende,..

Und immer wieder hilft dieser Geist den Menschen ihr Leben im Heute und jetzt zu bewältigen. Nicht nur zu ertragen sondern kreativ zu gestalten: Die Energie, die Liebe und die grenzenbrechende Kraft  dieses Jesus Christus im eigenen Leben zu erfahren.

Sprachbarrieren fallen, Grenzen zwischen verstrittenen Menschen können überwunden werden, und auch soziale Abgründe und Gefälle können ausgeglichen und gerechter gestaltet werden.

Menschen und Völker die im Krieg leben, können den Weg des Friedens finden.

Sicher, das klingt alles wunderbar schön, ist aber im Konkreten gar nicht einfach. Wer einmal einen persönlichen tiefgreifenden Konflikt überwunden hat weiß, wie viel Energie und Überwindung, wie viel an Bereitschaft Vertrauen ohne Sicherheiten zu schenken das kostet und mit wie vielen Rückschlägen auf so einem Weg umgegangen werden muss.

Genau für diese konkreten Lebenssituationen sagt uns Jesus mit dem Pfingstfest seine Gegenwart in unseren Leben zu. Da, wo man nicht die Begeisterung spürt, da wo man an die Grenzen menschlicher Belastbarkeit kommt.

Ich will sagen: Auch wenn ich mich am Pfingstfest nicht überschwänglich oder ferderleicht fühle, umso mehr gilt mir diese Zusage, Jesu bei mir zu sein, und mich mit seinem Geist in meinem Leben zu begleiten.  

Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel und Osteuropa will dazu mit den Kollekten und Spenden, die an Pfingsten gesammelt werden ein Zeichen setzten. Denen, die nicht die Leichtigkeit des Lebens spüren in den Ländern Mittel- und Osteuropas soll damit konkret geholfen werden. Mit der Spende kann nicht alles Leid behoben werden. Die konkrete Hilfe ereignet sich nur an ein paar Orten. Die Spende ist aber viel mehr. Sie ist ein Zeichen der Verbundenheit, ein Zeichen der Hoffnung, der Satz: ich denke an Dich und Du bist mir wichtig.

Renovabis stellt in diesem Jahr  seine Pfingstaktion unter das Motto „Selig die Frieden stiften“ (Mt 5,9) So möchte ich Sie einladen für den Frieden mit zu beten. Renovabis gibt uns dazu einen Vorschlag:

Geheimnisvoller Gott,

Dein schöpferischer Geist

schafft Vielfalt und Lebendigkeit, er inspiriert und erfreut.

Guter Gott

Dein Geist

ist ein Geist des Friedens.

Wir bitten Dich

stärke die Zufriedenheit in unseren Herzen

und die Friedfertigkeit in unserem Handeln.

Und lass uns staunend wahrnehmen,

was Dein Geist in dieser Welt bewirkt

und wie sehr wir ihn brauchen,

damit wir Deiner wunderbaren Schöpfung

und einander gerecht werden.

Amen

Eine gute und gesegnete Pfingstzeit wünscht Euch und Ihnen Ihr

Dr. Harald Stuntebeck

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Stefan Hofer

Veni sancte spiritus

Am Samstagabend war ich in der Pfingstvigil in St. Pius. In zehn Sprachen erklang die Lesung, das Evangelium und die Musik. Wie Juraj Sabados sagte, wir sind reich gesegnet, denn in unserem Raum werden so viele Sprachen gesprochen; das ist Frankfurt, unsere Realität. Und diese Sprachen werden durch Gottes Liebe verbunden.

Im Altarraum waren fast nur Frauen, ein angenehmes anderes Bild, und Florian Löffler sang die Pfingstsequenz (GL 343), eine weitergegebene spirituelle Erfahrung die auf Stephen Langton zurückgeführt wird, der 1200 starb.

Am nächsten Tag sah ich die Pfingstsequenz wieder im Stream des Pfingstgottesdienstes im Limburger Dom. https://www.youtube.com/watch?v=mbENUsGfFMY&feature=share&fbclid=IwAR3MS8aOChH8MDgl2ulutXhEmsHGsxpNayITxa8OfQveerHEwZUY-Wps0MQ

Sehr bewegend die musikalische Umsetzung der Taizefassung ab Minute 16.48 im Stream:

Eine deutsche Übersetzung durch Marie Luise Thurmair und Markus Jenny steht im Gotteslob Nr. 344:

  • Komm herab, o Heiliger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. 
  • Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt.
  • Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not.
  • In der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod.
  • Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund.
  • Ohne dein lebendig Wehn, kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund.
  • Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält.
  • Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt.
  • Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit.
  • Lass es in der Zeit besteht, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit. AMEN.

In der Predigt interpretierte Bischof Georg Bätzing die Sequenz so, dass diese Geisteskraft nur positiv sein kann, denn sie sucht stets Wege, die uns aufrichten, sie heilt, gönnt Ruhe und erfrischt. Und Jesus traut uns zu, ein neues Kapitel in unserer Kirche aufzuschlagen:

„Türen auf und hinaus. AMEN.“

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfr. Juraj Sabados Pfarrverwalter/Kooperator

Pfingsten

Joh 20, 19-23

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.

Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

 

Liebe Schwestern und Brüder.

Es ist Pfingsten. Lassen sie uns gemeinsam überlegen, was dieses Fest eigentlich für uns bedeuten könnte.

1. Liebe als Geschenk des Geistes

An Pfingsten feierten die Juden das Geschenk des Gesetzes „das Fest Schawuot“. Während die Juden feierten, steigt der Heilige Geist auf die Gemeinschaft der Jünger Jesu herab. Dadurch entsteht eine neue Beziehung – ein neuer Bund zwischen Gott und den Menschen. Ab jetzt gelten keine äußeren Gesetze mehr, das einzige was wirklich zählt ist die Liebe. Die Liebe zwischen Gott und den Menschen.

 

2. Liebe kennt keinen Unterschied

Jesus, trat in ihre Mitte, steht im Evangelium. Jesus ist nicht vorne, um zu verhindern, dass einige Jünger ihm näher stehen als andere. In der Beziehung zu Gott sind wir alle gleich. Gottes Geist und seine Liebe macht keinen Unterschied zwischen einzelnen Menschen.

 

3. Liebe als Auftrag der Christen

Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Der Auftrag Jesu ist erfüllt und an die Jünger weiter gegeben. Die Rolle der Gläubigen, die Rolle der christlichen Gemeinschaft besteht nicht darin, Dogmen anzubieten oder schlimmer noch, sie durchzusetzen, sondern die Mittel der Liebe: So wie der Vater den Sohn gesandt hat, um seine Liebe zu offenbaren, muss die Gemeinschaft ein sichtbares Zeugnis sein - selbstlose Liebe, die dient.

 

Am Pfingsten feiert die Kirche Geburtstag. Und zum Geburtstag wünschen wir immer dem der feiert etwas.

Ich wünsche der Kirche, ich wünsche uns, dass wir, erfüllt mit Gottes Geist, die Zeugen der Liebe Gottes in dieser Welt sind. Dazu wünsche ich uns viel Freude, viel Elan und Energie, Kraft und Mut.

Ein schönes Pfingstfest.

Juraj Sabados

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Thomas Schmidt, Priester im Gallus

Liebe Leserinnen und Leser,

die Pfingstsequenz ist eines der ältesten Gebete unserer Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Sie hat sämtliche Liturgiereformen überlebt und soll am Pfingstsonntag gesungen werden.

Sie ist eines meiner Lieblingsgebete und erinnert an die Gaben des Heiligen Geistes. Sie ist ein Text der Ermutigung für jede und jeden von uns, für unsere Gemeinden und ein Stichwortgeber für die Kirchenentwicklung, die in unserem Bistum auf der Tagesordnung steht.

Komm herab, o Heiliger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not.

In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit. Amen. Halleluja.

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferentin/Pfarrbeauftragte 

                  Monika Stanossek

Kirchentagebuch am 29.05.2020

Am heutigen Tag ist der Gedenktag der Heiligen Bona. Vermutlich geht es Ihnen wie mir und Sie haben vorher noch nie etwas von dieser Heiligen gehört. Sie lebte in der 2. Hälfte des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts in Pisa. Ihr Name bedeutet „die Gute“. Der Grund, weswegen ich mich etwas mit ihr beschäftigt habe, ist folgender: sie ist die Patronin der Stewardessen! Die unterschiedlichen Berufe haben ja jeweils ihre Patronin oder ihren Patron und so sollte auch der in der Mitte des letzten Jahrhunderts ganz neue Beruf der Stewardess (fast nur weibliche Beschäftigte damals!) auch eine Patronin bekommen. Papst Johannes XXIII. hat die Heilige Bona dann dazu ernannt. Der Grund war, dass sie schon als Mädchen und auch später, viel gereist, gepilgert ist. Sie war im Heiligen Land, in Rom, in Santiago und im Höhlenheiligtum des Erzengels Michael (was es alles gibt!) in Gargano.

Reisen – Pilgern – Stewardessen: da finde ich doch viele Anknüpfungen an unsere derzeitige Situation. Reisen wird in diesem Jahr für die meisten ganz anders stattfinden als in den Vorjahren. Wir werden Deutschland oder das angrenzende Ausland erkunden, aber keine Fernreisen, keine Kreuzfahrten, keine Studienreisen machen können. Und wir werden sicher auch hier viele schöne und interessante Ecken kennenlernen und uns gut erholen.

Leider geht auch Pilgern nicht, wir wollten ja mit einer Gruppe aus dem Pastoralen Raum auch nach Santiago de Compostella, das müssen wir verschieben.

Stewardessen bzw. Flugbegleiter*innen sind eine von der derzeitigen Krise stark betroffene Beschäftigtengruppe. Sie sind in Kurzarbeit und müssen um ihre Arbeitsplätze bangen. Sie brauchen Unterstützung, ohne Frage. Wie aber die Unterstützung für die Fluglinien auszusehen hat, darüber muss dringend diskutiert werden. Es kann nicht einfach wieder so weiter gehen wie bisher. Viele Flüge sind völlig überflüssig, der Anteil des Fliegens an der Luftverschmutzung muss reduziert werden. Jetzt ist die Chance für Veränderung, im Flugverkehr und in vielen anderen Bereichen ebenfalls. Einiges an Veränderungsbedarf ist vielen Menschen bewusst geworden in den letzten Wochen: Schutz der Umwelt, Gerechtigkeit, Schutz und Frieden für die Armen dieser Welt, gerechte Löhne gerade für die Menschen, die sich um andere kümmern, und gerechtere Arbeitsaufteilung zwischen Männern und Frauen, das sind ein paar Stichworte. Vieles war vorher schon klar, ist aber jetzt noch viel erfahrbarer und deutlicher geworden. Es braucht politische Veränderungen, Richtlinien und Maßnahmen und es braucht die Veränderung von uns vielen Einzelnen. Zumindest da haben wir Gestaltungsraum als Einzelne und als Gemeinden, nützen wir unsere Möglichkeiten!

Von Papst Franziskus gibt es ein Gebet anlässlich von 5 Jahren Enzyklika „Laudato si“, das solche Aspekte ins Gebet bringt:

Gemeinsames Gebet für die Erde und die Menschheit

Liebevoller Gott,

Schöpfer des Himmels, der Erde, Schöpfer von allem, was es gibt:
Öffne unseren Geist und berühre unsere Herzen,
damit wir Teil der Schöpfung sein können, die Du uns geschenkt hast.

Stehe den Bedürftigen in diesen schwierigen Tagen bei,
vor allem den Ärmsten und Verwundbarsten.
Hilf uns dabei, kreative Solidarität zu zeigen
beim Umgang mit den Folgen dieser globalen Pandemie.
Lass uns mutig die Veränderungen angehen,
die die Suche nach dem Gemeinwohl von uns verlangt.
So dass wir heute – mehr denn je – fühlen können,
dass wir miteinander verbunden und voneinander abhängig sind.

Lass uns den Schrei der Erde und der Armen hören

Lass uns den Schrei der Erde und der Armen
hören und darauf antworten.
Mögen die heutigen Leiden Geburtswehen sein,
Geburtswehen einer geschwisterlichen und nachhaltigeren Welt.

Darum bitten wir unter dem liebenden Blick Mariens, der Hilfe der Christen,
durch Christus, unsern Herrn.
Amen.

Monika Stanossek

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

Für den Frieden

Das waren beeindruckende Menschen, die wir – wenn auch nur live aus Kroatien zugeschaltet – letzten Samstag in der Kirche St. Hedwig kennenlernen durften. Übrigens: Wer nicht dabei sein konnte, kann sich sowohl den Gottesdienst mit dem Glaubenszeugnis  von Otto und Ana Raffai zur Eröffnung der Renovabisaktion als auch das Gespräch mit den beiden im Anschluss noch einmal auf YouTube anschauen: (https://www.youtube.com/watch?v=Mlgl56eNxuo&feature=youtu.be).

Beide setzen sich mit ihrer Initiative für die Versöhnung im Südosten Europas ein, in der auch 25 Jahre nach dem Balkankrieg noch lange kein echter Frieden herrscht. Sie leisten dort echte „Graswurzelarbeit“. Mit Begegnungen von Menschen ehemals verfeindeter Nationen, Friedenstrainings, Mahnwachen und vielem anderen mehr versuchen sie, Vergebung,  Versöhnung und gegenseitige Wertschätzung zu erreichen. Oft genug schlägt ihnen dabei großer Widerstand von Seiten der staatlichen als auch der kirchlichen Autoritäten entgegen.

Starke Sätze von Ana und Otto haben sich bei mir dazu eingeprägt. Sie sind auch für uns hier in Deutschland sehr wichtig. „Extremer Nationalismus kann sich wie das Corona – Virus verbreiten.“, so hat es Ana gesagt. Was für den Balkan gilt, ist auch eine Warnung für uns hier in Deutschland in einer Zeit, in der viele Menschen glauben, es müsste auch bei uns ein „Germany first“ geben. Wenn es um die verschiedenen Nationen geht, ist „Gott niemals parteiisch“ für eine Nation (Ana Raffai). Ich musste daran denken, wie oft auch in Deutschland Gott schon vereinnahmt worden ist – „Gott auf unserer Seite“, so stand es auf den Koppeln der deutschen Soldaten im 1. Weltkrieg. Wenn Gott Partei ergreift, dann ist es immer die Partei der Armen, Entrechteten, Schutzbedürftigen und besonders derer, die Gerechtigkeit und Frieden suchen. „Wenn wir Frieden bauen, loben wir Gott“ – unter diesem Motto stellen die beiden ihre Arbeit. Für mich gilt das auch für uns hier: Wir müssen immer wieder für den Frieden eintreten: Den Frieden in unseren Beziehungen, den Frieden zwischen den Religionen, den gesellschaftlichen Gruppen, den Frieden in Europa und in der Welt. Gerade im Moment ist das wichtiger denn je: In der kommenden Wirtschaftskrise wird es um Verteilung der Güter und der finanziellen Mittel gehen. Da müssen wir als Christen, zusammen mit allen Menschen guten Willens daran arbeiten, dass es friedlich und gerecht dabei zu geht und: Dass die Armen in allen Teilen der Erde nicht vergessen werden.

Vielen Dank für Euer lebendiges Zeugnis, Ana und Otto!

Rolf Müller

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfarrer Rolf Glaser

Seid gütig, wenn ihr könnt!

Heute, Dienstag, der 26. Mai, schreibe ich das Tagebuch für den morgigen Tag – und bleibe doch beim heutige Tagesheiligen hängen: Phillip Neri, der Narr Gottes. Der nicht gerade für übergroße Frömmigkeit bekannt J.W. Goethe entdeckte ihn auf seiner Italienreise und machte ihn zu seinem „Lieblingsheilgen“. Er war einer der großen Gestalten der Gegenreformation und verhalf der tief im Sumpf von Intrigen, Macht und Unmoral steckenden römischen Kirche zu neuer Glaubwürdigkeit. Luigi Magni setzte ihm 1983 in seinem Film „Himmel und Hölle“ ein kulturelles Denkmal. Angelo Branduardi übernimmt darin eine sängerische Hauptrolle.
Phillip Neri wird am 23. Juli in Florenz geboren. Er macht bei seinem kinderlosen Onkel eine Kaufmannslehre und soll einst dessen Erbe antreten. Stattdessen begibt er sich nach Rom, ist dort zunächst völlig mittellos und verdient seinen Unterhalt als Hauslehrer bei einem florentinischen Adligen. Soweit es seine Zeit erlaubt, beginnt er mit der Pflege von Kranken in Spitäler und kümmert sich um die Straßenjugend. So wird er zum ersten „streetworker“ der Kirche (alles schon einmal da gewesen!). Mit 36 Jahren lässt er sich auf Drängen seines Beichtvaters zum Priester weihen. Halb Rom erwählt ihn zum Beichtvater! Er gründet die Bruderschaft der hl. Dreifaltigkeit, die sich um kranke Pilger kümmert. Um ihn herum bildet sich in S. Girolamo eine Gemeinschaft, die er „Oratorium“ nennt. Das ist die Keimzelle des Ordens der Oratorianer, die auch bei uns im Frankfurter Oratorium segensreich wirkten, welches es auch heute noch gibt. Dazu gehörte Pfarrer Karl Pehl, der Begründer der Telefonseelsorge und Mitbegründer des „Hauses der Volksarbeit“, in dessen Vorstand ich heute mitarbeiten darf. Dazu gehörte Ferdinand Krenzer, der Begründer der „katholischen Glaubensinformation“(KGI). Dazu gehörte Walter Kropp, der langjährige Chef des kirchenmusikalischen Amtes, der vor kurzem mit über 100 Jahren verstarb, ebenso wie der Studentenpfarrer Ottmar Desshauer, der Rundfunk- und Fernsehpfarrer Alfons Kirchgässner, der Berufsschulpfarrer Hermann Schlachter. Allesamt hinterließen sie ihre Spuren in der Frankfurter Stadtkirche. Nicht vergessen wollen wir den längsten Stadtdekan aller Zeiten, Raban Tilmann!
Das zeigt welche Wirkungen Philipp Neri bis heute erzielte und erzielt!
Nachdem er anfangs mit harten Widerständen kämpfen musste, stand er aufgrund seiner Erfolge in der Gefahr, Opfer dieses Erfolgs zu werden. Man trug ihm die höchsten Würden und Ämter an. Da erdachte er sich eine merkwürdige Waffe zur Abwehr: Er machte sich zum Narren! Er wanderte mit halb rasiertem Bart durch die Stadt oder las aus einem Buch für ABC-Schützen vor. Um den Ruf seiner Armut zu zerstören, wandelte er in einem kostbaren Pelz umher oder er trug ein für einen Priester anstößig unpassendes knallrotes Hemd. Reinhard Raffalt schreibt über ihn: „ Er ist der lachende Heilige, er seinen jugendlichen Zuhörern die merkwürdigsten Witze erzählte, der sich sobald es um seine mystische Gottesnähe erst wurde, in die verfallenen Schlupfwinkel der Katakomben verkroch, aus denen er dann wieder strahlend, lebensfreudig und von schallendem Gelächter begleitet, hervorkam. Diesem berühmten Mann verdanken wir es, dass in der katholischen Welt, auch nach den Erschütterungen der Reformation, die Freude an der Schöpfung und am hl. Geist durch die Erfahrung menschlicher Trübsal und Sündhaftigkeit keinen Schaden erlitt.“
Sein Wahlspruch übrigens: „Seid gütig, wenn ihr könnt!“ Versuchen wir’s doch auch mal wieder!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Gemeindereferent Ruben Manger

Heilige des Bistums

Heute am 200. Geburtstag der Heilligen Maria Katharina Kasper (1820 – 1898) möchte ich mal einen Blick auf die heiligen Frauen unseres Bistums werfen. Als „jüngste“ unter den Heilligen des Bistums dürften vielen die Bilder ihrer Heiligsprechung am 14. Oktober 2018 noch vor Augen sein. Als Gründerin der „Dernbacher Schwestern“ hat sie bis heute eine Wirkung in unserem Bistum und weit darüber hinaus. Ihr lagen – in der Nächstenliebe begründet – die Armen, Kranken und Kinder am Herzen, die zu dieser Zeit am äußersten Rand der Gesellschaft lebten. Bildung und Pflege sind heute die großen Leistungen des Ordens, der in Europa, Asien, Afrika, Nord- und Südamerika tätig ist.

Die älteste Heilige der Bistumsheiligen ist Helena (248/250 – 330 n. Chr.), die Mutter von Kaiser Konstantin. Sie ist vor allem dadurch bekannt, dass sie in hohem Alter ins Heilige Land reiste, um dort den Spuren Jesu zu folgen. In Jerusalem ließ sie Grabungen beauftragen, deren Resultat der vermutete Fund des Kreuzes Jesu ist. Im Limburger Diözesanmuseum befindet sich die Staurothek mit einer Kreuzreliquie. Diese können sie sich im Gotteslob ansehen. Sie finden diese als Titelbild des Limburger Anhangs. (Die Lieder ab Nummer 700).

Die beiden letzten Heiligen sind Elisabeth von Schönau und Hildegard von Bingen. Beide lebten im 12. Jahrhundert und hatten Kontakt zueinander. Von beiden ist überliefert, dass sie Visionen hatten.

In Elisabeths Visionen sprach Maria, die Mutter Jesu zu ihr. Sie starb sehr jung und wurde in Schönau und der Umgebung schnell verehrt und schließlich im Jahr 1584 in den römischen Heiligenkalender aufgenommen.

Hildegard von Bingen hatte nicht nur Visionen, sondern war auch eine der großen Universalgelehrten und eine der ersten Mystikerinnen des Mittelalters. Ihre Schriften zu Musik, Natur, Medizin und Religion werden noch heute gelesen und rezipiert. 2012 wurde sie von Benedikt XVI. als vierte Frau zur Kirchenlehrerin erhoben.

Alle vier Frauen sind bis heute Vorbilder.

Heilige Katharina Kasper, du standst den Menschen am Rand der Gesellschaft bei, lass uns von dir lernen, die Menschen am Rand zu sehen.

Heilige Helena, du warst überzeugt, Christi Kreuz zu finden, lass uns Orte, an denen wir mit Gott verbunden sein können.

Heilige Elisabeth von Schönau, in deinen Visionen hat Gott zu dir gesprochen. Lass uns seine Stimme in unserer Gegenwart hören und vernehmen.

Heilige Hildegard, dein Wissendurst scheint unermesslich, du wolltest den Menschen und die Natur verstehen.

Amen.

Ruben Manger

E-Mail: r.manger@mariaehimmelfahrt-ffm.de

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Ralf Albensoeder

„Zwischenzustand“ schriebst Du gestern, lieber Rolf. Was ist in der Zeit „dazwischen“

Zwischen Jesus ist gegangen und spüren des Heiligen Geistes. Mir kommt eine Geschichte von Anthony de Mello (1937- 1987, Jesuit und spiritueller Lehrer) in den Sinn: was geschah, als Jesus fort war:

Gebt Acht!

Der Priester gab bekannt, dass Jesus Christus selbst am nächsten Sonntag in die Kirche kommen würde. Die Gemeinde kam in großer Zahl, um ihn zu sehen. Jedermann erwartete, dass er predigen würde. Jeder bot ihm Gastfreundschaft für die Nacht an, besonders der Priester, aber er lehnte höflich ab. Er sagte, er wolle die Nacht in der Kirche verbringen.

Am nächsten Morgen schlich er sich früh davon, noch ehe die Kirchentore geöffnet wurden. Und zu ihrem Entsetzen entdeckten die Priester und die Gläubigen, dass ihre Kirche mutwillig beschädigt worden war. Überall an den Wänden stand: Gebt Acht! Kein Teil der Kirche war verschont geblieben, Türen und Fenster, die Säulen, die Kanzel, der Altar, nicht einmal die Bibel auf dem Pult. Gebt Acht! In großen oder kleinen Buchstaben war es eingekratzt mit Bleistift, Feder, in jeder nur denkbaren Farbe hingemalt. Wohin das Auge blickte, sah man die Worte: Gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht!

Erschreckend, aufreizend, verwirrend, faszinierend, furchterregend. Worauf sollten sie Acht geben? Das stand nicht da. Es hieß nur: Gebt Acht!

In einer ersten Regung wollten die Leute jede Spur dieser Schmiererei, dieses Sakrilegs, wegwischen. Nur der Gedanke, dass Jesus selbst es getan hatte, hielt sie davon ab.

Nun begann dieses geheimnisvolle Wort „Acht geben“ in das Innere der Menschen einzusinken, wenn sie die Kirche betraten. Sie begannen, auf die Heilige Schrift achtzugeben, so dass sie davon profitieren konnten, ohne frömmlerisch zu werden. Sie begannen, auf die Sakramente zu achten, so dass sie geheiligt wurden, ohne abergläubisch zu werden.

Der Priester begann sich seiner Macht über die Menschen bewusst zu werden, ohne sie beherrschen zu wollen. Und jedermann begann, auf die Religion zu achten, denn wer nicht aufpasst, kann leicht selbstgerecht werden. Sie begannen, auf die Kirchengesetze zu achten, so dass sie gesetzestreu wurden und doch barmherzig gegenüber den Schwachen blieben. Sie begannen, auf das Gebet achtzugeben und sich nicht abhalten zu lassen, selbständig zu werden. Sie begannen sogar, sich ihrer Vorstellungen von Gott bewusst zu werden, so dass sie ihn auch außerhalb der engen Grenzen ihrer Kirche erkennen konnten.

Nun haben sie das aufrüttelnde Wort über den Eingang ihrer Kirche geschrieben, und wenn man in der Nacht vorbeifährt, kann man es in mehrfarbigem Neonlicht über der Kirche leuchten sehen.

Es muss nicht in Neonschrift über unseren Kirchen stehen. Denn ich hoffe, es wirkt in den Herzen und Köpfen. Das wir dafür „be-geist-ert“ sind:

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

Zwischenzustand

„Die Apostel verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit Maria und den Frauen“ – so erzählt es uns heute das Sonntagsevangelium. Es berichtet von einem „Zwischenstatus“: Jesus ist schon in den Himmel aufgefahren und der Heilige Geist ist noch nicht auf die Jünger herabgekommen. Noch wissen die Jünger nicht, wie, wann und ob es weitergeht. Sie sind zum Warten verurteilt; bei manch einem – so stelle ich es mir vor – mag sich wohl auch ein leichter Zweifel eingeschlichen haben. Ich stelle mir die Fragen der Apostel und Frauen von damals vor: „Wie lange dauert dieser Zustand dann noch? Wann können wir wieder aktiv mitmischen? Wann verlässt mich meine Angst, damit ich wieder neu anfangen kann? Bleibt Jesus weg? Wer gibt mir Kraft und Energie?“

So manche dieser Fragen sind typisch für „Zwischenzustände“, wie wir sie bestimmt alle schon einmal erlebt haben. Und wenn ich sie mir näher ansehe dann merke ich: Eigentlich ist die Zeit jetzt auch so ein „Zwischenzustand“. Die härteste Zeit des „Lockdowns“ ohne öffentliche Gottesdienste, mit geschlossenen Läden und Restaurants und mitabgesagten Veranstaltungen liegt erst einmal hinter uns. Ganz vorsichtig versuchen die Verantwortlichen in aus Politik, Kirche und der Medizin, einen „Zwischenzustand“ zu gestalten, bis es wieder eine neue Normalität nach der Pandemie wieder geben kann. Auch wir in unseren Gemeinden tun das: Wir versuchen – mit aller Vorsicht – wieder Veranstaltungen auf die Beine zu bekommen. Die Eröffnung der Renovabis – Aktion gestern Abend in der Kirche St. Hedwig ist ein gutes Beispiel dafür gewesen. Genauso soll es wieder andere Veranstaltungen und Begegnungen in den nächsten Wochen geben; Gremien sollen wieder tagen, Katechesen sollen wieder stattfinden und vieles andere mehr. Wir hoffen sehr, dass wir einen guten Weg durch diesen Zwischenzustand in unseren Gemeinden finden – und noch mehr, dass wir wieder einen neuen Anfang nach der Pandemie schaffen können.

Von den Aposteln und den Frauen kann ich etwas für diesen Zwischenzustand lernen. Sie sind einmütig geblieben: Das heißt für mich, dass diese Apostel miteinander geredet haben, dass sie sich nicht haben auseinander bringen lassen, trotz aller Meinungsverschiedenheiten, die es vielleicht auch bei ihnen gegeben hat. Genau das gilt es, auch jetzt für uns zu tun. Wir müssen immer wieder neu miteinander reden und Lösungen finden, ohne dabei falsche Fronten aufzumachen. Bleiben wir einmütig – denn Einmütigkeit gibt Kraft für diesen Zwischenzustand. Die Frauen und die Apostel haben viel in diesem Zwischenzustand gebetet. Sie zeigen damit, dass sie ihr Vertrauen in Gott und in eine neue Zukunft nicht verloren haben. Tun wir es ihnen in diesem Zwischenzustand nach!

Rolf Müller

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pater Roger Abdel Massih CML

Liebe Leserinnen und Leser,

heute feiern wir 71 Jahre Freiheit – nämlich die Freiheit der freien Entfaltung der Persönlichkeit, Religionsfreiheit, Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit, Freizügigkeit, Freiheit der Berufsausübung und viele andere mehr.

Unser Grundgesetzt wurde am 23. Mai 1949 ausgefertigt und verkündet.

Was für ein großes Geschenk!

Ich bin geboren im Libanon; von meinen Großeltern habe ich gehört, Libanon sei die Schweiz des Ostens, vieles war damals gut, aber zu meiner Zeit war Krieg, Spaltungen, und leider ist vom vormaligen Libanon nichts mehr geblieben.

Vielen anderen Ländern geht es eventuell sogar noch schlimmer, als was in Libanon geschieht …

Man kann nur erahnen, wie wichtig das Licht ist, wenn man die Dunkelheit kennt.

Daher bin ich sehr dankbar, dass in Deutschland so vieles möglich ist. Heute bei der Renovabisaktion werden wir mit Kroatien verbunden sein; wir werden hören und erfahren, wie die Menschen dort leben. Ich lade Sie herzlich ein, daran teilzunehmen, selbst wenn Sie nicht persönlich kommen können; sie können es zu Hause durch unseren live stream sehen und hören.

Ich bin dankbar, dass es eine Kirche gibt, die überall auf der ganzen Welt die lindernde Hand Gottes vertritt. Und damit sind Türen und Chancen geöffnet für viele Länder, ein bisschen Licht zu erleben.

Albert Schweizer sagt einmal:“ Gebete ändern die Welt nicht. Aber Gebete ändern die Menschen. Und die Menschen verändern die Welt.“

Lass uns zusammen beten und dankbar sein, und mit unserem Gebet  im Herzen mit den vielen Menschen auf der ganzen Welt verbunden sein. Und so beten wir gemeinsam:

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,

nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;

wer sich selbst vergisst, der findet;

wer verzeiht, dem wird verziehen;

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

(Franz von Assisi)

 

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Dr. Harald Stuntebeck

Über den Wolken
Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man
Blieben darunter verborgen und dann
Würde, was uns groß und wichtig erscheint
Plötzlich nichtig und klein

Liebe Leserinnen und Leser des Kirchentagebuches,

dieser Text des Liedes von Reinhard Mey ist wohl den meisten bekannt. Viele werden sich an Lagerfeuergesang mit Gitarre oder andere Momente erinnern, in denen es gesungen wurde. Das geht mir auch. Das Lied drückt ein Gefühl von Leichtigkeit und Sehnsucht aus.

Einfach mal alles hinter sich liegen lassen,

dem Alltag entfliehen,

dem ganzen enthoben sein.

Im Himmelfahrtsgottesdienst , den wir in St. Pius ökumenisch gefeiert haben, hat mein evangelischer Kollege Tobias Völger darüber gepredigt. Und er hat über die Hintergründe gesprochen, die Reinhardt Mey beim Schreiben dieses Liedes bewegten.

Reinhardt Mey erwarb die Fluglizenz auf dem Flugplatz Wilhelmshaven-Mariensiel. Er hatte in der Entstehungszeit des Liedes mit ernsthaften Ängsten und Sorgen in seinem eigenen Leben zu tun.

Zu gut kann man verstehen, dass dann die  Sehnsucht nach einem einfachen Weg aus den „Ängsten und Sorgen“ attraktiv ist.

In der Realität hatte sich Reinhardt Mey diesen „Ängsten und Sorgen“ gestellt und hat sie überwunden. Und so ist das Lied am Ende kein Lied des einfachen Entfliehens sondern ein Lied, das Ängste und Sorgen im Leben ernst nimmt und dafür steht, dass sie überwunden werden können. Es ist ein Hoffnungslied, ein Lied das Mut macht und das  Menschen, wenn sie es gemeinsam singe Mut und Freude macht.

Ich denke, auch die Himmelfahrtsgeschichte ist eine „Mut-mach-Geschichte“. Auch wenn dieser Jesus von Nazareth für unsere Augen nicht sichtbar ist, will er uns helfen, die „Ängste und Sorgen“ unseres Lebens zu bewältigen. Das ist eine Zusage, die Leichtigkeit, Mut und Hoffnung vermittelt,

und so könnte eine Zeile umgedichtet werden:

„Alle Ängste alle Sorgen blieben darunter verborgen,….                In

„Alle Ängste alle Sorgen blieben bei Dir geborgen,….

Vielleicht mögen Sie das Lied einmal unter diesem Aspekt hören, dann finden Sie es hier:

https://www.youtube.com/watch?v=0ICfNCLSnd4

Ihr/Euer

Harald Stuntebeck

Über den Wolken (Reinhard Mey)

Wind Nord/Ost Startbahn null drei
Bis hier hör' ich die Motoren
Wie ein Pfeil zieht sie vorbei
Und es dröhnt in meinen Ohren
Und der nasse Asphalt bebt
Wie ein Schleierstaub der Regen
Bis sie abhebt und sie schwebt
Der Sonne entgegen

Über den Wolken
Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man
Blieben darunter verborgen und dann
Würde, was uns groß und wichtig erscheint
Plötzlich nichtig und klein

Ich seh' ihr noch lange nach
Seh' sie die Wolken erklimmen
Bis die Lichter nach und nach
Ganz im Regengrau verschwimmen
Meine Augen haben schon
Jenen winzigen Punkt verloren
Nur von fern klingt monoton
Das Summen der Motoren

Über den Wolken
Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man
Blieben darunter verborgen und dann
Würde, was uns groß und wichtig erscheint
Plötzlich nichtig und klein

Dann ist alles still, ich geh'
Regen durchdringt meine Jacke
Irgend jemand kocht Kaffee
In der Luftaufsichtsbaracke
In den Pfützen schwimmt Benzin
Schillernd wie ein Regenbogen
Wolken spiegeln sich darin
Ich wär' gern' mitgeflogen

Über den Wolken
Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man
Blieben darunter verborgen und dann
Würde, was uns groß und wichtig erscheint
Plötzlich nichtig und klein

Quelle: LyricFind

Songwriter: Reinhard Mey

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Stefan Hofer

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Wenn ich mir das heutige Evangelium und die dazugehörige Lesung anschaue fallen mir zwei Halbsätze auf: „was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Apg 1,11 und „ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt.“ Eph 1,22.

Mein Vater sagte manchmal zu uns als Kinder, „was schaut ihr denn wie die Ölgötzen“. Woher dieser Ausspruch kommt, weiß ich bis heute nicht, aber es bedeutete, dass man etwas zu lange anstarrte und anscheinend nicht begriff. So ähnlich sehe ich nicht nur die damaligen Jünger*innen sondern auch uns.

Da schauen wir auf die „himmlische Liturgie“ und es gibt so viele irdische Dinge, die wir machen könnten, wie sich um andere sorgen, Flüchtlinge und Arme schützen, Menschen beraten, Gebäudemanagement nach Klimaschutz zu gestalten; ich denke auch Ihnen fällt noch vieles ein…

Jesus ist als Haupt über die Kirche gesetzt (siehe oben). Normalerweise wird dieser als „Veredelung“ der Kirche verstanden, die ist doch von Jesus Christus. Man kann es aber auch anders herum verstehen. Jesus ordnet die Kirche ein. Wenn sie seine Kirche ist, sollten wir seinen Willen tun. Das ist nicht nur die „himmlische Liturgie“, sondern auch die „irdische Caritas“. Beides bedingt sich und das eine kann nicht über das andere gestellt werden. Allerdings habe ich die Bemühungen um die Gottesdienste beispiellos erlebt. Würden wir nur annähernd so viel Energie in die Caritas, bzw. besser formuliert in die jesuanische Option für die Armen, geben, dann wären wohl viele Probleme schon gelöst. Deswegen denke ich, dass diese Krise Anlass sein kann, darüber nachzudenken, in was wir unsere Energie stecken und wo wir was verändern könnten, z. b. auch unsere klimatischen Anstrengungen (siehe: „Laudato si“ von Papst Franziskus), damit wir erneuert Kirche Jesu Christi sein können.

Eine Vision von Kirche, die mir vorschwebt, ist eine Kirche, die ärmer wird an Geld und Privilegien, aber reicher an Netzwerken und Beziehungen und versöhnt mit Himmel und Erde.

Ich wünsche Ihnen gute Visionen zum Himmelfahrtstag.

Stefan Hofer

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfr. Juraj Sabados Pfarrverwalter/Kooperator

Bitttage vor Christi Himmelfahrt

Die drei Tage vor Christi Himmelfahrt werden auch "Bitttage" genannt. 

Ich möchte Ihnen heute eine Bittandacht für zu Hause anbieten:

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Einführung

Wir wollen als Weggemeinschaft sinnlich erfahren, was wir im Credo beten: Schöpfer, wir sind deine Geschöpfe. Wir sind Fußgänger und Gast in Gottes schöner Welt.

Öffne, Herr, uns den Blick für deine Spuren in dieser Welt!

Kyrie

  • Jesus, du hast das Leben der Menschen geteilt, hast erlebt, wie hart sie arbeiten mussten, aber auch, dass sie dankbar waren für alles, was Gott ihnen geschenkt hat. Lehre uns danken! – Herr, erbarme dich.
  • Jesus, du hast gesehen, dass die Natur große Kraft hat. Du hast die Menschen erinnert, dass die Natur von Gott kommt und seine Macht bezeugt. Lehre uns, die Natur als Schöpfung zu achten und zu schützen. – Christus, erbarme dich.
  • Jesus, du hast erlebt, wie Menschen sich freuten, wenn sie viele Früchte ernten durften. Lehre uns, die Natur als Frucht der Schöpferliebe zu schätzen. – Herr, erbarme dich.

Guter Gott du hast die ganze Welt erschaffen. Ihre Schätze sollten allen Menschen, nicht nur einigen wenigen dienen. Verzeihe uns, wo wir mit all dem, was du erschaffen hast, nicht gut umgegangen sind. Lass uns zum Leben finden und entschieden dem Leben dienen. A: Amen.

Evangelium Lk 11,9-13

Fürbittgebet

Wir bitten für die, die unterwegs sind auf den oft aussichtslosen Bittgängen des Alltags in Arbeitsämtern, bei Ärzten und Gerichten. Für die, die bitten um Gehör und um Vergebung, um Anerkennung, um ein kleines Lob, um Liebe und Vertrauen. Lass ihre Bittgänge nicht ins Leere gehen.

Wir bitten für die, die nicht bitten und danken können, die sich alles selbst zuschreiben. Für die, die nicht wissen, worum sie bitten und wofür sie danken sollen. Lass sie aufmerksamer leben, gib ihnen ein sensibles, dankbares Herz.

Guter Gott, halte deine Hand über alle Menschen dieser Erde. Schenke Frieden und Gerechtigkeit. Darum bitten wir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. Amen.

All unsere Bitten wollen wir zusammenfassen in dem Gebet, das Jesus uns gelehrt hat: A: Vater unser …

Segensgebet

Der Segen des liebenden Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, komme über uns und unser Land, über unsere Arbeit und unser Zusammenleben und bleibe bei uns allezeit.

Einen schönen und hoffnungsvollen Feiertag!

Juraj Sabados

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Thomas Schmidt, Priester im Gallus

Gedankensplitter

  1. Am Freitag an der Hauptwache: Ein junger Mann spricht mich an, um mit mir über Corona zu sprechen. Er stellt sich vor als IT-Spezialist und will mich nach einigem Hin und Her zur Anti-Corona-Demonstration am Samstag einladen. Seine Aussagen waren eine Mischung von Bedenkenswertem (ist die schwedische Vorgehensweise die angemessere?), angedeuteten Unterstellungen (dunkle Interessen der Regierung) und Nähe zu Verschwörungstheorien (Weltherrschaft von Bill Gates). Ich habe dann irgendwann das Gespräch abgebrochen und dachte an eine Grundüberzeugung der Aufklärung: „Ich bin nicht Ihrer Meinung, aber ich werde alles dafür tun, dass Sie Ihre Meinung frei äußern können.“ Gefallen als Reaktion auf manche Verschwörungstheorie hat mir übrigens die Ansage eines Zugbegleiters in einem ICE: Er sagte (frei aus meinem Gedächtnis zitiert): „Nutzen Sie auf jeden Fall ihre Maske. Die Regierung will aus ihrem Atem DNA entziehen und daraus Klone machen, um uns zu beherrschen.“
  2. Die brasilianische Bischofskonferenz hat gemeinsam mit der brasilianischen Caritas eine große Kampagne gestartet: „Es ist Zeit sich zu kümmern“ (É tempo de cuidar“). Es ist ein Aufruf in allen Pfarreien und allen Gemeinschaften eine neue Solidarität mit den vom Virus betroffenen Familien zu entwickeln. Die Osterzeit sei eine Zeit der Nächstenliebe, die das Innerste des christlichen Glaubens ausmacht. Es gibt Ermutigungen, praktische Hinweise und die Hoffnung, dass so aus dieser Krise auch eine neue Solidarität erwächst. Kirche, wie ich sie mir wünsche.
  3. Corona erhöht meine Lesezeit. Gerade habe ich den Roman „Am Boden des Himmels“ von Joana Osman beendet. Sehr lesenswert. Dort fand ich den schönen Satz: „Das Leben (…) will zum Ausdruck gebrachte Freude sein“. Das wünsche ich allen.

Thomas Schmidt

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferentin/Pfarrbeauftragte 

                  Monika Stanossek

Mal wieder die Frauen?!

In den letzten Tagen war in den Medien einiges dazu zu hören und zu lesen, dass die Frauen Verliererinnen der Corona-Krise seien. Wie kommt das?

Frauen sind es, so ist es in Untersuchungen belegt, die sich in erster Linie um die Kinder kümmern, um ihre schulischen Belange in diesen Zeiten, um ihre Freizeitgestaltung und natürlich um die Versorgung der Familie. Von einer gleichgewichtigen Arbeitsaufteilung sind die meisten Familien noch weit entfernt. Das alles war vor Corona schon so, so die Soziologin Jutta Allmendinger am Freitag, 15.05.2020 in der Sendung Aspekte, doch in dieser angespannten Zeit wird das noch deutlicher. Einen Rückfall in die 50 er Jahre würden wir gerade erleben!

Frauen sind die, die zu mindestens 75 % die Care-Arbeit machen, in Krankenhäusern, Senioren- und Pflegeinrichtungen, in der Kinderbetreuung. Auch in weiteren „systemrelevanten“ Berufen, z.B. im Einzelhandel, arbeiten hauptsächlich Frauen. Alles Berufe, die schlecht bezahlt werden, was inzwischen ja endlich gesellschaftlich breit diskutiert wird. Welchen Wert messen wir welchen Tätigkeiten bei? 20 % beträgt die Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen! Führungspositionen werden nach wie vor in der Regel von Männern eingenommen. Die einzige Frau, die weltweit einem Dax-Konzern vorstand, hat aufgehört.

In der Kirche ist uns diese ungleichgewichtige Aufteilung leider sehr bekannt. Auch da hat eine breite Diskussion eingesetzt. Führende Kirchenverantwortliche, alles Männer, betonen immer wieder, dass Frauen Führungspositionen übernehmen sollen, solche, die nicht an das Priesteramt gebunden sind. Das ist natürlich schon eine massive Einschränkung! Ja, einige wenige Frauen gibt es in leitenden Positionen, aber es sind wenige, eher die Ausnahmen. Die katholische Kirche ist nach wie vor von der Leitung her sehr männlich und von den Aktiven an der Basis sehr weiblich geprägt, sehr ähnlich wie in Gesellschaft und Wirtschaft. Wer schon mal eine Priesterweihe miterlebt hat wird sich erinnern: der ganze Altarraum ist voller Männer mit Leitungsverantwortung, Frauen tauchen als Messdienerinnen und als Lektorin auf.

Dabei hat die Kirche doch andere Grundlagen! Gestern, am 17. Mai hat die kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschland) den Tag der Predigerinnen initiiert. Dieser Tag ist den Gedenktag der Junia, von der im Römerbrief Kap. 16, Vers 7 die Rede ist. Fast 2000 Jahre wurde ihr Name in der männlichen Form, Junias, übersetzt. Erst die Einheitsübersetzung der Bibel von 2016 hat den Fehler korrigiert, der seit langem bekannt war, und nun lesen wir da von Paulus:

„Grüßt Andronikus und Junia, die zu meinem Volk gehören und mit mir zusammen im Gefängnis waren; sie ragen heraus unter den Aposteln und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt.“ Junia wurde als Apostolin anerkannt, wie ihr Mann / Gefährte Andronikus und Paulus selbst auch. Und ebenso wie Maria von Magdala. Das sind biblische Zeugnisse von gleicher Würde und gleichen Rechten von Männern und Frauen in den ersten christlichen Gemeinden! Davon sind wir weit entfernt.

Wir Frauen haben noch einen weiten Weg vor uns, im eigenen Umfeld, in der Gesellschaft und in der Kirche! Gehen wir ihn mutig und unverdrossen, im Bewusstsein, dass viele Frauen in ihrer Zeit außergewöhnliche Wege vor uns gegangen sind und viele heute ihre Wege, oft in Gefahr und mit vielen Schwierigkeiten, überall auf der Welt gehen.

Apostolin Junia stärke unseren Mut und unser Durchhaltevermögen!

Monika Stanossek

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Gemeindereferentin Verena Nitzling

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in der Bibel finden sich so viele wunderbare, stärkende Zusagen von Gott, auch für unser Leben, für jede Einzelne / jeden Einzelnen von uns.

Ich möchte Sie heute dazu einladen, sich diesem wundervollen Geschenk selbst zu widmen.

Nehmen Sie sich die hl. Schrift zur Hand, das Buch der Psalmen kann an dieser Stelle sehr hilfreich sein und suchen Sie nach diesen wertvollen Zusagen Gottes.

Welche passenden, bekräftigenden Bibelstellen finden Sie zu den folgenden Botschaften:

  • Ich lasse Dich nicht alleine. Hier einige Verse aus der Bibel, die diese Aussage bekräftigen:           Mt 28,20b; Jos 1,5; Ps 91,11 
  • Ich nehme Dich in den Arm und halte Dich.
  • Ich bin für Dich da.
  • Ich tröste Dich, wenn Du traurig bist.
  • Du bist wertvoll und wunderbar.
  • Ich schenke Dir Hoffnung, wenn Du verzweifelt bist.
  • Ich höre Dir zu.
  • Ich glaube an Dich, vertraue Dir, Du bist stark.
  • Du hast Ängste. Erzähle mir davon.
  • Ich helfe Dir aufzustehen, wenn Du gefallen bist.
  • Ich sorge für Dich.
  • Du kennst Schmerzen, Enttäuschungen und Verletzungen. Ich halte sie mit Dir aus.
  • Ich hab Dich lieb und ich bin froh, dass es Dich gibt.
  • Du darfst Fehler machen und Gott vergibt Dir, wenn Du ihn darum bittest.
  • Du ziehst Dich in die Stille zurück. Ich schweige mit Dir und halte die Stille mit Dir aus.
  • Ich nehme Dich mit all Deinen Gedanken und Gefühlen ernst.
  • Ich nehme Dich an, so wie Du bist. Ich bin achtsam im Kontakt mit Dir.
  • Wir sind geborgen in Gottes Hand. Der Segen Gottes möge uns begleiten.
  • Du bist einzigartig, ein Geschenk Gottes. Du bist sein geliebtes Kind.
  • Ich halte Deine Ohnmacht mit Dir aus.
  • Du hast Wurzeln wie ein Baum, die Dich durch die Stürme Deines Lebens tragen und Dir Kraft zum Leben geben.
  • Ich nehme Dich an die Hand, wenn Du Hilfe für den nächsten Schritt brauchst.
  • Ich lache und weine mit Dir.
  • Ich wünsche mir Freundschaft und Frieden mit Dir.
  • Fürchte Dich nicht. Sei behütet und traue Dich ins Leben.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Suchen und Finden.

Gerne können wir uns im Nachgang dazu auch persönlich austauschen. Ich freue mich über die „Ergebnisse“ Ihrer kreativen Bibelarbeit.

Bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüße Ihre Verena Nitzling

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfarrer Rolf Glaser

Renovabis Pfingstaktion

Derzeit läuft die Vorbereitung der stadtweiten Eröffnung Pfingstaktion von Renovabis am 23. Mai, um 18.oo Uhr in St. Hedwig auf Hochtouren. Nachdem das „Setting“ in Corona-Zeiten endlich klar ist, haben wir in aller Eile die Bewerbung vorangetrieben und schaffen die technischen Voraussetzungen dafür.
Dabei gehen meine Gedanken zu den Menschen und Ländern in Osteuropa, mit denen wir in Verbindung standen und stehen. Auch vor ihnen macht „Corona“ nicht halt, wenn auch die Dunkelziffer dort besonders hoch ist und uns nur spärliche Informationen erreichen. Sie alle sind Corona hilflos ausgesetzt. Und sie drohen uns über unsere eigenen Sorgen und Ängste aus dem Blick zu geraten.
Erschüttert habe ich die Bilder von Ärzten vor Augen, die sich in Russland aus Verzweiflung über die medizinische Lage dort aus dem Fenster stürzten.
Ich denke an die Straßenkinder, die in der Kanalisation von Kiew leben, der Stadt, die wir mit dem Hedwigsforum vor Jahren besuchten. Bischof Bohdan schrieb in seinem Ostergruß von dort an uns: „Unsere Sorgen und unsere Gebete sind insbesondere bei einfachen, älteren Menschen sowie bei zahlreichen Familien, deren Mitglieder im Ausland sind, weil diese Menschen insbesondere verletzbar sind und die Folgen der jetzigen Krise spüren werden.“ -
Ich denke an die Flüchtlinge im Lager in Ungarn, von denen der Europäische Gerichtshof sagt, dass sie unter „haftähnlichen Bedingungen“ leben müssen. Auch in Bosnien ist ihre Lage prekär. Die Friedensorganisation RAND, die dieses Jahr im Mittelpunkt unserer „Renovabisaktion“ steht, sagte schon 2018 zur Lage der Flüchtlinge auf dem Balkan: „Es gibt keine Flüchtlingskrise, nur unsere Menschlichkeit ist auf der Probe.“
Ich denke an die Roma - Familien in Schluckenau in Tschechien oder in der Diözese Leitmeritz in Nordböhmen oder auch in Rumänien, in ihren ärmlichen Behausungen, nur mit dem Notwendigsten ausgestattet. Von den behinderten Menschen in Rumänien, auch eine Risikogruppe, berichtete uns der Caritasdirektor der Diözese Alba Julia, Andras Marton, bei der Eröffnung der Pfingstaktion 2013.
„Selig sind, die Frieden stiften“, ist das diesjährige Leitwort von Renovabis. Frieden – Schalom! Schalom ist für die Bibel nicht nur Abwesenheit von Krieg und Gewalt. Schalom ist ein umfassender Zustand, der das Heil der Menschen an Leib und Seele, alle inneren und die äußeren Zustände, umfasst. Beten wir für den Schalom der Menschen in Osteuropa, setzen wir uns weiter für sie ein! Dann wird dieser „Schalom“ auch an uns zurückgegeben. Tun wir also, was heilsam ist, für die Menschen dort und hier.
Erinnern wir und helfen wir mit unserer Spende für Renovabis!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Gemeindereferent Ruben Manger

Tag der christlichen Soziallehre

Diesen Namen könnte man problemlos dem heutigen Tag geben. Am 15. Mai 1891 wurde die Enzyklika „Rerum Novarum“ („Die neuen Dinge“) von Papst Leo XIII (1878 - 1903) veröffentlicht. Diese erste große Sozialenzyklika begründete die katholische Soziallehre. Die Bedeutung von „Rerum novarum“ zeigt sich auch daran, dass die folgenden Sozialenzykliken 1931, 1961, 1971, 1981 und 1991 immer rund um den 15. Mai veröffentlicht wurden.

In der Enzyklika beschäftigt sich Papst Leo XIII mit der sozialen Frage des 19. Jahrhunderts und dem Konflikt der aufkommenden Wirtschaftssysteme des Sozialismus und des Kapitalismus. Keines der beiden Systeme – das zeigte sich bereits damals – funktioniert in seiner vollen Umfänglichkeit.

In Deutschland entwickelte sich zu dieser Zeit das Sozialsystem, das wir noch heute haben und das sich seitdem immer weiter entwickelt hat. Krankenkassen, Rentenkassen, Pflegeversicherung und noch vieles mehr hat sich seither entwickelt. Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung christliche Politiker und christliche Arbeiterbewegungen. Aus der Überzeugung heraus, dass eine Arbeit einen gerechten Lohn verdient, setzte man sich für die Arbeiter in den Fabriken ein.

Durch die Einführung der Sozialsysteme sind neue Berufe entstanden bzw. spielen sie inzwischen eine wichtigere Rolle. Pflegekräfte, Krankenschwestern und andere sind heute die „Arbeiter in den Fabriken“, so kann und muss man vielleicht Krankenhäuser und Altenheime bezeichnen, vor allem, weil sie in großen Teilen so geführt werden. Deswegen sind die Menschen gerade in den aktuellen Zeiten besonders herausgefordert. Ein System, das auf Profitmaximierung ausgelegt ist, wird immer den Menschen, der im Mittelpunkt stehen sollte, vernachlässigen.

Gerade als Christen sollten wir uns heute darum bemühen, den Menschen, die besonders herausgefordert sind zu unterstützen. Die christliche Caritas, die Nächstenliebe ist uns ins Stammbuch geschrieben. Im heutigen Evangelium heißt es dazu: „Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“ (Joh 15,12).

Vielleicht und hoffentlich ist eine der Lehren aus der aktuellen Krise, dass es wieder nötig ist, eine Arbeit mit einem gerechten Lohn vergolten werden muss. Setzen wir uns hierfür ein! Wir alle kennen Menschen, die in solchen Berufen arbeiten. Teilen wir ihnen unseren Dank und unsere Anerkennung mit.

In einem Gebet aus dem 14. Jhd. Heißt es:

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun.

Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen.

Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen.

Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.

Amen.

Ruben Manger

E-Mail: r.manger@mariaehimmelfahrt-ffm.de

Die Bilder sind gemeinfrei: www.heiligenlexikon.de und wikipedia

Aus der Novene in Seuchenzeiten mit Anrufung der Hl. Corona

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Herr erbarme Dich!

Christus erbarme Dich!

Herr erbarme Dich!

Heilige Maria, Mutter Gottes – bitte für uns!

Heilige Maria, Du Heil der Kranken – bitte für uns!

Heilige Corona – bitte für uns!

Heilige Corona, Schutzpatronin gegen Seuchen, wir bitten Dich:

Für alle, die am Corona-Virus erkrankt sind – bitte für sie.

Für die Ärzte und das Pflegepersonal – bitte für sie.

Für alle, die sich gegen die Ausbreitung einsetzen – bitte für sie.

Für alle, die in Quarantäne sein müssen – bitte für sie.

Für alle, die sich Sorgen machen und Angst haben – bitte für sie.

Für alle, die verstorben sind – bitte für sie.

Um die Entwicklung eines Gegenmittels – tritt für uns ein.

Um die Eindämmung der Krankheit – tritt für uns ein.

Um Weisheit und Besonnenheit bei Entscheidungen – tritt für uns ein.

Lasset uns beten:

Allmächtiger Gott, Du vergibst deinem Volk die Sünden und heilst alle seine Gebrechen, du hast uns deinen geliebten Sohn gesandt, dass er unsere Krankheiten trage:

Wir bitten dich in dieser Zeit der Epidemie und Not, blicke voll Erbarmen auf uns und gedenke deiner Liebe und Güte, die du zu allen Zeiten Deinem Volk gezeigt hast.

Nimm unser Gebet und Opfer an und erhöre uns auf die Fürsprache Deiner heiligen Märtyrerin Corona. Wende diese Krankheit von uns ab; lass diejenigen, die davon betroffen sind, wieder gesund werden; beschütze die, welche durch deine Güte bisher bewahrt geblieben sind, und lass die Plage nicht weiter um sich greifen.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Vater Unser.

Gegrüßet seist du Maria.

Ehre sei dem Vater.

Unter Deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin. Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren. O Du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin, versöhne uns mit Deinem Sohne, empfiehl uns Deinem Sohne, stelle uns vor Deinem Sohne. Amen.

Stoßgebet für den Tag:

Tag 1: Herr, nimm uns die Angst und schenke uns Vertrauen auf Dich.

Tag 2: Herr, lehre uns ein verantwortliches Umgehen mit den Anderen.

Tag 3: Herr, schenke allen Verantwortlichen in Politik, Gesellschaft und Kirche Weisheit und Besonnenheit.

Tag 4: Herr, sei allen nahe, die in Quarantäne sein müssen und sich einsam fühlen.

Tag 5: Herr, schenke allen Helfern im medizinischen Dienst Deine Kraft, Mut und Zuversicht.

Tag 6: Herr, lehre uns die Dankbarkeit für das Leben und gib uns Deinen Frieden.

Tag 7: Herr, tröste alle, die durch die Krise erheblichen Schaden erleiden.

Tag 8: Herr, stärke alle, die leiden müssen, und nimm von uns die Plage der Epidemie.

Tag 9: Herr, nimm alle bei Dir auf, die gestorben sind.

Was ist eine Novene?

Unter einer Novene versteht man nach dem Vorbild der Urkirche ein Gebet, das man 9 Tage hindurch täglich verrichtet. Eine Novene ist ein sehr intensives Gebet. Dabei sollen nicht nur die wenigen Minuten des gesprochenen Gebets geheiligt sein, sondern die ganze Zeit dieser 9 Tage soll unter dem Anliegen stehen, um das man bittet.

Man versucht, diese Tage mit Umkehr und innerer Ausrichtung auf Gott zu gestalten, die Sünde besonders zu meiden. Vielleicht ist es sinnvoll in dieser Zeit einmal ein kleines Opfer zu bringen oder eine Kerze anzuzünden verbunden mit einem Gebet oder auf das ein oder andere zu verzichten. Das gibt unserem Gebet Kraft und Festigkeit!

Ralf Albensoeder

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

In welche Richtung geht’s?

Das ist eine Frage, die ich mir im Moment oft stelle. Kommt eine neue „Corona – Normalität“ zustande oder wird es mit Extremen – völlige Lockerungen der Maßnahmen oder ein neuer Lockdown – weitergehen? Ich sehe, wie verschieden hierzu die Ansichten sind! Eines macht mir dabei große Sorge: Ich merke, dass immer mehr Menschen nicht mehr bereit sind, in ein vernünftiges Gespräch über die Lage und die Maßnahmen zu kommen. Da machen sich Verschwörungstheorien breit! Da wird von dunklen Mächten gesprochen, die eine neue Weltregierung planen würden, da wird von dem Virus als einer Bio-Waffe gefaselt, die eingesetzt werden soll und viele andere krude Theorien mehr. Oft kommen diese aus dem ultrarechten Lager, sogar manche Kirchenleute beteiligen sich an ihnen.

Das macht mir Angst. Ich weiß: Die Lage ist kompliziert. Über das Corona Virus weiß man noch nicht viel, es wird gerade erst erforscht. So ist es ganz normal, dass es da noch viele Ansichten und Meinungen dazu gibt. Kein Politiker der aktuellen Generation hat sich wohl mit dem Problem einer Pandemie dieses Ausmaßes bisher beschäftigen müssen. Da muss manchmal „auf Sicht“ gefahren werden mit dem Risiko, auch mal einen Fehler zu begehen. Es ist wichtig, auf die Wissenschaftler zu hören, die sich in aktuellen Forschungen transparent mit diesem Virus befassen.

Einfache Lösungen gibt es nicht, ebenso wie einfache Ursachen – aber genau das wollen uns Verschwörungstheoretiker immer wieder sagen. Das ist eine große Versuchung, wer hätte nicht gerne einfache Antworten auf all die komplizierten Fragen?

Ich habe gelesen: Gerade in den Situationen, in denen Menschen sich unsicher, minderwertig  und schwach fühlen, wächst bei ihnen die Sehnsucht nach dem vermeintlich Einfachen, manchmal sogar die Sehnsucht nach einem „starken Mann“, der vorgibt, alles lösen zu können. Vielleicht ist es deswegen gut daran zu denken, was uns als Christen ausmacht: Wir sind von Gott geliebte und angenommene Menschen. Gottes voraussetzungslose Liebe zu jedem von uns ist eine gute Grundlage für echtes Selbstbewusstsein. Dieses Selbstbewusstsein aus der Liebe Gottes heraus macht mich nicht immun gegen Zweifel, Sorgen und Ängste. Aber: Es stärkt mich in dem Bewusstsein, dass ich nicht alleine unterwegs durch diese Tage bin. Es gibt mir die Kraft, zusammen mit anderen und für andere in Liebe geduldig, vernünftig und Schritt für Schritt Wege aus der Krise und zu einer neuen – wenn auch „Corona“ – Normalität zu finden; ohne dabei in die Fallen falscher Theorien und großer Verführer vom rechten Rand zu fallen. Und auf diesem Weg hallt in mir noch das Wort Jesu aus dem Evangelium vom letzten Sonntag nach: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“

Rolf Müller

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?"

Da antwortete er:
"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."

In unsere Unsichere Zeit, ist Gott bei uns, darauf können wir uns verlassen.

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Dr. Harald Stuntebeck

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mit Fassungslosigkeit habe ich die Artikel gelesen, dass sich Menschen zu großen Demonstrationen gegen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Berlin und in anderen Städten  zusammenfanden.

Was ist passiert mit den Menschen, die in den letzten Monaten durch ihr vorbildliches Verhalten dazu beitrugen, dass viele Länder bestaunen, wie es in Deutschland gelungen ist die Pandemie zu bekämpfen.

Ich habe den Eindruck, dass es in Deutschland so gut gelungen ist, dass die wenigsten von uns  Menschen kennen, die erkrankt oder gestorben sind. Die Lockerung der Maßnahmen bestärkt darüber hinaus den Eindruck, dass alles gar nicht so schlimm sein kann… Und vermutlich entsteht durch die isolierenden Maßnahmen auch ein Druck, der nun irgendwo zu entweichen sucht.

Aus der Heimatstadt meiner Frau in Brasilien hören wir ganz andere Nachrichten. Alleine wir kennen drei Freunde, die erkrankt sind. Eine Freundin sagte uns: „Das ist eine erschreckende Krankheit,… es bleibt Dir einfach der Atem weg!“ Vier Wochen dauerte es, bis sie wieder einigermaßen auf den Beinen war, dabei eine Zeit im Krankenhaus. Das sind die Auswirkungen in einem Land, in dem der Präsident Jair Bolsonaro die Wirtschaftskraft über das Volkswohl setzt.

Ein Blick nach Brasilien machte uns bewusst, wie es auch bei uns sein könnte, wenn die Solidarität der nicht so stark gefährdeten Gruppen mit den sogenannten „Risikogruppen“ nicht mehr da ist.

Schauen wir uns um, in die Länder, die den Zeitpunkt verpasst haben, um ihre Menschen besser zu schützen, schauen wir in die Vereinigten Staate, nach New York, nach Italien, nach Brasilien,…

Vielleicht gibt das uns die Kraft weiter durchzuhalten und auch die zu bestärken, die am Rande ihrer Kräfte und ihrer Geduld sind.

Auch der Blick in die Bibel, das Lesen eines guten Buches, das Telefonat mit einem/er guten Freund/in, das Aufsuchen von Jesus im Gebet kann uns helfen, das Aufrechthalten unserer Verbundenheit miteinander.

Vielleicht können wir darin etwas von der Erfahrung machen, von der Frére Roger Schütz schreibt:

„Wenn diese Gemeinschaft die die Kirche ist, zur Klarheit findet, indem sie zu lieben und zu verzeihen sucht, lässt sie Wirklichkeiten des Evangeliums in Frühlingshafter Frische durchscheinen…“

(aus: Frére Roger, Taizé, Einfach vertrauen, 2004)

Ich wünsche Ihnen die Erfahrung dieses Frühlings und uns allen viel Kraft und Gottes begleitende Nähe in dieser Zeit

Ihr/Euer

Harald Stuntebeck

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Stefan Hofer

75 Jahre Frieden

In diesen Tagen ist der zweite Weltkrieg 75 Jahre zu Ende, 75 Jahre Frieden bei uns, eine lange Periode. Es gibt einen großen Unterschied zu der Zeit davor: Krieg ist kein Mittel der Wahl mehr für uns; politisch setzen wir auf Gespräche. Denn viele von uns in Deutschland haben gelernt, dass es im Krieg ganz viele Verlierer gibt. Auch die offizielle katholische Kirche hat dazugelernt. Während sie früher die These vom „gerechten“ Krieg vertrat, sagte Papst Franziskus 2017, dass nur der Frieden gerecht sei. Und Jesus hat schon vor 2000 Jahren in der Bergpredigt die Gewaltlosigkeit für sich und seine Jüngerinnen und Jünger proklamiert.

In den letzten Kriegen, die Deutschland betraf, wurden wir  mit einem fragwürdigen Nationenbegriff aufgefordert, auch Glaubensgeschwister zu töten. Gerade hinter der Kirche St. Gallus können wir das noch nachverfolgen. In den Adlerwerken gab es ein Zwangsarbeiterlager mit Franzosen und ein Außenlager eines Konzentrationslagers (ich würde eher sagen: Vernichtungslager) mit vielen Polen und Ukrainern (weit über 1000 Menschen). Der Platz hinter der Kirche heißt Golub-Lebedenko-Platz: „Am 14. März 1945, wenige Tage vor Kriegsende (in Frankfurt), flohen der 19jährige Adam Golub und der 21jährige Georgij Lebedenko aus dem KZ Adlerwerke. Sie versuchten, sich im Gallusviertel zu verstecken. Die SS-Wachmannschaften begannen sofort mit der Suche, an der sich die halbe Nachbarschaft beteiligte. Beide wurden von der SS auf offener Straße vor den Häusern an der Ecke Lahnstraße /Kriegkstraße erschossen.“ (www.kz-adlerwerke.de) Ob sich auch Mitglieder der Pfarrei St. Gallus daran beteiligt haben, ist nicht bekannt. Albert Perabo war der damalige Pfarrer von St. Gallus. Er soll damals Zwangsarbeitern im Turm von St. Gallus die Möglichkeit geboten haben, sich zu treffen. Gerade untersuchen Thomas Schmidt, Jean-Francois Ameloot und ich die damaligen Quellen, was an diesen Gerüchten dran sein könnte, denn es gibt keine Zeitgenossen mehr, die das bezeugen könnten und wenn es so war, dann musste es auch geheim gehalten werden. Denn, dies war damals strengstens verboten! Diese Kontakte und auch Kontakte zu den französischen Arbeiterpriestern, die damals incognito bei den Zwangsarbeitern mitgearbeitet hatten, auch um ihre Landsleute zu unterstützen, waren lebensgefährlich, und endeten oft mit Verhaftung, Folter und Tod.

Was bleibt? Entsetzen darüber, dass bei uns eine Diktatur möglich war, die Millionen Menschen systematisch verfolgt und ermordet und sich daran bereichert hat. Eine Diktatur, in der die Machthaber einen Krieg angezettelt hatten, in dem sie für alle beteiligten Länder nur Leid und Tod brachten und in dem sie sich letztlich aus der Verantwortung gestohlen haben.

Ich hoffe, dass wir von dem Mut und dem Glauben lernen können der Menschen in dieser Zeit, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um andere Menschen zu retten, und damit Zeugen des gefolterten und ermordeten Jesus sind. Leider kennen wir viele dieser Menschen nicht mehr, da sie selber ermordet worden sind. Aber letztendlich wurde diese Diktatur durch die Alliierten überwunden, was durch „inneren“ Widerstand, den es nur vereinzelt gab, nicht gelang. Dieser Tag der Überwindung der Diktatur, ermöglichte uns einen Neuanfang. Dass sich so eine menschenvernichtende Diktatur nicht wiederholt, ist unsere Aufgabe, und daran erinnert der Golub-Lebedenko-Platz!

Stefan Hofer

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfr. Juraj Sabados Pfarrverwalter/Kooperator

Glaubt mir doch

Im heutigen Evangelium (Joh 14, 7 – 14) hören wir wie Jesus von seinen Jüngern Glaube einfordert. Die Jünger sollen verstehen, dass er im Vater ist und der Vater in ihm ist. Nicht er, sondern der Vater in ihm vollbringt seine Werke.

In der Enzyklika „Lumen fidei“ von Papst Franziskus lesen wir:

„Im Glauben ist Christus nicht nur der, an den wir glauben, die größte Offenbarung der Liebe Gottes, sondern auch der, mit dem wir uns verbinden, um glauben zu können. Der Glaube blickt nicht nur auf Jesus, sondern er blickt vom Gesichtspunkt Jesu aus, sieht mit seinen Augen: Er ist eine Teilhabe an seiner Sichtweise. In vielen Lebensbereichen vertrauen wir uns anderen Menschen an, die mehr Sachverständnis besitzen als wir. Wir haben Vertrauen zu dem Architekten, der unser Haus baut, zu dem Apotheker, der uns das Medikament zur Heilung anbietet, zu dem Rechtsanwalt, der uns vor Gericht verteidigt. Wir brauchen auch einen, der glaubwürdig ist und kundig in den Dingen Gottes. Jesus, der Sohn Gottes, bietet sich als derjenige an, der uns Gott „erklärt" (vgl. Joh 1,18).“

„Glaubt mir doch!“

Maria ist durch ihre Beziehung zu Jesus eng mit dem verbunden, was wir glauben. 

Im folgenden Gebet aus der Enzyklika „Lumen fidei“ wenden wir uns an Maria, die Mutter der Kirche und die Mutter unseres Glaubens.

 Hilf, o Mutter, unserem Glauben!
     Öffne unser Hören dem Wort, damit wir die Stimme Gottes
und seinen Anruf erkennen.
     Erwecke in uns den Wunsch, seinen Schritten zu folgen,
indem wir aus unserem Land wegziehen und seine Verheißung annehmen.
     Hilf uns, dass wir uns von seiner Liebe anrühren lassen, damit wir ihn im Glauben berühren können.
    Hilf uns, dass wir uns ihm ganz anvertrauen, an seine Liebe glauben, vor allem in den Augenblicken der Bedrängnis und des Kreuzes, wenn unser Glaube gerufen ist zu reifen.
     Säe in unseren Glauben die Freude des Auferstandenen.
     Erinnere uns daran: Wer glaubt, ist nie allein.
     Lehre uns, mit den Augen Jesu zu sehen, dass er Licht sei auf unserem Weg; und dass dieses Licht des Glaubens in uns immerfort wachse, bis jener Tag ohne Untergang kommt, Jesus Christus selbst, dein Sohn, unser Herr!

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Thomas Schmidt, Priester im Gallus

Ein „Tag der Befreiung“

Heute vor 75 Jahren endete der zweite Weltkrieg. Für uns Deutsche ein „Tag der Befreiung“ vom Hitlerfaschismus, so hat ihn Richard von Weizsäcker schon 1985 genannt. In diesen   Tagen häufen sich die Berichterstattungen über das Kriegsende, über die Befreiung der Konzentrationslager, über den Alltag im Krieg und in der Nachkriegszeit. Immer wieder erschütternde Bilder, die in mir den Schwur der Häftlinge von Buchenwald aufkommen lassen: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“.

Dass es nach diesem schrecklichen Gemetzel zwischen 1939 und 1945 unzählig viele und nicht nur kalte Kriege gab, verstört mich zutiefst. Dass heute wieder rechtspopulistische Meinungen scheinbar hoffähig werden und sich bis in die Mitte unserer Gesellschaft einnisten, macht mich besorgt und auch wütend. Dass Rassisten, Antisemiten, Neonazis wieder morden in Deutschland, wie zuletzt in Hanau, macht mich fassungslos.

Nichts gelernt? Doch. Ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der Deutschen den Nationalsozialismus und alle seine Folgen ablehnt und dass die Mehrheit unseren demokratischen und sozialen Rechtsstaat verteidigt, bei allen Mängeln, die ihm anhaften.

In der Verteidigung von Demokratie und Freiheit, im Bestehen auf die Menschenrechte aller und im Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung sollten gerade Christinnen und Christen und ihre Kirchen in der ersten Reihe stehen. Der Tag heute kann uns dazu ermutigen.

Thomas Schmidt

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferentin/Pfarrbeauftragte 

                  Monika Stanossek

Für jeden Tag

Liebe Leser*innen,

kennen Sie das auch: wenn einem am Tag etwas schief geht, wenn man gar selbst etwas falsch macht, einen anderen Menschen verletzt, unfreundlich oder ungerecht behandelt, oder auch, wenn einem selbst Ablehnung entgegen schlägt, man Ungerechtigkeit erfährt, - wenn etwas davon passiert, beschäftigt einen das sehr und oft sehr lange, mindestens den ganzen Tag! So geht es auch mit schlechten Nachrichten, die einen erreichen, mit Problemen und schwierigen Situationen. Das kann sehr quälend sein, verhindert, sich auf anderes konzentrieren zu können. Alles, was sich an diesem Tag auch noch an Gutem ereignet hat, was wohltuend, positiv und bereichernd war, verschwindet vor dem Versagen, der Niederlage, der Kränkung, dem Problem, der schlechten Nachricht … Welch ein Ungleichgewicht!

Eine gute Übung für eine erweiterte, veränderte, auch dankbare Sicht auf das eigene Leben, auf die Welt, habe ich vor Jahren bei Dorothee Sölle gelesen, immer wieder mal fällt mir das ein und ich versuche es im Rückblick auf den eigenen Tag zu beachten.

„Jetzt habe ich mir vorgenommen

jeden tag drei sachen zum loben zu finden

 

Dies ist eine geistlich-politische übung

von hohem gebrauchswert

 

Sie verbindet mich

mit den müttern und vätern des glaubens

desselben kontraktes

sie lehren mich sehen

auszumachen was alles sehr gut ist“

 

(Dorothee Sölle, Ich will nicht auf tausend Messern gehen, Gedichte)

 

Jeden Tag drei Sachen, drei Ereignisse, Erlebnisse, Begegnungen – das kann doch nicht schwer sein!? Probieren Sie es doch mal aus und, wenn Sie mögen, erzählen Sie, wie es Ihnen damit ging.

Ich gebe zu, an manchen Tagen muss ich ganz schön suchen!

Drei Sachen finden und dafür Gott loben, im Bewusstsein, dass wir uns und das was uns widerfährt, Gott verdanken.

Zum Beispiel mit Psalm 36 :

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

deine Treue, so weit die Wolken ziehn.

Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

Gott, wie köstlich ist deine Huld!

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

in deinem Licht schauen wir das Licht.

(Verse 6, 8 und 10)

Monika Stanossek

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Gemeindereferentin Verena Nitzling

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich weiß nicht, wie es Ihnen in den letzten Tagen ergangen ist.

Entscheidungen der Politik zur Lockerung einzelner Bereiche werden in den sozialen Medien heftig diskutiert und machen mich persönlich zunehmend wütend.

Ja, ich spüre viel Ärger, Wut, Ungeduld in den Menschen. In mir ist jedoch eine andere Wut. Wut und Ärger über dieses egoistische Verhalten und die vielen Vorwürfe. Werden keine Maßnahmen ergriffen, oder die Pandemie herunter gespielt werden die Stimmen laut: Menschen sterben, weil nichts getan wurde. Wird die Krise ernst genommen, werden Maßnahmen ergriffen um die Ausbreitung zu verlangsamen werden die Stimmen laut: Menschen werden in ihrer Freiheit eingeschränkt, es gibt genug freie Intensivbetten in den Krankenhäusern. Es geht doch schließlich um die Sicherheit und die Gesundheit von uns allen. Die eigene Verantwortung sollte im Vordergrund stehen. Ich kann, muss aber nicht diese Lockerungen für mich persönlich in Anspruch nehmen. Aber warum müssen die Menschen jeden einzelnen Schritt so negativ werten.

Die Frage rund um die Öffnung der Kitas und Schulen, ja sie bewegt mich auch und ich weiß, wie viel Ihnen, liebe Familien derzeit abverlangt wird.

Keiner von uns hat sich diese Krise ausgesucht. Keiner hat im Februar daran geglaubt, dass es so weit mit der Corona – Krise kommen kann. Derzeit zeigt sich, was aushalten wirklich heißt.

Ich persönlich glaube, dass die Menschen, die derzeit wild mit ihren Worten und Vorwürfen um sich werfen, noch nie in einer persönlichen Krise gesteckt haben. Eigene Not, Leid noch nie am eigenen Leib erfahren haben.

Ich denke in diesen Tagen an die Menschen, die ihren Arbeitsplatz durch die Krise bereits verloren haben oder in der Angst leben, dass sie darum fürchten.

Ich denke an die vielen, vielen Menschen auf dieser Erde, denen es nicht so gut geht wie uns.

Was würden all diese Menschen sagen, wenn sie eingesperrt z.B. in Frankreich leben würden oder sogar in Indien in einer Hütte.

Die Menschen auf den Intensivstationen, in den Krankenhäusern, ihre Angehörigen, die Ärzte und das Personal kämpfen um das Leben der Menschen und haben nur den Wunsch nach Gesundheit!

Wie kann man sich in solchen Situationen darüber aufregen, ob man z.B. im Zoo nun Mundschutz tragen muss.

Es macht mich traurig, dass das wertvolle Leben, welches Gott uns schenkt auf solche, meiner Meinung nach, völlig unwichtigen Dinge reduziert wird.

Freiheit wird gefordert. Ich glaube, vielen Menschen ist nicht klar, wie viel für uns hier in Deutschland in den letzten Wochen noch möglich ist. Ich darf nach draußen gehen, darf die Sonne und die Natur genießen, bin nicht eingesperrt in meiner Wohnung.

Ich bekomme bei Bedarf medizinische Unterstützung und habe technische Möglichkeiten, um mit meinen Freunden, meiner Familie, meinen Arbeitskollegen im Kontakt bleiben zu können.

Natürlich würde ich mich auch freuen, wenn das Vereinsbad, in dem ich schwimme öffnen darf. Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich meine Oma besuchen darf – sie ist 90 Jahre alt und ich verzichte derzeit darauf, um das Risiko nicht einzugehen.

Natürlich würde ich mich freuen, mit Freunden im Garten zu sitzen.

Natürlich würde ich mich freuen, mein herzkrankes Patenkind zu treffen.

All das geht gerade nicht – doch, all das halten wir gemeinsam aus.

Und diese Solidarität, diese Geduld fehlt mir derzeit immer wieder, vor allem in den Kommentaren der sozialen Medien.

Gott ist in diesen Tagen an meiner Seite, ihm kann ich meine Bitten, meinen Dank, meine Klage zu-muten.

Zum Schluss habe ich den Begriff der Freiheit für Sie buchstabiert – Freiheit in den Tagen der Coronakrise bedeutet für mich:

F             reude an den kleinen Dingen

R             aus gehen und die Natur genießen

E             mpathie zeigen

I              mpfstoff braucht Zeit

H             eute, nicht gestern und nicht morgen

E             infach leben

I              st – Zustand annehmen

T             eilen

 

Bleiben Sie gesund,

Ihre Verena Nitzling

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfarrer Rolf Glaser

Der Wonnemonat Mai!

Die Natur ist zu neuem Leben  erwacht! Der Monat Mai – der Marienmonat!

Er gibt der Osterzeit nochmals einen besonderen Akzent, indem er den Blick auf die „österliche Maria“ lenkt. Das österliche Marienlied schlechthin ist für mich das Lied „Lasst uns erfreuen herzlich sehr“ (GL 533/ altes GL 585)

  1. Strophe
    Lasst uns erfreuen herzlich sehr, Halleluja,
    Maria seufzt und weint nicht mehr, Halleluja.
    Verschwunden sind die Nebel all, Halleluja,
    jetzt glänzt der lieben Sonne Strahl, Halleluja.
    Halleluja, Halleluja, Halleluja.
  2. Strophe
    Wo ist, o freudenreiches Herz, Halleluja,
    wo ist dein Weh, wo ist dein Schmerz? Halleluja.
    Wie wohl ist dir o Herz, wie wohl, Halleluja,
    nun bist du aller Freuden voll. Halleluja.
    Halleluja, Halleluja, Halleluja.
  3. Strophe
    Sag an Maria, Jungfrau rein, Halleluja,
    kommt das nicht von dem Sohne dein? Halleluja.
    Ach ja: Dein Sohn erstanden ist, Halleluja,
    kein Wunder, dass du fröhlich bist. Halleluja.
    Halleluja, Halleluja, Halleluja.
  4. Strophe
    Aus seinen Wunden fließen her, Halleluja,
    fünf Freudenseen, Freudenmeer. Halleluja.
    Die Freud sich über dich ergoss, Halleluja,
    und durch dein Herz die Freude floss. Halleluja.
    Halleluja, Halleluja, Halleluja.
  5. Strophe
    Dein Herz nun ganz in Freuden schwimmt, Halleluja,
    und zu und zu die Freude nimmt. Halleluja.
    Ach nun vergiss auch unser nit, Halleluja,
    und teil auch uns ein Tröpflein mit. Halleluja.
    Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Sicher, diese Sprache ist für die  Nüchternheit moderner Menschen zunächst eine Zumutung! Es ist die schwelgende, blumenreiche Sprache des Barock, der sich der Verfasser des Liedes, Friedrich Spee von Langenfeld, bedient, wie er es in all seinen Liedern tut (etwa das bekannte Osterlied „Ist das der Leib, Herr Jesu Christ“). Er gilt als der größte deutschsprachige Poet des Barock, zunächst vergessen, dann in der Romantik wiederentdeckt, so dass sich seine Lieder heute auch in unserem Gotteslob finden. Wer sich nicht davon verschrecken lässt, wer es auf sich nimmt, in diese Sprach- und Gedankenwelt vorzudringen und einzutauchen, der entdeckt sehr schnell, den spirituellen Reichtum und Tiefgang darinnen.

Seit dem Mittelalter kennt die christliche Spiritualität die „Marienklage“ wie sie etwa im „stabat mater“ („Christi Mutter stand mit Schmerzen“) zum Ausdruck kommt. Die Betenden sollen sich in den Schmerz Mariens hineinfühlen, den Schmerz Mariens zu ihrem eigenen Schmerz machen und zugleich die eigenen Schmerzen im Schmerz Mariens wiederfinden.

Friedrich Spee setzt nun hier den Kontrapunkt, den Gegenakzent: „Maria seufzt und weint nicht mehr“. Die Zeit des Schmerzes ist vorbei. Die, die mit Maria getrauert haben, dürfen sich nun auch mit ihr freuen! Die Freude Mariens wird zur eigenen Freude.

„Verschwunden sind die Nebel all“. Friedrich Spee war in seiner Zeit wahrlich vielen „Nebeln“ ausgesetzt: Der dreißigjährige Krieg, die Gegenreformation, in deren Wirren er eine Verwundung erlitt, die Hexenverfolgung, die er entschieden bekämpfte und dadurch in große Konflikte hineingeriet (sein Hauptwerk die „cautio criminalis“). –  Seine eigene Schwägerin, die „Hexenkönigin von Bruchhausen“, war aufgrund falscher Anschuldigungen auf dem Scheiterhaufen geendet. Wir waren letztes Jahr dort, in Bruchhausen bei Unkel, auf Gemeindewallfahrt! – Die „Postmeisterin von Köln“, deren Postmeisterei sich das Haus Thurn und Taxis“ unter den Nagel reißen wollte (aufgrund der falsche Anklage einer Nonne – ohne Geständnis – wir sie als Hexe verbrannt) verteidigte er und geriet dabei selbst unter Verdacht, so dass er bei Nacht und Nebel aus Köln fliehen musste. Schließlich starb er 1635 an einer Infektion, die er sich bei der Pflege verwundeter Soldaten in Trier zuzog. Erst 1980 wurde sein Grab in der Jesuitenkirche in Trier wiederentdeckt. Wer einmal nach Trier kommt, kann es dort besuchen.

Aber all diese „Nebel“ hatten für ihn nicht das letzte Wort. Für ihn waren sie prinzipiell schon überwunden, durch die Freude an der Auferstehung Jesu. Maria gibt uns im Glauben, wenn wir ihn denn mit ihr teilen,  an dieser Freude Anteil. Die fünf Wunden Jesu werden so verwandelt. Aus dem Blut des Gekreuzigten werden fünf Freudenseen, ja Freudenmeere.

„Und teil auch uns ein Tröpflein mit!“ Ein einziges Tröpflein genügt schon, damit auch wir „der lieben Sonne Strahl“, erkennen können, den Strahl der Ostersonne, der alle Nebel, die unseren Blick trüben und unserem Leben die Orientierung nimmt,  vertreibt!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

Hier können Sie es sich anhören: Lasst unser erfreuen herzlich sehr

Joachim Schäfer
Ökumenisches Heiligenlexikon

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Gemeindereferent Ruben Manger

„May the force be with you“

So werden im englischen Original der StarWars-Filme viele tiefgreifende Gespräche beendet. „Möge die Macht mit dir sein!“

Fast identisch klingt der Satz „May the forth be with you“, also „am vierten Mai werde ich bei euch sein“. StarWars-Fans feiern aufgrund dieses Gleichklangs am heutigen 4. Mai den inoffiziellen StarWars-Tag.

In den Filmen begleitet diese Aussage die HeldInnen immer dann, wenn sie vor oder in Herausforderungen stehen. Eine Herausforderung für uns aktuell ist die Corona-Pandemie. Nun könnten wir uns einander zusagen „Möge die Macht mit dir sein!“ in der Hoffnung, auf irgendein höheres Wesen vertrauen zu können. Das brauchen wir aber zum Glück nicht.

Wir können auf Gott vertrauen. Jesus Christus sagt am Ende des Matthäus-Evangeliums „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,18-20).

Jesus Christus ist also schon alle Macht gegeben. Ihm muss man nicht wünschen, dass die Macht mit ihm sei. Sie IST schon mit ihm.

Und er sagt uns zu, dass er bei uns sein wird, alle Tage unseres Lebens. Wenn er mit uns ist, ist auch seine Macht mit uns. Nicht nur am 4. Mai, sondern alle Tage unseres Leben. In Freude und Hoffnung, Trauer und Angst, in allen Herausforderungen unseres Lebens.

Möge Christus mit Ihnen sein! May the Lord be with you!

Ruben Manger

E-Mail: r.manger@mariaehimmelfahrt-ffm.de

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Ralf Albensoeder

„Wer sich nicht tanzend und spielend durch Bilder bewegt, wird an einem von ihnen hängenbleiben, um damit die Mitmenschen zu erschlagen." Dieser Spruch fällt mir oft ein, wenn ich die Gleichnisse Jesu höre, eben auch im heutigen Sonntagsevangelium (Joh 10,1-10).

Christus, der gute Hirt, ein bekanntes Bild -

Ich möchte sie einladen, sich auf das Bild, das Jesus hier zeichnet, einzulassen und der Phantasie einmal Raum zu geben. Tauchen sie ein in das Gleichnis:

Jeden Tag müssen wir erneut heraus aus dem Stall. So ist es nun einmal. Und jetzt erleben wir sehr traurige Zeiten, gleichgültig, ob wir rausgehen oder zu Hause bleiben.

Tod, Krankheit, Einsamkeit, die Gedanken daran werden mich einholen oder haben mich in diesen Tagen auch ohne Corona vielleicht schon längst befallen. Wir können auch Positives erleben – neue Formen der Solidarität, Kreativität innerhalb und außerhalb der Kirche…

Hinter einem Hügel ist neues Land - schöner oder hässlicher –, wie auch immer, es erwartet uns Neues - aber ich kann in der Gewißheit leben, dass ich in Christus einen Hirten habe, dass ich nicht allein mit meinem Leben bleibe - aber auch, daß ich in einer „Herde“ leben darf, nicht Herde im Sinne von stumpfsinnig hintereinander her trabend, sondern Gemeinschaft - ich kann mit den anderen die neue Wiese betrachten, meine Fragen stellen und auf Antworten hoffen – ich darf sie auch einfordern.

Ein anderes entdecke ich in dem Bild. Das Leben stellt auch Anforderungen - eben neue Wiesen zu entdecken, auch die, die ich mir nicht ausgesucht habe. Dass ich Entscheidungen treffen und Antworten auf Fragen finden muss, die mir bisher unbekannt waren.

Der Kirchenraum ist manchmal gemütlich wie ein Stall – aber inner- und außerhalb gibt es eine Menge Fragen und auch Auseinandersetzungen mit Andersdenkenden, auch in der Kirche, man denke nur an den notwendigen „Synodalen Weg“.

Herde des Hirten Jesus zu sein heißt, sich auf den Weg machen, hinausgehen aus dem Stall - aus der Kirche als Gebäude, und Kirche in Bewegung zu sein, Volk Gottes unterwegs. Das ist das zweite Bild: Ich bin auf dem Weg durch die Tür hinaus.

Das Evangelium in die heutige Zeit übersetzen kann ich nur, wenn ich die Welt außerhalb des Schafstalls kenne.

Nur dann entdecke ich die Fragen der Menschen - die Frage nach dem Warum des Leids - die Frage nach dem, was Hoffnung schenken kann in Trauer, Einsamkeit und Angst.

Aber ich brauche auch den Stall. Den Ort Heimat, den Stallgeruch.

Mit Christus leben heißt, nicht nur im Stall bleiben, denn Christus führt uns hinaus, er stellt unsere Füße in weiten Raum (vergl. Ps 31,9), aber er führt auch wieder in den Stall zurück.

Deshalb freue ich mich riesig, dass wir wieder Gottesdienste feiern können. Ich brauche Identität, Gemeinschaft, die Erfahrung der Nähe Gottes in den Sakramenten.

Ralf Albensoeder

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

Gemeinschaft

Eigentlich wäre ich jetzt, wenn Sie diese Zeilen lesen, gemeinsam mit Jugendlichen aus unserer Gemeinde zu Gast bei unserer Partnergemeinde in Toplita / Rumänien. Wegen der Krise musste diese immer sehr spannende und intensive Fahrt abgesagt werden. Und das ist nicht die einzige abgesagte Fahrt: Die Wochenenden mit Firmanden aus dem Gallus und in Griesheim, die Sommerfreizeiten für Kinder der Griesheimer und der Nieder Gemeinden, die Jugendfreizeit der Griesheimer Gemeinde, die Griesheimer Gemeindefahrt, der Hilfstransport nach Rumänien, die Seniorenfahrt der Gallus Gemeinden, die Abschlussfahrt der Vorschulkinder auf den Bauernhof und nicht zuletzt die große Pilgerreise des Pastoralen Raumes nach Santiago de Compostela im Herbst – alle diese Fahrten finden nicht statt. Dazu kommen noch einige Tagesausflüge und Wallfahrten.

Beim Schreiben dieser Zeilen wird mir klar: Wir sind in unserem Pastoralen Raum ziemlich oft miteinander unterwegs! Das hat gute Gründe. Ich denke: Gemeinsame Fahrten sind ein ganz starkes Stück Kirche. Bei ihnen ereignet sich oft eine ganz besondere Form der Gemeinschaft. Auf Fahrten ist es oft besser als sonst im Alltag möglich, über den Glauben ins Gespräch zu kommen und ihn auch ein Stück weit zu leben – besonders (aber bei weitem nicht nur) mit Jugendlichen. Wie oft höre ich von ganz besonderen Gottesdiensten, die auf vielen Fahrten gefeiert worden sind, in Assisi, in Rumänien, bei den Wallfahrten. Gemeinsame Fahrten bringen oft neue Einsichten und neue Perspektiven, nicht selten öffnen sie den eigenen Horizont. Viele Fahrten haben auch einen sozialen Aspekt: Besonders bei Kinder- und Jugendfreizeiten können auch die mitfahren, die sich einen Urlaub normalerweise nicht leisten könnten. Und während der Fahrten spielt der soziale Status eines Teilnehmenden kaum eine Rolle. Gemeinschaft, Erzählen vom Glauben, Gottesdienst und sozialer Aspekt – sind das nicht Dinge, die Kirche ausmachen?

Ich vermisse unsere Fahrten in diesem Jahr sehr und ich weiß von vielen, denen es genauso geht. Ich hoffe, dass sie bald wieder möglich werden, damit viele diese Erfahrung von Gemeinschaft machen können. Denn: Glauben kann man nicht für sich allein. Der christliche Glaube ist kein Mittel der Selbstoptimierung. Er ist auf echte Gemeinschaft hin ausgelegt, will in dieser gelebt werden und soll als solcher auch in die Gesellschaft insgesamt hinein wirken. Deswegen bin ich froh, wenn es möglichst bald wieder gelingt, dass wir uns wieder persönlich treffen können.

Heute beginnen wir in Griesheim und Nied wieder mit öffentlichen Gottesdiensten. Auch wenn sie (noch aus gutem Grund) vielerlei Beschränkungen und einer Anmeldepflicht unterliegen, sind sie doch ein erstes zaghaftes Zeichen für das, was wir sein wollen: Eine Gemeinschaft mit dem Herrn in unserer Mitte!

Rolf Müller

Liebe Leserinnen und Leser,

Letzte Woche habe ich ein Bild im Internet gefunden. Es entstand in der Kirche in Rheine-Hauenhorst. Dort hat ein Rotkehlchen im Weihwasserbecken sein Nest gebaut.

[Das Bild ist urheberrechtlich geschützt. Sie finden es bei der Zeitung MV online unter folgendem externen Link]

Ich war gerührt! In unseren Kirchen, bzw. allen Kirchen in ganz Deutschland, haben wir die Entscheidung getroffen, in Corona- Zeiten kein Weihwasser in die Becken zu füllen. Nun entsteht ausgerechnet an diese Stelle „ein neues Leben“.

Das Weihwasser im Becken am Tor der Kirche soll uns an unsere Taufe erinnern, an das neue Leben, „die neue Geburt“ im Geiste erinnern. Ist das ein Zufall?

Ein sehr weiser Priester, den ich in Warburg gekannt habe, Pfr. Hermann Daniel, hat mir einmal einen Witz erzählt: es gibt keine Zufälle, nur die Kellertür fällt zu.

Das Rotkehlchen - Nest ist für mich ein Zeichen geworden: Egal, wie die Umstände sich verändern, der Kern, das Herz, die Botschaft bleibt dieselbe! Mit dem Weihwasser bekreuzige ich mich, das Kreuz Jesu ist das Zeichen des Lebens.

Selbst wenn das Weihwasser dort jetzt eingetrocknet ist: dieses winzig kleine Tier, dass sich dort eingenistet hat, verkündet die Botschaft weiter.

Der 1. Mai ist der Anfang des Marien- Monats; durch das Ja-Wort Mariens ist das Ewige Wort, das Wort Gottes, Fleisch geworden, „das Wort ist Leben geworden“

Wir feiern das Leben mit Maria und verkünden weiter diese Botschaft und beten mit Maria:

Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Tataen: er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und läßt die Reichen leer ausgehn. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. (Magnifikat, Bibelstelle: Lukas 1, 46-55)

Roger Abdel Massih

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfr. Juraj Sabados Pfarrverwalter/Kooperator

Die Menge fordert von Jesus wieder ein Bestätigungswunder. (Joh 6,30–35)

Jesus versucht aufzuzeigen, dass schon das Manna ein Zeichen der Liebe Gottes war, dass aber jetzt, mit Jesu Kommen, ein unvergleichlich wertvolleres „Brot vom Himmel“ kommt. Das wollen die Zuhörer nicht verstehen. Da verkündet Jesus feierlich „Ich bin das Brot des Lebens.“

Als ich ein Kind war, gab es Situationen, in denen meine Mutter oder mein Vater sagten: „Komm mal zu mir!“ Meistens waren das Situationen, in denen ich, aus irgendwelchen Gründen, nicht mehr weiterwusste. Dieser Satz gab mir immer zu verstehen: Ich merke, dass du Trost und Beistand brauchst. Ich bin für dich da. Lass uns darüber reden.

Meine Eltern haben mir aber auch etwas anderes gezeigt: Es gibt einen Gott, der genauso ist. Der in jeder Lebenslage zu mir und zu jedem Menschen sagt: Ich bin bei dir. Lege deine Last bei mir ab und atme durch. Es gibt immer eine Lösung.

Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens.“

Und ich weiß, wo ich ihn finde. Wo er ist. Es ist für mich eine besondere Zeit, wenn ich alleine in der Kirche sitze. Manchmal verzweifelt, müde, trostbedürftig, enttäuscht, auch hungrig nach Leben, Glück, Freude. Es ist beruhigend das zu hören: „Komm mal zu mir! Es ist etwas Wertvolles mit ihm über alles zu reden. Es ist ein Wunder gesättigt von ihm weiter „in die Welt“ zu gehen.

Der Glaube sucht dieses Brot.

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Thomas Schmidt, Priester im Gallus

„Christ ist erstanden“

Kommt Ihnen auch unwillkürlich die Melodie zu diesem wohl ältesten Kirchenlied in deutscher Sprache in den Sinn, wenn sie diese drei Worte lesen: „Christ ist erstanden“?

Corona „sei Dank“ kann ich als Priester jetzt am Sonntagmorgen auch Radio hören. Im Deutschlandfunk hörte ich am 19.04. einen wunderbaren Osterbeitrag, u.a. über dieses Lied. Es kommt aus dem 12. Jahrhundert und wird Osterleis genannt. Das Leis kommt von Kyrie eleis, mit dem im Lied auf den deutschen Text geantwortet wird.

Dieses Lied bringt nur einen verhaltenen Osterjubel zum Ausdruck. „Die Halle hat ja - in der Tat – nicht von des Volkes mächtigem Jubel getönt“, wie es eindrücklich im Exsultet der Osternacht heißt.  Ostern und Osterzeit sind in diesem Jahr weiter von Sorgen, von Krankheit und Tod geprägt. In diese Situation tönt das „Christ ist erstanden“ auf seine eigene Weise. Wir moderne Menschen hören diese Melodie nah an der Tonart Moll. Diese ist traurig, zurückgenommen und verhalten. Die ursprüngliche Tonart dieses Liedes aber ist dorisch und diese steht für kraftvoll und strahlend.

In diesem Lied können wir also beide Aspekte hören: Trauer und Hoffnung, Schmerz und neues Leben und im Halleluja dürfen wir vorsichtig mit einstimmen in die Überzeugung, dass der Tod die Herrschaft über das Leben verloren hat.

Summen Sie doch dieses Lied immer wieder mal in diesen verhalten österlichen Tagen vor sich hin. Es ist auf der ganzen Welt bekannt und die Erkennungsmelodie jedes evangelischen Kirchentages. Es verbindet uns also auch über Länder- und Konfessionsgrenzen hinweg.

Auch dafür steht Ostern, dass Grenzen überwunden werden. Das macht Hoffnung.

Thomas Schmidt

PS: Wer noch das alte Gesangbuch zu Hause hat, kann mal das Lied unter der Nummer 837 nachschlagen. Es ist so komponiert, dass es mit „Christ ist erstanden“ im Wechsel gesungen werden kann. „…dass auf der Erde stets alles so bliebe“. Soll es nicht. Aber das ist schon wieder ein anderes Tagebuch.

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Stefan Hofer

Liebe Leserinnen und Leser,

am heutigen 3. Sonntag der Osterzeit agieren wir immer noch vorsichtig und es sieht so aus als ob es eine ganze Zeit lang so bleiben würde. Im Evangelium (Joh 21,1-14) haben wir es aber mit jemandem zu tun, der gar nicht vorsichtig ist, Petrus. Wir kennen ihn als einen, der sich mehr wagt, als er kann, indem er versucht über das Wasser zu laufen und kleingläubig scheitert, und als einer der vollmundig verkündet, er steht zu Jesus, um ihn kurz danach dreimal zu verleugnen. Doch heute geht er wieder fischen, so wie damals als er Jesus zum ersten Mal begegnet ist. Doch: diese Begegnung verläuft anders. Ein Jünger, der, den Jesus liebte, erkennt den Auferstandenen und sagt zu Petrus: Es ist der Herr! Und Petrus hält nichts mehr, er springt in den See und holt alle Fische rein. Er strotzt vor Energie und zieht das Netz an Land mit 153 Fischen. Eine symbolische Zahl, die auf die Anzahl aller damaligen bekannten Völker hinweist und auch mathematisch eine interessante Zahl ist. Die Summe der Zahlen von 1 bis 17 ergibt 153. Petrus ist jedenfalls erfüllt von neuer Kraft und neuem Geist. Das hört man auch in dem Abschnitt der Apostelgeschichte, der heutigen Lesung (Apg 2, 14.22-33). Und daraus wird dieser Petrus wie er uns heute überliefert ist, der nach Rom geht, den Glauben verkündet, ein Anführer ist und für seinen Glauben in den Tod geht. Was für eine Verwandlung.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der jetzigen „Ruhe“ Kraft finden für Ihre Verwandlung, für Ihren Weg, für Ihre Energie.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

Stefan Hofer, Pastoralreferent

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Gemeindereferentin Verena Nitzling

Bleiben Sie gesund!

Haben Sie einmal gezählt, wie oft Sie in den letzten Wochen diese drei Worte „Bleiben Sie gesund“ am Tag aussprechen oder selbst zu hören bekommen?

Sei es mündlich im persönlichen Kontakt zum Beispiel beim Einkaufen, beim Spazieren gehen, am Telefon oder auch am Ende einer Telefonkonferenz oder schriftlich in einer E-Mail, einer Message am Handy oder im persönlichen Brief?

Und da spielt es keine Rolle, ob es Angehörige in der Familie, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen oder die Dame an der Kasse ist.

Es geht um die innere Haltung und der Wunsch, dass die Menschen um uns herum gesund bleiben und derzeit vor allem vor dem Corona-Virus verschont bleiben.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich diese drei Worte vor Corona selten an der Kasse zu einer Kassiererin gesagt. Beim Wochenendeinkauf oder vor Feiertagen wünschen sich die Menschen ein schönes Wochenende oder schöne Feiertage. Der Wunsch nach Gesundheit wurde bis vor kurzem selten z.B. an der Kasse ausgesprochen.

Gesundheit können wir leider nicht kaufen. Gesundheit liegt nicht in unserer Hand.

Hören wir von der Geburt eines Babys, erkundigen wir uns gleich, ob Mutter und Kind wohlauf und gesund sind. Denn nichts ist selbstverständlich! Wenn eine Person niest, wünschen wir ihr Gesundheit. An Geburtstagen formulieren wir oft: Ich wünsche Dir Gesundheit und Gottes Segen.

Einige Menschen kommen leider schon krank zur Welt, lernen von klein auf mit ihrer Krankheit zu leben, sei es mit einem Herzfehler, mit der Diabetes oder mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung. Sie müssen in Ihrem Leben diese Krankheiten annehmen und in ihr Leben integrieren.

Andererseits können wir einiges für unsere Gesundheit tun, z.B. auf gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung achten, nicht rauchen, wenig Alkohol trinken, keine Drogen konsumieren, regelmäßig zum Gesundheits-Check-Up gehen.

In diesen Wochen sehnen sich viele Menschen danach, gesund zu bleiben oder zu werden. Vor allem die Menschen, die an dem Corona-Virus oder an Krebs etc. erkrankt sind.

Wie heißt es so schön: Ein Gesunder hat viele Wünsche – ein Kranker nur einen!

In der Bibel wird Gott unter anderem als „Arzt“ beschrieben. Im 2. Buch Mose heißt es im Kapitel 15, Vers 26: „Ich bin der Herr, dein Arzt“. Diese Zusage galt damals für das Volk Israel und sie gilt heute auch uns.

Durch Jesus Christus haben wir den Zugang zu Gott. Ihm können wir anvertrauen, was uns bedrückt. Wir dürfen Jesus Christus unsere Not klagen und ihm vertrauen. Bei Gott als „Arzt“  werden wir niemals auf einen zeitlich weit entfernten Termin vertröstet, es gibt kein stundenlanges Warten im Wartezimmer. Er möchte in seiner Macht uns Menschen Hilfe und Heilung geben. Das geht leider nicht von jetzt auf gleich. Es gibt nicht schnell irgendeine Pille, damit alles wieder gut wird.

Gott hilft nicht mit Donner und Paukenschlag. Aber er stellt mir z.B. Menschen an die Seite, die in solchen Zeiten für mich da sind, mich begleiten, mir Mut machen, mit mir kämpfen und es mit mir aus-halten.

 „Ich bin der Herr, dein Arzt“ (2 Mose 15, 26). Es braucht einen langen Atem, viel Geduld und vor allem Vertrauen!

Bleiben Sie gesund!

Ihre Verena Nitzling

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfarrer Rolf Glaser

Wer fällt Ihnen ein, wenn Sie gefragt werden, welche Heiligen Sie kennen? Die Gottesmutter Maria? die Apostel? Der hl. Franz von Assisi? Die hl. Hildegard von Bingen?…

Heute ist der Geburtstag eines Heiligen, der selbst wenig Aufhebens von sich gemacht hat. Ich möchte Sie aus der Isolation und Blickverengung durch Kontaktverboten und Corona-Dauerberieselung seitens der Medien entführen und zu einer Zeitreise einladen: in die Zeit unseres Geburtstagskindes, des hl. Vinzenz von Paul, eines „Helden“ des Alltages – all den Heldinnen und Helden des Alltags heute gewidmet.

Er wird am 24. März 1581 als Sohn eines armen Bauern in der französischen Gascogne geboren. Er erlebt seine Kindheit als Schweinehirt auf dem elterlichen Hof einerseits und in den Wirren des Krieges zwischen Katholiken und Hugenotten andererseits. Die Heerhaufen plündern die armen Bauern und begegnen ihnen mit roher Gewalt. „Ich hasse den Krieg!“ schreibt der 15jährige in sein Schulheft.

Zu diesem Zeitpunkt besucht er die Lateinschule und kann auf Vermittlung eines Rechtsanwaltes schließlich Theologie studieren. Sein Vater verkauft zur Finanzierung des Studiums ein Ochsengespann, ein Vermögen für den armen Mann. Vinzenz von Paul wird schließlich mit 19 Jahren Priester und unterliegt zunächst der Versuchung eines sozialen Aufsteigers. Mit wechselndem Erfolg giert nach er Ansehen, will Karriere machen und im Wohlstand leben.

Da ein erster Schicksalsschlag! Bei einer Seereise wird sein Schiff von Sklavenhändlern überfallen und  er wird in die Sklaverei verkauft. Zwei Jahre verbringt er als Sklave, bis ihm schließlich die Flucht gelingt. Zunächst will er sein altes Leben wieder aufnehmen, seine Ambitionen scheitern aber mehrfach aufgrund unglücklicher Umstände

1609 sieht man ihn als bettelarmen Priester in Paris, wo er – vom Tropenfieber geplagt – nun in einem dürftigen Zimmerchen in einem Vorort lebt.- Schließlich wird er auf die Vermittlung eins Sekretärs  zum „Almosenverwalter“ von Königin Marguerite de Valois. Nun verzichtet er auf eine Dienstwohnung im Palast und bleibt in seiner schlichten Behausung. Erhebliche Mittel, die ihm nun zufließen, steckt er in ein Hospital, das er gründet. Es ist der erste Baustein von zahlreichen caritativen Werken, die er ins Leben ruft. Der große evangelische Pfarrer und Pädagoge, Johann Hinrich Wichern, Begründer des „rauen Hauses“ in Hamburg, sagt über ihn: der „Unerreichte in allen Landen“ auf dem Gebiet der Caritas.

Er kümmert sich um die arme Landbevölkerung, um die Bettler in den Städten, um Findelkinder, um Sklaven, um „Geisteskranke“: „Unsere Regel ist unser Heiland selber, der sich umgeben wollte mit Irren, besessenen, Tollen, verrückten. Von allen Seiten brachte an sie zu ihm, damit er sie befreie und heile…“.- Er reformiert das Leben der Priester und die Priesterausbildung: „Sprechen Sie überzeugend von der barmherzigen Liebe!“ Auch die Seelsorge an den Galeerensträflingen liegt ihm am Herzen. Ein Biograph berichtet, er habe sich selbst anstelle eines Familienvaters an die Ruderbank anschmieden lassen, so diesem zur Flucht verholfen und wochenlang selbst das Schicksal der Galeerensträflinge geteilt – bevor man ihn schließlich erkannte und befreite. Er gründet die Caritasbruderschaften (in Deutschland gibt es bis heute die Vinzenz-Vereine bzw. Konferenzen, Vorläufer der modernen Caritasarbeit) sowie mehrere caritative Orden, darunter die barmherzigen Schwestern, denen im Jahre 2006 21.000 Schwestern angehörten. „Die Armen seien Euer Brevier, eure Litaneien!“

Und er legt sich mit den Großen und Mächtigen an. Kardinal Richelieu tritt er entgegen: Geben Sie uns Frieden, Monseigneur! Haben Sie Mitleid mit uns! Geben Sie Frankreich den Frieden.“ Und als 70jähriger durchschwimmt er die eisige Seine, um zur Königin vorzudringen und von ihr Mitleid für das belagerte und hungernde Paris zu erflehen und – zunächst erfolglos – die Ablösung des Warlords Kardinal Mazarin zu verlangen. Ein später Triumph ist das Duellverbot, das er 1651 erwirkt. 1660 stirbt Vinzenz von Paul  „geräuschlos, unauffällig, schlicht und einfach“ (Gisbert Kranz, Sie lebten das Christentum).

Menschen, wie Vinzenz von Paul, sind für mich Mutmacher in schwierigen Zeiten, Kronzeugen einer Barmherzigkeit, die verändert und ebenso  Kronzeugen gegen die allgemeine Larmoyanz. Es gibt sie auch heute!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Ralf Albensoeder

„Ein mürrischer Mensch ist ein Meisterwerk des Teufels….“

Dieser Satz aus einem alten Gebet, das um 1610 auf die Innenseite einer englischen Kirchentür geschrieben wurde, kommt mir in diesen Tagen immer mal wieder in den Sinn.

Und ich erinnere mich, wie ich vor langer Zeit, es war 1977, mit einem tollen Kapuzinerpater, Matthäus Bergmann, beim Praktikum im Werpeloh (Emsland) über das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt gesprochen habe, zu Krankheit, Wohlstand, Angst und so vielem mehr. Er lehrte mich, dass es entscheidend sei, ob ich diese Angst habe oder sie mich, ob die Krankheit mich hat oder habe ich sie…

Wenn ich „habe“, dann ist das Bedrohende nicht Herr über mich. Mit Gottes Hilfe kann ich mich gegen die „Gefangenschaft“ zur Wehr setzen. Dann bleibt es nicht etwas das mein Leben beherrscht. Dann bestimmt zum Beispiel auch nicht Corona mein Leben mit allen Sorgen und Problemen, sondern ich setze im Vertrauen auf und mit Gott etwas dagegen, damit es keine Macht über mich bekommt.

Dann möchte ich jeden Tag lernen, mich an noch so kleinen Dingen zu erfreuen, ein Telefonat, einen Witz, auch über Corona (z.B. dass täglich 3 Knollen Knoblauch zu essen, zwar nicht gegen Corona hilft, aber der Mindestabstand zuverlässig eingehalten wird)… am Sonnenschein und was immer Ihnen und mir einfällt, um nicht mürrisch zu werden.

Dies Gebet kann eine Hilfe sein, diese Dinge, die erfreuen, zu finden:

Herr,

ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.

Die Nacht ist verflattert,

und ich freue mich am Licht.

Herr, ich bin fröhlich.

Die Vögel und Engel singen, und ich jubiliere auch.

Das All und unsere Herzen sind offen für Deine Gnade.

Ich fühle meinen Körper und danke.

Herr,

ich freue mich an der Schöpfung.

Und dass Du dahinter bist

und daneben und davor und darüber

und in uns.

Die Psalmen singen von Deiner Liebe,

die Propheten verkündigen sie,

und wir erfahren sie.

Ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.

Ein neuer Tag, der glitzert und knistert

und jubiliert von Deiner Liebe.

Jeden Tag machst Du,

Du zählst jeden Tag

die Haare auf meinem Kopf.

Halleluja, Herr.

Aus Afrika

 

Im Gebet auf der Kirchentür übrigens geht es weiter und endet so:

Gib mir die Gabe, Positives zu sehen, wo ich es nicht erwartet habe, und gute Seiten bei Menschen zu finden, bei denen ich es nicht für möglich hielt; und gib mir schließlich auch die Gelegenheit, es ihnen zu sagen.

Ralf Albensoeder

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

Begegnung

„Autohäuser offen, Gotteshäuser zu“ – so lautete eine Schlagzeile einer großen Tageszeitung am letzten Wochenende. Da steckt für mich viel Wahrheit drin! Ich war schon etwas enttäuscht als ich gehört habe, dass es vorerst bei dem Verbot unserer öffentlichen Gottesdienste bleibt; anderes dagegen ganz schnell wieder aufmachen darf. Ich will nicht falsch verstanden werden: Ich fand es sehr richtig zunächst so zu handeln, wie es die Kirchen im Einverständnis mit dem Staat getan haben. Es war wichtig, beim Kampf gegen die Ausbreitung des Virus solidarisch mitzuwirken; auch wenn das besonders an Ostern schwer war. Aber wenn es jetzt im wirtschaftlichen Bereich Lockerungen geben kann, warum dann nicht auch im Bereich des Religiösen?

Das Grundrecht auf freie Religionsausübung ist ein hohes Gut – aber das ist nicht der Hauptgrund, weswegen ich die aktuelle Situation schade finde. Mir fehlt die Begegnung, die nur in der Kirche so richtig stattfinden kann: Mit anderen Menschen und ganz besonders mit Jesus Christus im Sakrament. Ich merke, wie mir die Gottesdienste in unseren Kirchen fehlen. Ich bin mir sicher: Wir würden es schaffen, solche unter guten hygienischen Bedingungen hinzubekommen; ohne dass eine große Gefahr für eine Virenübertragung besteht. Ich hoffe sehr, dass das bald wieder möglich sein wird.

Beim Nachdenken über diese Sache werden mir aber auch zwei andere Dinge wieder klar.

Die eine Sache fällt unter das Stichwort „Christus begegnen“: Eigentlich weiß ich es ja, aber ich habe es jetzt wieder neu erfahren können: Jesus kann ich auch in jedem Menschen begegnen. So sagt es doch Jesus: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40) Wie viele Menschen haben – ohne davon zu wissen – diese Begegnung bei ihrer Hilfe für Menschen in den letzten Tagen wohl gemacht? Ich weiß auch von vielen Erzählungen: Eine Begegnung mit Jesus hat in den letzten Tagen ganz oft mit denen stattgefunden, die sich als Familie oder als Hausgemeinschaft zum Beten und zur Schriftlesung getroffen haben. Und schließlich weiß ich von vielen Beterinnen und Betern aus unseren Gemeinden, denen Jesus ganz nahe war.

Die andere Sache fällt unter das Stichwort „Dankbarkeit“. Ich finde es großartig, wie viele Menschen aus unseren Gemeinden geholfen haben und noch helfen, diese Begegnungen mit Gott und untereinander in diesen Zeiten möglich zu machen. Unsere Webmaster, Kameraleute, Technikerinnen und Techniker und die vielen, die eine gute Idee entwickelt und umgesetzt haben, sei es mit Videos; Webimpulsen, Youtubechannel, Gabenzaunbetreuer und vieles andere mehr. Auf sie alle freue ich mich, wenn wir uns in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft gemeinsam im Gottesdienst treffen können!

Rolf Müller

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pater Roger Abdel Massih CML

Kooperator des Pastoralen Raumes Nied-Griesheim-Gallus

Liebe Leserinnen und Leser,

Gestern wollten die Erstkommunionkinder die Heilige Erstkommunion feiern.

Ich möchte mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, heute über ein paar Eindrücke von der Erstkommunionvorbereitung und der Feier nachdenken, so dass der Weiße Sonntag, seine Farbe trotz Corona behält.

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Dr. Harald Stuntebeck

Liebe Leserinnen und Leser,

In dieser Woche habe ich ein paar Tage Urlaub, wie der eine oder die andere unter uns.

Die eigentlich geplante Reise ist ausgefallen und so habe die Zeit mit etwas verbracht, wozu ich sonst wenig komme. Im Internet habe ich nach französische Liedern und Künstlern gesucht, diese gehört und bei manchen auch ein paar Informationen gesammelt.

Dabei bin ich auf einen, den Liedermacher Gauvain Sers, gestoßen, der ein tolles Lied  und eine tolle Aktion gemacht hat.

In seinem Lied „Les oublies“ besingt er, wie in Frankreich Dorf-Grundschulen geschlossen werden, um die Schülerinnen und Schüler in größeren Schuleinheiten effektiver und kostengünstiger zu beschulen.

Das Lied entstand, weil eine Dorfschule in Nordfrankreich ihn gebeten hatte, sie im Kampf um den Erhalt der Schule zu unterstützen.

Sers, der selbst in einem kleinen Dorf im Süden Frankreichs aufgewachsen ist, ging auf die Anfrage ein, reiste zu der Schule, machte mit Schülern und Lehrern Aufnahmen und schrieb für sie das Lied „Les oublies“ (die Vergessenen). In diesem Lied beschreibt er die Situation dieser Grundschule, die beispielhaft für viele andere ist.

Er brachte durch sein Engagement das Anliegen an die Öffentlichkeit. Nach meinen Informationen hatte die Aktion von Lehrern, Eltern, Schülern und Sers Erfolg,  die Schule wurde nicht geschlossen.

Der Refrain des Liedes lautet:

On est les oubliés                                 Wir sind die Vergessenen
La campagne, les paumés                  Das Land, die (wörtlich Palmen) auf dem Land sind
Les trop loin de Paris                          Diejenigen, die zu weit weg von Paris leben
Le cadet d'leurs soucis                       Die, die mit ihren Sorgen allein gelassen sind

Mich hat Gauvain Sers, mit seinem Lied und seiner Aktion beeindruckt. Er hat mich darüber hinaus angeregt, darüber nachzudenken, wer oder was in meinem Leben „die Vergessenen“ sind. Freunde, Verwandte, bei denen ich mich schon lange nicht gemeldet habe.

Dinge die ich schon immer einmal tun wollte,…

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich, vielleicht gibt es bei Ihnen auch „die Vergessenen“.

Schau‘n sie doch einmal nach, rufen Sie einmal überraschend jemanden an, der nicht damit rechnet oder tun sie etwas was sie schon immer einmal tun wollten,…

Wenn Sie auch französische Lieder mögen oder es interessiert sie die Schule, die Gauvain Sers besucht hat. Dann klicken Sie einfach auf den Link.

https://www.youtube.com/watch?v=CIfV6TQIhcc

Den ganzen Text zum Lied gibt es auf Französisch und Englisch hier:

https://lyricstranslate.com/de/les-oubli%C3%A9s-forgotten-ones.html

Viel Freude dabei wünscht Euch und Ihnen

Harald Stuntebeck

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Stefan Hofer

Geduld ist eine Tugend

Wir sind in einem Zustand in dem wir keine Kontrolle haben und in dem wir einfach nur warten können. Einigen fällt das relativ leicht, den anderen schwerer. Es hilft auch nicht zu lamentieren, die Dinge werden dadurch nicht anders. Das Volk Israel hat damit Erfahrung. Als es aus Ägypten zog, murrten regelmäßig die Menschen, dass es in Ägypten doch besser gewesen wäre und sie waren sogar 40 Jahre untätig in der Wüste. Da muss man eine Engelsgeduld haben. Exodus 16,35: „Die Israeliten aßen 40 Jahre lang Manna, bis sie in bewohntes Land kamen“. Ich glaube da geht es uns doch besser. Auch für die, die Schwierigkeiten haben, essen zu bekommen, wird was auch in den Stadtteilen organisiert. Es gibt Einkaufshilfen und die Tafeln sind in Frankfurt immer noch offen. Natürlich ist es trotzdem schwierig auszuhalten. Und es ist auch gut, die Augen und Ohren offenzuhalten, um zu hören und sehen, wer noch Hilfe braucht. Dann können Sie uns Bescheid sagen.

Heute ist der erste Samstag der Osterzeit: Da heisst es: „Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.“ Markus 16,15. Bleiben wir frohen Mutes und haben wir Geduld, denn uns allen gilt die Frohe Botschaft.

Stefan Hofer

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfr. Juraj Sabados Pfarrverwalter/Kooperator

Mit oder ohne IHN

Das heutige Evangelium beschreibt die Situation am See von Tiberias. Dort offenbarte sich Jesus das dritte Mal den Jüngern, seit er von den Toten auferstanden war (Joh 21, 1-14).

Dieser See ist besonders. Hier berief er seine ersten Jünger, als diese fischten. Hier hat Jesus viele Wunder getan. Hier ist er vielen Menschen begegnet und hat seine Jünger gelehrt, was es bedeutet ihm zu glauben und ihm zu vertrauen.

Und wie ist die Situation am See heute? Unsicherheit, Angst, Elend, Not, Misserfolg.

Petrus, der, der so viel mit Jesus erlebte, der Augenzeuge war, er kehrt zurück und arbeitet in seinem alten Beruf. Klar, er muss von etwas leben. Anstatt Jesus ist Petrus nun wieder der Leiter der Fischer. Nachgefolgt von anderen.

Aber ohne Erfolg.

In dieser Situation tritt Jesus auf und fragt sehr provokant: „Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen?“. Selbstverständlich weiß Jesus, dass seine Jünger nicht nur einen leeren Magen haben, sondern auch ihr Herz hohl und trostlos ist.

Jesus fordert sie auf das Netz auszuwerfen. Die Jünger gehorchen und erleben unerwartet einen großen Erfolg. Ein volles Netz.

Diese Geschichte ist für uns sehr belehrend!

Es geht um die Frage, ob wir Christen unserer Berufung eigentlich gerecht werden.

Versuchen auch wir „alleine zu fischen“, aus eigener Kraft? Vergessen wir vielleicht, wie die Jünger damals, auch etwas sehr entscheidendes? Bei allem was wir so mühsam planen und vorbereiten? Was uns so wichtig ist und so viel Kraft kostet? Wir wollen die Dinge irgendwie bewegen, aber allzu oft ohne Gott und nur mit rein menschlichen Strategien.

Jede und Jeder von uns lebt an einem bestimmten Ort, arbeitet und bemüht sich um etwas Sinnvolles.

Lassen wir zu, dass Jesus uns berührt. Jesus, der uns Christen ausmacht. Rechnen wir mit ihm, hören wir ihn, folgen wir ihm nach! Da, wo wir auch heute sind.

Jesus sagte zu ihnen: „Kommt her und esst!“. Keiner der Jünger wagte ihn zu fragen: „Wer bist du?“. Denn sie wussten, dass es der Herr war.

Gesegnete Osteroktave liebe österliche Gemeinde.

Juraj Sabados

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Thomas Schmidt, Priester im Gallus

„Alles ist miteinander verbunden“

Diese zentrale Aussage der sozial-ökologischen Enzyklika Laudato Si‘ von Papst Franziskus bestätigt sich in der Coronakrise immer neu. Sie legt geradezu die Zusammenhänge offen, die unser Leben bestimmen. Das zeigt sich, wenn es um die Beschreibung der Ursachen und der Ausbreitung geht und jetzt erneut, wenn die Frage langsamer Lockerungen drängender wird. Welche Entscheidung hat welche Konsequenzen? Für wen ist sie gut, wen bringt sie in Gefahr? Ich bin froh, dass wir unsere Bundesregierung und die Landesregierungen (auch in ihren demokratischen Unstimmigkeiten) haben und möchte gleichzeitig nicht in ihrer Haut stecken. Ich wünsche ihnen für heute gute Entscheidungen.

Die Krise hat so viele Gesichter: Sie bringt Gutes hervor: Hilfsbereitschaft, Solidarität, Kreativität. Sie legt aber auch die Schwachstellen unserer Welt offen: Die Armen weltweit sind weit schutzloser dem Virus ausgeliefert als wir mit unserem doch relativ gut funktionierendem Gesundheitssystem. Die Nachrichten, die ich aus den Elendsvierteln der großen Städte Brasiliens und aus den Weiten des Amazonasgebietes erhalte machen mich sehr besorgt. Das Virus in Afrika will ich mir gar nicht vorstellen. Und dass Europa nicht bereit ist, schnell zumindest die 1600 unbegleiteten Flüchtlingskinder aus den Lagern aufzunehmen, ist ein Skandal.

Es kostet uns alle und auch da wieder sehr unterschiedlich (Risikogruppen, Kinder, Kurzarbeit usf.) sehr viel Kraft, diese Informationen zu verarbeiten und unser tägliches Leben zu organisieren. Eine Psychologin riet die Tage im Radio, nicht den ganzen Tag Corona-Nachrichten zu hören. Ein- oder zweimal sich gut und fundiert zu informieren reicht aus und ist besser zu verarbeiten.

Auch für glaubende Menschen ist diese Zeit eine große Herausforderung. Einfache Antworten gibt es nicht. Ich erinnere mich besonders an einen Gedanken Dietrich Bonhoeffers, den er am 21.7.44, also einen Tag nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler in dem Bewusstsein, dass er jetzt sterben muss, geschrieben hat: In der Diesseitigkeit glauben heißt: „in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten zu leben“, „sich Gott in die Arme werfen“ und „sein Leiden an der Welt mitleiden.“ „Wie sollte man bei Erfolgen übermütig oder an Misserfolgen irre werden, wenn man im diesseitigen Leben Gottes Leiden mitleidet?“

Ist das ein Weg mit der jetzigen Situation umzugehen? Ich hoffe das.

Thomas Schmidt

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Gemeindereferent Ruben Manger

Befreiung

Der 15. April ist ein Tag, der für mich und viele andere von großer Bedeutung ist. Vor allem weil Heute vor 75 Jahren das Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit wurde. Anne Frank, die in Frankfurt geboren wurde in diesem Lager ermordet. Ihr Tagebuch gibt uns einen Eindruck von der Grausamkeit, zu der Menschen in der Lage sind. (Wer es noch nicht gelesen hat, sollte das in der Zeit zuhause unbedingt nachholen.)

Es gibt aber noch ein zweites Ereignis, das zeitlich näher liegt und das viele von ihnen vielleicht direkter im Bewusstsein haben. Bei mir zumindest ist das so. Als ich vor einem Jahr spät abends nach Hause kam und den Fernseher einschaltete sah ich auf allen Sendern die Livebilder aus Paris. Was dort zu sehen war schockte mich. Die brennende Kathedrale Notre-Dame in Paris.

Ich kenne und bewundere diese Kirche seit meiner Kindheit, nicht umsonst steht sie in einem Nachbau in meinem Büro. Auch wenn ich als Kind noch nicht mit der historischen und architektonischen Bedeutung von Notre-Dame vertraut war, beeindruckte mich an diesem Bauwerk die schlichte Größe, aber vor allem das Farbenspiel, wenn man im Inneren steht und die Sonne durch das große Rosettenfenster einstrahlt.

„Was war dort geschehen? War es ein Unfall? War es ein Anschlag?“, das waren nicht die Fragen, die ich mir und andere sich zuerst stellten. Da war zuerst einfach nur die Trauer.

10 Jahre zuvor, war ich das letzte Mal in Paris gewesen. Ich musste damals, auf dem Weg mit dem Zug nach Saint-Jean-Pied-de-Port (Pyrenäen) in Paris umsteigen und den Bahnhof wechseln. Das einzige Ziel in Paris war damals die Kathedrale Notre-Dame. Mehr als der Eifelturm, der Louvre oder all die anderen sehenswerten Gebäude in Paris ist Notre-Dame für mich das „Muss“, wenn ich Paris besuche.

Inzwischen weiß ich zwar, dass auch andere Kirchen ein beeindruckendes Lichtspiel haben, aber ich glaube, es ist nicht nur das, was mich an Notre-Dame so fasziniert. All die Geschichte, die Menschen, die ich damit verbinde, die Bauleute, die zum großen Teil niemals das fertige Bauwerk gesehen haben, all die Menschen, die dort zu Gott gebetet haben in Trauer, Leid, Angst, die dort ihren Dank, ihr Lob und ihren Preis vor Gott gebracht haben und viele, viele mehr.

Dieses Gebäude stand nun in Flammen. Und es war nicht die Kunst, um die die Menschen in Trauer waren. Es war das Wahrzeichen der Stadt und des Landes, um das sie trauerten. Ein Ort, an dem das Land sich festmachte. Keine Revolution oder Krieg hat dieses Monument infrage gestellt. (Lese- bzw. Hörempfehlung: Notre Dame, eine kurze Geschichte über die Bedeutung von Kathedralen von Ken Follett. Im Deutschen leider nur als Hörbuch. Original auf französisch und englisch)

Am 26. August, zwei Tage nachdem die alliierten Panzer Paris zurückerobert hatten, ließ Charles de Gaulle in Notre-Dame – noch im Kugelhagel – einen Dankgottesdient feiern, in dem auch der Lobgesang Mariens, der Patronin der Kirche, erklang.

In diesem heißt es „Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“. (Gotteslob 631,4)

Auf dieses Erbarmen dürfen auch wir in dieser aktuellen Katstrophe vertrauen. Und wir können darauf hoffen, dass wir schneller wieder in unseren Alltag zurückkehren, das wir befreit werden von dem Schwert, das über uns allen schwebt, als Notre-Dame wieder in seiner vollen Pracht dastehen wird.

Ruben Manger

E-Mail: r.manger@mariaehimmelfahrt-ffm.de

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Gemeindereferentin Verena Nitzling

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vielleicht haben Sie am Ostersonntag auch den Ostergottesdienst im Live-Stream aus dem Limburger Dom mit unserem Bischof Georg Bätzing geschaut.

Das Lied „ … lege ich meine Zusage: Ich bin da“ von Paul Weismantel haben Bischof Dr. Georg Bätzing und Kantor Andreas Bollendorf im Anschluss an die Predigt im Wechsel gesungen. Das Lied steht unter der Nummer 839 im Gotteslob der Diözese Trier.

Es war für mich persönlich ein ganz berührender Moment, einige Tränen sind geflossen. Mich berühren lassen von der unendlichen Liebe und Güte Gottes, von seiner Zusage: Ich bin da.  Der Liedtext passt für mich 100% in die derzeitige Situation – gefühlte Zeit. Das Lied möchte die Gewissheit stärken, dass Gott da ist. Dass er uns hält und trägt, auch jetzt in den dunklen Wochen und Monaten unseres Lebens. Jesus Christus ist das Licht – er hat den Tod besiegt und schenkt uns Licht und ewiges Leben. Die Zusage: Ich bin da – ein großes Geschenk, in das wir uns jeden Tag neu hinein fallen lassen dürfen.

Gerne möchte ich Ihnen diesen Liedtext abdrucken und Sie einladen, sich die Zeit zu nehmen und die Strophen zu meditieren – was heißen diese Worte für Sie persönlich?  Was heißen sie in diesen schweren Tagen?

„In das Dunkel deiner Vergangenheit, in das Ungewisse deiner Zukunft, in den Segen deines Helfens, in das Elend deiner Ohnmacht, in all dein Sein, dein Fühlen und Denken lege ich meine Zusage: Ich bin da!

In das Spiel deiner Gefühle, in den Ernst deiner Gedanken, in den Reichtum deines Schweigens, in die Armut deiner Sprache, in all dein Sein, dein Fühlen und Denken lege ich meine Zusage: Ich bin da!

Ins Gelingen deiner Gespräche, in die Langeweile deines Betens, in die Freude deines Erfolges, in den Schmerz deines Versagens, in all dein Sein, dein Fühlen und Denken lege ich meine Zusage: Ich bin da!

In die Enge deines Alltags, in die Weite deiner Träume, in die Schwäche deines Verstandes, in die Kräfte deines Herzens, in all dein Sein, dein Fühlen und Denken lege ich meine Zusage: Ich bin da!

In den Lichtblick deiner Hoffnung, in die Schatten deiner Enttäuschung, in das Sehnen deiner Seele, in die Fragen deines Lebens, in all dein Sein, dein Fühlen und Denken lege ich meine Zusage: Ich bin da!“

Im Internet unter dem Link https://www.youtube.com/watch?v=xU2Od6SvReY

 können Sie sich das Lied ab Minute 40:00 gerne anhören. Ich lade Sie ein, dabei die Augen zu schließen und der Zusage Gottes zu vertrauen und sie in ihr Herz aufzunehmen.

Frohe Ostern – Halleluja

Ihre Verena Nitzling

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfarrer Rolf Glaser

Der Emmausgang!

Das Evangelium vom Ostermontag! Da sind zwei unterwegs, ratlos, bis sich der Dritte dazugesellt! Und plötzlich kommt zur äußeren Bewegung, zum „nur weg von hier“, eine innere Bewegung dazu, eine Bewegung in eine neue Richtung! Mit den beiden geschieht eine Wandlung. Der Höhepunkt ist das Brechen des Brotes! „Da gingen ihnen die Augen auf“ und sie sprachen zueinander: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss“.
Wie viele begleitet mich dieses Evangelium seit Kinder- und Jugendtagen. Weggemeinschaft! Ostererfahrung in einer kleinen Gruppe!
Die Theologie kennt den Begriff der „ecclesiola“ – der „kleinen Kirche“ (in Unterscheidung von der großen „ecclesia“. Oft wird darunter die Familie verstanden, als die Kirche im Kleinen. Wir dürfen sie aber auf alle kleinen Glaubensgruppen ausdehnen, im Sinne Jesu: „Wo zwei oder drei beisammen sind….“. Schließlich war die „Hauskirche“ der erste Versammlungsort der jungen Christengemeinschaft.
Dieses denkwürdige Osterfest im Zeichen von Corona hat uns die „eccesiola“ wieder neu schätzen gelehrt: Glauben Leben, Ostern feiern, in der Familie, in der kleine Gruppe. Auch für uns Seelsorger -zugegeben: leider nur Männer! – waren die gemeinsamen Feiern in unserem kleinen Kreis von Gründonnerstag bis Ostersonntag eine neue und intensive Erfahrung, ein Erlebnis. Wir haben nicht nur Ostern gespielt, wir haben es gefeiert und miteinander neu erfahren!
Es könnte ein Gewinn dieser Tage sein, dass wir den Wert des Glaubenslebens in der kleinen Gruppe, in der Familie, in der Hausgemeinschaft wieder neu kennen und schätzen lernen. Miteinander Kirche sein im Kleinen. Wo es nicht anders geht: „Singles“, die sich über die Medien miteinander verbinden! Miteinander den Glauben entdecken, miteinander über den Glauben sprechen, miteinander den Glauben feiern! Ein Aufbruch der Kirche im Kleinen, um die Sprachlosigkeit in Glaubensdingen zu überwinden, die Christinnen und Christen oft so kraftlos und schwach daherkommen lässt. Den Glauben zur Herzensangelegenheit machen! Denn, wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über! „Noch in derselben Stunde brachen sie auf!“ Das wünsche ich uns für unsere Familien, Gruppen und Kreisen – nicht nur in Zeiten wie diese!
Frohe Ostern!
Ihr Pfarrer Rolf Glaser

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferentin/Pfarrbeauftragte 

                  Monika Stanossek

Osterfreude?

Die Frauen, die das Grab leer fanden, waren zunächst mal erschrocken und voll Furcht, da war nichts von Osterfreude! Natürlich dachten sie an das naheliegende, jemand hat den Leichnam ihres Freundes Jesus weggenommen!

Sie brauchten Hilfe zum Verstehen: beim Evangelisten Matthäus ist es der Engel, der den Frauen die Botschaft von der Auferstehung Jesu sagt und ihnen den Auftrag gibt, das den Jüngern zu verkünden; im Johannesevangelium ist es der Auferstandene selbst, der Maria aus Magdala begegnet, erst mal erkennt sie ihn gar nicht. Dann, als Jesus sie bei ihrem Namen ruft „Maria“, ist alles klar, jetzt weiß sie, wer zu ihr spricht. Festhalten kann sie ihn nicht, aber der Auferstandene gibt ihr den Auftrag, den Jüngern zu verkünden, dass er zu Gott, zum Vater geht.

Es sind Frauen, deren Namen in den Evangelien genannt werden, die Jesus, wie die Jünger auch, begleitet haben. Es sind Frauen, wieder namentlich genannt, die unter dem Kreuz beim sterbenden Jesus ausharren, trotz aller Gefahren. Und es sind die Frauen, bei ihnen immer Maria aus Magdala, die den Auftrag zur Verkündigung erhalten.

Frauen in der Kirche heute wird dieser Auftrag hochoffiziell verwehrt, wie kann das sein? Es wird Zeit, dass die Kirche sich auf ihre Wurzeln besinnt, und, wie der Auferstandene Jesus damals, Frauen und Männer offiziell und amtlich aussendet, die frohe Botschaft zu verkünden.

Wenn ich bei meinem Namen gerufen werde, ist klar, ich bin wirklich gemeint. Maria aus Magdala war gemeint, jede und jeder von uns ist wie sie vom Auferstanden  beim Namen gerufen. Er meint jede und jeden von uns und er sendet jede und jeden von uns, die frohe Botschaft in die Welt zu bringen: Jesus hat den Tod überwunden, der Tod, in all seinen unterschiedlichen Weisen, hat keine end-gültige Macht mehr über uns.

Halleluja! Gesegnete Ostern voll Freude und Hoffnung!

Monika Stanossek

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Ralf Albensoeder

Hinabgestiegen in das Reich des Todes

Diese Zeile aus dem Glaubensbekenntnis fällt mir am Karsamstag ein. Es ist eben nicht der Ostersamstag, der erst nach Ostern ist, es ist der Klagesamstag, dass bedeutet das „Kar“ von karen=klagen. Zwischen Tod und Auferstehung liegt dieses sperrige “hinabgestiegen in das Reich des Todes“.

Als Theologe Joseph Ratzinger schreibt vor langer Zeit: „Es gibt eine Nacht in deren Verlassenheit keine Stimme hinabreicht; es gibt eine Tür, durch die wir nur einsam schreiten können: das Tor des Todes. Alle Furcht der Welt ist im Letzten die Furcht dieser Einsamkeit. Jene Einsamkeit aber, in die die Liebe nicht mehr vordringen kann, ist – die Hölle.“

Aber Ratzinger geht noch einen Schritt weiter. Er sagt nämlich, dass Jesus mit seinem Tod „eingetreten ist in diesen Abgrund unseres Verlassenseins. Wo uns keine Stimme mehr erreichen kann, da ist er. Damit ist die Hölle überwunden, oder genauer: der Tod, der vordem die Hölle war, ist es nicht mehr.“

In einem Fresko aus der ehemaligen Chora Kirche (heute Kariye Museum) in Istanbul es dargestellt. Die Pforten der Hölle sind zerstört, der Tod gefesselt und Jesus befreit Adam und Eva aus den Gräbern. Mitten in der absoluten Einsamkeit des Todes, selbst dann kommt Jesus und befreit. In dem damaligen Weltbild musste die Verstorbenen in einer Unterwelt, Hades, Scheol ausgeschlossen einsam fern von Gott verweilen. Dagegen sagt dieser Einschub im Credo, das die Frohbotschaft auch dorthin geht, wo Einsamkeit, Verzweiflung, wo die Hölle regiert dringt, weil Jesus auch dahingeht. Die Frohe Botschaft gilt allen Menschen, auch denen, die vor Jesus gelebt haben.

Karsamstag – Klagesamstag. Stimmt das?

Jesus geht auch dahin, wo es richtig schwer ist. Er steigt hinab in das Reich der Toten – nicht gleich zur Auferstehung – und befreit zum Leben.

Ich wünsche Ihnen einen, besinnlichen, aber auch dankbaren Karsamstag.

Ralf Albensoeder

Das Bild ist von Gunnar Bach Perdersen (Wikimedia) Publiv Domain)

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

Karfreitag: Er hat sich für uns klein gemacht

Der Karfreitag war für mich schon immer mehr als nur ein „Durchgangsfeiertag“ hin zu Ostern. Gerade in dieser Krisenzeit ist mir der Karfreitag besonders wichtig. Denn an diesem Tag zeigt sich mir, wie sehr Gott unser „Verbündeter“ geworden ist.

„Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich, wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich“, so heißt es im Philipperbrief (Phil 2,6). An Weihnachten denke ich immer daran, wie körperlich klein sich Gott in Jesus gemacht hat: Er ist als ein echtes kleines Baby geboren worden. An Karfreitag zeigt sich dieses „Kleinsein“ noch mehr: Gott wird in Jesus klein im Sinne von verwundbar, folterbar, verletzlich, sterblich. In diesem Kleinsein teilt Jesus sein Schicksal mit uns Menschen, er verbindet sich mit uns, er wird unser Verbündeter.

Besonders aber wird er Verbündeter der Leidenden, der Benachteiligten, der Armen und der Kranken. Der leidende und sterbende Jesus will gerade heute den Coronakranken in aller Welt, den Geflüchteten an den Grenzen Europas, den um ihre Existenzen fürchtenden Menschen hier und in aller Welt ganz nahe sein.

Unsere Kirchen in Nied, Griesheim und Gallus sind heute offen. In ihnen ist heute Nachmittag das enthüllte Kreuz zu sehen. Wenn Sie möchten, schauen sie doch einfach vorbei. (Ich glaube, es wird möglich sein darauf zu achten, dass wir immer nicht mehr als drei oder vier Personen in der Kirche sind). Im Internet finden Sie auf unseren Homepages viele Möglichkeiten, den Kreuzweg alleine oder mit anderen gemeinsam zu beten und einen Film über die Kreuzenthüllung in St. Hedwig zu schauen.

Wenn wir das Kreuz verehren und damit an den Tod und das Leiden Jesu denken können wir spüren: Gott lässt uns nicht allein. Und er ruft uns auf, ihm nachzufolgen und selbst denen nahe zu sein, denen es nicht gut geht, die krank und alleine sind und denen Unrecht geschieht. Besonders diesen Menschen sollen wir dann zu echten „Verbündeten“ werden.

Rolf Müller

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pater Roger Abdel Massih CML

Kooperator des Pastoralen Raumes Nied-Griesheim-Gallus

Tut dies zu meinem Gedächtnis – „trotz Corona“!

Das tuen wir!, und ich freue mich in unserer Kirche zu sein!

Wir haben das Kirchentagebuch, es gibt eigene Gottesdienste für Kinder auf unserem Kinderkirche YouTube Kanal, unsere online Gebete auf der App Zoom, die uns alle „Gemeinsam verbindet“, um aktiv miteinander zu beten. Es werden Gottesdienste mit Blick auf die wichtigsten Elemente in der Liturgien an den Kar- und Ostertagen gestreamt und auf unsere Websiten veröffentlicht, … Mein Gott, nichts kann uns stoppen, sein Gedächtnis mitten unter uns zu feiern, egal unter welchen Umständen, die wir gerade erleben.

Dietrich Bonhoeffer, dessen Todesgedenktag wir heute erinnern, sagte einmal:

„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen.“

Und das ist genau das, was ich im Moment in unserer Kirche erlebe!

So ist Kirche für mich! Das gibt mir Mut und stärkt mich! Ich bin glücklich! Trotz Quarantäne, ich fühle, dass wir alle miteinander verbunden sind!

Roger Abdel Massih

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Dr. Harald Stuntebeck

 

Heute erreichte mich eine E-Mail in Pax&People,

eine der in Pax&People engagierten Frauen bat mich um Unterstützung. Sie engagiert sich für die Flüchtlinge, die zur Zeit im Lager auf der griechischen Insel Lesbos unter menschenunwürdigen Umständen leben. Sie dürfen das Lager nicht verlassen und dürfen nicht ausfliegen, um in anderen Ländern Aufnahme zu finden. Inmitten der Corona-Auswirkungen gehen solche Notstände  schnell unter. Ich erinnerte mich an die Demonstration am Mainufer mit 2 Meter Abstand, die am vergangenen Sonntag stattfand. Die Frankfurter Rundschau berichtete am 7.4.2020, dass sie aufgelöst wurde. Es wurde mir bewusst, wie schnell in der Corona-Krise andere wichtige Anliegen und Ereignisse ganz aus dem Blickpunkt verschwinden. Ja, selbst wenn es Menschen gibt, die sich engagieren.

Ist es möglich, in diesen Tagen, in denen viel Nachbarschaftshilfe geleistet wird, diesen Blick weiter reichend aufrecht zu erhalten und immer wieder neu anzufangen, neue Wege suchend? Oder ist das einfach eine Überforderung?

Frére Roger Schütz, der Gründer der Brudergemeinschaft von Taizé, hat in seinem Leben viele Krisen durchlebt, in der Familie, im Krieg und auch später in Taizé. Er schreibt:

 „… das christliche Leben ist nichts anderes als Neubeginn, ein tägliches, ja manchmal stündliches Zurückkehren in die Gnade dessen, der nach jedem Versagen verzeiht, um alle Ding neu zu machen.“

(Frère Roger, Im Heute Gottes Leben, S. 43)

Als Frére Roger Schütz 1940 nach Taizé kam, ließ er sich dort allein nieder und nahm in seinem Haus Flüchtlinge auf. 1942 wurde das Haus von der Gestapo geräumt. Der Rückschlag hätte das Ende des Weges in Taizé sein können. Aber hier zeigte sich, aus welcher inneren Kraft Frére Roger lebte. Es war nicht nur ein idealismus. Es war eine Haltung, die er später „Vertrauen“ nannte. Ein Vertrauen, dass Gott gerade in Krisenzeiten da ist. Diese Erfahrung wurde auch in den vielen Jahren danach zu einem wichtigen Punkt für die Begegnung der Menschen in Taizé. Diese Haltung half Brücken zu bauen über die verschiedensten Grenzen des Lebens hinweg. Es ist in Geist des Vertrauens, der Taize auch heute noch spürbar prägt.

Vielleicht kann uns diese Erfahrung von Frére Roger auch in den heutigen Tagen Hilfe und Kraft geben: den Kopf oben zu behalten, mit dem Blick für sein eigenes Lebensumfeld und darüber hinaus,  bis nach Lesbos, bis nach…

 

Harald Stuntebeck

 

PS: Ich habe einen Link zugesendet bekommen, von einem Hilfswerk das in Lesbos hilft, wer mag kann sich dort informieren https://mission-lifeline.de/gefangen-in-lesbos/

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Stefan Hofer

Liebe Leserinnen und Leser,

in diesen Tagen ist viel von Angst die Rede. Viele haben Angst vor Krankheit und Tod und den Auswirkungen dieser Pandemie. Und ja, es ist okay Angst zu haben, denn Angst ist gut, damit man auch Vorkehrungen trifft, sie ernst nimmt. Allerdings verbreiten Menschen auch mehr als Angst. Sie streuen fake news und verursachen dadurch auch eine gewisse Panik. Ich bekomme reihenweise Kettenbriefe, die alles Mögliche erzählen, angefangen von finanziellen Versprechungen bis zum Essen von bestimmten Sachen gegen Corona bis zu Falschnachrichten bezüglich Überfüllung von Krankenhäusern. Glauben sie das einfach nicht und halten Sie sich an die offiziellen Verlautbarungen des Robert-Koch-Institutes und des Bundesministeriums für Gesundheit. Es hilft, nicht in Panik zu verfallen. Und wir können Gottvertrauen haben, denn Jesus sagt uns: „In der Welt habt ihr Angst, aber habt Mut, denn ich habe die Welt besiegt.“Joh 16,33

Ein kleines Gebet:

Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit nimmt nicht ab,

die Sehnsucht nach Frieden nicht,

die Sehnsucht nach der Sonne nicht, denn

Das Licht ist immer da.

Stefan Hofer

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfr. Juraj Sabados (Pfarrverwalter/Kooperator)

Nah und fern

In einer für Jesus sehr schweren Situation ruft er, einsam und verlassen, zum Vater: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ (Mk 15, 34). Dies sind die letzten Worte Jesu.

Gott und alle seine Freunde sind irgendwie weg. Jesus fühlt: ich bin ganz allein in dieser Lage, ratlos, kraftlos, zu schwach um Gottes Wille zu erfüllen.

Ich denke, ganz Ähnliches erleben auch wir immer wieder. Besonders in diesen Tagen. Irgendetwas zwischen Gott ist nah und Gott ist fern.

Heute möchte ich mit Ihnen ein Gebet teilen, das ich gerne bete:

Nah und fern

Manchmal war ich sicher, dass du mir nah bist, und oft warst du für mich unendlich fern.

Wenn ich meinte, den sicheren Weg gefunden zu haben, um deine Nähe zu spüren, dann warst du wie weggeblasen aus meinem Leben.

Wenn ich meinte, allein stark zu sein, entfernte ich mich immer weiter von dir.

Aber wenn ich verzweifelt war, dann spürte ich deine Nähe und deinen lebendigen Atem.

Jetzt stehe ich vor dir, allein in meiner Not und meinen Schmerzen, unfähig, den Weg zu dir zu gehen oder Mut und Stärke zu beweisen.

Ich stehe vor dir, verzweifelt – Und deiner Liebe gewiss.

(Aus dem Buch: „Dir neu begegnen“ von Rainer Haak)

Trotz allem vertraut Jesus seinem Vater: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ (Lk 23,46).

Nah oder fern - egal. Ich möchte so weiter gehen. Immer im Vertrauen darauf: Gott weiß!

Juraj Sabados

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Thomas Schmidt, Priester im Gallus

Heute ist Palmsonntag.

Normalerweise gehen wir in den Gallusgemeinden von einer Kirche zu einer anderen, bekennen unseren Glauben öffentlich und nehmen Situationen und Menschen im Stadtteil ins Gebet. Normalerweise. Wie schade, dass das dieses Jahr nicht möglich ist.

Mit diesem Gang aus der Kirche heraus befolgen wir einen Gedanken, den Papst Franziskus uns in seiner Enzyklika Evangelii Gaudium nahegelegt hat: Aufbruch aus der Kirche heraus. Dieser bleibt für uns Christ*innen symbolisch (wie bei einer Prozession) und lebenspraktisch (in unseren Alltag= „Werktagschristentum“) eine Aufgabe und eine Herausforderung.

In diesen Tagen sollen wir aber besser zu Hause bleiben. So helfen wir allen. Wer sich so um sich selbst sorgt, liebt seinen Nächsten. Selten war die Einheit von „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ so einfach zu verstehen.

Wenn wir (fast) nirgendwohin gehen können, ist vielleicht ein „Gang in die Tiefe“ möglich. Ein Gang ins Schweigen, in die Ruhe, in die Betrachtung. Dorthin, wo wir unser Innerstes Gott hinhalten können. Dorthin, wo wir nicht reden (müssen), sondern wo Gott sprechen kann und wir ihn hören können. Dorthin, wo wir uns neu vergewissern können, dass wir als lebendige Wesen miteinander und mit Gott verbunden sind.

Vielleicht erwächst aus dieser schweigenden, demütigen und tiefen Begegnung ein Hosianna zum Einzug Jesu in unser Leben. Das wünsche ich Ihnen.

Thomas Schmidt

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferentin/Pfarrbeauftragte 

                  Monika Stanossek

Wie lange noch?

Diese Frage taucht zur Zeit in vielen Gesprächen auf. „Ich halte das nicht mehr aus, ich bin doch allein“, so habe ich das heute gehört. Wie lange geht das alles noch mit der Kontaktsperre, die ja gerade die am schmerzlichsten trifft, die nicht mobil sind; wie lange sind die Schulen zu, wie lange gibt es keine Gottesdienste, wie lange sind die Restaurants und Cafés geschlossen, die Theater und Kinos  und und und. Wir spüren, was wir alles vermissen, was uns oft selbstverständlich war. Wie lange können diesen Zustand die Menschen in den Pflegeeinrichtungen oder die allein zu Hause leben aushalten? Oder die vielen, die keine Wohnung, keine Unterkunft haben? Wie geht es weiter?

Auf diese Frage gibt es zur Zeit keine Antwort. Es werden verschiedene Szenarien entwickelt, aber letztlich heißt es, zu warten, auszuhalten, durchzuhalten. Dass das nicht leicht ist, wissen und erleben wir. Es braucht Strategien und Ideen für die Zeit des Wartens, des Aus- und Durchhaltens.

Sprechen mit, denken an und beten für andere, besonders für die, die fern sind, tut einem selbst und anderen gut.

Manchmal helfen die Worte der Psalmen, wenn es einem selbst an Worten fehlt. Wie lange noch – diese Fragen haben schon die Beter*innen vor mehr als zweitausend Jahren im Volk Israel gestellt, wie hier in Psalm 13:

Klage und Vertrauen in großer Not

  1. Für den Chormeister. Ein Psalm Davids.
  2. Wie lange noch, HERR, vergisst du mich ganz? Wie lange noch verbirgst du dein Angesicht vor mir?
  3. Wie lange noch muss ich Sorgen tragen in meiner Seele, Kummer in meinem Herzen Tag für Tag? Wie lange noch darf mein Feind sich über mich erheben?
  4. Blick doch her, gib mir Antwort, HERR, mein Gott, erleuchte meine Augen, damit ich nicht im Tod entschlafe,
  5. damit mein Feind nicht sagen kann: Ich habe ihn überwältigt, damit meine Gegner nicht jubeln, weil ich wanke!
  6. Ich aber habe auf deine Güte vertraut, mein Herz soll über deine Hilfe jubeln. Singen will ich dem HERRN, weil er mir Gutes getan hat.

Auf Gott zu vertrauen, der unsere Wege mit uns geht, der uns rettet aus allem, was uns bedrängt, in dieses Vertrauen gilt es sich einzuüben, immer wieder, jeden Tag. Und zu hoffen!

Dieses Bild, das die Kinder aus der Kita St. Gallus gemalt haben, zeigt die Hoffnung darauf, dass es gut wird – für uns selbst, für unsere Lieben und für alle die, die in verzweifelter Lage sind:

Bleiben Sie behütet!

Monika Stanossek

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Gemeindereferentin Verena Nitzling

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die heutigen Gedanken sind mir vor ein paar Tagen bei einem Spaziergang an der Nidda gekommen und ich möchte sie gerne heute mit Ihnen teilen.

Jede und jeder von uns erlebt die letzten Tage und Wochen seit den Ausgangsbeschränkungen während der Corona Pandemie ganz unterschiedlich. Viele von uns bringt diese Situation an die Grenze, z.T. sogar darüber hinaus.

Während die einen ihren Familienalltag neu gestalten lernen müssen, mit Homeoffice, Homeschooling und rundum Betreuung der Kinder, liegen die Menschen in den Alten- und Pflegeheimen sowie in den Krankenhäusern in ihren Zimmern und dürfen keinen Besuch mehr von ihre Lieben und vertrauten Personen empfangen.

Menschen bangen um ihren Arbeitsplatz, fürchten ein Bankrott der Firma, haben Angst. Angst um ihr Leben und ihre Gesundheit. Menschen, die einen lieben Menschen durch den Tod verloren haben, müssen in diesen Tagen eine große Spannung des Abschiednehmens aushalten.

Viele Menschen, die an dem Coronavirus erkrankt sind, sind in Quarantäne zuhause oder im Krankenhaus. Gott sei Dank gibt es unser medizinisches Gesundheitssystem und viele Fachkräfte (Menschen), Ärzte, die da sind und ihre Arbeit mit Herz und Verstand tun. 

Gott sei Dank sind da auch die vielen hilfsbereiten Menschen, die z.B. einen Einkaufsdienst übernehmen oder Nasen-Mund-Schutz nähen, u.v.m.

Und da sind Menschen, die  sich in diesen Tagen einsam fühlen, isoliert leben, egal ob jung oder alt. Getrennt von der Familie, von Freunden, die Grenzen sind geschlossen. Die persönliche Begegnung ist seit Wochen nicht mehr möglich, der Kontakt wird über das Telefon, per Brief, oder die digitalen Medien gehalten. 

Für mich persönlich gilt es derzeit, lebendig zu bleiben – im Hier und Jetzt. LebenD(u)I(ch)G(ott) – im Kontakt mit mir sein, mit meinem Nächsten und mit Gott. Derzeit sind Umarmungen, persönliche Begegnungen nicht möglich – stattdessen habe ich Zeit für mich. Zeit, um mit mir in Kontakt zu treten, mein Leben zu reflektieren und dabei auch den schweren, dunklen Seiten in mir zu begegnen. Und zugleich den Blick auf das Schöne, die blühende Natur, die Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander, die wärmenden Sonnenstrahlen nicht zu vergessen. Mich um meinen Nächsten zu sorgen, z.B. Telefonate mit älteren Menschen zu führen, Briefe zu schreiben und meine Beziehung zu Gott im Gebet zu pflegen. 

Wie erleben Sie diese Tage und Wochen? Welche Erfahrungen sammeln sie?

Ist es für Sie geschenkte Zeit, eine Herausforderung, Besinnung auf das Wesentliche oder eine Zumutung?

Für viele Menschen ist diese Zeit eine Zumutung. Doch in diesem Wort Zumutung steckt das Wort Mut. Mut, dieses Leid, diesen Schmerz auszuhalten und anzunehmen. Mut sich auf den Weg zu machen und zu lernen, es anzunehmen. Dies fällt uns (mir auch) oft nicht gar nicht so leicht. 

Im Vater unser, dem Gebet, das Jesus uns selbst zu beten gelehrt hat, beten wir so oft: Nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille. Stecken wir jedoch in einer Situation von Tränen und Leid – bekommt diese Bitte eine neue Dimension. Hier wird für mich dann noch einmal deutlich, was diese Zumutung meint – den Mut es anzunehmen und auszuhalten. 

Wir starten am Sonntag in die Karwoche. Jesus weiß um seine Situation, er sieht dem Tod entgegen und nimmt ihn an. Jesus, der in Wort und Tat die Liebe Gottes verkündete, weiß sich auch in dieser Grenzerfahrung von Gott getragen. 

Gott ist es – der bleibt in allem Schmerz. Er ist uns nahe in der Trauer, im Leid und in aller Sorge. Er trägt mit, er hält es mit uns aus. Auch wenn wir ihn nicht immer spüren – er ist da und hält uns geborgen in seiner schützenden Hand. Diese Erfahrung hat Jesus in der dunkelsten Stunde seines Lebens gemacht und uns damit Mut gemacht.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Karwoche.

Bleiben Sie gesund.

Herzliche Grüße

Ihre Verena Nitzling

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfarrer Rolf Glaser

Der 2. April!

Es ist der Geburtstag meiner schon lange verstorbenen Großmutter Maria Glaser („die Marie-Mame“), die in Landstuhl in der Pfalz lebte und – manche kennen meine Erzählungen! - ein wahres Original war. Erinnerung an eine gütige - manchmal leider zu gütige - einfache Frau ohne große Ansprüche. Für mich eine herzensgute Oma, bei der ich Zuflucht finden konnte. Mit 14 war sie vor ihrer sprichwörtlich bösen Stiefmutter geflohen (die Mutter war in jungen Jahren gestorben) und bei einem Bauern in Landstuhl in Stellung gegangen. Mit 16 heirate sie meinen Großvater! Sie hatten drei Kinder. Sie erwarben einen unfruchtbaren Acker und wandelten ihn über Jahrzehnte hinweg in einen schönen großen Garten um. Während Opa Fritz in der großen Wirtschaftskrise 1929 arbeitslos war, bauten sie sich auf diesem Acker ein kleines Selfmade-Haus, errichtet aus Bruchsteinen aus den Landstuhler Steinbrüchen (Deckenhöhe: 1,80). Beim Polenfeldzug musste mein Opa - zum zweiten Mal! - in den Krieg und erlitt einen doppelten Schädelbruch. Positiv: Er konnte nach Haus zurück! Negativ: Durch die Folgen der Verletzung wurde er zu einem mürrischen Mann, der seiner Frau mitunter das Leben schwer machen konnte.- In späteren Jahren half die Oma ihrer ältesten Tochter, nach deren Tod meinem Cousin, beim Verkauf in der Bäckerei. Von früh bis spät stand sie mit ihren Krampfader-Beinen hinter der Ladentheke. Dass tat sie bis zum 75. Lebensjahr. Mit 80 Jahren verstarb sie an einem Herzschlag.

Eine Frau aus dem Volke! In wie vielen meiner Beerdigungspredigten finden sich ähnliche Biographien! Was können sie uns in dieser Krise sagen? Mir sagen sie:  Noch nie war das Leben ein Kinderspiel! Immer war es ein Wagnis und wollte bewältigt werden. Und die Altvorderen zeigen uns, wie sie es unter schwierigen Bedingungen und vielfachen Gefährdungen gemacht haben – sicher mit allen Fehlern und Schwächen – und dass man es schaffen kann! Dass man Krisen meistern kann!

Eine Frau aus dem Volke! Am letzten Sonntag war der sogenannte „Misereor-Sonntag“. „Misereor super turbam“! Mich erbarmt des Volkes“ (Mk 8,2) ruft Jesus vor der Speisung der Viertausend! Der Blick auf die Altvorderen kann uns vor einer Blickverengung in der gegenwärtigen Krise bewahren. Gewiss haben wir unsere eigenen Ängste und Befürchtungen. Die dürfen wir zulassen! Darüber sollten wir aber all die nicht vergessen, die weit schlimmer daran sind als wir selbst. Nicht nur Sorge ums Klopapier! Vielmehr auch Sorge um all die Kleinen in den Slums und Favelas und Flüchtlingslagern dieser Welt, ohne sauberes Wasser, ohne Schutzmöglichkeiten, ohne ärztliche Versorgung, der Seuche hilflos ausgeliefert, ebenso häufig ihren korrupten Politikern.

Was können wir tun? Nicht zuletzt: Das Hilfswerk Misereor hilft mit unserer Spende! Durch den Ausfall der Misereor - Kollekte in den Sonntagsgottesdiensten ist es dringend darauf angewiesen! Ein Weg zu den Menschen! Zu den kleinen Leuten! Zum weltweiten Volk Gottes! Auch ein Weg aus der Krise!

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

 

 

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Gemeindereferent Ruben Manger

Keine Zeit zu sterben

Hätten wir normale Zeiten würde ich mich jetzt innerlich darauf vorzubereiten, morgen Abend ins Kino zu gehen, um mir den neuen James Bond „Keine Zeit zu sterben“ anzusehen. Leider ist der Filmstart jetzt verschoben worden, aber der Filmtitel hat mich zum Nachdenken gebracht.

„Ich habe keine Zeit zu sterben

Ich habe genug anderes zu tun, aufräumen, nachdenken, wie man die Zeit für die Kinder vernünftig füllt und so weiter und so weiter. Da ist für sterben nicht auch noch Zeit.

„Es ist keine Zeit zu sterben

Es gibt bessere Zeiten zu sterben als gerade jetzt. Jetzt, wo man auf dem Friedhof nur noch mit 5 Personen anwesend sein darf, in der man aufgrund von Corona keine Erde ins Grab werfen darf. Jetzt, wo ein Trauergespräch unpersönlich am Telefon geführt wird, man nach der Trauerfeier nicht einfach beisammen sein darf oder gar – wie zurzeit in Italien – nicht mehr bei seinen Angehörigen sein darf, wenn diese im Sterben liegen und man irgendwann einen Anruf vom Krankenhaus oder dem Altenheim bekommt, dass man bitte den Bestatter anrufen soll, um den Verstorbenen abholen zu lassen.

Aber der Tod kennt keine Zeiten, er trifft uns immer und überall, zu früh, auch zu spät, im größten Freudentaumel oder in der tiefsten Depression, an Weihnachten, Fasching, der Fußball-WM oder bei sonstigen Anlässen.

Im Buch Kohelet finden wir eine Beschreibung der Zeit als Gleichnis für das Leben. Ich habe diesen Text schon bei Hochzeiten und Beerdigungen gehört und finde immer wieder, dass er lesenswert ist. Er beschreibt immer in Gegensatzpaaren, was alles zum Leben gehört.

„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ausreißen der Pflanzen, […] eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; […] eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, […] eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden. […] Alles, was Gott tut, geschieht in Ewigkeit. Man kann nichts hinzufügen und nichts abschneiden. […]“ (Kohelet 3,1-15)

Nichts hinzufügen und nichts abschneiden. Das klingt erstmal nicht positiv, wenn man an die schlechten Zeiten denkt. Aber – wenn man genau hinschaut – sagt uns der Text auch, dass es immer wieder auch das positive geben wird, weil beides zum Leben gehört. In dieser Hoffnung können wir uns Gott anvertrauen, in den schönen, wie in den schweren Zeiten.

Ruben Manger

E-Mail: r.manger@mariaehimmelfahrt-ffm.de

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Ralf Albensoeder

Geduld

Warten – der Tagebucheintrag von Rolf Müller gestern.

Lieber Rolf, Du hast mir zwei Stichworte gegeben, die mich den heutigen Tag begleiteten: Geduld und Ungeduld.

Geduld fiel und fällt mir oft auch dann schwer, wenn ich sicher weiß, dass das Ereignis kommt. Wie ungeduldig war ich als Kind trotzdem, bis Weihnachten da war mit der Bescherung. Wie ungeduldig als ich auf die Geburt unserer Kinder warten musste…

Und jetzt – es gibt kein definiertes Ende. Ich bin oft ungeduldig heute, wieder das gewohnte Leben führen zu können, mit Freunden, ohne Angst vor einer unheimlichen Krankheit. Wie ungeduldig warte ich auf bessere Nachrichten aus Italien, aus den USA aus den afrikanischen Ländern, aus Deutschland……

Die Ungewissheit, eben kein Wissen zu haben, ist voller Schrecken. Da nützt schönes Wetter nur sehr geschränkt. Ungeduld – und ich kann nichts ändern. Nichts geschieht früher oder besser, nur weil ich es ersehne in diesen Zeiten.

Und Ungeduld hat auch einen tiefen Schatten – die Aggression. „Sei nicht so ungeduldig“ ist oft genug der Hinweis – sei nicht so aggressiv. Ungeduld kann mich - nicht zum Guten – verändern.

Und dann fällt mir ein welche Geduld eigentlich Gott mit uns hat, mit welcher Geduld in diesen Tagen Kranke versorgt werden, Kinder zu Hause beschäftigt werden (auch wenn es manchmal, Gott sei geklagt nicht so ist): dann ist Geduld das Gegenteil von Resignation.

So heißt es im Jakobusbrief: „Nehmt es voll Freude auf, meine Brüder und Schwestern, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet! Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt.  Die Geduld aber soll zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr vollkommen und untadelig seid und es euch an nichts fehlt.  Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, (man darf auch sagen „Geduld“, d. V.) dann soll er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn er gibt allen gern und macht niemandem einen Vorwurf.“ (Jak 1,3-5)

In dem berühmten Buch „Momo“ von Michael Ende gibt Beppo, der Straßenkehrer ein berühmtes Beispiel für Geduld, die das Gegenteil von Resignation ist.

"Siehst du, Momo", sagte er dann zum Beispiel, "es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man."

Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: "Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen."

Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: "Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten." Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: "Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein."

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: "Auf einmal merkt man, daß man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste." Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: "Das ist wichtig." (Michael Ende)

Das wünsche ich uns allen, in Geduld die Stunden und Tage anzugehen - wider der Resignation - vielleicht auch mit dem Gebet in den Gedanken:

Lass mich in Geduld das hinnehmen, was ich nicht ändern kann.

Herr, gib mir den Mut und die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann.

Und schenke mit die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

Warten

Schon seit über einer Woche läuft dieser „Shut – Down“ nun, und ich bin am Warten. Ich warte darauf, dass aus dem Kindergarten neben unserem Pfarrbüro wieder laute Kinderstimmen bis ins Pfarrhaus dringen. Ich warte auf den Moment, in dem ich endlich wieder mit vielen vertrauten Gesichtern neben mir auf meinem Stammplatz sonntags in unserer Pfarrkirche sitze. Ich warte auf das viele Erzählen nach dem Gottesdienst vor der Kirchentür und auf den Frühschoppen im Josefshaus. Ich warte auf ein ganz normales Dienstgespräch mit meinen Kolleginnen und Kollegen, ich warte auf den ersten Handschlag mit Leuten auf der Straße, auf das erste große Fest mit voller Bude, guter Musik und toller Stimmung.

Oft frage ich mich, wie lange ich da noch warten muss. Ich gebe zu: Warten fällt mir schwer. Ich gehöre eher zu den Ungeduldigen, die es oft genug nicht abwarten können und denen es manchmal nicht schnell genug geht. Dabei weiß ich ja von viele Menschen, die das mit dem Warten ganz gut bewältigt haben. Gerade in der Bibel begegne ich welchen: Die Israeliten, die vierzig Jahre in der Wüste auf das gelobte Land warten mussten. Der greise Simeon, der sein ganzes Leben lang auf den einen Moment gewartet hat, an dem er das Jesuskind sehen durfte. Warten, das kann ich davon lernen, gelingt, wenn ich die Zuversicht nicht verliere. Wenn ich weiß: Hinter dem Horizont geht’s weiter; am Ende wird es gut – dann kann ich auch das Warten bewältigen. Und sind nicht all die Geschichten der Heiligen Schrift eine Botschaft des „Am Ende wird alles gut“? Trotz allem Leid, trotz aller Trauer, die in diesen Geschichten ihren Platz haben? .In diesem Sinne heißt warten für mich: Geduldig sein und das mit ganzem Herzen tun, was gerade geht.

In diesem Geist will ich die Zeit jetzt nutzen, um das Warten zu trainieren. Und ich hoffe sehr, dass ich dabei nicht zu ungeduldig bin, schlechte Laune bekomme oder hoffnungslos werde. Ich will das tun, was gerade möglich ist: Helfen, wo es nötig ist, Kontakte mit denen pflegen, die gerade jetzt sehr allein sind. Ich will die Zuversicht nicht verlieren – dabei helfen mir so viele geistliche Impulse, die ich in dieser Zeit geschenkt bekomme, so viele Gebete (wie zum Beispiel das vom Heiligen Vater letzten Freitag in Rom), so viele gute Gespräche, die ich gerade jetzt habe. Und vielleicht kann ich ja selbst ein wenig dazu beitragen, damit andere die Zuversicht nicht verlieren und das Warten gelingt.

Was siehst Du?

Auf diesem Bild können wir einen schwarzen Punkt in der Mitte sehen. Allein auf dem Bild mit dem weißem Hintergrund, wirkt dieser Punkt sehr wichtig, sogar dominant, fast so als ob es nichts außer ihn gäbe.

Der schwarze Punkt hat in unseren heutigen Tagen den Namen, Covid 19 – „Corona“. Die Tagesschau spricht fast ausschließlich über die Krankheit, die Medien, die Nachrichten, die Einkaufzentren, die Krankenhäuser, die Menschen … sogar unser Leben hat sich dadurch verändert. Unser Ziel ist: wir wollen die Ausbreitung verlangsamen!  Daher gibt es derzeit keine Begrüßung mit der Hand, wir halten einen mindest Abstand von 1,5 Meter ein und wir bleiben meistens zu Hause, … gewaltig dominant ist dieses mikroskopische Wesen. Ich habe nie geglaubt, dass ich auf einem Bild mit einem schwarzen Punkt auf einem großen weißen Hintergrund nur den Punkt sehen kann …

Schauen Sie noch einmal auf das Bild. Sehen Sie mit mir das tolle Wetter draußen, der Frühling ist da mit seinen Farben, die Gesänge der Vögel können wir hören, die Wärme der Sonne spüren, vieles können wir sehen … Gott schenkt uns vieles, viele Gutes, er lässt sich berühren nicht nur in der Eucharistie Form, sondern in seiner Schöpfung und drückt damit seine Liebe aus.

Ja, ich sehe auf diesem Bild, die Liebe Gottes, die NIEMALS aufhören wird, die uns IMMER stärkt und begleitet.

Ich höre die Worte Jesu „Ich bin bei Euch alle Tage“.

Was siehst Du?

Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Und so segne behüte und begleite uns, unser liebender Gott, der Vater und Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Dr. Harald Stuntebeck

LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER,

haben Sie sich etwas vorgenommen, auf das Sie in der Fastenzeit verzichten möchten? In den Aschermittwochsgottesdiensten, die ich mit der Grundschule und dem Gymnasiums gehalten habe nannten mir die Schülerinnen und Schüler so einiges, auf was sie oder ihre Eltern verzichten wollten. Die Liste reichte von Süßigkeiten, Fernsehen, Handy, Kaffee, bis hin zu wenige Autofahrten und Eis.

Beim Fasten verzichtet man auf etwas, um etwas wichtigerem Raum zu geben. Wenn man religiös ist, dann ist das eine Zeit für Gott. Mit dem Verzicht zeigt man, was und wer einem wichtig ist. Auch ohne eine religiöse Grundeinstellung macht fasten Sinn. Zum Beispiel tut man seinem Körper etwas Gutes, wenn man eine Zeit lang auf Essen verzichtet und ihn entschlackt.

Ich glaube, dass uns die Corona-Pandemie ungewollt alle zum „Fasten“ gebracht hat. Wir verzichten auf den Kontakt mit unseren Freunden, verzichten auf Einkünfte, die wir sonst vielleicht gehabt hätten,… Und im Mittelpunkt steht die Gesundheit derer, die dem Corona-Virus sonst schutzlos ausgeliefert wären.

Ich erlebe, dass dieses Fasten ganz neue Formen entwickelt, Formen der Solidarität. Da kocht ein Restaurantbesitzer mit den gelagerten Lebensmitteln einmal in der Woche und verschenkt sie an die älteren Nachbarn. Da sprechen Kirchen und Moscheen im Stadtteil darüber, wie man denen am Besten helfen kann, die jetzt Hilfe brauchen, beim Einkaufen oder für andere Dinge. Und da spielt die Religionszugehörigkeit keine Rolle. Da sammeln Leute Ideen, was man jetzt zu Hause mit Kindern machen kann und teilen sie in den sozialen Netzwerken. Da gibt es Applaus für Krankenschwestern, Ärzte, Supermarktmitarbeiteinnen, für deren Arbeit, die sie trotz des persönlichen Risikos weiter machen,….

Es ist eine besondere Fastenzeit und wir erleben Formen des Fastens, die uns früher eher unvertraut waren. Und so bekommen die Worte vorn Frére Roger Schütz, dem Gründer der ökumenischen Brudergemeinschaft von Taizé eine ganz neue und konkrete Bedeutung. Er schreibt zur Fastenzeit:

„Vierzig Tage, die dem Menschen gegeben sind, um über eine Liebe zu staunen, die alles Begreifbare übersteigt.“

Ich erkenne diese „Liebe“ von der Frére Roger schreibt in den vielen konkreten Hilfen, die Menschen aus Aufmerksamkeit, Liebe und Hilfsbereitschaft in diesen Tagen füreinander tun.

Es gibt so vieles über das ich in diesen Tagen nur staunen kann.

Was für ein Fasten….

Harald Stuntebeck

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Stefan Hofer

LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER,

wir haben ja Fastenzeit und interessanterweise müssen wir jetzt alle auf etwas verzichten, kollektives Fasten. Dadurch wird aber deutlich, was uns wichtig ist. Ich habe jetzt wieder mehr Zeit für Musik. Und mir ist eine Begebenheit vor fast 50 Jahren eingefallen. 1982 hörte ich die Johannespassion von Johann Sebastian Bach in Bad Segeberg. Das ist mir deswegen so in Erinnerung geblieben, weil ich auf Fahrradtour durch Schleswig-Holstein war und so gar nicht vorbereitet auf ein Passionskonzert. Es war ein Karfreitag und eine dunkle Kirche, eine evangelische, und ich beschloss mit meinen Begleitern darein zu gehen. Es war der Auftakt zu weiteren Kirchenbesuchen in Lübeck und Umgebung. Ostern dann im Dom zu Lübeck „Christ ist erstanden“ und es wurde damals sogar im Fernsehen übertragen. Eindrucksvolle Erlebnisse die mir bis heute im Gedächtnis geblieben sind. Die Karfreitags- und Ostergottesdienste fallen in unseren Kirchen leider aus…Doch wir können uns verbinden, denn wir können digital gehen, nicht nur bei den Gottesdiensten unter  www.bistumlimburg.de oder www.jesuiten.org , sondern auch bei den Konzerten. Die Berliner Philharmoniker bieten unter www.digitalconcerthall.comkostenlos Konzerte an, von denen die Johannespassion sogar szenisch gestaltet ist unter Simon Rattle. Ich finde das großartig, nutzen Sie die digitalen Zugänge oder wenn Sie keinen Zugang haben, legen Sie alte Schallplatten und CDs auf, jetzt haben wir Zeit. Nehmen Sie (vielleicht zusammen) sich Zeit für das Großartige in dieser Welt, trotz Corona. Denn wie heisst es im Osterlied: „Christ ist erstanden von der Marter alle, des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein, Kyrieleis!“

 

Stefan Hofer

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfr. Juraj Sabadoš, Priester

„Ich hasse unsre Liebe auf Distanz…“

Vielleicht kennen Sie das Lied von Revolverheld mit Antje Schomaker. Ich mag dieses Lied sehr. Die Sänger beschreiben darin die Liebe zweier Menschen, die trotz der tiefe Ihrer Gefühle füreinander immer wieder verzweifeln und Angst davor haben, gemeinsam zu scheitern.

Vielleicht etwas melancholisch, aber wahrscheinlich spricht mich das an, weil ich etwas in der Art oft im Alltag erlebe und das schon lange…weit weg von Menschen zu sein, die ich liebe und nur per Telefon den Kontakt halten…dafür bin ich sehr dankbar, aber es fällt schwer..

Ein Beispiel: täglich im Kontakt mit meiner Mama zu sein ist anderes, als sie zu umarmen, Ihr Parfüm zu riechen, Ihr Essen zu schmecken…das betrifft auch andere Beziehungen.

Heute sage ich - ich hasse meine Arbeit auf Distanz. Meine pastorale Arbeit als Priester.

Ganz ähnlich fühlt es sich in dieser Zeit für uns als Gemeinschaft an...leere Kirchen und Straßen, geschlossene Büros, körperliche Distanz, zwischenmenschliche Kontakte nur über soziale Netzwerke…

Die Distanz tut wirklich weh.

Und dennoch, eines lerne ich täglich neu, mein ganzes Leben und im Moment sehr intensiv:

Eine Liebe kennt keine Distanz - Gottes Liebe.

Der tägliche Ruf aus ganzem Herzen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!" (Mk 9, 24).

Im Übrigen endet das Lied mit den Worten in der letzten Strophe: „Und weiß genau, das schaffen wir; wir kriegen das schon hin“.

Die Liebe gibt uns Energie weiterzumachen.

Euer Juraj

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferentin/Pfarrbeauftragte 

                  Monika Stanossek

In Verbindung bleiben,

das sind Worte, die sich zur Zeit viele Menschen zusagen: „Wir bleiben in Verbindung!“ Das Telefon kommt wieder verstärkt zum Einsatz, gerade für das Gespräch mit älteren Menschen ist es oft die einzige Möglichkeit um in Verbindung zu bleiben. Ich habe viel telefoniert in den vergangenen Tagen und habe oft gehört, dass es Menschen freut, wenn wir an sie denken. Was mich freut ist, dass fast alle, mit denen ich gesprochen habe, gut versorgt sind, durch die Familie oder durch Nachbarn. Gelebte Verbindung zueinander!

Von einer ganz besonderen Verbindung erzählt das heutige Fest „Verkündigung des Herrn“: Gott nimmt Verbindung auf zu einer jungen Frau um sich durch sie ganz mit uns Menschen zu verbinden. Sie soll ein Kind bekommen und ihm den Namen Jesus geben „Gott rettet“. Das Ja von Maria eröffnet eine Perspektive für alle Menschen, Hoffnung auf Leben in Fülle. Auch in diesen Zeiten gilt die Zusage Gottes in Jesus Christus auf Rettung. Gott hat sich mit uns Menschen verbunden, er lässt uns nicht allein in unsere Angst, in den Sorgen um liebe Menschen und in all den Anstrengungen der Menschen im Umgang mit dem Virus …

Den Hinweis auf ein Gebet, den ich bekommen habe, gebe ich gern weiter, auch eine Weise der Verbindung untereinander.

https://www.ekhn.de/aktuell/detailmagazin/news/ein-gebet-geht-um-die-welt.html 

Das Gebet finden Sie unter diesem link auch in verschiedenen Sprachen.

Monika Stanossek

Gott, unser Vater,

durch deinen Geist sind wir miteinander verbunden im Glauben, Hoffen und Lieben.
Auch wenn wir in diesen Zeiten vereinzelt sind: Wir sind Teil der weltweiten Gemeinschaft deiner Kinder. Lass wachsen unser Vertrauen in deine Nähe und in die Verbundenheit mit unseren Schwestern und Brüdern.
Die erkrankt sind, richte auf.
Mache leicht die Herzen der Einsamen.
Den Verantwortungsträgern gib Weisheit und Mut.
Stärke die Frauen und Männer im medizinischen Dienst:
Unseren Freunden und Partnern in der weltweiten Kirche stehe bei.
Uns allen schenke Ideen, unserer Verbundenheit Ausdruck zu geben.

Segne uns, o Herr! Lass leuchten dein Angesicht über uns und sei uns gnädig ewiglich!
Segne uns, o Herr! Deine Engel stell um uns! Bewahre uns in deinem Frieden ewiglich!
Segne uns, o Herr! Lass leuchten dein Angesicht über uns und sei uns gnädig ewiglich!

Amen

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Thomas Schmidt, Priester im Gallus

Der 24.3.2020 ist für mich ein sehr wichtiger Gedenktag.

Zwei Ereignisse kommen zusammen, die für mein Leben von großer Bedeutung sind.

Einmal ist es der Tag der Ermordung von Erzbischof Romero, der sich in diesem Jahr zum 40. Mal jährt. Romero wurde ermordet, weil er sich konsequent für die Armen seines Landes eingesetzt hat und die Verantwortlichen für ihr Elend und für die Gewalt gegen sie beim Namen genannt hat. Es ist die „Ehre Gottes, dass der Arme lebt“, hat er in Löwen (Belgien) bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde gesagt. Er wusste, dass er sterben muss. „Mich können sie töten, aber nicht die Stimme der Gerechtigkeit“. Diese Aussage ist unsere Verpflichtung.

Im Deutschlandfunk lief am Sonntagmorgen eine gute Sendung über ihn. Hier der Link zum Nachhören:

https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2020/03/22/am_sonntagmorgen_dlf_20200322_0834_a8026b1e.mp3

Das zweite Ereignis ist die 75. Wiederkehr des Todesmarsches, auf den die verbliebenen Häftlinge des KZ Katzbach in den Adlerwerken im Gallus nach Buchenwald getrieben wurden. MITTEN UNTER UNS geschah dieses Unrecht. Wir dürfen es nicht vergessen und müssen dafür sorgen, dass so etwas nie wieder geschieht. Ihm wollten wir bei einer Mahnwache gedenken, die nun virtuell stattfinden wird. Dort halte ich auch eine Rede. Sie kann verfolgt werden unter:

https://kz-adlerwerke.de/2020/post/virtuelle-mahnwache-war-kundgebung/

Auch in dieser schwierigen Krisenzeit geht unsere internationale Solidarität und unser Einsatz gegen Faschismus und Menschenverachtung weiter.

 

E-Mail: t.schmidt@katholischimgallus.de

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Gemeindereferentin Verena Nitzling

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Woche mit allen Herausforderungen, Höhen und Tiefen, die da auf uns warten. Es ist die zweite Woche, in der der Kindergärten und die Schulen geschlossen sind. Viele Arbeitsplätze wurden ins Home-Office verlegt. Und vor allem die Menschen im medizinischen Arbeitsfeld kämpfen ganz besonders darum, dass wir nun endlich alle zuhause bleiben, um unsere Nächsten und uns selbst vor dem Coronavirus zu schützen. Die Liste ist lang, was in den letzten Tagen alles abgesagt wurde, die Ängste, wenn es um die persönliche Existenz geht, werden größer und die Solidarität miteinander und füreinander zu beten, steigt in den sozialen Medien.  Der Alltag vieler Menschen wird derzeit auf den Kopf gestellt. Wir brauchen feste Strukturen, um in diesem Chaos die Balance halten zu können. Sorgen Sie bitte gut für sich und versuchen Sie in dieser schweren Zeit, das Positive nicht aus dem Auge zu verlieren. Da sein und die Dinge genießen können, die derzeit auch da sind, z.B. Familienzeit, die Natur, die Sonne, etc.

Es ist eine große Herausforderung für uns alle, die Geduld, Kraft und Verantwortung von uns fordert – für uns selbst und unsere Mitmenschen. Herausforderung bedeutet für mich an diesem heutigen Tag:

Hände waschen

Einsamkeit aushalten und soziale Kontakte mit Hilfe der Medien pflegen

Raus in den Garten gehen oder sich auf den Balkon setzen – gönnen Sie es sich

Aufeinander achten in der Ehe, Familie, WG aber auch alleine – wer braucht was, damit es friedlich bleibt

Ubi Caritas – Gott ist die Liebe

Sonne tanken

Füreinander da sein – in Gedanken und im Gebet

Online die vielen Angebote wahrnehmen, die es derzeit bei Kirche und im Bereich der Nachbarschaftshilfen gibt

Ruhe / Stille bewusst erleben und aushalten lernen

Danke sagen – machen die Kinder in meinem Online-Corona-Kinder-Projekt heute auch (Ärzte, Apotheker,  Pflegekräfte, Kassiererinnen, Psychotherapeuten, etc.)

Einkaufen, nicht hamstern

Rufen Sie an, wenn Sie jemanden zum Reden brauchen. Das Pastoralteam ist für Sie telefonisch erreichbar.

Unser Glaube hält und trägt uns durch diese schwere Zeit.

Nächstenliebe heißt derzeit: Abstand halten

Geduldig sein und bleiben – Barmherzigkeit fängt bei mir an.

 

„Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott.“ (Jes 41,10)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen vitalen, wertvollen, kostbaren Tag und einen guten Start in die neue Woche sowie eine gesegnete Zeit, bis wir uns hier im Kirchentagebuch wieder lesen.

Bleiben Sie gesund!

Ihre Verena Nitzling

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pfarrer Rolf Glaser

laetare“, „sich freuen“,

das ist der Name für diesen 4. Fastensonntag. Ich sitze am Schreibtisch und habe als erstes den Impuls: „Das fühlt sich irgendwie falsch an!“ Sich freuen, mitten in der Krise – mit Kranken, Sterbenden und Toten? Um mich herum merke ich viel Angst, Unsicherheit und Unruhe. Wie viele andere schließe ich meine E-Mails mit dem Wunsch: „Bleib gesund!“ Für mich selbst hat die Situation etwas Unwirkliches an sich.

Da hilft mir wie so oft das Evangelium dieses Sonntags! Wie oft habe ich es erlebt, dass dann, wenn mir nichts mehr einfiel, die Bibel in die Hand fiel. Und da ist schon die erste Feststellung: Freude fällt uns zu! Sie wird uns geschenkt! Wir müssen und können sie nicht selbst herstellen. Das Wort Gottes als Quelle der Freude! Gott, der in den Worten geheimnisvoll zu uns spricht, als Ursprung der Freude!

Das Evangelium des Sonntags ist eine Wunderheilung. Die berühmte Heilung des Blindgeborenen im Johannesevangelium. Sie war mein Prüfungsstoff bei meiner Prüfung im Neuen Testament durch Gerhard Lohfink in Tübingen. Alte Erinnerungen werden lebendig! Der Blinde kommt nach und nach zur Erkenntnis Jesu als Gottessohn, erst undeutlich dann immer klarer; parallel dazu verrennen sich die Gegner immer mehr in ihrer Arroganz und Betriebsblindheit: ein Drama in sieben Akten!

Gleich zu Beginn ein Rätselwort Jesu! „Wir müssen solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat. Es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.“ - Da merke ich, die „Freude“ dieses Sonntags hat es in sich. Es ist eine Freude angesichts der „Nacht“ von Golgatha, die auf Jesu zukommt. Sie muss sich angesichts dieser Nacht bewähren. Und sie bewährt sich, indem sie heilende Kräfte freisetzt, dem Unheil das Heil entgegensetzt. Heilen als Mittel gegen das Unheil!

Und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen! Wie viel Heilendes habe ich in diesen Tagen der Krise erlebt! - Gerade Begegnung mit einem Restaurantbesitzer! Er hat wegen Corona sein Lokal geschlossen und möchte jetzt seine Vorräte für Menschen zur Verfügung stellen, die sich selbst nicht helfen können. Er würde sogar für sie kochen!

Viele helfen auf diese oder andere Weise, in pflegenden Berufen, in den Krisenstäben, das Notpersonal in unseren Kindertagesstätten, bei Einkaufen in der Nachbarschaftshilfe – und nicht zuletzt durch ihr Gebet: Sie alle machen deutlich: „Die Mitte der Nacht ist der Anfang eins neuen Tags!“ Darf man sich darüber nicht freuen?

Ihr Pfarrer Rolf Glaser

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Gemeindereferent Ruben Manger

Weite Wege

Stehen wir am Anfang, in der Mitte oder vielleicht schon am Ende der Krise? Wir wissen es nicht! Wir können nur vermuten und vertrauen, dass die Entscheidungen, die zurzeit für uns getroffen werden, die richtigen sind.

Wer – wie ich – schon mal einen langen, harten Weg zu Fuß gegangen ist, der weiß auch, dass es Situationen gibt, in denen man sich überwinden muss und den nächsten Schritt gehen muss. Auch, wenn die Füße wehtun, der Rücken zwickt, muss man – wenn man ans Ziel gelangen will – einen Fuß vor den anderen setzen.

Neben einem guten Durchhaltevermögen braucht es aber auch Orientierung, etwas, dass einem dir Richtung weist. Zurzeit sind es zwei Dinge, die uns Orientierung geben können.

Da sind die Menschen, die für Entscheidungen treffen, in der Hoffnung, dass diese die richtigen sind.

Zum anderen ist da Gott, er ist für uns da, hört uns zu, sendet uns Zeichen, schenkt uns Vertrauen auf andere Menschen, …

Uns als Pastoralteam gibt er in diesen Tagen Kraft, da zu sein und leider auch Entscheidungen zu treffen, die uns nicht leicht fallen, die wir aber treffen, um die uns anvertrauten Menschen zu schützen. Er gibt uns die Kraft, trotz aller Widrigkeiten nach Möglichkeiten zu suchen, sie durch diese Zeit hindurch zu begleiten ohne den direkten Kontakt.

Gehen wir gemeinsam diesen Weg, Schritt für Schritt, orientiert an den Wegweisern, die uns gegeben sind und an Gott.

E-Mail: r.manger@bistummariaehimmelfahrt-ffmlimburg.de

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Ralf Albensoeder

Diese Tage kommen einem so unwirklich vor – keine Gottesdienste, Geschäfte schließen. Kindergärten und Schulen geschlossen, Arbeitsplätze sind in Gefahr, manche/r weiß nicht, wie es weitergehen soll..

Ich denke an die Ärzte und das Pflegepersonal in Krankenhäusern und Seniorenheime, an die Eltern, die die Betreuung für die Kinder vor riesigen Herausforderungen stellt.

Aber auch an die Politiker/Innen die die Entscheidungen treffen müssen und die Wissenschaftler, die an Lösungen forschen.

Ich denke an alle die, die solidarisch keine Hamsterkäufe tätigen, weil sie sozial und schlau genug sind, zu wissen, wie dumm und unnötig sie sind.

Ich denke an die, die ganz einfach da sind für Nachbarn, wenn es um Einkäufe geht. (Siehe auch Beilage)

Und… und… und….

Für alle diese Menschen läuten in diese Tagen besonders die Glocken unserer Kirchen in Nied.

Es ist Mitleiden, ein Dank an alle, die helfen, und es ist die Bitte um ein Gebet für alle diese Menschen um Kraft und Mut.

Um 12.00 Uhr und um 18.00 Uhr laden die Glocken zum Nachdenken, Innehalten, und zum Gebet.

 Auf Initiative des Stadtdekans Johannes zu Eltz lade ich auch gerne ein, um 19.30 Uhr eine Kerze in diesen Anliegen ins Fenster zu stellen und mit einem Vater unser zu verbinden.

Der heutige Tagebucheintrag ist von:

Pastoralreferent Rolf Müller

19. März Heiliger Josef, bitte für uns

Erst gestern Morgen hat mir eine Frau auf der Straße von ihren Sorgen im Angesicht dieser Krise erzählt. In der Firma ihres Mannes blieben die Aufträge aus; nach und nach würden die Angestellten nach Hause geschickt. „Ob mein Mann nächste Woche noch Arbeit hat, weiß ich nicht“, hat sie mir gesagt. Ich weiß: Ganz vielen Menschen geht es in diesen Tagen genauso. Ich hoffe und ich bete darum, dass unsere politischen Verantwortlichen alles dafür tun, dass unserer Wirtschaft „über Wasser“ gehalten werden kann. Damit meine ich nicht nur die großen Konzerne, sondern ganz besonders geht es mir um die Hilfe für die „kleinen Leute“; seien es Arbeiter, Angestellte oder Selbständige.

Wir haben einen Patron für diese Leute, und dessen Hochfest ist genau heute: Der Heilige Josef! Er war derjenige, der Mut gehabt hat: Er nahm Maria, die ziemlich allein war, zu sich und hat alle Gefahren des Lebens mit ihr zusammen gemeistert. Ich glaube, dass er auch ein Vorbild an Zuversicht war: Selbst bei der Flucht nach Ägypten hat er sie nie verloren. Dabei war er kein lauter Typ sondern einer, der angepackt hat und gesehen hat, was zu tun ist. An der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt sehen wir ihn genauso: Bei der Arbeit, inmitten seiner Familie. Diesen Mut, dieses Anpacken und dieses Gottvertrauen wünsche ich uns allen auch.

Normalerweise hätten wir heute in der Kirche Mariä Himmelfahrt ein festliches Hochamt für den Heiligen Josef gefeiert. Und mit Sicherheit wäre Pfarrer Glaser – wie in den vergangenen Jahren auch – hinterher mit den Gottesdienstbesuchern draußen ans Josefshaus gegangen. Denn dort steht ja die wunderschöne Josefsfigur, die sogar noch aus der Fassade des „alten Josefshauses“ kommt. In meinen Gedanken stehe ich da heute Abend auch. Ich denke dann an den Heiligen und an die, die jetzt vor großen wirtschaftlichen Sorgen stehen. Heiliger Josef, bitte für uns!

E-Mail: r.mueller@bistummariaehimmelfahrt-ffmlimburg.de